
Der Retro-Wecker «FlowToo» ist richtig toll und richtig scheiße
Süße Pixelkunst und unwiderstehlicher Retro-Look: Der Divoom «FlowToo» ist Liebe auf den ersten Blick. Doch im Schlafzimmer stellt das Multifunktionsgerät meine Geduld auf eine harte Probe.
Immer wieder kostet mich meine Tätigkeit bei Digitec Galaxus Geld, wenn ich über eine Neuheit berichte und sie mir so gut gefällt, dass ich sie selbst kaufe. Zuletzt ist mir das beim «FlowToo» von Divoom passiert. Divoom bewirbt ihn als 3-in-1-Kombination aus Wecker, Bluetooth-Lautsprecher und White-Noise-Machine im charmanten Retro-Look.
Seit Jahren lasse ich mich von meinem Smartphone aufwecken. Ein ungewöhnlicher Wecker ist genau das Gerät, das mein Handy endlich aus dem Schlafzimmer verbannen könnte. Ich personalisiere Geräte gerne und der «FlowToo» mit seinem Display bietet dafür viele Möglichkeiten. Zudem lässt er sich auf Reisen mitnehmen und noch dazu als tragbarer Bluetooth-Lautsprecher nutzen. Direkt nach dem Veröffentlichen meiner News landete der «FlowToo» in meinem Warenkorb.
Doch jetzt, wo ich das Gerät in den Händen habe, bin ich ernüchtert. Ein abschließendes Urteil fällt mir schwer, weil der «FlowToo» so viele Aspekte abdeckt und nicht alle schlecht sind. Er polarisiert: Einerseits habe ich ihn sofort ins Herz geschlossen. Andererseits ist er als Wecker für mich nicht brauchbar. Und die zugehörige Smartphone-App ist ein absolutes Verbrechen. Doch von vorn.
Design und Verarbeitung: 5 Sterne
Beim Auspacken verliebe ich mich sofort. Das cremefarbene Kunststoffgehäuse mit abgerundeten Ecken sieht wirklich hübsch aus und wirkt hochwertig verarbeitet. Nichts knarzt oder wackelt, nirgends steht etwas über und das Plastik fühlt sich angenehm, fast weich an. Am seitlichen Rahmen befinden sich, abgedeckt durch einen gummierten Verschluss, ein Kartenslot sowie der USB-C-Stromanschluss.

Das 2,26-Zoll-Display stellt 8-Bit-Pixel-Bilder und -Animationen schön dar. Für Hi-Res-Bilder eignet sich das IPS-Display allerdings kaum. Die Bildqualität erinnert mich an Handydisplays kurz vor dem Aufkommen von Smartphones.
Das stört mich aber nicht. Der Charme des Geräts liegt schließlich in den Retro-Grafiken. Die Menüs und die meisten vorinstallierten Faces (Hintergründe) sehen klasse aus. Die Faces zeigen unter anderem die aktuelle Uhrzeit und unterscheiden sich in ihrer Komplexität stark. Manche sind animiert, andere enthalten auch einen Rahmen, den ich mit selbst erstellten Pixelgrafiken füllen kann. Dafür benötige ich allerdings die App – dazu weiter unten mehr.
Mitgeliefert werden ein USB-C-Kabel, ein geflochtenes Trageband, zwei Blätter mit süßen Retro-Aufklebern und eine gefaltete, farbige Anleitung. Eine leere Geschenktüte mit goldener Kordel gibt es obendrauf. Wozu? Keine Ahnung.

Bedienung am Gerät: 3 Sterne
Die Faltanleitung erklärt die Funktionen der einzelnen Knöpfe am Gerät, aber eine Funktionsbeschreibung fehlt. Beim Timer etwa bin ich überrascht, dass der «FlowToo» nach Ablauf der eingestellten Zeit nicht wie erwartet ein Alarmgeräusch von sich gibt, sondern einfach abschaltet. Schade finde ich auch, dass ich bei Timern nur voreingestellte Zeiten nutzen kann, meist im 15-Minuten-Takt.

