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Marvel Studios / Disney
Meinung

«Avengers: Doomsday»: Der erste Trailer ist endlich da!

Luca Fontana
21-7-2026

Der erste Trailer zu «Avengers: Doomsday» ist nicht bloss ein Vorgeschmack auf den nächsten Marvel-Film. Er ist ein Test dafür, ob das MCU seine einst verlorene Magie und kulturelle Wucht zurückerobern kann.

Sechs Jahre nach «Avengers: Endgame» wollte Marvel eigentlich längst wieder so ein popkulturelles Beben auslösen wie einst mit dem ersten «Infinity War»-Trailer, der bis heute als einer der grössten Trailer-Momente der Kinogeschichte gilt. Stattdessen kam ein Rückschlag nach dem anderen – ein rausgeschriebener Bösewicht, ein Regiewechsel und mehrere Verschiebungen.

Jetzt, kurz vor der Comic-Con in San Diego, ist der erste richtige Trailer zu «Avengers: Doomsday» online – endlich – auch wenn er fast schon wie ein verzweifelter Versuch wirkt, sich genau diese Relevanz von damals zurückzuholen. Ob dem Trailer das gelingt? Die Antwort ist komplizierter, als mir als langjähriger Fan lieb ist.

Was der Trailer zeigt

Zweieinhalb Minuten kriegen wir zu sehen und hören, fast durchgehend von Chris Hemsworths Thor aus dem Off erzählt, der seine Mitstreitenden vor einer Bedrohung warnt, die grösser sei als Thanos. Dazwischen: kurze Blicke auf die X-Men in der Xavier's School for Gifted Youngsters, ein sichtlich aufgebrachter Reed Richards, Mystique bei einer Verwandlung – und ganz am Ende das vor Monaten angeteaserte Comeback: Chris Evans als Steve Rogers, der sich Thors Hammer schnappt.

Der Ton des Trailers ist gesetzt, wenn Thor seine alten und neuen Freunde auffordert, ihre Streitigkeiten beiseitezulegen, und ihnen versichert, dass sie als Geschwister zurückkehren würden, sollten sie den Kampf überleben. Es ist die Art von Pathos, die Marvel bei jedem grossen «Avengers»-Film bemüht – diesmal aber mit einer Prise Verzweiflung, die man dem Studio nach den Rückschlägen der letzten Jahre fast schon abnimmt.

Pedro Pascal als Reed Richards dürfte nicht das einzige besorgte Gemüt sein.
Pedro Pascal als Reed Richards dürfte nicht das einzige besorgte Gemüt sein.
Quelle: Marvel Studios / Disney

Und dann, natürlich, ist da noch Doctor Doom selbst. Robert Downey Jr. ist erstmals mit einem markanten osteuropäischen Akzent zu hören, während Doom vor einer «unthinkable decision» warnt, vor der die Heldinnen und Helden bald stehen würden. Wer Jonathan Hickmans Comic-Run kennt, erkennt darin sofort eine Anspielung auf die sogenannten Inkursionen – jenes Konzept, bei dem zwei kollidierende Universen nur überleben können, wenn eines von beiden zerstört wird.

Genau das dürfte der Kern der Handlung sein. Dazu gleich mehr.

Dr. Doom und dieser Akzent

Kaum online, dominierte eine einzige Frage die Reaktionen: Was ist das für ein Akzent? Downey spricht Doom mit einer stark osteuropäisch gefärbten Stimme, weit entfernt von seinem ikonischen Tony-Stark-Sarkasmus. In den sozialen Netzwerken ist die Reaktion gespalten zwischen Faszination und Verunsicherung.

«Es klingt, als hätten die Leute vergessen, dass Downey ein waschechter, vielseitiger Charakterdarsteller ist – und nicht einfach nur Tony Stark», relativiert ein Fan zum Glück.

