
Shokz Open Fit Pro: voller Sound, weniger Nebengeräusche
Der Musik lauschen und trotzdem hören, wenn sich ein Auto nähert? Dafür sind Open-Ear-Kopfhörer bekannt. Shokz gibt dem ganzen jetzt eine Extra-Note und wirft eine Portion Geräuschreduzierung in den Mix.
Es scheint paradox: Open-Ear-Kopfhörer mit Geräuschreduzierung. Besteht nicht gerade der Sinn dieser Art von Kopfhörern darin, Umgebungsgeräusche wahrzunehmen? Der Open Fit Pro will diesen Widerspruch auflösen. Kann das gelingen?
Der Open Fit Pro ist bereits das dritte Modell der «Open Fit»-Serie. Vom ersten, das 2023 auf den Markt kam, war ich nicht restlos begeistert (hier der Testbericht). Die beiden Nachfolger, der Open Fit 2 und der 2+ brachten Verbesserungen, doch in der Zwischenzeit hat der Bose Ultra Open wegen des guten Klangs und des bequemen Sitzes mein Ohr erobert.
Und jetzt kommt der Open Fit Pro, der mit seiner Geräuschreduzierung praktisch eine neue Kategorie der Open-Ear-Kopfhörer eröffnet. Ich bin gespannt, ob er mich überzeugen kann. Denn auf den ersten Blick erscheint die Neuerung mir eher wie ein Gimmick und nicht wie ein nützliches Feature.

Gleich vorweg: Es handelt sich dabei um eine Reduzierung des Umgebungslärms, nicht um die klassische Geräuschunterdrückung (Active Noise Cancelling – ANC). Du sollst also weiterhin hören können, was sich um dich herum abspielt, nur eben nicht in voller Lautstärke.
Bequem zu tragen und leicht zu bedienen
Vor dem Sound kommt der Tragekomfort. Denn was nützen Kopfhörer, die zwar gut klingen, aber unangenehm drücken? Der Open Fit Pro punktet hier. Die Mini-Lautsprecher mit Bügel hängen sicher am Ohr, ohne den Hörkanal zu verstopfen. Für kleine Ohren (wie meine) gibt es einen weichen Silikoneinsatz. Damit sitzen sie passgenau und machen eine Session auf dem Trampolin und eine Runde Seilspringen problemlos mit.

Ein Feature, das ich liebe, sind die beiden physischen Buttons an den Bügeln der Open Fit Pro. Sie lassen sich gut ertasten und selbst mit dünnen Laufhandschuhen präzise bedienen. Bei anderen Modellen hat mich das Touchpanel beim Sport oft genervt – durch ungewollte Eingaben beim Zurückstreichen der Haare oder einfach durch die Bewegung. Bei den Open Fit Pro passiert das nicht.
Der Sound ist klar und ausbalanciert
Die Klangqualität von Open-Ear-Kopfhörern hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Der blechern-dünne Klang der Anfangsmodelle ist längst Geschichte. Und Shokz hat jetzt die Messlatte noch mal ein Stück höher gelegt.
Die Open Fit Pro bieten volle Bässe und insgesamt einen ausgewogenen Klang. In der App kannst du den Sound in einem 10-Band-Equalizer noch personalisieren, aber ich bin mit den Standardeinstellungen zufrieden. Es geht mir bei Sportkopfhörern ja auch nicht um glasklaren Musikgenuss, sondern um einen qualitativ guten Soundtrack zu meinen Laufeinheiten und Workouts. Und den bieten die Open Fit Pro allemal. Der Klang von Hörbüchern und Podcasts ist für mich im Sprachmodus rund und angenehm.
Die Geräuschreduzierung ändert meine Meinung
Die Geräuschreduzierung der Open Fit Pro funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie die Geräuschunterdrückung anderer Modelle: Mikrofone nehmen Umgebungsgeräusche auf und spielen dir ein Gegensignal (also quasi eine Schallwelle mit umgekehrten Höhen und Tiefen) aufs Ohr. Die Signale heben sich gegenseitig auf.
Da dein Hörkanal bei den Open Fit Pro offen bleibt, funktioniert das nicht so gut wie bei In-Ear-Kopfhörern, aber das ist ja auch nicht das Ziel. Denn ich will meine Umgebung weiterhin wahrnehmen, damit ich merke, wenn sich ein Auto oder Fahrrad nähert.

