
Kritik
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von Philipp Rüegg

Was verbindet «Frogger» und «Metal Gear Solid»? Sie stammen von Konami – und tauchen in «Darwin's Paradox!» als charmante Anspielungen auf. Doch das Spiel ist weit mehr als ein Abklatsch: Es erweist sich als eigenständiger, grossartiger Plattformer.
Im Schutz einer Kiste beobachte ich die Wachen. Sobald ich ihre Routen durchschaut habe, verlasse ich mein Versteck und sprinte los – ganz im Stil von Solid Snake. Doch plötzlich höre ich in der Ferne ein Froschquaken. Was erwartet mich diesmal? Die Wachen, die mich gnadenlos erledigen wenn sie mich entdecken, machen mich nervös. Als ich über einen Zaun klettere, wird das Quaken lauter – und mischt sich mit Verkehrslärm. Schliesslich stehe ich an einer vielbefahrenen Strasse. Dort entdecke ich den Frosch, der davonhüpft. Und ich? Ich muss die Strasse im «Frogger»-Stil überqueren.
Solche Szenen erinnern daran, dass «Darwin's Paradox!» aus dem Hause Konami stammt. Das von ZDT Studio entwickelte Spiel wimmelt nur so vor Referenzen auf andere Klassiker des Publishers. Doch der eigentliche Star ist Oktopus Darwin. Kraken sind spätestens seit «My Octopus Teacher» Kult – und die Spielewelt hat das nun auch erkannt. Darwin zu steuern macht riesigen Spass, auch wenn das Spiel nicht ohne Schwächen bleibt.
Darwin landet unfreiwillig auf einer Müllhalde, nachdem finstere Gestalten seinen Freund – oder seine Freundin? – entführt haben. Während er nach dem Entführten sucht, versucht er gleichzeitig, seiner eigenen Gefangenschaft zu entkommen.

Damit ist die Handlung von «Darwin's Paradox!» erzählt. Worte braucht das Spiel kaum: Wie in «Flow» oder «Wall-E» sprechen Bilder und Umgebungen. Jede neue Szenerie verstärkt die beklemmende, aber hoffnungsvolle Grundstimmung – subtil und wirkungsvoll. Die Entwickler vermeiden übertriebenes Drama oder bombastische Effekte. Der Artstyle passt perfekt, und der Soundtrack, etwa «Back to the Sea», sorgt für die richtige Atmosphäre.
Im Schatten schleiche ich über Parkplätze, durch irrwitzige Industriekomplexe oder gleite durch Darwins Element: das Wasser. Mal kriecht er über den Boden, mal klebt er an Wänden und Decken. Letzteres prägt das Spielgefühl entscheidend. Anfangs ungewohnt, wird das Wand-Kleben schnell zur zweiten Natur und eröffnet völlig neue Bewegungsmöglichkeiten. Ein spezieller Schleim hebt diese Fähigkeit auf und zwingt mich, die Umgebung genau zu analysieren. Im Wasser wird Darwin zum flinken Jäger – leider kommen diese Abschnitte zu selten vor.

Neben dem Kleben kann Darwin Tinte verschiessen und sich tarnen. Die Tinte überzeugt: Sie dient cleveren Rätseln und lenkt Wachen ab. Die Tarnung hingegen wirkt aufgesetzt. Zwar machen die Schleichpassagen Spass, doch das Tarnen fügt sich nicht nahtlos ins Spiel ein. Die Idee bleibt unausgereift.

Das Spiel ist kurz. Nach etwa fünf Stunden läuft der Abspann. Doch das empfinde ich als Vorteil. Alle Mechaniken bekommen genug Raum, ohne sich zu wiederholen.
Das Leveldesign glänzt. Rätsel und Plattform-Sequenzen sind zugänglich, ohne banal zu wirken. Manche Passagen erfordern präzises Timing und fordern selbst erfahrene Spieler heraus. Es ist kein «Super Mario Maker»-Wahnsinn, aber anspruchsvoll genug, um zu fesseln. Fordernd, fair und befriedigend.

Obwohl linear, bietet das Spiel optionale Abzweigungen. Wer abseits der Hauptwege sucht, entdeckt Poster mit Hintergrundinfos zur Spielwelt. Diese kurzen Umwege lohnen sich. Oft ist nicht klar, welcher Weg der richtige ist – ein cleverer Kniff, der zum erneuten Spielen einlädt.
«Darwin's Paradox!» ist ab dem 2. April erhältlich für PS5, Xbox Series X/S, Switch 2 und PC. Das Game wurde mir zu Testzwecken von Konami zur Verfügung gestellt.
Pro
Contra
Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, ist meine Leidenschaft.
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