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Bungie
Meinung

Die Welt von «Marathon» ist zu gut für einen Extraction-Shooter

Bungies neuer Online-Shooter «Marathon» sieht atemberaubend aus. Umso frustrierender, dass ich diese Welt nicht in einer Singleplayer-Kampagne erkunden kann.

Ein Sturm tobt auf dem Planeten Tau Ceti IV. Dichter Regen peitscht gegen neonfarbene Gebäude, die in der kargen Alien-Landschaft wie Fremdkörper aussehen. Blitze schlagen links und rechts von mir ein und erhellen schlaglichtartig die postapokalyptische Szenerie.

Ich halte kurz inne – wow, sieht das geil aus.

«Marathon» ist visuell eine Wucht.
«Marathon» ist visuell eine Wucht.

Ungeachtet der widrigen Umstände kämpfe ich mich weiter durch das Unwetter. Die Mission: ein Terminal in einem streng geheimen Labor hacken. Mein Munitionsvorrat ist bereits schwer dezimiert und meine Panzerung ist angeschlagen. In der Ferne höre ich Schüsse und Explosionen. Damit will ich nichts zu tun haben.

Ich erreiche das Forschungslabor. In einer Truhe finde ich Nachschub für meine Shotgun. Zum Glück, denn drei mordlustige Killerroboter bewachen das Terminal. Ich greife aus dem Hinterhalt an. Mit meiner Spezialfähigkeit elektrisiere ich die Blechbüchsen und ballere sie in Ruhe weg. Nach getaner Arbeit hacke ich das Terminal und lade wichtige Informationen herunter.

Geschafft. Jetzt nur noch schnell einen Extraktionspunkt suchen, um sicher vom Planeten zu entkommen.

Ich will hier noch eine Weile bleiben.
Ich will hier noch eine Weile bleiben.

Aber ich will noch nicht gehen. Denn sobald ich die Mission abschliesse, werde ich aus diesem wunderschönen Traum gerissen und lande in einer tristen Live-Service-Realität.

«Marathon» setzt mich vor ein seltsames Dilemma: Ich liebe seine Inhalte, möchte sie aber nicht in dem limitierenden Korsett eines Online-Multiplayer-Games erleben.

Cool Story, Bro

Die Story-Prämisse von «Marathon» packt mich sofort. Auf dem fernen Planeten Tau Ceti IV stand einst eine menschliche Kolonie. Heute zeugen nur noch Ruinen und patrouillierende Sicherheitsroboter davon. Ich schlüpfe in die Rolle eines «Runners», der sein Bewusstsein in eine kybernetische Hülle lädt, um den Planeten zu erforschen.

Mein Ziel ist es, wertvolle Ressourcen zu bergen und Informationen über den Untergang der Kolonie zu sichern. Denn was genau auf Tau Ceti IV vorgefallen ist, ist unklar. Hinweise deuten auf Alien-Angriffe und interne menschliche Konflikte hin. Vielleicht stecken auch abtrünnige KIs dahinter – wie schon in der originalen «Marathon»-Trilogie aus den Neunzigern.

Ich liebe solche Mysterien. Umso mehr schmerzt es mich, dass ich diese Geheimnisse nicht in einer Singleplayer-Kampagne aufdecken kann. Stattdessen serviert mir «Marathon» die Geschichte zwischen kurzen Multiplayer-Partien in Story-Fetzen und lieblosen Lore-Dumps.

Wie gerne würde ich die Geschichte in einem narrativ getriebenen Singleplayer-Game erleben...
Wie gerne würde ich die Geschichte in einem narrativ getriebenen Singleplayer-Game erleben...
Quelle: Bungie

«Marathon» ist ein Extraction-Shooter. Heisst: In jedem Multiplayer-Match gilt es, auf einer Map möglichst viel wertvollen Loot zu sammeln. Sterbe ich, verliere ich alles. Entkomme ich sicher vom Planeten, behalte ich alles. Zwischen Runs (so der Begriff für die Ausflüge nach Tau Ceti IV) kontaktieren mich verschiedene rivalisierende Fraktionen mit unterschiedlichen Aufträgen. Einige wollen, dass ich beim nächsten Run wertvolle Daten stehle, andere verlangen, dass ich Equipment vernichte.

Belohnt werde ich (viel zu selten) auch mit Informationen zur Hintergrundgeschichte.

Die verschiedenen Fraktionen haben allesamt ihre eigenen versteckten Motivationen.
Die verschiedenen Fraktionen haben allesamt ihre eigenen versteckten Motivationen.

Als Live-Service-Titel will mich «Marathon» über eine möglichst lange Zeit an den Controller fesseln. Logisch, werde ich nur spärlich mit Informationen versorgt. Schliesslich muss Bungie die Geschichte über Monate oder sogar Jahre hinweg erzählen können.

Ich verstehe die Ausgangslage. Und trotzdem kann ich nicht anders, als über eine theoretische Story-Kampagne zu fantasieren.