Mit dem auffälligen, goldenen Drehknopf an der Oberseite starte und stoppe ich die Musikwiedergabe und reguliere die Lautstärke. Der kleine rote Knopf an der Vorderseite ist ein D-Pad: Damit navigiere ich durch die Menüs, mit Drücken bestätige ich eine Auswahl.
Die einzelnen Punkte im Hauptmenü sind mit hübschen Pixel-Art-Icons dargestellt. Das ist wirklich putzig. Die Untermenüs erinnern mich sofort an alte Super-Nintendo-Spiele und wecken nostalgische Gefühle.

Während manche Menüpunkte gut verständlich sind, hinterlassen andere bei mir Fragezeichen. Das dürfte an der schlampigen Übersetzung liegen. Das Face-Auswahlmenü heißt etwa einfach nur «Wählen». Testweise habe ich die Systemsprache auf Englisch eingestellt, was auch keine Klarheit bringt.
Apropos Übersetzung: Der Mottospruch des «FlowToo», «Spark your life», erscheint in mehreren Faces. Die deutsche Übersetzung lautet: «Entfache dein Leben». Und das klingt so besch…eiden, dass ich mich ärgere, den dummen Satz ständig in den Faces zu sehen. Leider lässt sich der Text nicht personalisieren.
Als Wecker ungeeignet: 2 Sterne
Der «FlowToo» soll bei mir hauptsächlich als Wecker zum Einsatz kommen. Deswegen ist mir wichtig, dass er zumindest meine Grundanforderungen daran erfüllt. Die vorhandenen Wecksounds im Gerät sind für mich ausreichend. Es gibt zwölf Geräusche, die meisten aus der Natur, wie Wellenrauschen oder Vogelzwitschern. Das passt. Alternativ kann ich eigene Aufnahmen als Weckton nutzen.

Mir stehen zehn Wecker-Speicherplätze zur Verfügung. Für jeden lassen sich der Ton und die Wiederholungen einstellen. Eine praktische Komfortfunktion, die ich von meinem Smartphone gewöhnt bin, fehlt mir aber: Ich würde gerne Wecker für einen festgelegten Zeitraum pausieren können. Etwa in den Ferien: Dann muss ich am Ende des Zeitraums nicht daran denken, den Wecker wieder zu aktivieren.
Schwerer wiegt, dass mir das Display auf niedrigster Einstellung immer noch zu hell ist. Bei Tageslicht ist es kaum ablesbar, aber nachts wirft es einen störenden Lichtschein. Ich schlafe am liebsten in absoluter Dunkelheit.
Darüber hinaus ist der «FlowToo» nicht für morgendliche Grobmotorikerinnen wie mich gedacht. Drücke ich das D-Pad, geht der Wecker für neun Minuten in den Snooze-Modus. Um ihn auszuschalten, muss ich wach genug sein, um das D-Pad vor dem Drücken einmal in eine beliebige Richtung zu kippen. Als Langschläferin habe ich morgens schon Schwierigkeiten, am Smartphone die beiden großen Snooze- und Stop-Buttons korrekt zu identifizieren. Dass ich das filigrane D-Pad richtig bediene, ist utopisch.

Und damit komme ich zu einem weiteren Ärgernis. So gut der «FlowToo» auch aussieht: Sein aufrecht stehendes Format ist zum versehentlichen Umwerfen prädestiniert. Einmal ungeschickt angestoßen, fliegt das Teil vom Nachttisch. Das ist mir gleich am ersten Abend passiert, obwohl ich geistig leistungsfähig war. Mit am Nachttisch eingeklemmtem Stromkabel lässt sich das Runterfallen zwar vermeiden – aber auch damit habe ich ein Problem.
Ich will den Wecker permanent mit Strom versorgen. Das geht, aber dann steht die Abdeckung über dem USB-Anschluss immer offen. Schön sieht das nicht aus. Ich habe den Eindruck, dass das Gerät für gelegentliches Aufladen und nicht für den permanenten Stromanschluss designt wurde. Als Wecker wird der «FlowToo» bei mir jedenfalls keine Karriere machen.

