
«Nivalis Nights» verliert mich im Cyberpunk-Alltag
«Nivalis Nights» verspricht ein Leben in einer riesigen Cyberpunk-Metropole. Ich führe Geschäfte, lerne ihre Bewohner kennen und entscheide selbst, welchen Geschichten ich wann folge. Nur entwickelt dieser Alltag bei mir kaum Sog.
Mein Auftragslog ist gut gefüllt. Ich soll mit jemandem sprechen, woanders etwas abholen und bei Gelegenheit einer weiteren Person einen Besuch abstatten. Neue Aufgaben ploppen regelmäßig auf und warten geduldig darauf, dass ich sie erledige.
Also ziehe ich los. Auf dem Weg zu meinem eigentlichen Ziel erledige ich noch schnell einen anderen Auftrag. Der liegt ohnehin fast auf meiner Route. Praktisch. Doch nach einigen Stunden merke ich, dass ich Nivalis immer seltener aus Neugier durchstreife. Stattdessen plane ich meine Wege möglichst effizient und hake einen Punkt im Log nach dem anderen ab.

Eigentlich sollte sich diese Freiheit großartig anfühlen. Bei mir stellt sich jedoch zunehmend ein anderes Gefühl ein: Langeweile.
«Nivalis Nights» verbindet Lebenssimulation und Management. Statt die Cyberpunk-Welt zu retten, versuche ich, mir darin eine Existenz aufzubauen. Ich übernehme Restaurants und andere Gastronomiebetriebe, verdiene Geld, investiere in meinen Besitz und kümmere mich nebenbei um Wohnungen, Beziehungen und Freizeitaktivitäten.
Eine Stadt, die mich weniger beeindruckt als erhofft
Nivalis hat optisch beste Voraussetzungen, mich bei der Stange zu halten. Die Cyberpunk-Stadt stapelt sich über mehrere Ebenen, überall leuchten Reklamen zwischen den Hochhäusern und Regen verwandelt die Straßen immer wieder in spiegelnde Neonflächen. Auf den ersten Blick entsteht der Eindruck einer dicht bebauten Metropole, in der hinter jeder Ecke etwas passieren könnte.
In Screenshots und Trailern wirkt der Stil auf mich deutlich stärker als im Spiel selbst. Viele Straßenzüge sind weniger detailreich, als ich erwartet habe. Der kantige Voxel-Look passt zwar grundsätzlich zur Cyberpunk-Welt, wirkt in der Praxis aber oft gröber und schlichter als erhofft.

Auch die Figuren fallen optisch durch. Gesichter wirken oft flach und wenig ausdrucksstark, Körperhaltungen und Bewegungen teils steif. Kleidung und Oberflächen bleiben vergleichsweise schlicht. Gerade neben den vielen Lichtquellen, Reflexionen und Details der Umgebung fällt dieser Kontrast auf.
Die Beleuchtung sorgt trotzdem immer wieder für schöne Momente. Der erste Wow-Effekt verfliegt bei mir aber schnell.

Das fällt besonders auf, weil ich so viel unterwegs bin. Wenn ich schon minutenlang von einem Ziel zum nächsten laufe, muss die Umgebung für mich mehr sein als hübsche Kulisse. Ich möchte Dinge entdecken, stehen bleiben oder zumindest das Gefühl haben, dass sich ein Umweg lohnt. Stattdessen konzentriere ich mich immer häufiger nur noch auf den nächsten Marker.
Orientierung ohne echte Übersicht
Nivalis besteht aus mehreren voneinander getrennten Stadtteilen, die ich innerhalb ihrer Grenzen frei erkunden kann. Für längere Wege zwischen den Bezirken nutze ich Taxis oder die Metro, während andere Teile der gigantischen Cyberpunk-Stadt lediglich Kulisse bleiben. Nivalis ist eine Sammlung größerer Areale als eine Open World.
Innerhalb dieser Bereiche hilft mir das Spiel mit mehreren Anzeigen bei der Orientierung. Es zeigt mir die Richtung zum Ziel und gibt Hinweise darauf, ob sich eine Aufgabe in meinem aktuellen Bezirk befindet. Gerade bei mehreren offenen Aufträgen ist das praktisch, weil ich so grob planen kann, was sich auf einem Weg erledigen lässt.

