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Hintergrund

50 Mal 50 Jahre: Musik von 1976

David Lee
5-5-2026

50 Stücke, die 50 Jahre alt sind, empfohlen von einem 50-Jährigen. Zehn davon hörst du direkt hier im Artikel, den Rest im Streaming-Dienst deiner Wahl.

Die 70er sind mein liebstes Jahrzehnt in der Musik. Sie waren ähnlich dynamisch wie die Sechzigerjahre, aber die Aufnahmen klingen viel besser. Ich mag den Sound aus dieser Zeit – ich finde, man hört, dass die Musik für Hifi-Anlagen produziert wurde und nicht für Handy-Lautsprecher und Boomboxen. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass ich selbst ein Kind der 70er bin. Mein Jahrgang ist derselbe wie bei den folgenden 50 Stücken, die dieses Jahr 50 Jahre alt werden.

Es war nicht schwierig, die Stücke zusammenzutragen. Schwieriger war es, die Liste zu beschränken. Rausgeflogen sind bekannte Namen wie Paul McCartney, Genesis (zum ersten Mal mit Phil Collins als Sänger) oder The Supremes. Wie immer bei solchen Listen ist die Auswahl komplett subjektiv.

The Eagles – «Hotel California»

«Hotel California» ist wohl der heute bekannteste Song der Liste – dennoch taucht er in den Charts von 1976 nirgends auf. Das liegt daran, dass die Single erst Anfang 1977 herauskam. Das gleichnamige Album erschien aber bereits im vorherigen Jahr. Der lange und langsame Song hinterlässt auch dank des eingängigen Gitarrensolos einen bleibenden Eindruck. Der Songtext bietet viel Spielraum für Interpretation, insbesondere der Schluss: «You can check out any time you like, but you can never leave.»

Doobie Brothers – «It Keeps You Runnin’»

Vieles, was es 1976 in die Charts schaffte, war «Soft Rock» oder gar «Soft Pop»: Chicago mit «If You Leave Me Now», Elton John & Kiki Dee mit «Don’t Go Breaking My Heart» oder die Bee Gees mit «Love So Right». Meine Lieblingsband aus dem Soft-Rock-Genre sind die Doobie Brothers. «It Keeps You Runnin’» überrascht mit Chiptune-artigen Sounds. Vielen dürfte der Song aus dem Film «Forrest Gump» von 1994 bekannt sein.

AC/DC – «TNT»

Der Rock hatte sich bis 1976 quasi zu Tode entwickelt. Er wurde immer hochstehender, ausgefeilter und kultivierter. Das war wohl nötig, damit er überhaupt als Kunstform ernst genommen wurde. Aber der Rock verlor dadurch seine rohe, brachiale Kraft – und damit genau das, was ihn ursprünglich so faszinierend machte.

Das Bedürfnis nach wildem Krach wurde schnell durch neue Protagonisten gedeckt. Einerseits durch den aufkommenden Punk – 1976 zum Beispiel mit «Blitzkrieg Bop» von den Ramones. Andererseits durch AC/DC, die 1976 ihr erstes Album ausserhalb Australiens veröffentlichten. AC/DC wurde anfänglich teilweise dem Punk zugeordnet. Klingt absurd – aber die Jungs aus Down Under klangen so laut, wild und roh wie damals nur der Punk.

Stilistisch hatte das nichts mit Punk zu tun. Vielmehr machte AC/DC da weiter, wo der Rock’n’Roll seine Wurzeln hat – im Blues. Einfach immer weitermachen wurde später zum Markenzeichen der Band. Auch dazu gab es bereits 1976 einen Song: «Ride On».

Herbie Hancock – «Doin’ It»

Der zweite grosse Musiktrend von 1976 neben Soft Rock war Disco. «Daddy Cool» von Boney M. war ein klassischer Disco-Hit. «Play That Funky Music» von Wild Cherry ging mehr Richtung Funk-Rock, profitierte aber trotzdem vom Disco-Hype. Ebenso «Dancing Queen» von ABBA und «Love Hangover» von Diana Ross, das für eine Disco-Nummer eigentlich zu langsam war. Alles war okay, solange es Funk-Disco-Einflüsse hatte. Sogar eine verfunkte Version von Beethovens fünfter Sinfonie tauchte in den Charts auf.