Bluetooth-Lautsprecher: 3 Sterne
Ich möchte dem «FlowToo» noch eine Chance geben: als tragbare Bluetooth-Box. Der Hersteller verspricht «satten, raumfüllenden Klang von einem 10-W-Lautsprecher mit 45-mm-Full-Range-Treiber».
Was die Audioqualität angeht, habe ich keine großen Ansprüche. Mir fehlt auch der Vergleich mit einer als «gut» bewerteten Bluetooth-Box. Als Erstes fällt mir auf, dass der kleine «FlowToo» ordentlich Wumms hat. Im Wohnzimmer drehe ich die Lautstärke nicht über 60 Prozent, weil sich sonst die Mitbewohner (Mann, Katzen) beschweren würden. Das hätte ich dem kleinen Teil gar nicht zugetraut.
Auf moderater Lautstärke scheint mir der «FlowToo» eher basslastig eingestellt zu sein. Die Musik klingt etwas dumpf und die Höhen dringen nicht so gut durch. Das würde ich gern nachjustieren, aber einen Equalizer hat das Gerät nicht.
Die Musiksteuerung über die physischen Knöpfe funktioniert tadellos. Abhängig vom eingestellten Display-Hintergrund ist der aktuelle Titel zu sehen. Das gefällt mir gut.

White-Noise-Machine, Pomodoro-Timer, Pixel-Art und Musik-Composer: 3 Sterne
Die weiteren Funktionen des «FlowToo» sind für mich nicht relevant. Ich habe ein paar davon nur für den Test trotzdem ausprobiert.
White Noise, wie leise prasselnder Regen oder sanftes Rauschen, kann einen beruhigenden Effekt haben und beim Einschlafen helfen. Einschlafprobleme hatte ich nie und mein Mann würde sich scheiden lassen, wenn im Schlafzimmer auf einmal die Soundkulisse eines Zugabteils herrschte. Richtig gelesen: Auch das Klappern von Eisenrädern auf Schienen sowie das Summen von Turbinen in einer Flugzeugkabine finden sich unter den laut Divoom mehr als 90 White-Noise-Sounds. Sie werden für eine einstellbare Zeit zusammen mit einer Animation auf dem Display abgespielt. Gedimmt werden bei meinem Test dabei weder die Lautstärke noch die Bildschirmhelligkeit.

Nach Ablauf der Einschlafzeit schaltet sich der «FlowToo» aus. Komplett. Ich will nachts auf die Uhr schauen? Dann muss ich den Power-Schalter drücken und warten, bis das Gerät inklusive Startup-Sound hochgefahren ist. Suboptimal. Immerhin: Habe ich einen Wecker eingestellt, funktioniert dieser – und zwar ohne vorherigen Startup-Sound. Zusätzlich lässt sich der Punkt «Maskierung nach Schlaf» aktivieren, was auch immer das bedeutet. Dann geht der Schlafhilfe-Sound nach Ablauf des Timers in einen anderen White-Noise-Sound über, dessen Lautstärke und Timer sich separat einstellen lassen. Danach schaltet sich der «FlowToo» trotzdem aus.

Schön ist aber, dass ich einige der Geräusche miteinander mischen kann, etwa das Knistern eines Lagerfeuers und quakende Frösche.
Der Pomodoro-Timer soll beim Zeitmanagement helfen. Im Gerät lege ich die Dauer von Fokuszeiten und unterbrechenden Pausen fest. Damit könnte sich der «FlowToo» auch als Uhr und Helfer für den Schreibtisch eignen. Zu meiner Arbeitsweise passt Pomodoro aber nicht.
Weitere Spielereien hält die App bereit. Pixel-Art ist Divooms Herzensthema und sie darf deswegen auch hier nicht fehlen. In der App kann ich meine eigene Pixel-Kunst gestalten oder per KI generieren lassen. Auch Animationen sind möglich. Male ich auf der Leinwand in der App, werden meine Linien umgehend im Display des «FlowToo» angezeigt. Nett! Mit einem entsprechenden Tool kann ich Punkte auch pixelgenau setzen. Ich selbst bin absolut unbegabt, aber im Community-Bereich der App kann ich die Kunstwerke anderer herunterladen.

