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Florian Bodoky
Hintergrund

iPod-Nostalgie: Ich habe die Vergangenheit verklärt

Der iPod war einst pure Magie – tausende Songs in der Hosentasche. Doch der Blick zurück entzaubert die verklärte Vergangenheit – zumindest teilweise.

Auch wenn mein 16-jähriges PC-Nerd-Ich mir dafür die Hammelbeine langziehen würde, muss ich es einfach sagen: Der iPod war eine Revolution. Er hat die Art, wie wir heute Musik hören, geprägt. Streaming lag noch in weiter Ferne und doch war’s das erste mobile Gerät, für das du kein physisches Medium brauchtest, um Musik zu hören. Kein Einlegen, kein Wechseln von diesen Scheiben, die ohnehin immer dann sprangen, wenn gerade mein Lieblingstrack kam. Und: Kein Antischock! Aber seien wir ehrlich: Das hat eh nie richtig funktioniert.

Es war erstaunlich, dass tausende Tracks auf dieses elegante, handliche Gerät passten und das Ganze einfach auf Knopfdruck funktionierte.

Fettes, schweres, klobiges Riesenteil

Realitätscheck im Jahr 2026: Vieles rund um den iPod habe ich doch etwas gar magisch in Erinnerung – eine Verklärung der Vergangenheit. Das merke ich, als ich mich nach über 20 Jahren anlässlich des 50-Jahre-Jubiläums von Apple damit befasse.

216 Gramm schwer...
216 Gramm schwer...

Zunächst die vermeintliche Eleganz. Leider ist mein eigener iPod bereits den Weg alles Irdischen gegangen, weswegen ich mich eigens für diesen Artikel bei Ricardo, Tutti und Co. auf die Suche nach einem Gerät gemacht habe. Erfolgreich. Aber oh Schreck! Was ist das denn? Ein zweieinhalb Zentimeter dicker und fast 220 Gramm schwerer weisser Block springt mir entgegen. Ein scharfkantiger Klotz, der mich bereits beim Auspacken (und Fallenlassen) fast einen Zehennagel gekostet hätte. Elegant my ass.

...und fast 2,5 Zentimeter dick ist der iPod.
...und fast 2,5 Zentimeter dick ist der iPod.

Aber wenn du, wie ich, vorher jahrelang mit einem Discman durch die Heide gejuckelt bist, dann kommt dir das halt elegant vor. Immerhin: 20 Gigabyte Speicher verspricht mir die Angabe auf der Rückseite. Speicher war damals noch einigermassen bezahlbar, eine Speicherkrise war nicht in Sicht. Und auch die Leerträgerabgabe auf MP3-Player hat die Suisa erst 2007 aus dem Hut gezaubert.

2001 in Zürich – noch mit Discman (siehe rechts)
2001 in Zürich – noch mit Discman (siehe rechts)

Musik draufladen – eine Tragödie in drei Akten

Der Verkäufer von Ricardo hat dem iPod keine Kopfhörer beigelegt. Hier würden heutzutage einige Leute scheitern. Denn Bluetooth gibt’s nämlich nicht. Wie gut, dass ich aus meinem reichhaltigen Kopfhörerfundus auswählen kann. Und ja: Die meisten modernen Kopfhörer musst du einschalten – auch dann, wenn du sie mit dem Klinkenkabel verbindest. Also schnell das Kabel in den Klinkenport gesteckt und den iPod eingeschaltet. Immerhin funktioniert das mit dem WH-1000 XM6 von Sony perfekt.

Die Vergangenheit hat mich wieder. Ich fahre mit dem Daumen über das «Click Wheel»l und sofort kehrt dieses vertraute Gefühl zurück. Das leise Klickgeräusch erzeugt das, was man heute «oddly satisfying» nennt. Ich freue mich, meine Playlisten da draufzupacken und – aus Ermangelung an grosser Auswahl – der «Decision Fatigue» zu entkommen.

Zum Glück habe ich noch meine alte externe Festplatte, die seit vielen Jahren in der Schublade vor sich hinstaubt. Darauf finde ich ein paar hundert MP3-Files, die ich damals im gesetzlichen Graubereich über P2P-Netzwerke heruntergeladen von meinen CDs gerippt und säuberlich digitalisiert habe.

