

«Forza Horizon 6» Vorschau: das Racing-Highlight 2026?
Mit «Forza Horizon 6» verschlägt es die chaotische Open-World-Rennspielreihe endlich nach Japan. Ich konnte das wohl meist erwartete Racing-Game des Jahres vorab ausprobieren – und kann es kaum erwarten, weiterzuspielen.
USA, Frankreich, Italien, Australien, England, Mexiko. Nein, das ist keine WM-Gruppe (wie auch: Italien ist ja nicht dabei), sondern die Liste der bisherigen «Forza Horizon»-Schauplätze. Mit dem neuesten Teil der Rennspielreihe bringt Playground Games das titelgebende Horizon-Festival erstmals nach Japan. Ein Setting, das sich Fans seit Jahren wünschen. Ich meine – logisch, oder? Jede Game-Reihe wird besser, wenn sie in Japan spielt.
Auch für unseren Otaku und Auto-Nerd Simon geht damit ein Traum in Erfüllung. Mein Redaktionskollege wird «Forza Horizon 6» zum Launch im Mai einem ausführlichen Test unterziehen. Bevor es soweit ist, durfte ich den Open-World-Racer schon jetzt im Rahmen einer limitierten Vorschau antesten. Sorry, Simon! Aber hey, immerhin konnte mich unser Rennspielexperte nach meinem Anspieltermin mit Fragen ausquetschen. So viel vorweg: Ich habe verdammt Bock auf das Spiel und kann den Release kaum erwarten.

Simon: Du konntest «Forza Horizon 6» spielen. Endlich ist Japan Schauplatz. Fans forderten Japan gefühlt seit «Horizon 2» … Unter Weebs: Wie authentisch kommt Japan rüber?
Domagoj: Ich würde sagen: Das Warten hat sich gelohnt. Das Entwicklerstudio Playground Games hat es geschafft, verschiedene japanische Regionen authentisch nachzubilden. Das Team hat von Anfang an mit einer «kulturellen Beraterin», Kyoko Yamashita, zusammengearbeitet, um ein möglichst realitätsnahes Abbild Japans zu kreieren.
Was mich besonders freut: Das virtuelle Japan in «Forza Horizon 6» besteht aus mehr als nur kitschigen Kirschblütenalleen und Mount-Fuji-Postkartensujets. Ich rase auch durch kleine Dörfer mit Reisfeldern, verschneite Bergstrassen und idyllische Strände mit kristallklarem Wasser. Japan ist extrem vielfältig – und «Forza Horizon 6» trägt dem Rechnung.

Was konntest du schon spielen?
In der Preview-Version erlebe ich den Anfang des Spiels. Als Prolog gibt es einen verrückten Zusammenschnitt verschiedener Renntypen. Sozusagen als Appetizer für den Hauptgang. Ich düse in einem ultraschnellen Rennauto neben einem Shinkansen, schlittere in einem Buggy einen schneebedeckten Berg hinunter und drifte in einem Sportauto durch einen kurvenreichen Bergpass. Geil.
Danach versuche ich mich für das bevorstehende Horizon-Festival zu qualifizieren. Dabei bestreite ich insgesamt drei Rennen.
Im «Airfield Trail» gilt es, zunächst auf unebenem, matschigem Gelände zu bestehen. In den Kurven sind perfektes Timing und Präzision gefragt, sonst endet der Driftversuch in einem Crash mit der Bande. Zum Abschluss gibt es einen High-Speed-Abschnitt auf asphaltiertem Grund. Herzschlagfinale garantiert.

Das «Wind Farm»-Rennen ist ein Cross-Country-Event mit 4x4-Pickups. Das Rennen führt mich durch Waldabschnitte, Reisfelder und Sandstrände. Zwischendurch gibt es immer wieder halsbrecherische Sprünge, bei denen mein Bolide wie ein Angry Bird meterweit durch die Luft fliegt, um mit einer zerstörerischen Landung in das Fahrerfeld zu krachen. Absolutes Chaos, ich liebe es.

