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Stephan Lamprecht
Produkttest

Coffee Crush von Krups: Wie gut schmeckt Espresso aus der Mini-Maschine?

Kann ein Kaffeevollautomat, der kaum breiter ist als eine Kaffeedose, überhaupt guten Espresso liefern? Die Coffee Crush von Krups verspricht genau das. Ob die Kleine sich übernimmt oder nicht, liest du hier.

Auf der Suche nach anspruchsvollerem Kaffeegenuss habe ich mir nach viel Ausprobieren am Ende eine Siebträgermaschine von Bezzera (BZ10 PM) angeschafft, die ich liebe. Aber nicht jeder Mensch will für einen leckeren Espresso den gleichen Aufwand wie ich betreiben. Die «Coffee Crush» von Krups dürfte aktuell der kleinste erhältliche Kaffeevollautomat sein und verspricht leckeren Kaffee mit wenig Mühe. Aber wie steht es um die Handhabung und – noch wichtiger: den Geschmack?

Inbetriebnahme: Mein erster Eindruck ist positiv

Gerade mal fünfzehn Zentimeter breit ist die Maschine. Mit 33 Zentimetern Höhe und rund 27 Zentimetern Tiefe passt der Vollautomat in jede Küche. Das Gehäuse meines Testgeräts besteht aus weißem Kunststoff. Der fühlt sich nicht besonders wertig an. Die Form mit den abgerundeten Ecken gefällt mir aber.

Ein Größenvergleich, damit du siehst, wie klein die Maschine ist.
Ein Größenvergleich, damit du siehst, wie klein die Maschine ist.

Die Schnellstart-Anleitung erklärt mir, wie ich die Maschine in Betrieb nehme. Nachdem ich die Transportsicherungen entfernt habe, fülle ich erst einmal den 1,8 Liter großen Wassertank.

Zwei Dinge gefallen mir direkt gut. Zum einen muss ich den Tank nur wenige Zentimeter anheben, um ihn von hinten abzunehmen. Ich brauche also nicht viel Platz unterhalb eines Schranks. Außerdem hat der Tank im Inneren einen kleinen Griff, was ich zum Einsetzen praktisch finde.

Einen Tragegriff für den Wassertank haben leider längst nicht alle Maschinen.
Einen Tragegriff für den Wassertank haben leider längst nicht alle Maschinen.

Jetzt spüle ich zum ersten Mal durch. Ich stelle eine Tasse unter den Auslauf, stecke das Netzteil ein und drücke auf dem Touch-Bildschirm auf Power. Um das Durchspülen zu starten, muss ich zwei Tasten auf dem Display gleichzeitig drücken. Ist der Vorgang abgeschlossen, kann ich die Bohnen einfüllen. Der Behälter dafür sitzt oben in der Mitte und fasst 180 Gramm.

Das Konzept der «Coffee Crush»: Reduktion auf das Wesentliche

In dem schmalen Gehäuse steckt tatsächlich ein Vollautomat. Die Maschine mahlt frische Bohnen und verdichtet sie (Tamping), bevor das heiße Wasser mit Druck durch das Kaffeemehl läuft. Offenbar zielt Krups auf Menschen, die von einer Kapselmaschine umsteigen wollen.

Deshalb bietet die Coffee Crush nur zwei Basisgetränke: Espresso und Lungo. Per Touch kann ich zwischen zwei Stärken wählen. Mit der dritten Option nutzt die Maschine für jede Getränkevariante «Filterkaffee». Dann überspringt sie den Mahlvorgang und verwendet bereits gemahlenen Espresso.

Es gibt bei diesem Modell keine Heißwasser- oder Dampffunktion. Fans von Latte macchiato oder Cappuccino müssen also ihren Milchschaum mit einem anderen Gerät zubereiten. Und die Coffee Crush produziert immer eine Portion. Ein Doppelbezug für zwei Tassen ist nicht möglich.

Entsprechend simpel ist die Benutzerführung. Zwei Tasten für die Getränke, ein drittes Symbol für die Stärke und der zentrale Ein-/Aus-Knopf.

