
Hintergrund
AMD Ryzen 7 9850X3D: Der neue Gaming-König, den du nicht brauchst
von Kevin Hofer

Statt eines Ryzen 5 7430U enthielten mehrere Notebooks von Chuwi einen Ryzen 5 5500U. Inzwischen ist klar: Nicht nur Chuwi-Notebooks sind betroffen – AMD ist verärgert.
Wer ein Chuwi – nicht den hier – CoreBook X kaufte, glaubte darin einen aktuellen AMD Ryzen 5 7430U vorzufinden. Was tatsächlich im Gerät steckte: ein Ryzen 5 5500U. Das ist eine deutlich ältere und schwächere CPU aus der Zen-2-Generation, während der 7430U auf der Zen-3-Architektur basiert. Das allein wäre ärgerlich genug. Brisant macht den Fall, dass sich der falsche Chip aktiv tarnte. Verpackung, BIOS, Windows und frühere Versionen von CPU-Z wiesen das Gerät als 7430U aus. Auffliegen konnte der Schwindel nur, wenn jemand das Notebook öffnete und den Prozessor physisch inspizierte.
Betroffen sind laut aktuellem Stand mindestens drei Chuwi-Produkte: das CoreBook X, das CoreBook Plus sowie die Chuwi Ubox – alle als Ryzen 5 7430U vermarktet, teils aber mit dem älteren 5500U bestückt.
AMD hat sich nun erstmals gegenüber dem Hongkonger Techmedium HKEPC offiziell gemeldet. Die Kernaussage: Man habe diese Praxis zu keinem Zeitpunkt genehmigt, sei weder an der Kennzeichnung noch am Marketing der betroffenen Produkte beteiligt gewesen und habe davon schlicht nichts gewusst.
Eine Softwarelösung, die das Erkennen falsch gekennzeichneter Chips künftig erleichtern würde, bietet AMD nicht. Diese Lücke füllt ein anderes Werkzeug.
CPU-Z 2.19 identifiziert die betroffenen Systeme nun korrekt als Ryzen 5 5500U, statt sie wie bisher als 7430U auszuweisen. Wer eines der verdächtigen Geräte besitzt, kann mit dem Update des beliebten System-Tools schnell prüfen, was unter der Haube steckt – ganz ohne Schraubenzieher.
Was den Fall über einen einfachen Hersteller-Fauxpas hinaushebt: Laut Berichten von Computer Base teilen das Chuwi CoreBook Plus und mindestens ein Exemplar des Ninkear A15 Pro dieselbe Platine. Alle Spuren führen zu Emdoor Digital – einem Auftragshersteller, der offenbar mehreren Marken dasselbe, falsch bestückte Board geliefert hat.
Das verschiebt einen Teil der Verantwortung in Richtung Lieferkette. Möglicherweise wusste Chuwi selbst nicht, was im Gerät steckt. Das würde erklären, warum das Unternehmen die betroffenen Notebooks sogar an Tester verschickte, die solche Unstimmigkeiten aufdecken.
Doch das entlastet Chuwi nur bedingt. Wer Produkte unter eigenem Namen verkauft, trägt Verantwortung für deren Inhalt. Eine einfache Qualitätskontrolle hätte zeigen müssen, dass ein Zen-2-Chip als Zen-3-Chip auftritt.
Ein Händler in Hongkong hat sich bereit erklärt, betroffene Produkte zurückzunehmen. Ob und wann andere Märkte nachziehen, ist noch offen. Auch wir verkaufen Produkte von Chuwi. Von den betroffenen Geräten hat es aber keines über die virtuelle Ladentheke geschafft.
Der Fall zeigt, wie tief Hardware-Betrug in der modernen Lieferkette verwurzelt sein kann und wie schwer er zu entdecken ist. Ein falscher Chip, der sich in Firmware und Software als etwas anderes ausgibt, ist kein simpler Fehler, sondern gezielte Täuschung. Wie viele Geräte aus derselben Produktionskette stammen und welche weiteren Marken betroffen sind, bleibt weiter unklar. Für Chuwi ist der Schaden bereits jetzt erheblich.
Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, ist meine Leidenschaft.
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