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Hulu / Disney+
Kritik

16 Jahre später: «Scrubs» hat mich wieder voll erwischt

Luca Fontana
25-3-2026

Ein Revival von «Scrubs»? Klingt nach Nostalgie-Falle. Nach alten Witzen, die heute nicht mehr funktionieren. Nach Figuren, die ihre Zeit überlebt haben. Doch die zehnte Staffel beweist: Manche Geschichten altern sogar besser als wir.

Keine Sorge: Die folgende Serienkritik enthält keine Spoiler. Ich verrate dir nicht mehr, als ohnehin schon bekannt und in den Trailern zu sehen ist. Die zehnte Staffel von «Scrubs» läuft ab dem 25. März im Wochen-Rhythmus auf Disney+.

Was habe ich mich auf die zehnte Staffel von «Scrubs» gefreut – und sie gleichzeitig gefürchtet. Denn Revivals alter Serien geben oft ein Versprechen ab, das sie kaum einlösen können: Sie wollen uns in eine Zeit zurückbringen, in der alles leichter und überschaubarer war. Vielleicht auch naiver. Comfort-Food für die Seele halt.

Aber was, wenn diese Welt gar nicht mehr existiert? Wenn nicht nur die Figuren älter geworden sind, sondern auch wir selbst? Überlebt es meine nostalgische Liebe, wenn das, was früher richtig und witzig war, heute plötzlich wie aus der Zeit gefallen wirkt – und dabei das Vermächtnis einer Serie zerstört, die mir etwas bedeutet?

«Vielleicht», denke ich mir, «hätte man ‹Scrubs› am besten einfach ruhen lassen sollen.» Hätte man sowieso schon einmal sollen. Wir erinnern uns: Die achte Staffel endete 2009 mit einem würdevollen Abschluss, der seinen Namen verdiente – «My Finale». Doch ABC wollte mehr, versuchte die Serie mit einer neunten Staffel weiterzuführen, die den Fokus auf eine neue Besetzung legte und die alten Hauptfiguren fast vollständig verabschiedete.

Das Publikum verabschiedete sich daraufhin ebenfalls. «Med School», wie die neunte Staffel inoffiziell hiess, war kein Weiterleben. Es war ein Stolpern in die Belanglosigkeit. Genau das war meine grösste Angst vor dieser zehnten Staffel. Dass sie wieder stolpert und sogar zum Cringe-Fest verkommt. Diesmal aber mit dem alten Cast.

Und dann habe ich sie geschaut.

Der letzte seiner Art

Aufatmen! Die zehnte Staffel beschmutzt kein Vermächtnis – sie bewahrt es. Ja, wirklich. Ich war selbst überrascht. Beim alten Cast ist es sogar fast beängstigend, wie selbstverständlich alles wieder da ist – die Chemie, die Gags, JDs Tagträumereien und sein eigenwilliger Humor. Zach Braff, Sarah Chalke, Judy Reyes, Donald Faison und John C. McGinley schlüpfen in ihre Rollen, als hätten sie sie nie abgelegt. Als wäre die Zeit einfach ... stehengeblieben. Das ist das echte «Scrubs». Keine Frage.

Dabei wäre es so einfach gewesen, es falsch zu machen. Mit Nostalgie-Comedy zum Beispiel, wo jeder zweite Witz davon handelt, wie sensibel die Welt geworden ist und wie man heute niemandem mehr etwas sagen darf, weil die Gefühlspolizei sofort vor der Tür stünde.

Bei «Scrubs» muss die Versuchung besonders gross gewesen sein, genau in diese Falle zu tappen. Viele Witze von damals wären heute grenzwertig. Oder Figuren! Dr. Todd «The Todd» Quinlan mit seinen übertriebenen sexistischen Witzen etwa. Oder auch Dr. Perry Cox: Kaum eine Figur aus dieser Ära ist so sehr ein Kind ihrer Zeit wie er.