Der «Shirakawa Circuit» führt mich in einem Retro-Sportauto durch ein kleines Dorf mit engen Strassen und Kurven. Ein simples, aber visuell sehr ansprechendes Rennen, das ich mit meinem babyblauen Toyota Supra 2.0 GT meistere.

Das Horizon-Festival an sich erlebe ich leider nicht – die Demo endet nach der erfolgreichen Qualifikation. Dafür kann ich die gesamte Spielwelt frei erkunden, an kleineren Events teilnehmen und sammelbare Gegenstände suchen.
Welche weiteren Events hast du in der Spielwelt entdeckt – und: Konntest du schon die neuen Rush-Events testen?
Die Events sollten «Horizon»-Fans bekannt vorkommen: «Speed Zones», in denen ich möglichst schnell durch Radarfallen rase. «Trailblazer»-Rennen, bei denen ich ohne Rücksicht auf Strassen und Verluste möglichst schnell von Punkt A nach Punkt B kommen muss. Oder auch Drag Races auf geraden Strassen und Drift Zones auf engen Touge-Strassen.
Was mir gefällt, sind die sammelbaren Gegenstände. In jeder Region muss ich unterschiedliche Maskottchen überfahren. Wer schon mal in Japan war, weiss: Städte, Sehenswürdigkeiten, ja sogar einige Gerichte haben ihre eigenen Maskottchen. Das ist herrlich japanisch und eine super Idee für Collectibles.

Die neuen Rush-Events konnte ich noch nicht testen – die werden erst als Teil des Festivals freigeschaltet. Sie hören sich aber sehr vielversprechend an. Es sind Weiterentwicklungen der Showcase-Events, die Fans aus früheren Teilen kennen. Also: Spektakulär inszenierte Rennen, bei denen man gegen Flugzeuge, Helikopter und andere verrückte Sachen antritt. Im Vergleich zu früheren Veranstaltungen, die man einmal gespielt und nie mehr angefasst hat, sollen die Rush-Events dank Highscore-Mechanik und Leaderboards einen hohen Wiederspielwert haben.
Japan hat eine ganze eigene Auto-Kultur und Kult-Autos. Haben die Entwickler einen Fokus darauf gelegt?
Das kann ich noch nicht beurteilen. Im Preview-Build stehen mir nur eine beschränkte Anzahl an Boliden zur Verfügung. Das Entwicklerstudio verspricht in der finalen Version jedoch über 550 Autos von «modernen Performance-Ikonen bis hin zu JDM-Klassikern».
Die kulturelle Beraterin Yamashita ist auch Expertin in Bezug auf Japans Auto-Kultur. In einem Blog-Post schwärmt sie von Kei-Cars, Vans mit Kultstatus, präzisem Motorsport und der Drifting-Szene, die Spielerinnen und Spieler in «Forza Horizon 6» erleben sollen. Ich denke, du als Japan- und Auto-Nerd wirst voll auf deine Kosten kommen.

