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Meinung

«Die Rückkehr der Exklusivtitel» – kommen die Konsolenkriege zurück?

Im Rahmen des Xbox Showcases am Summer Game Fest kündigt Microsoft «die Rückkehr der Exklusivtitel» an. Was viele Fans begeistert, sorgt bei mir für Kopfschütteln.

Kehrtwende bei Microsoft. Schon wieder. Am Xbox Showcase kündigt das Unternehmen an, dass es künftig wieder auf konsolenexklusive Xbox-Titel setzt. Den Anfang machen «Gears of War: E-Day» und «Clockwork Revolution». Die zwei Games werden nicht auf der PS5 (oder der Switch 2) erscheinen.

Dies ist insofern erstaunlich, als dass sich Microsoft seit mehreren Jahren immer weiter vom alten Konsolen-Businessmodell mit Exklusivität entfernt hat. Statt exklusiver Spiele für das eigene Ökosystem gab es massenweise Portierungen für die PS5 (und die Switch 2).

Die Entscheidung wird von Xbox-Hardcorefans gefeiert. Ich finde: Das ist zu wenig, zu spät und zu verwirrend. Microsoft hat mit der Xbox endgültig den Faden verloren.

Ein chaotischer und sinnloser Entscheid

Schaut man sich die «Rückkehr der Exklusivtitel» genauer an, wird klar, dass es sich um eine überhastete Entscheidung handelt. Fakt ist: «Gears of War: E-Day» befand sich bis vor Kurzem für die PS5 in Entwicklung. Das Game wurde bereits vom PEGI-Rating-Board bewertet und bei diversen Online-Händlern als Produkt gelistet.

Branchen-Insider Jeff Grubb berichtete bereits einige Stunden vor dem Showcase über den spontanen Entscheid. Nach der offiziellen Ankündigung schreibt er auf Bluesky: «Es gibt eine praktisch fertige Version von ‹Gears› für die PS5, die irgendwo auf einer Festplatte liegt.»

Das PS5-«Gears» gammelt irgendwo herum.
Das PS5-«Gears» gammelt irgendwo herum.
Quelle: Microsoft

In einem Interview führt Xbox Chief Content Officer Matt Booty aus, wieso man sich für die Exklusivität entschieden habe: «Wir wollen, dass die Leute einen Grund haben, eine Xbox zu kaufen, einen Grund, Xbox-Fan zu sein. Wir wissen, dass Exklusivtitel wichtig sind.»

Weiter meint Booty: «Unsere grossen Multiplayer- und Live-Service-Spiele werden weiterhin plattformübergreifend erscheinen. Und wir werden bereits gemachte Ankündigungen zu Multiplattform-Veröffentlichungen respektieren.» Er blickt in die Zukunft: «Wie wir künftig vorgehen, werden wir von Fall zu Fall entscheiden.»

Ich kann diese Ausführungen nicht nachvollziehen.

Exklusivspiele sind wichtig? Bei 24 der 28 vorgestellten Games am Xbox Showcase habe ich das PS5-Logo im Abspann gesehen. Exklusivität kann nur eine Sogwirkung haben, wenn Exklusivität die Regel und nicht die Ausnahme ist. Siehe Nintendo (alles exklusiv) – und seit neuestem auch Sony (alle Singleplayer-Games exklusiv). Selektive Exklusivität ohne klare Regeln sorgt nur für Verwirrung – vor allem solange Xbox-Ikonen wie der Master Chief auf der PS5 herumrennen.

Man will Spielern einen Grund geben, eine Konsole zu kaufen? Der Zug ist in dieser Konsolengeneration abgefahren, die Xbox Series X/S ist eine sterbende Konsole. Zudem erscheinen die «exklusiven» Titel weiterhin auf Steam – einer Konkurrenzplattform, die Microsoft viel mehr Sorgen bereiten sollte. Denn schliesslich soll die nächste Xbox ein PC und keine traditionelle Konsole werden.

Multiplayer-Spiele sollen Multiplattform bleiben? «Gears of War» war neben seinen Solo-Kampagnen seit jeher auch als Multiplayer-Franchise bekannt. Wieso dürfen PS5-Fans nicht mitspielen? Microsoft bricht schon mit der ersten Ankündigung ihre Regeln.

Bei künftigen Spielen soll von Fall zu Fall entschieden werden? Wieso wurde dann «Senua» als narrativ getriebenes Singleplayer-Spiel auch für die PS5 angekündigt? Niemand wusste, dass das Game existiert, geschweige denn, dass es auch für die PS5 kommen könnte. Wenn dieses Game nicht als Exklusivitätsfall gesehen wird, stellt sich wieder die Frage: Nach welchen Regeln wird Microsoft entscheiden? Diese Willkür sorgt für Unsicherheit bei potenziellen Kunden.

Wieso erscheint «Senua» auf der PS5?
Wieso erscheint «Senua» auf der PS5?
Quelle: Microsoft

Im Kontext der restlichen Showcase-Ankündigungen sorgen die zwei Neo-Exklusivtitel für Verwirrung statt für Klarheit. Es ist zu wenig, zu spät. Grosse Blockbuster wie «Halo: Campaign Evolved» und «Fable» (nota bene beides reine Singleplayer-Titel) bleiben Multiplattform während «Gears of War: E-Day» und «Clockwork Revolution» auf dem Altar längst vergangener Konsolenkriege geopfert werden. Ich hoffe inständig, dass dies keine negativen Konsequenzen für die betroffenen Studios haben wird (weniger verkaufte Games, weniger Umsatz, Entlassungen, Studioschliessungen).

