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Amazon Prime Video
Meinung

«God of War»-Serie: Warum dieses erste Bild gerade viele irritiert

Luca Fontana
2-3-2026

Amazons erster Blick auf Kratos in «God of War» sorgt für Spott, Skepsis und Stirnrunzeln. Warum wirkt der Kriegsgott plötzlich wie ein Cosplayer mit Rückenproblemen?

Es ist nur ein einziges Bild. Ryan Hurst als Kratos links, Callum Vinson als Atreus rechts. Kein Trailer, keine Szene, kein bewegtes Material. Und doch reicht dieses Standbild, um eine Debatte auszulösen, die über zahlreiche Kommentarspalten auf Social Media und Reddit-Foren erstaunlich emotional geführt wird.

Der Vorwurf: Es sehe billig aus. Künstlich. Wie Cosplay von einer Comic-Con halt. Dazu noch Kratos’ Haltung, die wirkt, als plagten den Kriegsgott Rückenschmerzen. Einige hielten es zunächst sogar für ein von Fans KI-generiertes Bild, andere für ein Resultat aus Photoshop. Erst, wenn man auf die Bildcredits schaut, realisiert man: das ist offiziell von Amazon – und damit echt.

Was irritiert hier eigentlich?

Zu sauber für diese Welt

Objektiv betrachtet stimmt eigentlich vieles. Die Kostüme orientieren sich sehr nah an der Spielvorlage von Sony Santa Monica. Die markante rote Tätowierung, der Bart, die Lederrüstung – alles da. Und Ryan Hurst bringt genug körperliche Präsenz mit; niemand erwartet ernsthaft, dass ein Schauspieler die diabolische Muskelmasse eines digitalen Halbgottes erreicht. In Live-Action gelten andere Massstäbe.

Und trotzdem wirkt das Bild merkwürdig flach.

Kratos’ Wucht lebt im Spiel von Perspektive und Interaktivität. Genau diese Immersion fehlt zwangsläufig in der Serienadaption.
Kratos’ Wucht lebt im Spiel von Perspektive und Interaktivität. Genau diese Immersion fehlt zwangsläufig in der Serienadaption.
Quelle: Sony Santa Monica

Meiner Meinung nach fehlt da Tiefe. Atmosphäre. Textur. Die nordische Kälte, der Schmutz, das Gewicht, das «God of War» seit dem Reboot von 2018 auszeichnet. Stattdessen wirkt das Set saukünstlich, der Fels mit dem Moos sieht aus, als bestünde er aus Styropor, die Bäume im Hintergrund könnten Matte-Painting sein, und die Aufnahme selbst ist ausgeleuchtet wie ein Studio-Test, nicht wie ein Moment aus einer Welt.

Das Problem liegt also weniger im Casting als in der Präsentation. Licht, Farbkorrektur, Perspektive – all das erzeugt den Eindruck eines isolierten Promo-Bildes, nicht eines organischen Serienframes, das vom Zorn eines Gottes gezeichnet ist. Und genau da liegt wohl der Hund begraben. Denn es gibt da etwas, das viele gar nicht wissen.

Ist das nur ein Promo-Motiv?

Gemessen daran, dass die Dreharbeiten Berichten zufolge erst im März 2026 hätten starten sollen – also ungefähr jetzt –, ist es durchaus denkbar, dass dieses Bild noch gar nicht aus dem eigentlichen Dreh oder gefilmten Material stammt. Denn früh produzierte Promo-Bilder sind in der Branche gang und gäbe. Oft entstehen sie, bevor Look und Feel einer Serie final definiert sind. Wichtig ist vor allem, dass das Projekt früh ins Gespräch kommt.

Ein prominentes Beispiel ist «The Witcher». Als Netflix 2018 den ersten Look von Henry Cavill als Geralt veröffentlichte, war die Reaktion ähnlich verhalten. Die Perücke wirkte künstlich, das Licht unvorteilhaft. Später stellte sich heraus: Es handelte sich um einen frühen Kostümtest, nicht um eine Szene aus der Serie selbst. Das fertige Produkt sah viel besser aus.

Auch bei «The Witcher» sorgte der erste Look 2018 für Skepsis – später stellte sich heraus, dass es nur ein früher Kostümtest war.
Auch bei «The Witcher» sorgte der erste Look 2018 für Skepsis – später stellte sich heraus, dass es nur ein früher Kostümtest war.
Quelle: Netflix

Es wäre also voreilig, von diesem einen Bild auf die Gesamtqualität zu schliessen. Aber ebenso legitim ist die Feststellung: Der erste Eindruck zählt. Gerade bei einer Marke, die eine so leidenschaftliche Fangemeinde besitzt.

Dabei liegt das grössere Problem womöglich gar nicht darin, dass ein Promo-Bild wie ein Promo-Bild aussieht, sondern darin, dass Kratos keine gewöhnliche Videospiel-Figur ist. Er ist eine Ikone. Seine Wirkung entsteht nicht nur durch Design und Schauspiel, sondern durch die Inszenierung und die Nähe der Perspektive. Diese als TV-Serie zu adaptieren, wird höllisch schwer.

Kratos ist mehr als eine Figur

Denken wir an das Reboot von 2018 zurück, denken wir an die durchgehende Schulterkamera ohne sichtbare Schnitte. Diese formale Entscheidung schuf Intimität und Intensität. Die Spielenden waren nicht Beobachtende, sondern Teil der Reise. Diese Form von Immersion lässt sich nicht eins zu eins auf ein einzelnes Bild übertragen.

In Live-Action schrumpft selbst ein Gott auf menschliche Dimensionen. Was im Spiel monumental wirkt, kann auf einem Set schnell «nur» wie ein gut gemachtes Kostüm aussehen. Nicht mehr, nicht weniger. Das ist kein Fehler der Serie, sondern eine mediale Verschiebung.

Gleichzeitig gibt es Gründe, nicht in Panik zu verfallen. Amazon hat mit «Fallout» gezeigt, dass eine Videospiel-Adaption respektvoll, atmosphärisch und eigenständig funktionieren kann. Der Umgang mit Tonalität und Weltbau war dort überraschend sicher. In der zweiten Staffel sogar zu sicher, wenn du mich fragst.

Auch bei «God of War» wirkt das Projekt hinter den Kulissen ambitioniert. Das Casting jenseits dieses Standbilds wurde positiv aufgenommen (Kratos-Darsteller Ryan Hurst lieh im Game übrigens Thor die Stimme). Die Produktion läuft, ein Release ist jedoch frühestens 2027 realistisch. Ein einzelnes Bild darf daher noch kein Urteil sein. Aber es ist ein Signal.

Und dieses Signal ist … irritierend.

Vielleicht zeigt es weniger, dass die Serie schlecht aussehen wird, sondern vielmehr, wie schwierig es ist, eine digitale Legende in physische Realität zu übersetzen. Kratos war immer grösser als die Welt um ihn herum. Jetzt muss er in einer echten bestehen. Ob das funktioniert, wird sich nicht in einem Promobild entscheiden, sondern erst dann, wenn sich die Kamera bewegt.

«God of War» – Top oder Flop?

Wie zufrieden bist du mit diesem ersten Promo-Bild aus der Live-Action-Adaption von «God of War»?

Titelbild: Amazon Prime Video

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Ich schreibe über Technik, als wäre sie Kino, und über Filme, als wären sie Realität. Zwischen Bits und Blockbustern suche ich die Geschichten, die Emotionen wecken, nicht nur Klicks. Und ja – manchmal höre ich Filmmusik lauter, als mir guttut.


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