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Produkttest

Logitech G512 X 98 im Test: Das Hybrid-Konzept überzeugt nicht zum Premiumpreis

Kevin Hofer
4-7-2026
Bilder: Kevin Hofer

Mit der G512 X 98 wagt Logitech einen neuen Ansatz: klassische mechanische und analoge TMR-Switches auf einer Tastatur. Das Dual-Switch-Bed-Konzept klingt spannend – enttäuscht aber auf mehreren Ebenen.

Logitech G baut grossartige Mäuse. Die Tastaturen meide ich jedoch seit Jahren. Die G915 war einst mein Einstieg in die Welt der mechanischen Tastaturen. Doch je tiefer ich in das Thema eintauche, desto weniger gefallen mir die Tastaturen des Herstellers. Ich tippe ungern darauf, weil die Switches und die Akustik nicht zu meinem Stil passen. Das geht so weit, dass ich sie schon mal komplett auseinandernehme und neu zusammenbaue. Auch auf echte Innovationen warte ich schon lange.

Mit der G512 X 98 überrascht Logitech zumindest in diesem Punkt. Die Tastatur kombiniert klassische mechanische mit TMR-Switches. Das funktioniert, überzeugt aber nicht vollständig.

Zwei Modelle, ein Konzept

Die G512-X-Reihe bietet zwei Varianten: die G512 X 98, die ich teste, und die G512 X 75. Beide Modelle teilen die gleichen Funktionen und unterscheiden sich nur in der Grösse. Das 98-Prozent-Modell kommt dem Full-Size-Format sehr nahe – Ziffernblock, Pfeiltasten und Funktionsreihe sind vorhanden, alles in einem etwas kompakteren Gehäuse. Das 75-Prozent-Modell verzichtet auf den Ziffernblock und fällt kompakter aus als ein TKL-Layout. Beide Tastaturen arbeiten ausschliesslich kabelgebunden, bieten aber eine Polling-Rate von bis zu 8000 Hertz.

Im Lieferumfang liegen die Tastatur, neun TMR-Switches, fünf SAPP-Ringe (Second Actuation Pressure Point), fünf zusätzliche Keycaps, ein USB-C-auf-USB-A-Kabel sowie zwei Puller, die sich auch als Standfüsse zur Neigungsverstellung nutzen lassen.

Coole Idee: Mit dem Keycap und Switch Puller verstelle ich den Tippwinkel.
Coole Idee: Mit dem Keycap und Switch Puller verstelle ich den Tippwinkel.

Das Hybrid-Konzept: interessant, aber halbherzig

Die zentrale Idee der G512 X 98 ist die Verbindung von klassischen mechanischen und analogen TMR-Switches. Logitech nennt das Dual-Switch-Bed. Die TMR-Switches erlauben variable Aktivierungspunkte und Rapid Trigger – echte Vorteile im kompetitiven Gaming. Einmal eingerichtet, funktioniert das auch einwandfrei.

Der Haken: Nicht die gesamte Tastatur ist TMR-fähig. Nur die linke Hälfte, die Leertaste und die Pfeiltasten verfügen über TMR-Sensoren – insgesamt 40 Tasten. Das reicht für viele, verhindert aber den vollständig analogen Betrieb. Noch gravierender: Von diesen 40 möglichen TMR-Positionen liegen nur neun Switches bei. Das genügt für WASD, Leertaste und vier weitere Tasten nach Wahl.

Beim kompetitiven Zocken können dir TMR-Switches den entscheidenden Vorteil bringen.
Beim kompetitiven Zocken können dir TMR-Switches den entscheidenden Vorteil bringen.

Ein Vorteil analoger Switches besteht darin, auf weniger genutzten Tasten den Aktivierungspunkt anzuheben, um Fehleingaben zu vermeiden. Mit nur neun Switches lässt sich das kaum umsetzen.

Hinzu kommt: Mechanische und analoge Switches fühlen sich unterschiedlich an. Das sorgt für ein uneinheitliches Tippgefühl – beim Schreiben wie beim Spielen. Theoretisch lassen sich die Switches jederzeit tauschen. In der Praxis mache ich das nicht. Logitech hätte zwei vollständige Switch-Sets beilegen und TMR auf alle Tasten ausweiten sollen.

Grausige mechanische, geschmeidige TMR-Schalter

Die verbauten mechanischen Schalter sind taktil und geben ein haptisches Feedback beim Auslösen. Sie fühlen sich nicht gut an. Das Auslösegefühl ist zu schwach, die Schalter wirken kratzig. Akustisch überzeugt das ebenfalls nicht.

Die mechanischen im Vergleich zu den TMR-Schalter. Bei letzteren erkennst du den Magneten in der Mitte, der zur Distanzmessung dient.
Die mechanischen im Vergleich zu den TMR-Schalter. Bei letzteren erkennst du den Magneten in der Mitte, der zur Distanzmessung dient.

Schade, denn die TMR-Switches zeigen, dass es besser geht. Sie sind linear, geben also kein Feedback beim Auslösen. Das passt, weil sich der Auslösepunkt frei einstellen lässt. Die von Gateron gefertigten Schalter laufen geschmeidig und klingen deutlich angenehmer als die hauseigenen von Logitech. Umso bedauerlicher, dass nur neun Stück beiliegen.

Die Stabilisatoren, die langen Tasten Halt geben, gehören zu den schlechtesten, die ich in den letzten Jahren erlebt habe. Sie klappern und rattern, sodass das Betätigen der Leertaste keine Freude macht. Andere Hersteller lösen das inzwischen besser. Hier muss Logitech nachbessern.