Microsoft lässt Millionenbeträge auf dem Tisch liegen, um sich bei ihren grössten, lautesten Fans und Konsolenkriegern anzubiedern. Jener Gruppe, die mit Microsofts Multiplattform-Strategie seit jeher Probleme hatte. Jener Gruppe, die die neue Xbox-Chefin Asha Sharma als Heilsbringerin des Xbox-Brands sieht. Die Exklusivtitel sollen eine Wende signalisieren. Ein Blick in Microsofts jüngste Vergangenheit lässt jedoch vermuten, dass diese Wende nicht nachhaltig ist.

Strategie-Ping-Pong mit Exklusivität

Spulen wir einige Jahre zurück. Ich erinnere mich noch gut an den «Starfield»-Hype-Zyklus. Nach Microsofts Bethesda-Akquisition wurde das Weltraum-Epos als konsolenexklusiver Xbox-Blockbuster angepriesen und die PS5-Version gecancelled. Das kommt mir doch bekannt vor.

Mittlerweile ist das Game, mit vielen weiteren Xbox-Titeln, auch auf Sonys Plattform erhältlich.

Die damalige Xbox-Hardware-Chefin Sarah Bond verkündet stolz, dass «Starfield» Xbox-exklusiv sein wird. Für immer.
Die damalige Xbox-Hardware-Chefin Sarah Bond verkündet stolz, dass «Starfield» Xbox-exklusiv sein wird. Für immer.
Quelle: Microsoft

Schaue ich auf die vergangenen Jahre zurück, wirkt Microsoft planlos und verloren. Im Gegensatz zu Sony und Nintendo scheint das Redmonder Unternehmen keine langfristige Vision zu haben. Zu «Starfield»-Zeiten waren Exklusivspiele wichtig. Danach verkündete der ehemalige Xbox-Chef Phil Spencer, dass Exklusivspiele in den nächsten fünf bis zehn Jahren «komplett aussterben werden». Und jetzt will Sharma die Xbox-Exklusivität vor dem Aussterben bewahren. Ein schrecklich chaotisches Ping-Pong.

Seiner Drohung liess Spencer damals Taten folgen. Während Microsoft zunächst lediglich von vier PS5-Ports sprach, öffnete das Unternehmen die Schleusen zunehmend und liess ehemalige Xbox-Ikonen auf die PS5 los. «Forza», «Gears», «Flight Simulator». Ja, sogar der Chef der Halo Studios verkündete stolz, dass die «Halo»-Reihe ab sofort auf der PS5 zuhause sei.

Microsoft wurde aufgrund von finanziellem Druck (hallo, Activision-Akquisition) und absurden Profitabilitätszielen de facto zum Third-Party-Publisher. Und jetzt? Jetzt ist wieder alles anders. Aber wie lange?

«Halo» erscheint weiterhin auf der PS5.
«Halo» erscheint weiterhin auf der PS5.
Quelle: Microsoft

Microsoft redet zu viel

Die fehlende langfristige Vision wird durch ein weiteres Problem verstärkt: Microsoft redet im Vergleich zu Sony und Nintendo zu viel. Wir bekommen quasi im Live-Ticker mit, wie wichtige strategische Weichenstellungen entschieden und direkt kommuniziert werden.

Xbox-Chefs verkünden stolz ihre Kurzschlussentscheidungen, tauschen sich auf sozialen Medien mit Xbox-FanboysInfluencern aus und geben ununterbrochen Interviews, in denen sie aus dem Nähkästchen plaudern.

Sharma hört auf die Hardcore-Fans und sagt, dass man sich überlege, ob in künftigen Showcases Logos anderer Hersteller gezeigt werden sollen.
Sharma hört auf die Hardcore-Fans und sagt, dass man sich überlege, ob in künftigen Showcases Logos anderer Hersteller gezeigt werden sollen.

Das Resultat dieser Schwafel-Offensive: Niemand traut dem Brand mehr. Was heute gilt, wird morgen wieder ganz anders sein. Für jede aktuelle Aussage gibt es zig vergangene Aussagen, die das Gegenteil behaupten.

Der einzige Grund, warum in Xbox-Fankreisen jetzt wieder Hoffnung aufkeimt, ist, dass Sharma neu ist. Spencer hat vieles versprochen und gebrochen. Sharma ist ein unbeschriebenes Blatt, das seine Kredibilität noch nicht verspielt hat. Mit Betonung auf «noch». Denn wie Sharma nach ihrem Amtsantritt in einem Interview bereits angekündigt hat: «The plan's the plan until it's not the plan.»

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die nächste Kehrtwende kommt. Kann Microsoft seine ambitionierten Profitabilitätsziele mit der Exklusivstrategie nicht erfüllen, müssen die Schleusen wieder geöffnet und Leute entlassen werden. Schliesslich will Sharma gemäss eigenen Aussagen Xbox bis 2030 zum «Nummer Eins Gaming-Unternehmen der Welt machen».

Na dann. Viel Glück, Xbox.

Titelbild: Shutterstock

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Meine Liebe zu Videospielen wurde im zarten Alter von fünf Jahren mit dem ersten Gameboy geweckt und ist im Laufe der Jahre sprunghaft gewachsen.


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