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Hintergrund

25 Jahre Digitec: «Hersteller erfinden gerne Fantasie-Begriffe, um sich vor Konkurrenz zu schützen»

Philipp Rüegg
28-5-2026
Bilder: Manuel Wenk

Zum 25. Jubiläum von Digitec stattet Mitgründer Oliver Herren dem Tech-telmechtel-Podcast einen Besuch ab. Er spricht mit uns über den Einfluss der Community, die Migros-Mehrheitsbeteiligung und wieso jeder zehnte Mitarbeitende in der IT arbeitet.

Am 8. Mai 2001 ging digitec.ch online. Seither hat sich der Onlineshop zu einer festen Grösse in der Schweiz und mit der Galaxus-Expansion auch in Deutschland etabliert. Zur Feier haben wir Oliver Herren, einer der drei Gründungsmitglieder, in den Podcast eingeladen.

Der CIO erinnert sich noch gut daran, wie alles angefangen hat. Der eigene Shop war damals nur Mittel zum Zweck: Das Trio aus Florian Teutenberg (CEO), Marcel Dobler (nicht mehr im Unternehmen) und Oliver wollten einen eigenen Club. Das dafür notwendige Startkapital sollte der Verkauf von PCs bringen. «Wir sind dann aber beim Shop geblieben. Wir fanden, das ist der bessere Weg.» Heute wären die Mittel vorhanden, aber das Interesse hat sich verschoben. Mit den Sommer- und Winterpartys, an denen Hunderte von Digitec-Galaxus-Mitarbeitenden teilnehmen, habe man einen guten Ersatz gefunden.

Ehrlichkeit, die nicht alle verstehen

Ein Steckenpferd von Digitec ist die Transparenz. Die Werbekampagnen, redaktionellen Inhalte oder Features wie Preisentwicklung und Rückgabequoten kommen zwar bei der Community gut an, Hersteller sind manchmal weniger erfreut. «Je grösser die Hersteller sind, desto mehr versuchen sie, Vergleiche zu verhindern. Dafür erfinden sie Fantasiebegriffe wie Super Black Trinitron». Damit schützen sich die Hersteller vor der Konkurrenz. Selbst wenn bei allen die gleiche Technik zum Einsatz kommt.

Auch intern gibt es gelegentlich Widerstand. «Ich staune immer wieder, wenn Mitarbeitende finden: Wieso schreibt ihr schlecht über ein Produkt? Das müssen wir doch verkaufen?» Dabei sei genau das Teil der Digitec-DNA: Piratisch sein. Es ist einer der Firmenwerte. «Uns ist wichtig, dass du deine eigene Sicht als Individuum behältst. Bleibe kritisch und sage ehrlich, ob etwas wirklich einen Mehrwert für Kunden, Mitarbeitende oder das Unternehmen hat.»

CEO Florian Teutenberg und CIO Oliver Herren am internen Hackfest.
CEO Florian Teutenberg und CIO Oliver Herren am internen Hackfest.
Quelle: Christian Heldstab

Galaxus und der orange Riese

Ein entscheidender Moment in der Firmengeschichte war 2012. Mit galaxus.ch ging ein zweiter Shop live, der ein breiteres Sortiment abdeckt. Dafür benötigte das Unternehmen einen Partner und fand ihn in der Migros. Mittlerweile gehört der Genossenschaft 70 Prozent der Digitec Galaxus AG. Von der Community wie auch intern fällt oft die Frage, wie stark sich der orange Riese in das Tagesgeschäft einmischt: «Ins Tagesgeschäft überhaupt nicht. Wir fühlen uns immer noch als Digitec Galaxus und haben sehr viel Autonomie.» Migros bleibe ein Partner und Investor, mit dem man gerne zusammenarbeite.

Oliver macht sich aber keine Illusionen darüber, warum ihnen die Migros viele Freiheiten lässt. «Vermutlich wäre es nicht so, wenn wir nicht gut funktionieren würden. Unsere Autonomie hängt entscheidend mit unserem Erfolg zusammen.»

Mit Galaxus kam auch die Deutschland-Expansion dazu. Das erklärte Ziel ist es, die Nummer zwei unter den Onlineshops zu sein. Aktuell liegt Galaxus.de auf Rang 30. Oliver gibt sich dennoch zuversichtlich. «Wenn es nach Plan weitergeht, erreichen wir unser Ziel in den nächsten fünf Jahren.» Dabei wehte Galaxus Deutschland zu Beginn ein rauer Wind entgegen – nicht nur von der Marktführerin Amazon. «Ich war überrascht vom Widerstand der Hersteller. Rational betrachtet sind mehr Alternativen zu Amazon sinnvoll. Wir sind sehr kooperativ, während Amazon, typisch für ein US-Unternehmen, mehr Geld aus dem Markt zieht, wenn es kann.» Amazon habe die Hersteller auch gedrängt, Galaxus nicht zu beliefern. «Die Expansion würde viel schneller gehen, wenn alle die gleichen Preise hätten, weil wir den besseren Shop und das bessere Kundenerlebnis bieten – vielleicht bin ich da auch etwas voreingenommen.»

Do it yourself

Zum Schluss widmen wir uns Olivers Spezialgebiet: der Softwareentwicklung. Die meisten unserer Systeme sind Eigenentwicklungen. Über 400 Personen arbeiten dafür, das entspricht zehn Prozent der Belegschaft. Das habe nicht nur den Vorteil, dass man besser und schneller Kundenbedürfnisse erfüllen könne, bestehende Lösungen hätten schlichtweg nicht genügt. «Hätten wir die Software eingekauft, wäre der Onlineshop wie wir ihn heute kennen, mit Produktfiltern, Teilautomatisierung etc., nicht möglich.»

Wo Oliver widerwillig fremde Software akzeptiert, ist bei unserem HR-Tool – aber nur, weil man es meist nur einmal im Jahr braucht. «Success Factor ist haarsträubend. Im Alltag würden wir so etwas unseren Mitarbeitenden oder den Kundinnen und Kunden niemals zumuten.» Solange die Lohnerhöhung durchgewinkt wird, halten sich die internen Beschwerden vermutlich in Grenzen.

Den vollständigen Podcast mit Video findest du auf allen gängigen Podcast-Plattformen und auf Youtube.

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Als Kind durfte ich keine Konsolen haben. Erst mit dem 486er-Familien-PC eröffnete sich mir die magische Welt der Games. Entsprechend stark überkompensiere ich heute. Nur der Mangel an Zeit und Geld hält mich davon ab, jedes Spiel auszuprobieren, das es gibt und mein Regal mit seltenen Retro-Konsolen zu schmücken. 


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Interessantes aus der Welt der Produkte, Blicke hinter die Kulissen von Herstellern und Portraits von interessanten Menschen.

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