Robert Downey Jr. als Dr. Doom muss was reissen.
Robert Downey Jr. als Dr. Doom muss was reissen.
Quelle: Marvel Studios / Disney

Denn Downeys neuer Akzent ist natürlich volle Absicht. Doctor Doom stammt in den Comics aus dem fiktiven Balkanstaat Latveria, ein Akzent gehört zur Figur seit Jahrzehnten dazu. Das Risiko liegt trotzdem auf der Hand: Nach fünfzehn Jahren, in denen Downey untrennbar mit Iron Mans New Yorker Schnoddrigkeit verbunden war, verlangt Marvel dem Publikum einen gewaltigen Vertrauensvorschuss ab.

Gerade in Zeiten, in denen alles, was Marvel und Mutterstudio Disney produzieren, auf die Goldwaage gelegt wird. Manchmal im Guten. Manchmal aber auch im Übertriebenen. So oder so: Für Marvel steht vieles auf dem Spiel.

Warum dieser Trailer mehr ist als nur ein Trailer

Warum das so ist, verrät ein Blick zurück. «Avengers: Doomsday» sollte ursprünglich «The Kang Dynasty» heissen und Jonathan Majors’ Kang den Eroberer als grossen neuen Bösewicht etablieren. Dann wurde Majors wegen häuslicher Gewalt verurteilt, Marvel strich ihn aus allen künftigen Plänen und stand plötzlich ohne zentrale Antagonistenfigur für seine gesamte und bereits gestartete «Multiverse Saga» da.

Die Lösung, die das Studio an der Comic-Con 2024 präsentierte, war so simpel wie riskant: Downey selbst übernimmt die Rolle des neuen Oberschurken. Kein neues Gesicht, sondern der wohl bekannteste Marvel-Star überhaupt, der noch einmal zurückkommt – nur eben als Bösewicht statt als Held. Kevin Feige nutzte den damaligen Auftritt, um gleich beide kommenden Filme anzukündigen: «Avengers: Doomsday» und «Avengers: Secret Wars».

Das ist die eigentliche Wette hinter diesem Trailer. Marvel hat sein grösstes verbliebenes Kapital – Downeys Beliebtheit und die kollektive «Endgame»-Nostalgie – komplett auf eine Karte gesetzt. Gelingt der Doom-Twist, hat das Studio seinen grössten Neustart seit «Endgame» geschafft. Scheitert er, war die Rettung der «Multiverse Saga» nach «Ant-Man and the Wasp: Quantumania», «Dr. Strange and the Multiverse of Madness» und mehreren enttäuschenden Serienstarts wohl von Anfang an aussichtslos.

Reset statt Reboot? Was die Comic-Vorlage verrät

Jetzt aber zum Begriff «Inkursion», den Doom im Trailer anspricht. Er ist das zentrale Motiv von Jonathan Hickmans Comic-Run ab 2013, der 2015 im Crossover-Event «Secret Wars» gipfelte. Die Grundidee dort: Das Multiversum stirbt, weil sich Paralleluniversen gegenseitig zerstören. Am Ende bleiben nur noch zwei übrig – die reguläre Marvel-Zeitlinie und das sogenannte Ultimate-Universe –, bevor auch sie kollidieren.

Genau dieses Muster nährt seit Monaten die Spekulation, wonach «Avengers: Secret Wars» 2027 nicht bloss die «Multiverse Saga» abschliesst, sondern die gesamte Zeitlinie des MCU zurücksetzt. Befeuert wird das dadurch, dass Marvel bislang – ungewöhnlich für das Studio – kein einziges Projekt nach «Secret Wars» offiziell angekündigt hat.

Nach dem grossen Krieg in «Secret Wars» dürfte das MCU kaum wiederzuerkennen sein.
Nach dem grossen Krieg in «Secret Wars» dürfte das MCU kaum wiederzuerkennen sein.
Quelle: Marvel Studios / Disney

Wichtig für die Einordnung: Kevin Feige selbst hat nie von einem kompletten Reboot nach «Secret Wars» gesprochen, sondern bewusst von einem «Reset». «Endgame handelte buchstäblich von Enden. Secret Wars handelt von Anfängen», sagte er dazu.