Software und Leistung

Die Konfiguration erfolgt über Logitech G Hub. Profile, Tastenbelegung, RGB-Effekte und Einstellungen der analogen Switches – alles ist vorhanden und funktioniert zuverlässig. Den Aktivierungspunkt kann ich zwischen 0,1 und 4 Millimeter einstellen, Rapid Trigger in 0,1-Millimeter-Schritten aktivieren. SOCD-Optionen, also das Verhalten bei gleichzeitigem Drücken entgegengesetzter Richtungen, sind ebenfalls dabei.

In der Software siehst du gleich: Nicht alle Tasten sind TMR-fähig.
In der Software siehst du gleich: Nicht alle Tasten sind TMR-fähig.

Design: Gaming-Ästhetik

Logitech setzt beim Design auf einen ausgeprägten Gaming-Look. Mir gefällt das nicht, aber ich gehöre auch nicht zur Zielgruppe. Zur Auswahl stehen Schwarz mit violetten Akzenten oder Weiss mit türkisfarbenen Details.

An der Vorderseite sitzt ein RGB-Streifen. Davor lässt sich eine transparente Handballenauflage anbringen, die separat für rund 40 Franken / Euro erhältlich ist – auf ihr verteilt sich das Licht wirkungsvoll. Nachts sieht das gut aus, tagsüber wirkt der Effekt weniger beeindruckend. Die Auflage wird nicht am Gehäuse befestigt, sondern schiebt sich nur an eine schmale Rille.

Die optionale Handballenauflage leuchtet eindrucksvoll.
Die optionale Handballenauflage leuchtet eindrucksvoll.

Die Tastenkappen bestehen aus PBT-Kunststoff, der als langlebig gilt und Fingerabdrücke weniger aufnimmt als ABS. Hier hat Logitech richtig entschieden. Die primären Beschriftungen entstehen im Doppelspritzguss und sollten nie verblassen. Die Legenden leuchten gut durch, zumindest die oberen. Bei den unteren reicht die Beleuchtung nicht aus. Die Drittfunktionen sind vorne auf den Caps aufgedruckt.

Bei den Tastenkappen macht Logitech mit PBT-Kunststoff alles richtig.
Bei den Tastenkappen macht Logitech mit PBT-Kunststoff alles richtig.

Verarbeitung: Kunststoff zum Premiumpreis

Das Gehäuse besteht komplett aus Kunststoff. Beim Biegetest gibt die Tastatur spürbar nach – das enttäuscht in dieser Preisklasse. Konkurrenten mit zumindest teilweise aus Aluminium gefertigten Gehäusen liegen hier klar vorn. Für den Preis wirkt das zu billig.

Oben rechts sitzen zwei Drehregler: einer für die RGB-Helligkeit, einer für die Lautstärke. Beide lassen sich über die Logitech-Software konfigurieren. Sie fühlen sich minderwertig an. Die Kanten sind scharf, sie wackeln.

Die Drehregler fühlen sich nicht gut an.
Die Drehregler fühlen sich nicht gut an.

Auf der Unterseite lassen sich die mitgelieferten Keycap- und Switch-Puller als Standfüsse einstecken. Das ist originell, aber kaum praktischer als klassische Klappfüsse. Auf der Rückseite gibt es ein Fach für bis zu neun Switches, damit ich diese schnell tauschen kann, und einen Schlitz für die fünf SAPP-Ringe.

Die Gummi-Ringe zum verstellen des Tastenwegs können schnell flöten gehen.
Die Gummi-Ringe zum verstellen des Tastenwegs können schnell flöten gehen.

Diese Gummi-Ringe lassen sich auf die Tasten stecken, um den Tastenweg auf zwei Millimeter zu verkürzen – so kann ich eine Sekundäraktion auslösen, wenn ich die Taste weiter durchdrücke. So erhalte ich physisches Feedback für Doppelbelegungen. Zumindest in der Theorie. In der Praxis spüre ich das kaum und brauche lange, um mich daran zu gewöhnen. Der Nutzen bleibt mir auch so verborgen. Da trainiere ich lieber ohne Gummi mein Fingerspitzengefühl, zumal das Tippgefühl darunter leidet. Ausserdem gehen die Ringe leicht verloren.

Fazit

Gute Idee, halbherzige Umsetzung

Das Logitech G512 X verfolgt einen interessanten Ansatz – klassische und analoge TMR-Switches in einer Tastatur zu vereinen. Doch in der Praxis macht das Hybrid-Konzept zu viele Zugeständnisse: Das Gehäuse besteht komplett aus Kunststoff, TMR ist nur auf 40 Tasten möglich, und mit nur neun beiliegenden TMR-Switches bleibt das Potenzial weitgehend ungenutzt.

Für 100 Franken / Euro weniger wäre die G512 X 98 ein interessantes Einsteigermodell ins analoge Gaming. Für über 200 Franken / Euro gibt es schlicht bessere Alternativen. Keychron bietet etwa mit der K2 HE ein vollständig TMR-fähiges, kabelloses Modell, das günstiger ist.

Pro

  • TMR-Switches
  • durchdachte Details
  • 8000-Hz-Polling-Rate
  • PBT-Keycaps

Contra

  • Gehäuse aus Kunststoff
  • TMR nur auf 40 Tasten und nur neun Switches mitgeliefert
  • schwaches Preis-Leistungs-Verhältnis
Logitech G G512 X 98 (DE, Kabelgebunden)
Tastatur
EUR241,56

Logitech G G512 X 98

DE, Kabelgebunden

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