Tatsächlich habe ich die Umgebungswahrnehmung bisher immer als klaren Vorteil der Open-Ear-Kopfhörer gesehen. Und habe deshalb auf ANC verzichtet. Doch jetzt habe ich meine Meinung leicht geändert. Noise Cancelling mag ich beim Sport zwar immer noch nicht, aber Noise Reduction macht das Laufen in der Stadt oder an einem rauschenden Bach entlang angenehmer.
Gerade an befahrenen Strassen oder im Zug kamen meine bisherigen Open-Ears schnell an ihre Grenzen. Nicht so die Open Fit Pro. Mit ihnen kann ich im Zug einen Podcast hören oder mit Musik an einer Strasse entlang joggen, ohne die Lautstärke auf Kopfschmerzniveau heraufzufahren. Dafür gibt’s Pluspunkte.
Und auch im Gym finde ich es angenehm, wenn ich diejenigen, die schwerer atmen und offensichtlich härter trainieren als ich, ausblenden kann. Die Nebengeräusche sind zwar nicht weg, nur weniger dominant.
Einen merkwürdigen Nebeneffekt hat die Geräuschunterdrückung allerdings: Wenn ich keine Musik höre und die Kopfhörer an lauten Orten, beispielsweise in einer Unterführung, im Ohr habe, spüre ich einen merkwürdigen Druck auf den Ohren. Der legt sich aber wieder, sobald ich einen Song oder Podcast anschalte.
Die App schafft Flexibilität
Du kannst die Kopfhörer einfach über die Ohrmuschel hängen und loslegen. Oder in der App noch einige Einstellungen vornehmen. So kannst du die Geräuschreduzierung, die gemäss Herstellerangaben den Umgebungslärm um bis zu 14 Dezibel mindern soll, manuell ein- oder ausschalten. Du kannst auch das Levell bestimmen. Für mich funktioniert rund 50 Prozent am besten. Die Umgebungsgeräusche sind nur noch gedämpft hörbar und bei der Musik gibt es keine Verzerrungen.

Neben der Sound-Einstellung über verschiedene Modi und den Equalizer kannst du den Tasten verschiedene Funktionen zuweisen, etwa Lautstärke regeln, Anrufe annehmen oder Songs skippen.
Für mich wichtig: das Multipoint-Pairing. Damit kann ich (über Bluetooth 6.1) mit dem Laptop und iPhone verbunden sein und zwischen beiden Geräten hin- und herwechseln, ohne neu zu koppeln.
Akkulaufzeit und Ladecase
Der Akku soll ohne Geräuschunterdrückung bis zu zwölf Stunden halten. So lange habe ich die Kopfhörer aber noch nie getragen, sondern verstaue sie zwischenzeitlich immer wieder im Ladecase.

Mit Case erhöht sich die Zeit bis zum nächsten Laden auf bis zu 50 Stunden. Nachladen kannst du mit USB-C oder kabellos.
Mit der ressourcenintensiven Noise Reduction hält der Akku nur noch halb so lang: Die Kopfhörer sechs Stunden – und 25 Stunden mit Nachladen im Case. Das hat für mich bisher immer gereicht. Und da das Ladecase schön flach ist, kann ich es problemlos im Laufgurt mitnehmen.
Fazit
Guter Sound, weniger störende Nebengeräusche
Pro
- guter Sound mit vollen Bässen
- Geräuschreduzierung funktioniert in mässig lauten Umgebungen (kein ANC)
- angenehm zu tragen bei gutem Sitz
- Bedienung über Buttons
- Multipoint-Pairing
- lange Akkulaufzeit
Forschungstaucherin, Outdoor-Guide und SUP-Instruktorin – Seen, Flüsse und Meere sind meine Spielplätze. Gern wechsel ich auch mal die Perspektive und schaue mir beim Trailrunning und Drohnenfliegen die Welt von oben an.
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