Beim letzten «Horizon» hatte man nach einer halben Stunde Spielzeit schon einen Hypercar mit 1000 PS unter dem Hintern. Ich hatte nie das Gefühl, dass ich wirklich Fortschritte mache. Ist das jetzt anders?
Das wirst du wohl erst in deiner Review herausfinden. Was ich aber sagen kann: Im Preview-Build hatte ich nie das Gefühl, overpowered zu sein. Im Gegenteil – die verfügbaren Rennen und Events haben, um bei den Anglizismen zu bleiben, mein Ass gekicked. Das kann aber auch an der beschränkten Fahrzeugauswahl liegen – oder an meinen noch beschränkteren Skills.
Eine erste Preview sah recht leer aus: Kaum Verkehr auf den Strassen, die Welt wirkte leblos. Ist dir das auch aufgefallen?
Du beziehst dich auf das Gameplay-Video von IGN, das vergangenen Monat veröffentlicht wurde. Und ja, das sah ziemlich trostlos aus.
Mittlerweile ist bekannt, dass Playground Games die Fahrzeugdichte für diese Demo heruntergeschraubt hat, damit die Landschaften besser zur Geltung kommen. Eine Entscheidung, die nach hinten losgegangen ist, weil sich viele Fans über die leere Spielwelt aufgeregt haben.
Mit meiner Erfahrung aus dem Preview-Build kann ich Entwarnung geben. Japan ist keine postapokalyptische, menschenleere Kulisse. Es gibt tatsächlich auch andere Autos, die herumfahren und als fahrende Hindernisse dienen. Insbesondere in den urbaneren Gebieten rund um Tokyo hätte ich mir jedoch noch etwas mehr Gegenverkehr gewünscht.

Ebenfalls ein Kritikpunkt aus dem bisher gezeigten Material: Die Strassen sind alle zu weit. Du hast aber Drift-Events angesprochen – gibt es also auch technisch anspruchsvollere Touge-Strecken?
Ja, die Strassen sehen teilweise lächerlich breit aus. Aber hey, «Forza Horizon» war nie ein Rennspiel, das sich dem Realismus verpflichtet hat. Die Strecken sind so designt, dass sie in den verschiedenen Spielmodi möglichst vielseitig eingesetzt werden können.
Das heisst nicht, dass es keine engeren Abschnitte gibt. Neben den Drift-Events hat mich auch der bereits beschriebene «Shirakawa Circuit» mit engeren Strassen überrascht.

Tokyo soll die mit Abstand grösste Stadt in einem «Forza Horizon» sein. Wie äussert sich das? Gibt es zum Beispiel längere Rennen nur in der Stadt?
Gemäss Playground Games ist Tokyo rund fünfmal grösser als die grösste Stadt in «Forza Horizon 5» (Guanjuato). Ich würde sie sogar grösser schätzen, weil es neben dem Stadtkern auch noch anliegende Siedlungen gibt, die das Siedlungsgebiet organisch vergrössern.
Wer schon mal in Tokyo war, weiss, wie gigantisch die Metropole ist. Du solltest keine genaue Abbildung der Millionenstadt erwarten. Es ist eine Miniaturversion, in der zahlreiche Wahrzeichen dicht nebeneinanderstehen und mit spannenden Streckenabschnitten verbunden sind. Ein Rennen in der Stadt habe ich noch nicht absolviert. Das Potenzial für spannende Kurse ist aber da. Ich bin besonders auf die teilweise langen Autobahnabschnitte gespannt, die sich durch die Szenerie schlängeln.

Die «Forza Horizon»-Games hatten in der Vergangenheit klar abgegrenzte Biome. Du fährst aus dem Wüstengebiet ins Dschungelgebiet und dann in die Schneewelt. Ist das in Japan auch so aufgesetzt?
«Forza Horizon 6» ist die bisher grösste Map in einem «Horizon»-Spiel. Das Entwicklerstudio spricht von «662 Strassen und 74 ikonischen Arealen». Die Grösse sorgt auch dafür, dass sich die Spielwelt organischer als zuvor anfühlt. Die Übergänge zwischen den Biomen sind sanfter und dauern länger. Ich bin nicht plötzlich in der Schneewelt, sondern muss mir den Aufstieg in die verschneiten Berge erarbeiten.
Damit du dir die Grösse der Map besser vorstellen kannst, habe ich versucht, so schnell wie möglich von einem Ende der Map zum anderen zu gelangen. Gefahren bin ich in einem Toyota Supra 2.0 GT mit Spitzengeschwindigkeiten von über 230 km/h. Ich bin nicht kompromisslos durch die Spielwelt gebrettert, sondern habe brav die Strassen genommen. Vom nördlichsten bis zum südlichsten Punkt (ca. 30 In-Game-Kilometer) brauche ich ungefähr 16 Minuten. Vom östlichsten zum westlichsten Punkt (ca. 22 Kilometer) benötige ich rund 10 Minuten.

