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Kritik

Analogue 3D im Test: die beste Konsole für Nintendo-64-Games

Mit der Analogue-3D-Konsole zockst du Nintendo-64-Spiele in 4K-Auflösung auf modernen Fernsehern. Das Ganze funktioniert ohne Emulation und ist für Retro-Fans ein Traum – wenn auch primär für Puristen.

Alte Konsolen und moderne Fernseher vertragen sich schlecht. Scart-, Cinch- oder Antennenstecker sind für heutige Flachbildschirme Fremdwörter, wie für die meisten von uns Chinesisch ohne Google Translate. Ein einfacher HDMI-Adapter kann zwar das Signal übersetzen, aber wie bei Google Translate entspricht das Ergebnis meist nicht der Qualität, die sich wahre Retro-Aficionados wünschen.

Das hat auch das US-Unternehmen Analogue begriffen. Mit einem wachsenden Sortiment aus Konsolen für alte Games hat es sich einen Namen gemacht. Die Neueste im Bunde heisst Analogue 3D. Das Gerät sieht aus wie ein aerodynamischer, kompakter Nintendo 64. Es spielt alle Games von Nintendos 90er-Jahre-Konsole in knackiger 4K-Auflösung und mit 60 Hertz. Wobei knackig bei Nintendo-64-Spielen nicht das richtige Wort ist.

Der Analogue 3D (links) neben dem Nintendo 64.
Der Analogue 3D (links) neben dem Nintendo 64.

Ein grenzenloses Spielvergnügen

Der Analogue 3D funktioniert praktisch gleich wie der Original Nintendo 64. Stecke ein Spiel in den Schacht, schalte ein und zocke los! Statt Scart gibt es HDMI und das Gerät spielt europäische, amerikanische sowie japanische Spiele ab. Ich habe erst mit dem Analogue 3D festgestellt, dass mir beim Kauf meines Nintendo 64 ein paar US-Spiele-Versionen untergejubelt wurden. Kurz zweifelte ich an meinem Verstand, als ich versuchte, die Kassette reinzuwürgen. Durch die leicht andere Bauweise passen US-Module physisch nicht in eine EU-Konsole. Der Analogue 3D kennt dieses Probleme nicht. Das gilt für alle Spiele, die ich damit probiert habe.

Der Analogue 3D verfügt über ein rudimentäres Betriebssystem. Es nennt sich 3DOS und kann über die mitgelieferte SD-Karte, die auf der Rückseite eingesteckt wird, aktualisiert werden. Lege ich ein Spiel ein, poppt im Startbildschirm eine graue Spielkassette auf mit Informationen über das Veröffentlichungsjahr, das Entwicklerstudio, den Publisher und die Region. Bilder für die Spiele gibt es nicht. Ich vermute, aus markenrechtlichen Gründen. Praktischerweise haben eifrige Modder bereits eine Bildersammlung erstellt, die einfach auf die SD-Karte gepackt werden kann und schon sieht mein Spielmuseum ansehnlich aus.

Bilder zu den Modulen muss man sich selber beschaffen.
Bilder zu den Modulen muss man sich selber beschaffen.

Ein waschechter Nintendo 64, im Guten wie im Schlechten

Ein entscheidender Grund für die Popularität der Analogue-Systeme ist, dass es sich dabei nicht um Emulatoren handelt. Die Geräte setzen auf Field-Programmable Gate Arrays (FPGA). Das ist eine Chip-Familie, die es unter anderem ermöglicht, alte Konsolen originalgetreu nachzubilden. Der Analogue 3D emuliert den Nintendo 64 nicht per Software, die Hardware funktioniert wie Nintendos Konsole aus dem Jahr 1996. Emulatoren haben oft mit Bild- und Audiofehlern zu kämpfen und weisen leichte Verzögerungen auf. Normalos wie mir fällt das selten auf, sensible Retro-Spielerinnen und Spieler spüren diese Unterschiede sofort. Der Analogue 3D spielt Games aber nicht nur originalgetreu, er verbessert sie auch.