Drama 1: Die Hardware

Doch gerade als ich mich ob meiner Kopfhörer- und Musikvorbereitung in Selbstlob ergehen will, folgt der zweite Schreck. Was ist das denn neben der Klinkenbuchse? Ein Firewire-Port! Mich beschleicht langsam das Gefühl, dass ich mir diese iPod-Musik-Session zu einfach vorgestellt habe.

Ein Firewire-Port – das hatte ich irgendwie ausgeblendet.
Ein Firewire-Port – das hatte ich irgendwie ausgeblendet.

Denn der Ricardo-Verkäufer hat zwar dankenswerterweise ein Firewire-Kabel beigelegt. Aber einen Computer mit Firewire-Port besitze ich nicht mehr.

Die Adapter-Kette, die das nötig macht, ist riesig. Ich habe einen Mac Mini und ein MacBook Air – beide mit einem M-Prozessor. Ich brauche also einen Adapter, der Thunderbolt 3 auf Thunderbolt 2 downgraded. Und dann noch einen Thunderbolt-Firewire-Adapter. Dann kommt das Firewire-Kabel dran, welches im Lieferumfang dabei war. Ja, das würde vermutlich funktionieren. Garantiert ist es nicht. Also gehe ich halt den Windows-Weg. Kaufe mir eine PCI-Express Firewire-Card und verbaue sie in meinem PC.

Mal schnell eine Karte geholt und eingebaut. Was tut man nicht alles für seinen iPod.
Mal schnell eine Karte geholt und eingebaut. Was tut man nicht alles für seinen iPod.

Auch das ist eine Fummelei und trotz meines IT-Hintergrunds – ich habe vor Urzeiten mal eine Informatiklehre gemacht – mit meinen Zitterpfoten eine Sisyphusarbeit. Ich starte den PC, mache achtundzwölfzig Windows-Updates und – wow! – die Karte wird direkt erkannt. Ich bin wieder kurz versucht, mir selbst auf die Schulter zu klopfen. Aber ich habe gelernt. Ich schliesse meinen iPod an.

Neben dem Monstrum von Grafikkarte sieht man die Firewire-Card kaum.
Neben dem Monstrum von Grafikkarte sieht man die Firewire-Card kaum.

Drama 2: Die Software

Nun brauche ich iTunes. Das gibt’s auf dem Mac nicht mehr und auch auf Windows – obwohl vorhanden – hat es den «Legacy»-Status.

Dazu kommt, dass ich eine alte Version von iTunes brauche, um den iPod überhaupt richtig betreiben zu können. Die Ironie dabei: Alte Versionen der Apple-Software finde ich zuhauf im Netz – für Windows. Unter MacOS Tahoe finde ich nix Brauchbares. Der stabile Betrieb wäre ohnehin ein Gamble.

Ich installiere die Version 10.7 von iTunes. Sie stammt von 2012 und ist die modernste Version des Programms, mit der mein 25 Jahre alter iPod angeblich noch zuverlässig betrieben werden kann (und die 64-Bit-Architektur unterstützt). Die Quelle dafür ist inoffiziell. Der iPod wird erkannt! Leider fällt mir aber gleich nach diesem Erfolgserlebnis ein, warum ich die meiste Zeit die Zen-Reihe von Creative dem iPod als MP3-Player vorgezogen habe. iTunes schmiert ab, als ich versuche, meine Musikbibliothek zu importieren. Ein paar Versuche später klappt es.

Immerhin wird er erkannt.
Immerhin wird er erkannt.

