
Im Gespräch: Carla Pinto über Stein, Mexiko und Möbel, die bleiben
Rotwein auf dem Marmortisch? Carla Pinto zuckt nicht zusammen. «Ein Teppich leidet sicherlich mehr darunter», sagt sie. Die Zürcher Designerin hinter Lamaro entwirft Möbel aus massivem Naturstein, gefertigt in kleinen Handwerksbetrieben in Mexiko. Jedes Objekt limitiert, weil der Stein es so will.
Wer ein Lamaro-Stück kauft, kauft kein Möbel. Er kauft ein Stück Erdgeschichte, das zufällig auch als Beistelltisch funktioniert. Dass Carla Pinto überhaupt Designerin wurde, hat mit zwei Umzügen zu tun. Als Kind wuchs sie in Mexiko auf – ihr Vater ist Halbschwede, ihre Mutter Mexikanerin – und zog später wieder in die Schweiz. 2008 kehrte sie als Teenager noch einmal zurück und blieb, bis sie achtzehn war. Diese Zeit hat alles geprägt. In Mexiko begegnest du Marmor und Co. überall: in Hotels, Restaurants, bei Schmuck, Möbeln. Als Carla zurück in die Schweiz kam, vermisste sie ihn sofort. «Wo sind die farbigen Steine?», fragte sie sich. In der Schweiz kennst du vor allem Schwarz, Beige, Neutral.

Der Rest ist kein geradliniger Weg. Es gab Corona, einen Businessplan – und dann Lamaro.
Wie entscheidest du, mit welchem Material du arbeitest?
Carla Pinto: Wenn ich in Mexiko am Scouten bin, ist das wie Liebe auf den ersten Blick. Ich sehe einen Stein – und dann weiss ich: Mit dem möchte ich arbeiten.
Die Maserung bestimmt das Design, nicht umgekehrt.
Kein Stück sieht wie das andere aus. Ist das Freiheit oder Kontrollverlust?
Ich sehe das als wunderschöne Chance. Wenn ich einen Stein entdecke, entsteht in meinem Kopf bereits das Bild, wie das Design am Ende aussehen soll. Natürlich kann ich das Endresultat – weil es Handarbeit ist – nicht exakt steuern. Am Ende fotografiere ich jedes verfügbare Objekt für meine Online-Galerie. So kann sich die Kundschaft aus der Ferne in genau dieses eine Modell verlieben, bevor sie überhaupt in den Showroom kommt.



Deine Designsprache verbindet mexikanische Lebendigkeit mit skandinavischem Minimalismus. Klingt erstmal nach Gegensätzen.
Das ist eigentlich meine Biografie. Mein Vater ist halb schwedisch, meine Mutter Mexikanerin.
Also keine bewusste Designentscheidung, sondern Herkunft?
Genau. Skandinavien steht für minimalistische, cleane Formensprache. Mexiko für Farbe. Der Grund, warum ich so ruhige Formen wähle: Marmor oder Onyx haben so viel Charakter, dass sie Luft brauchen. Die Form hält sich zurück, damit das Material wirken kann.
Du hast ein Jahr in Mexiko verbracht, um die richtigen Handwerksbetriebe zu finden. Was hast du dabei gelernt?
Wie viel Passion in jedem Stück steckt.
Viele der Kunsthandwerkerinnen und -handwerker arbeiten seit Generationen mit Stein.
Und was hat dich überrascht?
Dass nicht jedes Design mit jedem Stein funktioniert. Der Quarzit zum Beispiel ist viel härter und brüchiger als Marmor oder Onyx. Je kleiner das Design, desto höher die Bruchgefahr.
Du willst Leute weg vom schnellen Kauf, hin zu einer bewussten Wahl bewegen. Ist das nicht schwierig für ein Unternehmen, das auch verkaufen muss?
Ich hoffe natürlich, dass der erste Kauf nicht der letzte bleibt. Darum habe ich über die Zeit verschiedene Kollektionen entworfen – Möbel, Accessoires, Kerzen, Buchständer. Damit für jeden Anlass etwas dabei ist. Und nicht nur für Privatkundschaft – Hotelzimmer, Restauranteingänge, Büros. Ein Lamaro-Design setzt in jedem Raum einen Akzent, egal ob daheim oder in einem Geschäft. Aber der Grundgedanke bleibt: Eines, das du mitnimmst, wenn du umziehst. Neu platzieren kannst. Irgendwann weitergibst.



Deine Stücke sollen Generationen überdauern. Was bedeutet das für dich als Designerin?
Das ist eine Frage, über die ich noch nie nachgedacht habe. Es ist eigentlich ein sehr schöner Gedanke.
Der Stein ist Millionen Jahre alt. Er lebt einfach weiter – immer wieder in einer anderen Umgebung.
Marmor gilt als pflegeintensiv, kalt, schwer. Was sagst du jemandem, der sich nicht traut?
Er ist viel einfacher zu handhaben, als du denkst. Es reichen ein Mikrofasertuch und Wasser. Du brauchst keine Spezialreiniger. Untersetzer helfen, aber selbst die sind nicht zwingend, solange du zwischendurch kurz wischst. Das Einzige, was du vermeiden solltest: Flecken über Nacht unbehandelt zu lassen.
Und wenn doch mal Rotwein draufkommt?
Ein Teppich leidet sicherlich mehr darunter. Und wer wirklich das Schlimmste befürchtet: Einen Fleck kann ein Steinmetz immer noch rauspolieren. Das Steinmöbel ist nie ruiniert.

Wie ein Cheerleader befeuere ich gutes Design und bringe dir alles näher, was mit Möbeln und Inneneinrichtung zu tun hat. Regelmässig kuratierte ich einfache und doch raffinierte Interior-Entdeckungen, berichte über Trends und interviewe kreative Köpfe zu ihrer Arbeit.
Interessantes aus der Welt der Produkte, Blicke hinter die Kulissen von Herstellern und Portraits von interessanten Menschen.
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