Dr. Cox (John C. McGinley): Tyrann, Mentor, Widerspruch in Menschengestalt – und ein Fanliebling in «Scrubs».
Dr. Cox (John C. McGinley): Tyrann, Mentor, Widerspruch in Menschengestalt – und ein Fanliebling in «Scrubs».
Quelle: Hulu / Disney+

Cox war nämlich nie ein einfacher Charakter. Er hat seine Assistenzärzte zwar angebrüllt, gedemütigt und malträtiert. Er hat Elliot sogar regelrecht gemobbt. Damals wurde das überdreht und als Witz verpackt – und wir haben mitgelacht, auch wenn wir irgendwo wussten, dass es eigentlich krass ist. Aber Cox hat seinen Leuten auch den Rücken gestärkt, wenn es darauf ankam. Er hat nie etwas von ihnen verlangt, wozu er selbst nicht bereit war.

Er war zwar ein Arsch. Aber einer, dem man in den Krieg folgen wollte. Das war sein Widerspruch – und sein Charme.

Diese Figur kann heute nicht mehr so existieren. Die Welt hat sich verändert. Zum Glück. Oder leider? Die zehnte Staffel weiss das und macht daraus keinen billigen Kulturkampf-Witz, sondern eine echte Frage: Was wird aus einem Mann wie Cox, wenn die Methoden, an die er glaubt, nicht mehr funktionieren? Als er sich bei JD beschwert, dass er seine Assistenzärzte nicht mehr «drannehmen» darf, antwortet JD mit einem Fragezeichen: «Das ist was Schlechtes?» Cox tut so, als stünde da ein Punkt: «Sag’ ich ja.»

Es ist ein guter Witz, der funktioniert, weil Cox im selben Atemzug weiss, dass er unrecht hat. Das ist der Unterschied zur billigen Nostalgie-Comedy. Und die Konsequenzen, die Cox daraus zieht, haben’s in sich.

«Willkommen zurück, Oldie.»

Dreh- und Angelpunkt bleibt aber Zach Braffs JD. Gut so. Denn JD ist nicht mehr der idealistische Assistenzarzt, der täglich mit Leben und Tod ringt. Er ist jetzt Concierge-Arzt, betreut reiche Privatpatienten in den Vorstädten und schreibt Rezepte für Leute, deren grösstes Problem ein verspannter Rücken ist. Für Turk, der geblieben ist und langsam ausbrennt, ist das nichts weniger als Verrat an all dem, was sie einmal zusammen werden wollten.

Als aber einer dieser Privatpatienten ins Sacred Heart eingeliefert wird, kehrt auch JD an seine alte Wirkungsstätte zurück. Schnell merkt er, dass das, was er als blosse Nostalgie-Reise geplant hatte, zu einer Konfrontation mit dem Ort wird, der ihn geformt hat. Mit den Menschen, die ihn kannten, bevor er sich selbst kannte. Und mit der unbequemen Frage, was aus dem jungen Mann geworden ist, der einmal glaubte, die Welt retten zu wollen – und sich stattdessen in der Komfortzone eingerichtet hat.

JD (Zach Braff) und «der Todd» (Robert Maschio) geben sich wohl sowas wie ein Revival-Five.
JD (Zach Braff) und «der Todd» (Robert Maschio) geben sich wohl sowas wie ein Revival-Five.
Quelle: Hulu / Disney+

Was die Staffel dabei klug macht: JD tritt nicht als verlorener Sohn auf, der Busse tut. Er tritt als Wärme an, wo Cox Härte war. Als Brücke zwischen einer alten Welt, die sich selbst überlebt hat, und einer neuen, die noch nicht weiss, wohin sie will, weil sich vieles verändert hat. Wobei, nicht ganz. Manche Dinge ändern sich eben doch nie. Auch das sagt uns «Scrubs», auf dem Dach des Sacred Heart, auf Campingstühlen, umringt von zwei Quadratmeter Kunstrasen und – natürlich – mit einem Bier in der Hand:

«I can't do this all on my own.»

Man kann nicht alles alleine schaffen. Das Intro sang es jede Folge, jede Staffel, jedes Jahr vor. Es war die Lektion, die eine Generation von Idealisten ins Spital begleitete. Das Überraschendste: Diese Lektion gilt immer noch. Mit Mitte 40 vielleicht sogar noch mehr als mit Mitte 20. Das habe ich gespürt. Nicht nur als Zuschauer, der eine alte Serie wiederentdeckt, sondern auch als Mensch, der dieselbe Lektion gerade selbst nochmal lernt.