Auch ein Musik-Composer ist an Bord der App. Ich kann verschiedene vorgegebene Sounds zusammenmischen, meinen Gesang einspielen und auf virtuellen Instrumenten herumspielen – alles wird direkt auf dem «FlowToo» wiedergegeben. Hören will das mangels meines musikalischen Talents allerdings sicher niemand.
Die App des Grauens: 0 Sterne
Das Schlimmste zum Schluss. Ich bin von Apps aus fernen Ländern schon an Übersetzungs- und Navigationsunfälle gewöhnt, aber Divoom toppt alles. Glücklicherweise brauche ich sie für die Hauptfunktionen des «FlowToo» nicht, aber einen gepfefferten Rant verdient sie trotzdem.
Zum einen wirken der Aufbau und die Navigation innerhalb der App wie ein zusammengewürfeltes Konglomerat aus merkwürdigen Grafiken und ungewöhnlichen UX-Elementen. So zeigt die Liste der Wecktöne einfach Bilder statt Texte. Der ausgewählte Ton wird mit einem orangefarbenen Rechteck gekennzeichnet. Ein anderes Feature, der Musik-Composer, kommt auf einmal in Rosa-Beige daher.
Die Stoppuhr zeigt riesig das Bild einer Taschenuhr. Tippe ich auf «Start», sehe ich nicht einmal die laufende Zeit – die erscheint nur im Display des «FlowToo». Die ganze App wirkt nicht wie aus einem Guss. Ich fühle mich an Websites aus den Neunzigern erinnert, als es noch keine festen Navigationsstandards gab. Das ist einfach zu viel des Retro-Charmes.
Übersetzungstechnisch ist die App ein reines Massaker. Menüpunkte sind nicht selbsterklärend, manchmal nicht vollständig lesbar, manchmal trotz eingestellter deutscher Sprache auf Englisch, einmal gibt es eine Erklärung nur in einer skandinavischen Sprache. Und was genau bedeutet «SCHÜTTELN-SCHÜTTELN»? Auch hier habe ich aus Neugier einmal auf Englisch umgestellt und sehe genau das gleiche Elend.

Fazit
Der «FlowToo» kann vieles, aber nichts richtig
Mit einer finalen Bewertung tue ich mich schwer. Für zwei Sterne spricht, dass ich den «FlowToo» nicht so nutzen kann, wie erhofft. Am Ende gebe ich drei Sterne wegen des Retro-Charmes: Ich mag das Teil trotz seiner Nachteile.
Ich hatte gehofft, mit dem «FlowToo» einen hübschen und soliden Wecker zu bekommen, der mich nicht langweilt. Optik und Haptik finde ich herausragend und mir gefällt die Umsetzung mit einem Display für personalisierbare 8-Bit-Inhalte sehr gut.
Das Gehäuseformat macht ihn als Wecker aber zu kippelig und bei der Dauerverwendung am Kabel steht immer die Abschlussverdeckung offen. Das würde mich auch stören, wenn ich den «FlowToo» nur als Uhren-Gadget nutzen wollte. Nur eine Verwendung als Deko-Objekt mit Lautsprecherfunktion kann ich mir vorstellen. Dann könnte ich ihn auch nur stundenweise und ohne Kabel betreiben.
Ärgerlich ist zudem das teilweise unverständliche Menü. Fehlende Erklärungen machen es schwer, manche Funktionen zu verstehen. Die unterirdische App fließt nicht voll in meine Wertung ein, weil ich sie für die Hauptfunktionen nicht brauche.
Pro
- sieht hübsch aus
- gute Verarbeitung
- physische Knöpfe
- süßer Retro-Charme auch softwareseitig
- viele Einschlaf-Sounds
- viele Spielereien für diejenigen, die sowas mögen
Contra
- ungünstiges Weckerformat
- Anschlussabdeckung offen bei dauerhaftem Betrieb
- fehlender Equalizer
- teilweise unverständliche Menüpunkte
- schaltet sich nach dem Einschlaf-Timer komplett aus
- die App ist nur zum Löschen gut
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