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Bahnbrechend: Netflix führt den Super-Like ein
von Luca Fontana

Er hat Streaming zum Massenphänomen gemacht, Blockbuster Video in den Ruin getrieben und die Art, wie wir Serien und Filme konsumieren, für immer verändert. Jetzt verlässt Reed Hastings, Co-Gründer von Netflix, das Unternehmen endgültig.
Angefangen hat alles mit 40 Dollar – und einer Busse. Als Reed Hastings 1997 eine verspätet zurückgegebene DVD von «Apollo 13» beim Videoverleih Blockbuster bezahlen musste, ärgerte er sich so sehr, dass er zusammen mit Marc Randolph kurzerhand Netflix gründete. Ein Streaming-Gigant mit heute über 300 Millionen Abonnentinnen und Abonnenten weltweit – geboren aus purer Sturheit.
Nicht schlecht.
Nun ist Schluss. Wie Netflix im Rahmen seiner Q1-Quartalszahlen mitteilt, wird Hastings im Juni 2026 nicht mehr für den Verwaltungsrat kandidieren und das Unternehmen damit nach fast 30 Jahren vollständig verlassen. Seinen Rückzug als CEO hatte er bereits 2023 vollzogen und den Posten des Verwaltungsratspräsidenten übernommen – ein sanfter, aber symbolisch bedeutsamer Abgang in zwei Akten.
«Mein eigentlicher Beitrag bei Netflix war keine einzelne Entscheidung», lässt er sich zitieren, «sondern der Fokus auf die Freude der Mitglieder, der Aufbau einer Kultur, die andere erben und weiterentwickeln können, und der Aufbau eines Unternehmens, das über Generationen hinweg sowohl geliebt als auch erfolgreich sein kann.»
Was bleibt? Eine Menge. Hastings hat nicht nur Netflix geformt, sondern die gesamte Unterhaltungsindustrie umgepflügt. Das Abo-Modell, das er einst als Reaktion auf übertriebene Blockbuster-Bussen erdachte, ist heute Standard. Und die Empfehlungsalgorithmen, die Netflix unter Hastings' Führung entwickelte, beeinflussen, was wir heute gucken, ob wir wollen oder nicht.
Sein Nachfolger als CEO, Ted Sarandos, führt das Unternehmen seit 2023 gemeinsam mit Greg Peters. Die beiden müssen nun alleine zeigen, dass Netflix auch ohne seinen Gründervater funktioniert – und das in einer Phase, in der der Konzern ordentlich Gas gibt: Geplant sind unter anderem vertikale Video-Feeds, mehr Live-Content, Video-Podcasts und eine überarbeitete Mobile-App, die noch diesen Monat ausgerollt werden soll.
Ob Hastings Abgang das Unternehmen spürbar verändert, ist eine andere Frage. Schliesslich war er seit 2023 ohnehin kein operativer Chef mehr; die strategischen Entscheide lagen längst bei anderen. Und doch: Ein Gründer im Verwaltungsrat ist nicht einfach eine Funktion. Er ist auch ein Korrektiv, ein institutionelles Gedächtnis, eine Art moralische Instanz. Ob Sarandos und Peters das brauchen, werden sie jetzt herausfinden müssen.
Das erste Quartal 2026 jedenfalls lief finanziell stark: Der Gigant erzielte einen Umsatz von 12,25 Milliarden Dollar, also ein Plus von 16,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Hastings verlässt das Schiff definitiv nicht im Sturm, sondern eher bei ruhiger See und vollen Segeln.

Was er künftig vorhat? Philanthrophie und «andere Vorhaben», teilt Netflix lapidar mit. Wer Blockbuster Video in den Ruin getrieben hat, findet sicher auch im Ruhestand etwas, das ihn ärgert – und daraus die nächste Idee macht.
Ich schreibe über Technik, als wäre sie Kino, und über Filme, als wären sie Realität. Zwischen Bits und Blockbustern suche ich die Geschichten, die Emotionen wecken, nicht nur Klicks. Und ja – manchmal höre ich Filmmusik lauter, als mir guttut.
Vom neuen iPhone bis zur Auferstehung der Mode aus den 80er-Jahren. Die Redaktion ordnet ein.
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