Auf der anderen Seite

Was bleibt, ist eine Frage, die jedes Revival früher oder später stellen muss: Funktioniert es auch jenseits der Nostalgie? Die Antwort ist: meistens ja. Die neuen Anfängerinnen und Anfänger, die den alten Cast ergänzen, fallen nämlich (noch) etwas flach. Aber ich ertappe mich dabei, dass mich das weniger stört, als ich erwartet hätte, und ich glaube, ich weiss warum.

Der neue Cast von «Scrubs» muss mir noch etwas ans Herz wachsen. Aber das kommt schon noch.
Der neue Cast von «Scrubs» muss mir noch etwas ans Herz wachsen. Aber das kommt schon noch.
Quelle: Hulu / Disney+

«Scrubs» war in seinem Kern nie wirklich eine Ärzte-Serie. Es war eine Coming-of-Age-Geschichte. Junge Idealistinnen und Idealisten, die lernten, was es bedeutet, erwachsen zu werden, mit all den Illusionen, die man dafür opfern muss. Ich habe die Serie damals in genau diesen Schuhen geschaut, weil ich gerade selbst dabei war, die gleichen Lektionen zu lernen. Einfach auf eine andere Art.

Heute, 16 Jahre später, stecke ich schon wieder in denselben Schuhen wie JD, Turk und co. Wir alle sind jetzt auf der anderen Seite – dort, wo man angeblich nicht mehr lernt, sondern wo erwartet wird, dass man weiss. Dass man Antworten hat. Dass man im Leben angekommen ist.

Aber bin ich das? Ist JD das? Er ist Concierge-Arzt in den Vorstädten, hat die grossen Kämpfe und die grossen Fragen gegen ein ruhiges, sicheres Leben eingetauscht. Trotzdem wirkt er nicht wie jemand, der gefunden hat, was er gesucht hat. Vielleicht ist das die eigentliche Lektion der zehnten Staffel: Ankommen ist keine Station. Es ist ein Zustand, den man immer wieder mit sich selbst, mit den Menschen, die man liebt, und vor allem mit der Welt, die sich weiterdreht, neu verhandeln muss – ob man will oder nicht.

Schön, dass sich manche Dinge eben doch nie ändern: JD und Turk sind immer noch Kindsköpfe.
Schön, dass sich manche Dinge eben doch nie ändern: JD und Turk sind immer noch Kindsköpfe.
Quelle: Hulu / Disney+

Es ist deshalb noch immer der alte Cast, mit dem ich mich identifiziere. Der neue rund um die nächste Generation hat zwar auch seine eigenen, realen Probleme. Social-Media-Sucht, ungesunde TikTok-Diäten und so. Aber das ist eine Welt, die ich nur noch von aussen kenne.

Das ist kein Vorwurf an die Serie. Eher eine geradezu schöne Erkenntnis: «Scrubs» spielt zwar mit der Nostalgie, aber in Wahrheit zeigt sie mir, wo ich heute stehe.

Fazit

Manche Dinge ändern sich zum Glück nie

Sechzehn Jahre seit der letzten Staffel sind eine lange Zeit. Länger, als sie sich anfühlen, wenn man plötzlich wieder auf dem Sofa sitzt und «Scrubs» schaut. Die Serie hat sich verändert – und ich mich auch. Aber was sie im Kern zusammenhält, hat die Zeit nicht angetastet: die Überzeugung, dass wir einander brauchen. Heute mehr denn je.

Ich schalte also ein und atme erleichtert aus. «Scrubs» ist wieder da. Und es ist gut geworden. Irgendwann mittendrin, merke ich sogar, dass ich nicht nur eine geliebte Serie wiedergefunden habe. Sondern auch mich selbst. Älter, etwas müder, vielleicht etwas weiser. Aber immer noch derselbe Mensch, der damals als Teenager vor dem Fernseher sass und dachte, er hätte das Leben noch vor sich.

Dieses Leben liegt immer noch vor mir. Vor uns. Das ist die Botschaft. Das war sie immer.

Titelbild: Hulu / Disney+

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Ich schreibe über Technik, als wäre sie Kino, und über Filme, als wären sie Realität. Zwischen Bits und Blockbustern suche ich die Geschichten, die Emotionen wecken, nicht nur Klicks. Und ja – manchmal höre ich Filmmusik lauter, als mir guttut.


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Welche Filme, Serien, Bücher, Games oder Brettspiele taugen wirklich etwas? Empfehlungen aus persönlichen Erfahrungen.

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