Eine Besonderheit des Konzepts: Ähnlich wie bei einem Siebträger gerät das Kaffeemehl niemals in die Maschine selbst. Es gibt keine Brühgruppe im Inneren, die ich spülen oder warten müsste. Der Trester landet nicht, wie bei anderen Vollautomaten, in einem zentralen Behälter. Stattdessen muss ich nach dem Kaffeebezug die von Krups so bezeichnete «Sudschublade» entleeren.

Diese 'Schublade' übernimmt die Aufgabe des Siebträgers.
Diese 'Schublade' übernimmt die Aufgabe des Siebträgers.

Um den Trester leichter zu entsorgen, drücke ich eine kleine Taste, die den Rest aus dem Behälter herausschiebt. Anschließend kurz abspülen, schon ist die Maschine wieder einsatzbereit. Damit bleibt sie viel sauberer als ein klassischer Vollautomat.

Die kleine Taste ist praktisch, weil der Trester leichter zu entsorgen ist.
Die kleine Taste ist praktisch, weil der Trester leichter zu entsorgen ist.

Diesen Ablauf dürften die meisten Nutzerinnen und Nutzer von ihren Kapselmaschinen kennen.

Die Kaffeequalität in der Tasse

Ich fülle Bohnen («Neunbar» der Hamburger Rösterei Elbgold) ein, wähle Espresso und setze die Stärke auf die zweite Stufe. Das Kegelmahlwerk rumpelt laut. Schnell und vom Partner unbemerkt einen Kaffee brühen? Das klappt hier nicht, dafür macht die Maschine einfach zu viel Lärm.

Gut 20 Sekunden dauert das Mahlen und Verdichten. Es ist deutlich zu hören: Die Coffee Crush beginnt danach mit einer kurzen Infusionsphase, in der das Kaffeemehl mit etwas Wasser benetzt wird, bevor die Extraktion beginnt. Meine Stoppuhr zeigt weitere 35 Sekunden, bis die letzten Tropfen Espresso aus der Maschine laufen. In der Tasse landet ein optisch ansprechender, 60 Grad heißer Espresso, der mich mit seiner Crema positiv überrascht.

Ich möchte ein Testgerät nicht auseinanderbauen, vermute aber stark, dass hier eine Crema-Membran arbeitet. Die Technik ist bei Kaffeevollautomaten üblich.

Wie schmeckt er? Ich vermute, dass 90 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer jetzt schlicht «lecker» sagen werden. Und das ist der Espresso auch. Da ich die Sorte aber gut kenne, finde ich das erste Ergebnis etwas «dünn». Ein Blick in die jetzt volle Sudschublade zeigt mir auch, woran das liegt. Statt eines gleichmäßigen Kaffeepucks entdecke ich aufgewirbeltes, nasses Kaffeemehl. Das Wasser ist zu schnell durch das Mehl gelaufen. Deshalb fällt der Puck beim Entleeren auch nicht als Ganzes heraus. Es lösen sich eher große, nasse Brocken.

Das Ergebnis mit den Standard-Einstellungen sieht gut aus. Und schmeckt.
Das Ergebnis mit den Standard-Einstellungen sieht gut aus. Und schmeckt.

Ich fange mal mit dem «Tuning» an. Glücklicherweise kann ich den Mahlgrad direkt im Bohnenbehälter einstellen. Ich stelle mutig gleich mal die feinste Stufe ein. Den Lärmpegel beim Mahlen reduziere ich durch eine Silikonmatte unter der Coffee Crush.

Den Mahlgrad kann ich direkt im Bohnenbehälter verstellen.
Den Mahlgrad kann ich direkt im Bohnenbehälter verstellen.

Die zweite Tasse wird viel besser. Geschmacklich ist das Ergebnis schon jetzt deutlich leckerer als so manche Kapsel. Der Charakter der Bohnen zeigt sich deutlich. Mir fehlt noch die letzte Nuance im Geschmack, aber das ist für eine solche Maschine völlig in Ordnung. Der Puck in der Sudschublade sieht ebenfalls viel besser aus. Die gute Nachricht: Das Ergebnis ist reproduzierbar. Einmal so eingestellt, produziert die Coffee Crush immer die gleiche Qualität.

