
Disney+ öffnet seine «werbefreien» Abos für Werbung
Disney+ verschickt dieser Tage eine unscheinbare Mail zu geänderten Nutzungsbedingungen. Darin steckt Sprengstoff: Selbst im teuersten Premium-Abo behält sich der Konzern vor, künftig Werbung anzuzeigen.
«Alle Abos von Disney+ bekommen Werbung», titelt das deutsche Tech-Portal Golem. Klar, eindeutig und alarmierend – nur nicht ganz richtig. Das Problem dabei: Weder die zugrunde liegende Vertragsänderung noch Disneys eigene Stellungnahme sagen das, was der Titel behauptet. Was tatsächlich feststeht, ist trotzdem brisant genug, um genau hinzuschauen.
Der Reihe nach. Disney+ hat den Nutzungsvertrag per 18. Juni 2026 geändert und informiert seine Kundschaft – auch in der Schweiz – dieser Tage per Mail darüber. Neu drin: Alle Abo-Optionen dürfen künftig Werbung enthalten. Bislang war das nur beim günstigsten Abo «Standard mit Werbung» der Fall.
Was heisst das jetzt konkret?
«Können», nicht «werden»
Zunächst einmal, dass Disney keinen Hehl aus seinem eigenen Widerspruch macht. Auf der Schweizer Abo-Seite zeigt er sich sogar schwarz auf weiss: Bei Premium (ab CHF 17.90) und Standard (ab CHF 13.90) steht weiterhin ein dicker Haken bei «Werbefreie Filme und Serien», während die Fussnote direkt darunter genau das Gegenteil einräumt.

Quelle: disneyplus.com/de-ch
Schön ist das nicht. Trotzdem: Da steht «können», nicht «werden». Disney schafft sich mit dieser Klausel also lediglich die vertragliche Grundlage, eines Tages Werbung in sämtlichen Abos zu schalten.
Immerhin spricht die Fussnote ausdrücklich nur von Werbung vor und nach der Wiedergabe, nicht während eines Films oder einer Serienfolge. Klassische Mid-Roll-Werbung, wie man sie von YouTube oder Prime Video (in Deutschland) kennt, ist damit vorerst nicht abgedeckt. Das erklärt vielleicht auch, wieso Disney den «werbefrei»-Haken einfach stehen lässt, statt ihn zu entfernen: Auch andere Anbieter mit explizitem Werbefrei-Versprechen nehmen es damit nicht ganz so genau.
HBO Max etwa behält sich in seinen Hilfe-Artikeln vor, in Standard und Premium «Inhalte mit Sponsoring und Produktplatzierungen» sowie «Programm-Trailer» einzublenden – unabhängig vom gebuchten Abo. Und selbst Apple TV, das sich traditionell explizit als werbefrei positioniert, zeigt vor dem Start eigener Filme und Serien regelmässig Trailer für andere Apple-Produktionen. Aus Sicht der Anbieter ist Eigenpromotion offenbar keine «echte» Werbung.
Wie zugespitzt ist die Golem-Schlagzeile wirklich?
Auf Nachfrage von Golem hat Disney bestätigt, dass die Klausel tatsächlich für alle Abos gilt. Der Konzern blieb dabei aber selbst im Konjunktiv: Werbung «könne» zum Beispiel bei Live-Sport dazugehören, «wie in der Branche üblich». Von «bekommen Werbung» ist in der Stellungnahme nirgends die Rede.
Golems Schlagzeile ist damit, mit Verlaub, zugespitzt bis an die Grenze der Unwahrheit: Weder die Mail noch Disneys eigene Stellungnahme sagen, dass Werbung jetzt kommt. Nur, dass sie kommen könnte. Ein Konjunktiv ist keine Zusicherung, so verlockend die Schlagzeile für den Autor auch klingen mag.
Was heisst das für Abonnentinnen und Abonnenten?
Ob am Ende tatsächlich Werbung in Premium und Standard auftaucht, weiss aktuell niemand ausser Disney selbst – auch wenn es keinen Orakelspruch braucht, um sich eine mögliche Antwort zusammenzureimen. Die spannendere Frage dürfte ohnehin das «Wann» und die Art der Werbung sein.
Für Ärger sorgt schon jetzt der Widerspruch zwischen Werbeversprechen und Kleingedrucktem. Auf Reddit kündigen zahlreiche Nutzerinnen und Nutzer an, ihr Abo zu beenden, oder haben es nach eigenen Angaben bereits getan. Disney mag sich mit der neuen Klausel also erst einmal nur alle Türen offenhalten. Bei einem Teil seiner Kundschaft reicht offenbar schon das, um sie hinauszutreiben.
Ich schreibe über Technik, als wäre sie Kino, und über Filme, als wären sie Realität. Zwischen Bits und Blockbustern suche ich die Geschichten, die Emotionen wecken, nicht nur Klicks. Und ja – manchmal höre ich Filmmusik lauter, als mir guttut.
Vom neuen iPhone bis zur Auferstehung der Mode aus den 80er-Jahren. Die Redaktion ordnet ein.
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