Und schon folgt der nächste Schlag in die Magengrube. Nach all den Jahren kann ich nicht mehr genau sagen, welchen Track, welches Album ich aus welcher Quelle bezogen habe. Was ich aber nun weiss: Welche Lieder aus dem Internet stammen und welche ich selber gerippt habe. Letztere habe ich nämlich sauber benannt und logisch strukturiert, genau so, wie ich sie gerne hätte – aber nur im Dateinamen. Den ignoriert iTunes. Die Songs heissen dort «Titelnummer 1», «Titelnummer 2», «Titelnummer 3» von «Unbekannter Interpret». Ich habe nämlich keine ID3-Tags hinterlegt. Beim Drag&Drop-System anderer MP3-Player war das nicht nötig. Die haben auf dem Display nach dem Import einfach den Dateinamen angezeigt. Ich versuche es im ebenfalls alten Windows Media Player. Da habe ich das gleiche Problem. Und die Albuminfos zu suchen, klappt mit Legacy-Software natürlich nicht mehr. Uuaarrgh! (Das ist mein genervter Aufschrei und gleichzeitig der Albumname, der da eigentlich stehen sollte.)

Drama 3: Die Enttäuschung nach dem Hochgefühl

Ich beruhige mich – und beginne, Playlists zu bauen. Nicht einfach schnell zusammengeklickt, sondern wirklich gebaut. Ich sortiere Songs, verschiebe Reihenfolgen, überlege mir, welcher Titel an welcher Stelle Sinn macht. Es dauert keine zehn Minuten, bis ich wieder in diesem alten Modus bin, in dem eine Playlist nicht bloss eine Ansammlung von Liedern ist, sondern eine Abfolge mit Dramaturgie. Ich erwische mich dabei, wie ich einen Song austausche, weil er «zu früh kommt», einen anderen nach hinten schiebe, weil er «mehr Raum braucht».

Vielleicht liegt es daran, dass hier alles etwas mehr Aufwand erfordert. Denn auf iTunes ist kein Verlass. Ich kann zum Beispiel keine Genre-Playlist erstellen lassen, weil a) besagte ID-Tags teilweise fehlen und b) iTunes ganz eigene Vorstellungen davon hat, welche Songs zu welchem Genre gehören. So landen etwa einzelne MP3-Kapitel eines TKKG-Hörspiels im Genre Deutschrap. Ja, gut, immerhin stimmt «Deutsch». Aber auch wenn das Ganze ein Krampf ist, freue ich mich richtig darüber, etwas «erschaffen» zu haben. Und zwar ohne Algorithmus, der mir etwas vorschlägt. Und ohne endlose Auswahl, die mich überfordert, statt mich zu inspirieren. Einfach eine begrenzte Sammlung, durch die ich mich bewege.

Uuaarrgh!
Uuaarrgh!

Ich drücke auf «Synchronisieren» und packe den iPod ein. Aber halt. Da fehlt eine meiner sieben Playlisten. Vermutlich habe ich die nicht richtig ausgewählt. Ich schliesse den iPod wieder an und synchronisiere neu. Dann verlasse ich mit dem iPod das Haus. Ich setze mich an die Bushaltestelle und stelle den iPod an. Der Klotz fängt an zu surren und vibriert leicht. Das kommt von der 2,5-Zoll-Festplatte, die im Gehäuse sitzt und nun auf meine Playlists zugreift. Ja, richtig gelesen. Festplatte. Also HDD. Ganz ohne mechanisches Medium geht's dann halt doch nicht.

Oh, da fehlt ja noch eine Playlist...
Oh, da fehlt ja noch eine Playlist...

Aber: Sagte ich Playlists? Ich finde nämlich nur die eine Playlist, die ich vermeintlich «nachsynchronisiert» habe. Offenbar wurde nicht ergänzt, sondern ersetzt. Auch dieses Problem kommt mir, trotz der 20-Jahre-iPod-Pause, noch bekannt vor. iTunes, du Arschloch. Ich geniesse die Busfahrt mit der einen Playlist, die ich drauf habe. Und packe beim nächsten Mal wieder mein iPhone samt Streaming-App ein – es gibt wohl doch einen Grund, warum sich das durchgesetzt hat.

Titelbild: Florian Bodoky

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Seit ich herausgefunden habe, wie man bei der ISDN-Card beide Telefonkanäle für eine grössere Bandbreite aktivieren kann, bastle ich an digitalen Netzwerken herum. Seit ich sprechen kann, an analogen. Wahl-Winterthurer mit rotblauem Herzen.


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Interessantes aus der Welt der Produkte, Blicke hinter die Kulissen von Herstellern und Portraits von interessanten Menschen.

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