Liegt der Fokus der Map eher auf dem urbanen oder ländlichen Japan?
Tokyo ist die einzige grössere Siedlung im Spiel. Der Fokus liegt klar auf ländlichen Gebieten, kleinen Dörfern und der wunderschönen Natur.
Abgesehen von der Authentizität ist auch die Grafik bei Rennspielen wichtig – sowohl bei Autos als auch bei der Umgebung. Wie sieht das Spiel im Vergleich zum Vorgänger aus – und wie läuft es?
Den Preview-Build habe ich auf meiner Xbox Series X im Qualitätsmodus mit 30 FPS getestet. Zum Launch soll es auch einen Performance-Modus mit 60 FPS geben. Bei Rennspielen bevorzuge ich immer die Modi, die mir ein flüssigeres Spielerlebnis bieten. Ich muss aber zugeben, dass mich die 30 FPS nicht gross gestört haben. Die Steuerung fühlt sich schnell an, das Spiel läuft ohne Ruckler und die Bewegungsunschärfe maskiert die tiefe Framerate ziemlich gut.

Generell sehe ich im Vergleich zu «Forza Horizon 5» eine deutliche Steigerung. Es sieht alles ein bisschen besser aus als zuvor. Die Beleuchtung wirkt realistischer, die Wälder sind dichter, der Schlamm ist schlammiger, die Umgebungen wirken detaillierter. Bei weitem keine grafische Revolution, aber ein schöner Fortschritt. Schade, erscheint das Spiel im Mai nicht schon auf der PS5 – ich bin gespannt, wie das Game in der Pro-Version aussehen wird.
Etwas enttäuscht bin ich hingegen von Tokyo bei Nacht. Hier habe ich mir mit all den leuchtenden Neonreklamen mehr erhofft. Die Atmosphäre des nächtlichen Tokyos kommt nicht so richtig rüber. Das wirkt alles etwas zu... steril? Da bin ich von anderen Games mit ultradetaillierten Levels – allen voran «Yakuza» – wohl zu verwöhnt.

Was kannst du zum Soundtrack sagen?
Geil. Im Preview-Build habe ich zwar nur eine beschränkte Auswahl an Tracks, sie vermitteln aber schon ziemlich gut, in welche Richtung es gehen wird. Dominiert wird die Preview-Playlist von elektronischen Klängen und herrlichen Achtziger-Retro-Hymnen.
Ich will dir schon mal meinen Favoriten mitgeben: «Sniper Rouge». Ein fantastischer Ohrwurm. Kannst du dir vorstellen, wie geil es ist, mit diesem Sound durch Japan zu brettern? Ich hab so Bock auf dieses Spiel.
«Forza Horizon 6» erscheint am 19. April für Xbox Series X/S und PC. Eine Version für PS5 folgt später. Microsoft hat mir für diese Vorschau Zugang zu einem Preview-Build auf der Xbox Series X gegeben.

Meine Liebe zu Videospielen wurde im zarten Alter von fünf Jahren mit dem ersten Gameboy geweckt und ist im Laufe der Jahre sprunghaft gewachsen.
Interessantes aus der Welt der Produkte, Blicke hinter die Kulissen von Herstellern und Portraits von interessanten Menschen.
Alle anzeigenDiese Beiträge könnten dich auch interessieren

Hintergrund
Vorschau: «Invincible VS» ist ein blutiger Liebesbrief an die TV-Serie
von Domagoj Belancic

Hintergrund
«Metroid Prime 4: Beyond» Vorschau: Nintendo hat mich endlich überzeugt
von Domagoj Belancic

Hintergrund
«Resident Evil Requiem» Vorschau: Alles andere als ein Meisterwerk wäre überraschend
von Domagoj Belancic