Die Zwischensequenzen, in denen die Fraktionen vorgestellt werden, sind der Hammer. Ich will mehr davon!
Die Zwischensequenzen, in denen die Fraktionen vorgestellt werden, sind der Hammer. Ich will mehr davon!

Stell dir vor: Diese verdammt spannende Hintergrundgeschichte, erzählt in einer perfekt getakteten, narrativ getriebenen Singleplayer-Kampagne. Ich denke unweigerlich an Titel wie «Metroid Prime». Isoliert auf einem fremden Planeten voller Viecher und Roboter, die mich töten wollen. Durch Hinweise in der Umgebung decke ich Schritt für Schritt auf, was hier vorgefallen ist. Ich bin nicht gebunden an zwanzigminütige Runs und lieblose Lore-Dumps, die mir als Textwände in Menüs präsentiert werden. Stattdessen entdecke ich in meinem Tempo Notizen von Überlebenden, höre Audio-Logs, löse Rätsel und kämpfe gegen Killerroboter.

Ach, es könnte so schön sein.

Das soll ich alles lesen? So sehr ich die Lore spannend finde – solch lieblos präsentierte Textwände schrecken mich ab.
Das soll ich alles lesen? So sehr ich die Lore spannend finde – solch lieblos präsentierte Textwände schrecken mich ab.

Viel zu schön für Multiplayer

Neben der Story schmerzt mich auch, wie unglaublich geil die Spielwelt aussieht. Bungie hat hier ein visuelles Sci-Fi-Meisterwerk erschaffen – viel zu schön, um es in einem Live-Service-Titel zu verschwenden.

Besonders gefällt mir, wie das Game mit Beleuchtung und Farben spielt. Die fremden Welten sind in ein Licht getaucht, das sich eindeutig nicht irdisch anfühlt. Schau dir diesen grünen Schimmer in der Map «Dire Marsh» an. Absolute Cinema.

So schön.
So schön.
Quelle: Bungie

In Innenräumen verpassen bunte Lampen der Szenerie eine surreal anmutende Atmosphäre. Ich kann nicht genug betonen, wie geil das auf meinem 83-Zoll-OLED-TV aussieht.

So viel rot.
So viel rot.

Auch kleinere Details überzeugen – angeschossene Gegner hinterlassen eine markante blaue Blutspur, wenn sie kriechend Schutz suchen. Logisch: Es sind ja nur kybernetische Hüllen und keine echten Menschen aus Fleisch und (rotem) Blut.

So viel blau.
So viel blau.

Gebäude, Container und Kabel setzen mit grellen, übersättigten Farben spannende Kontraste, an denen ich mich orientieren kann. Damit hebt sich «Marathon» vom sonstigen Shooter- und Sci-Fi-Einheitsbrei ab und kreiert eine einzigartige Atmosphäre.

So viele Farben.
So viele Farben.

Auch der Soundtrack haut mich vom Hocker. Ein überirdischer Klangteppich aus bedrohlichen Bässen, stechenden Synth-Klängen und verstörenden Vocals.

Es fühlt sich anders an als alles, was ich bisher in Game-Soundtracks gehört habe.

Ich würde alles dafür geben, alleine in diese einzigartige Sci‑Fi‑Welt einzutauchen. Die visuelle Sprache des Spiels – markante Kontraste, grelle Farben – schreit nach einer Spielwelt voller Geheimnisse. Alles sieht so verdammt spannend aus. Was verbirgt sich in diesem auffällig grellen Gebäude? Was ist das für ein schwebendes rotes Ding über dem Sumpfgebiet? Was erwartet mich am Ende dieses bedrohlich beleuchteten Korridors?

Wie gerne würde ich all diese Fragen alleine beantworten und die Atmosphäre dieses bunten Sci-Fi-Universums aufsaugen. Ohne nervige Mitspieler, die wie Hampelmänner herumrennen, gefallene Gegner teabaggen und mir ins Ohr schreien. Ohne, dass ich mich nach jedem Run durch lästige Live-Service-Menüs kämpfen muss, die mich aus der Erfahrung reissen. Ohne Zeitlimit. Nur ich und die Spielwelt. Nur ich und Tau Ceti IV.

Hoffnung in die Zukunft

Ich bete zu den Live-Service-Göttern, dass «Marathon» ein Erfolg wird. Vielleicht erkennt Bungie das immense Potenzial dieses Universums und schenkt uns weitere Singleplayer-Games, die es voll ausschöpfen.

Zugegeben – die Wahrscheinlichkeit dafür ist gering. Schliesslich ist Bungie mittlerweile ein Synonym für Live-Service-Games. Aber träumen darf man ja. So wie einst die Menschheit von einem Neuanfang auf Tau Ceti IV geträumt hat. Und bis dahin kämpfe ich mich weiter durch kurze Multiplayer-Partien und unübersichtliche Menüs. In der Hoffnung, dass Bungie eines Tages erkennt, wie viel mehr in dieser Welt steckt.

Titelbild: Bungie

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Meine Liebe zu Videospielen wurde im zarten Alter von fünf Jahren mit dem ersten Gameboy geweckt und ist im Laufe der Jahre sprunghaft gewachsen.


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