Vor oder während des Spielens kann ich die Analogue-Einstellungen öffnen und unzählige Anpassungen vornehmen. Bildverhältnis, CRT-Filter, Kantenglättung, De-Blur, 32-Bit-Farben, Texturfilter und vieles mehr stehen zur Auswahl. Das lässt das Herz von Retro-Fans höher schlagen. Ich kann das Bild meinen Wünschen anpassen, damit es auf meinem Fernseher genauso aussieht, wie ich will. Dank transparentem Menü sehe ich sofort, was welche Einstellung bewirkt.

Es gibt unzählige Einstellmöglichkeiten.
Es gibt unzählige Einstellmöglichkeiten.

Selbst mit der zehnfachen Auflösung, die der Analogue 3D gegenüber dem Nintendo 64 bietet, sehen Spiele nicht auf wundersame Weise gestochen scharf aus. Anders als pixelbasierte Spiele, altern Polygon-Games deutlich schlechter. Bläst du sie auf heutige Bildschirmdiagonalen auf, die ein Vielfaches grösser sind als damalige Röhrenfernseher, ist ein matschiges Bild unvermeidbar. Selbst auf meinem kleineren 48-Zoll-Fernseher kann ich mühelos Pixel zählen und auch die vertikalen Linien sind dick wie Gitterstäbe.

Die verschiedenen Display-Optionen wie CRT oder BVM sorgen teilweise für sehr unterschiedliche Ergebnisse.
Die verschiedenen Display-Optionen wie CRT oder BVM sorgen teilweise für sehr unterschiedliche Ergebnisse.

Die Konsole zielt auf ein möglichst authentisches Nintendo-64-Erlebnis ab. Das musst du dir beim Kauf der Konsole bewusst sein. Vergleiche ich «Goldeneye» mit der emulierten Nintendo-Switch-Online-Version, ist es wie Tag und Nacht. Das Bild auf der Switch ist gestochen scharf und ich mache massiv mehr Details aus. Bei der Analogue-3D-Version kann ich bereits wenige Meter entfernte Gegner erst vom restlichen Pixel-Match unterscheiden, wenn sie auf mich schiessen. Genau wie früher eben. Das liegt daran, dass Emulatoren die Auflösung hochrechnen, während der Analogue 3D das Spiel realitätsgetreu wiedergibt und lediglich das Ergebnis auf 4K hochskaliert.

Die emulierte Version von «Goldeneye» mit Nintendo Switch Online (links) ist ein Vielfaches sauberer als auf dem Analogie 3D, der das Spiel so zeigt, wie es damals aussah.
Die emulierte Version von «Goldeneye» mit Nintendo Switch Online (links) ist ein Vielfaches sauberer als auf dem Analogie 3D, der das Spiel so zeigt, wie es damals aussah.

Charme statt glatt poliert

Obwohl mir die emulierte Version besser gefällt, mag ich den Charme des Analogue 3D. Im Vergleich zum Nintendo 64 auf meinem Röhrenfernseher sehen die Spiele definitiv schärfer aus. Den Experten von Digital Foundry zufolge hängt das insbesondere mit der 32-Bit-Farb-Option zusammen. Die stellt Texturen klarer und die Farben hübscher dar als es Nintendos Konsole schafft.

Einen weiteren nicht unwesentlichen Vorteil hat der Analogue: Das Gerät lässt sich übertakten. Gerade Egoshooter wie «Goldeneye» profitieren enorm davon. Das Spiel läuft damit deutlich flüssiger und ich habe beim Zielen nicht mehr das Gefühl, dass James Bond vorher in ein Schleimbad gefallen ist. Es können dabei Artefakte oder sonstige Probleme auftauchen, mir sind selbst auf der höchsten Stufe keine aufgefallen.

Das physische Element von Spielkassetten in das Gerät zu stecken, kann kein Emulator ersetzen. Zum Spielgefühl des Nintendo 64 gehört zwingend auch das gemeinschaftliche. Der Multiplayer-Gedanke wird auch mit dem Analogue 3D hochgehalten. 70 Prozent aller Nintendo-64-Spiele unterstützen Multiplayer. Darum verfügt der Analogue 3D über vier Anschlüsse für Original-Controller. Alternativ gibt es von 8bitdo einen passenden Bluetooth-Controller zu kaufen. Im Lieferumfang ist kein Controller enthalten.