So wollte ich das: Nach der Änderung des Mahlgrads ist der Puck gleichmäßig.
So wollte ich das: Nach der Änderung des Mahlgrads ist der Puck gleichmäßig.

Das gilt auch für den Lungo, den ich getrunken habe. Ich mag die Zubereitungsart aber nicht sonderlich. Aromatisch; bleibt aber ein Espresso mit zu viel Wasser. Jedenfalls nach meinem Geschmack.

Die Coffee Crush bietet mir in knapp einer Minute einen guten Espresso aus frisch gemahlenen Bohnen. In der Zeit bin ich bei meinem aufgeheizten Siebträger gerade mal mit dem Mahlen und Tampen fertig. Selbst übernächtigt und mit verquollenen Augen steht einem Wachmacher also nichts im Weg.

Die Coffee Crush im Alltag

Das Konzept der externen Sudschublade ist eine gute Idee. Wer die Schublade sofort entleert und ausspült, verhindert Rückstände und Kaffeeöl. Praktisch ist der kleine Knopf zum Ausleeren. Allerdings blinkt die Warnleuchte gelegentlich auf, obwohl der Kaffeerest gerade entsorgt ist. Das liegt dann offenbar an kleinen Kaffeekrümeln, die beim Mahlen etwas hochspritzen und die Sensorik irritieren. Mit einem feinen Pinsel behebe ich das Problem aber schnell.

Etwas fummelig ist es, bereits gemahlenen Kaffee einzufüllen, wenn ich schnell einen entkoffeinierten Espresso will. Die Sudschublade kann ich wegen der Auslauföffnung nicht plan auf die Arbeitsplatte stellen. Und ich erkenne die Markierung für die maximale Menge nur schwer, weil sie nicht farbig abgesetzt ist. Noch dazu, wenn der erste Löffel Kaffeemehl darin gelandet ist.

Was ich außerdem vermisse: Der Kaffeeauslauf ist nicht höhenverstellbar. Bei der Coffee Crush stellt sich ein Problem vieler Vollautomaten, nur mit anderen Vorzeichen. Hier ist mit zehn Zentimetern reichlich Platz unter dem Auslauf. Das führt bei kleinen Tassen aber dazu, dass schnell mal etwas Kaffee an das Gehäuse spritzt. Ich reinige das Gerät einfach mit einem feuchten Tuch. Wie bei anderen Maschinen auch solltest du den Wassertank ohnehin täglich ausspülen und frisch befüllen. Das ist jetzt schon Meckern auf hohem Niveau.

Nach 200 Kaffeebezügen fordert die Maschine laut Handbuch erstmals zum Entkalken auf. Spätestens nach 230 Bezügen ist dann Schluss. Dann musst du sie entkalken, sonst arbeitet sie nicht weiter. Hier sollte Krups überlegen, ob sich nicht auch die Wasserhärte einstellen ließe.

Aktuell ist die Maschine nach der Veröffentlichung des Beitrags in unserem Lager vergriffen. Unser Einkauf ist aber schon dran, Nachschub zu organisieren.

Fazit

Eine tolle Alternative zu Kapselmaschinen

Die Coffee Crush von Krups überzeugt durch Einfachheit und Komfort. Aus meiner Sicht ist sie die ideale Maschine für alle, die auf Kapseln verzichten möchten. Baristaqualität sollten Kaffeefans vom kompakten Gerät nicht erwarten, das ist auch nicht der Anspruch der Coffee Crush. Geschmacklich schlägt der Automat dennoch jede Kapselmaschine, wobei die Qualität der Bohnen am Ende naturgemäß über den Espresso entscheidet. Ginge es einzig um den Geschmack, würde ich der Maschine in ihrer Kategorie fünf Sterne geben.

Pro

  • liefert einen guten Espresso
  • leicht zu reinigen
  • einfache Bedienung
  • kompaktes Design

Contra

  • lautes Mahlwerk mit wenig Einstellungen
  • Kaffeeauslauf nicht höhenverstellbar
Titelbild: Stephan Lamprecht

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Hamburger, Leseratte, Eishockey-Fan. Papa und Grosspapa. Bastelt ständig an seinem Smarthome herum. Interessiert an DIY, Outdoor, Mode und Kosmetik.


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