Die Anzeigen führen mich allerdings manchmal in die Irre. Teilweise zeigt es mir etwa eine Metrostation oder ein Taxi als eigentliches Ziel an, obwohl diese nur als Verbindung in einen anderen Bezirk dienen. Ohne detaillierte Karte für die einzelnen Bezirke fällt es mir zusätzlich schwer, Wege innerhalb eines Stadtteils nachzuvollziehen. So weiß ich meist, in welche Richtung ich muss. Wie ich genau dorthin komme, erschließt sich mir aber nicht immer sofort.
Zusätzlich meldet sich Ava, meine KI-Assistentin, die mich durch Teile des Spiels führt und bei Gesprächen unterstützt, immer wieder mitten beim Erkunden. Diese Unterbrechungen kommen ungefragt und reißen mich eher aus dem Spielfluss, als dass sie mir helfen.

Management mit angezogener Handbremse
Die Geschäfte bringen immerhin etwas mehr Struktur ins Spiel. Ich kann Personal einstellen und Aufgaben nach und nach abgeben. Besonders angenehm: Mit einem Restaurantmanager entfällt irgendwann der lästige Einkauf von Zutaten. Auch andere Arbeiten lassen sich an Mitarbeiter delegieren.

Ich muss weiterhin darauf achten, wie mein Personal eingesetzt ist und ob der Betrieb funktioniert. Gleichzeitig bleibt die Gestaltung für meinen Geschmack beschränkt. Ich kann zwar Einfluss nehmen, habe aber selten das Gefühl, einen Betrieb detailliert zu formen.
Viele Begegnungen, wenig Bindung
In Nivalis lerne ich ständig neue Menschen kennen. Viele von ihnen schicken mich los, erzählen mir von ihren Problemen oder tauchen später erneut auf. Nur wenige schaffen es bisher, mir im Gedächtnis zu bleiben.
Auch die Gespräche bleiben für mich häufig blass. Sie vermitteln zwar, was ich wissen muss, entwickeln aber selten einen eigenen Ton. Oft höre ich zu, wähle eine Antwort und ziehe danach zum nächsten Ziel weiter.

Beziehungen sollen diese Begegnungen vertiefen. Für mich fühlen sie sich aber eher wie ein weiteres System an, das neben den übrigen Aktivitäten läuft. Mir fehlt häufiger das Gefühl, dass aus einzelnen Treffen tatsächlich eine Bindung entsteht.
«Nivalis Nights» wurde mir von 505 Games zur Verfügung gestellt. Das Spiel ist seit dem 29. September für den PC verfügbar.
Fazit
Eine bunte Stadt, die schnell verblasst
«Nivalis Nights» will Lebenssimulation, Management und Cyberpunk-Welt miteinander verbinden. Das klingt nach einer Mischung, in der ich mich lange verlieren könnte. Doch je länger ich spiele, desto deutlicher fallen mir die Schwächen auf.
Die Stadt wirkt weniger lebendig und eindrucksvoll als erhofft. Viele Aufgaben laufen auf Laufarbeit, Gespräche und kleine Erledigungen hinaus. Dazu kommen die teils unklare Orientierung, blasse Figuren und ein Managementsystem, das zu wenig Tiefe bietet.
So bleibt am Ende vor allem das Gefühl, ständig beschäftigt zu sein, ohne wirklich gefesselt zu werden. «Nivalis Nights» gibt mir viele Dinge zu tun, aber nur wenige Gründe, sie gerne zu tun.
Pro
- stimmige Cyberpunk-Atmosphäre in einzelnen Momenten
- freie Reihenfolge bei vielen Aufträgen
Contra
- viele Aufgaben fühlen sich nach Abarbeiten an
- Stadt wirkt weniger lebendig und detailreich als erhofft
- Figuren und Beziehungen bleiben blass
- Management bietet wenig Tiefe und Gestaltungsspielraum
- Orientierung innerhalb der Bezirke unnötig umständlich
Die Interessen sind vielfältig, gerne genieße ich einfach nur das Leben. Immer auf der Suche nach News aus den Bereichen Darts, Gaming, Filme und Serien.
Welche Filme, Serien, Bücher, Games oder Brettspiele taugen wirklich etwas? Empfehlungen aus persönlichen Erfahrungen.
Alle anzeigen