Herbie Hancock, von Haus aus Jazz-Pianist, liess sich ab 1974 stark von Disco und Funk inspirieren. Mit einigen Stücken schaffte er es sogar in die Charts, was für einen Jazzer sehr ungewöhnlich ist. Damit sicherte er sich auch die Verachtung von Jazz-Puristen. Kurz gesagt: Alles richtig gemacht!

Santana – «Europa»

Und gleich noch ein reines Instrumentalstück. «Europa» von Santana besteht hauptsächlich aus Gitarrensoli, was sogar ich als Gitarrist normalerweise langweilig finde. Aber wer so spielt wie Carlos Santana, darf das.

Joni Mitchell – «Amelia»

Leider ist es nicht so einfach, weibliche Interpreten im männlich dominierten Musikbusiness von 1976 herauszuheben. Bei Joni Mitchell muss ich aber nicht überlegen, ob sie in diese Liste gehört – sondern nur, mit welchem Song. Ihr gesamtes Album «Hejira» gefällt mir sehr gut. Der einzigartige Klang der Gitarren kommt dadurch zustande, dass Mitchell eine Vielzahl selbst erfundener Saitenstimmungen verwendet. Diese entstanden aus einer Not, da die Finger ihrer Griffhand durch eine Kinderlähmung geschwächt sind.

Stevie Wonder – «I Wish»

War dir Joni Mitchell zu melancholisch? Das dürfte bei Stevie Wonders «I Wish» kaum passieren. Obwohl der Songtext ein bisschen wehmütig auf die Kindheit zurückblickt: «I wish those days could come back once more. Why did those days ever have to go?» Das frage ich mich auch, wenn ich die Musik von damals mit heute vergleiche.

Welches Stil-Label für Stevie Wonder das korrekte ist, darüber mag ich gar nicht rätseln. Stattdessen kommt hier der ausgelutschte Spruch, wonach es nur zwei Sorten von Musik gibt: gute und schlechte. Dieser Song gehört zur ersten Sorte.

Queen – «Somebody To Love»

Ein absolutes Highlight von 1976 ist die Queen-Hymne «Somebody To Love» vom Album «A Day At The Races». Zweifellos einer der besten Songs der Band. Noch besser wird er, wenn Freddie Mercury auf der Bühne zur Höchstform aufläuft. Wahnsinn!

Led Zeppelin – «Nobody’s Fault But Mine»

Natürlich gab es sie 1976 immer noch, die hartgesottenen Rocker. Das Album «Presence» ist nicht das beste von Led Zeppelin. Es entstand in nur drei Wochen und mit einem verletzten Robert Plant im Rollstuhl. Aber die Band blieb sich treu. Der neu interpretierte Blues-Klassiker «Nobody’s Fault But Mine» hat, was viele gute Led-Zeppelin-Songs ausmacht: Ein hypnotisierendes Intro, knallige Riffs, und am Schlagzeug lässt es der unvergleichliche John Bonham so richtig krachen.

Tom Waits – «Tom Traubert’s Blues»

Rod Stewart hat den Song später erfolgreich gecovert, aber mir gefällt das Original viel besser. Dem schön föhnfrisierten Rod Stewart mit der Stimmlage eines Katzenbabys nehme ich den verzweifelten Landstreicher nicht ab.

Lange bevor ich die Liste fertiggestellt hatte, wusste ich, dass sie mit diesem Song enden muss. Er ist emotional so intensiv, dass alles danach nur noch öd und schal wäre.

Die komplette Liste

Du kannst die Liste meiner 50 Songs von 1976 mit einem Knopfdruck in den Streaming-Dienst deiner Wahl importieren.

Weil nach Tom Waits erst mal Ruhe angesagt ist, kommt danach 4’33 von John Cage. Dieses Stück besteht aus nichts als Stille und zählt darum nicht. Danach kommen die zehn Songs, die oben im Text erwähnt, aber nicht zu hören sind. Die übrigen 30 sind Empfehlungen ohne besondere Reihenfolge.

Viel Spass! Ergänzungen in den Kommentaren sind willkommen.

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Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere. 


Hintergrund

Interessantes aus der Welt der Produkte, Blicke hinter die Kulissen von Herstellern und Portraits von interessanten Menschen.

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