Mit dem 8bitdo 64 Bluetooth spielt es sich zeitgemässer, dafür etwas weniger authentisch.
Mit dem 8bitdo 64 Bluetooth spielt es sich zeitgemässer, dafür etwas weniger authentisch.

Der 8bitdo bietet eine Mischung aus dem Nintendo-64-Tastenlayout und moderner Anordnung. Er verfügt zwar nur über einen Analogstick, bietet aber für alle, die Playstation- und Xbox-Controller gewohnt sind, ein vertrautes Gefühl. Ausserdem besitzt er zusätzliche Tasten, unter anderem eine, um die Analogue-Einstellungen zu öffnen. Beim Original-Controller drücke ich dafür die Start- und die Z-Taste gleichzeitig.

Der Analogue 3D verfügt neben Bluetooth auch über Wi-Fi, allerdings muss die Verbindung erst noch aktiviert werden. Darüber dürften später Firmware-Upgrades möglich sein und vielleicht zusätzliche Online-Funktionen. Was noch fehlt und andere Analogue-Geräte beherrschen, ist eine übergreifende Speichermöglichkeit oder Screenshots. Eine Zurückspulfunktion wie bei Emulatoren oder Switch Online gibt es ebenfalls nicht.

Über die mitgelieferte SD-Karte wird das System aktualisiert. Über die USB-Ports können Controller angeschlossen oder der Analogue 3D mit dem PC verbunden werden.
Über die mitgelieferte SD-Karte wird das System aktualisiert. Über die USB-Ports können Controller angeschlossen oder der Analogue 3D mit dem PC verbunden werden.

Der Analogue 3D kostet 270 US-Dollar und ist direkt über die Herstellerseite erwerbbar.

Fazit

Ein Traum für Retro-Puristen

Der Analogue 3D ist ohne Zweifel der beste Ort, um physische Nintendo-64-Games auf modernen Fernsehern zu geniessen. Hier wird nichts emuliert. Spiele fühlen sich genauso an wie anno 1996. Dank 4K-Upscaling und zahlreicher Einstellungsmöglichkeiten kannst du das Bild deinen Wünschen anpassen. Ein scharfes und detailliertes Bild wie mit Emulatoren bekommst du damit zwar nicht, das ist aber auch nicht Sinn der Sache. Der Analogue 3D will das Originalerlebnis erhalten und holt dort das Maximum heraus. Dass Nintendo-64-Games visuell nicht besonders gut gealtert sind, kann und will das Gerät nicht kaschieren.

Auch die Multiplayer-Stärke des N64 lebt im Analogue 3D weiter. Ich kann vier Original-Controller anschliessen und mich mit Freunde in «Goldeneye» in der Facility duellieren. Etwas moderneres Steuergefühl und weniger Kabelsalat bietet der optionale 8bitdo-Controller. Auch davon kann ich vier anschliessen.

Wenn du viele Nintendo-64-Games besitzt und sie möglichst originalgetreu auf deinem OLED-Fernseher geniessen willst, führt kein Weg am Analogue 3D vorbei. Ein authentischeres Erlebnis findest du nirgends. Sei einfach darauf vorbereitet, dass verwaschene Texturen und riesige Screens nicht gut zusammenpassen.

Pro

  • originalgetreues Nintendo-64-Erlebnis
  • kompatibel mit allen Nintendo-64-Games
  • unzählige Bild-Einstellmöglichkeiten
  • hübsches Design

Contra

  • «noch» keine Komfortfunktionen wie Speicher oder Zurückspulen
  • kein Controller enthalten

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Als Kind durfte ich keine Konsolen haben. Erst mit dem 486er-Familien-PC eröffnete sich mir die magische Welt der Games. Entsprechend stark überkompensiere ich heute. Nur der Mangel an Zeit und Geld hält mich davon ab, jedes Spiel auszuprobieren, das es gibt und mein Regal mit seltenen Retro-Konsolen zu schmücken. 


Kritik

Welche Filme, Serien, Bücher, Games oder Brettspiele taugen wirklich etwas? Empfehlungen aus persönlichen Erfahrungen.

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