Der Unterschied ist mehr als Wortklauberei: Ein Reboot würde die bisherige Geschichte auslöschen und bei Null beginnen. Ein Reset dagegen bewahrt das Geschehene, öffnet aber die Tür für neue Besetzungen, neue Teamkonstellationen und die Integration der X-Men und Fantastic Four ins «neue» MCU, ohne die letzten 17 Jahre für ungültig zu erklären.

Ob diese Unterscheidung am Ende auch inhaltlich durchhält, weiss aktuell niemand ausserhalb von Marvels Chefetagen – offizielle Bestätigung für die kursierenden Theorien zu toten oder neu besetzten Figuren gibt es bislang keine.

Warum Marvel überhaupt auf die alten Gesichter zurückgreift

Die Reset-Spekulation trifft auf ein Studio, dem in den vergangenen Jahren etwas Entscheidendes nicht gelungen ist: neue Heldinnen und Helden aufzubauen, die das Franchise so tragen können, wie es einst Downey, Evans und Hemsworth taten.

Benedict Cumberbatchs Doctor Strange sollte diese Rolle nach «Endgame» mitübernehmen, blieb aber trotz solider Zahlen nie der neue Publikumsmagnet. Auch «Fantastic Four: First Steps» mit Pedro Pascal als Reed Richards lief 2025 zwar gut an, landete aber mit einem weltweiten Einspielergebnis von rund 520 Millionen Dollar deutlich hinter 26 anderen MCU-Filmen. Kein Ergebnis, auf dem sich ein ganzes Universum neu aufbauen liesse.

Dass Marvel für sein bislang grösstes Comeback seit «Endgame» ausgerechnet wieder auf Downey, Evans und Hemsworth setzt, ist entsprechend auch ein stilles Eingeständnis: Die «Multiverse Saga» hat es nicht geschafft, eigene, neue Zugpferde zu etablieren. Was bleibt, ist der Rückgriff auf bekannte Gesichter, notfalls eben in neuen Rollen wie bei Downeys Doom. Und statt nach dem Reset Iron Man, Captain America oder Thor durch neue Figuren zu ersetzen, dürfte Marvel eher versuchen, genau diese Figuren zu behalten, nur eben verjüngt und neu besetzt. Für ein neues Publikum – und einen neuen Zyklus.

Was das konkret bedeutet

Für das Publikum heisst das: Der 18. Dezember 2026 wird zum Stimmungstest für das gesamte Franchise. Nicht nur, ob «Doomsday» an den Kinokassen funktioniert, sondern ob Marvel überhaupt noch die kulturelle Wucht besitzt, das es sich bis «Endgame» erarbeitet und seitdem fast vollständig wieder verloren hat. Selbst IMAX hat dem einstigen Giganten den Rücken gekehrt, zu Gunsten von Denis Villeneuves «Dune: Part 3».

Für Marvel als Ganzes ist dieser Trailer also vor allem eines: ein Versprechen, das erst in knapp fünf Monaten eingelöst werden kann. Bis dahin bleibt vor allem eine Frage offen, die keine Marketingkampagne beantworten kann: Wird aus dem mutigsten Recasting der MCU-Geschichte tatsächlich sein bestes Kapitel – oder sein grösster Fehltritt?

Was meinst du: Kann «Avengers: Doomsday» Marvel wieder zu alter Grösse führen – oder ist der Zenit des MCU überschritten? Schreib's in die Kommentarspalte.

Titelbild: Marvel Studios / Disney

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Ich schreibe über Technik, als wäre sie Kino, und über Filme, als wären sie Realität. Zwischen Bits und Blockbustern suche ich die Geschichten, die Emotionen wecken, nicht nur Klicks. Und ja – manchmal höre ich Filmmusik lauter, als mir guttut.


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