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Intensives Sprint-Training soll gegen Angststörungen helfen
von Siri Schubert

Wenn die Depression das Leben bestimmt und herkömmliche Therapien wirkungslos bleiben, kann in manchen Fällen etwas Unerwartetes helfen: ein Nasenspray. Eine neue Studie weckt nun Hoffnung, dass Esketamin, ein Mittel aus der Narkosemedizin, bei therapieresistenter Depression schnelle Linderung bringt.
Quälende Antriebslosigkeit, tiefe Niedergeschlagenheit und der Verlust jeglicher Freude. Für Menschen mit einer schweren Depression ist der Alltag ein enormer, oft unerträglicher Kraftakt. Besonders dramatisch wird diese Situation, wenn selbst nach Monaten ärztlicher Behandlung keine Linderung eintritt. Und das ist gar nicht selten: Bis zu 30 Prozent aller Patientinnen und Patienten sprechen auf die gängigen Antidepressiva schlichtweg nicht an. Sie leiden unter einer therapieresistenten Depression. Die Betroffenen probieren oft ein Medikament nach dem anderen aus, leiden unter Nebenwirkungen und fallen nach jedem Fehlversuch psychisch weiter zurück.
Doch für diese hartnäckigen Fälle hat die Medizin inzwischen ein neues Werkzeug im Repertoire: Esketamin, eine speziell isolierte und hochwirksame Teilkomponente des bekannten Rausch- und Narkosemittels Ketamin.
Um zu verstehen, warum Esketamin dort wirkt, wo herkömmliche Tabletten versagen, hilft ein Blick auf die Botenstoffe im Gehirn. Klassische Antidepressiva setzen fast immer an den bekannten Systemen für Serotonin oder Noradrenalin an. Sie sollen die stimmungsaufhellenden Botenstoffe zwischen den Nervenzellen länger verfügbar machen. Bei einer therapieresistenten Depression führt dieser Weg jedoch in eine Sackgasse.
Esketamin umgeht dieses System komplett. Der Wirkstoff beeinflusst stattdessen das sogenannte Glutamat-System im Gehirn und blockiert dort einen spezifischen Rezeptor (NMDA). Dadurch wird chemisch quasi ein neuer Schalter umgelegt. Das Gehirn wird dazu angeregt, in sehr kurzer Zeit neue neuronale Verknüpfungen zu bilden. Wo die chronische Krankheit zuvor Verbindungen zwischen den Nervenzellen verkümmern ließ, können durch Esketamin neue Vernetzungen entstehen.
Dass dieses Prinzip im streng kontrollierten Laborumfeld funktioniert, ist der Fachwelt bereits bekannt. Das entsprechende Nasenspray (Spravato) erhielt Ende 2019 die EU-Zulassung und wird seit 2021 auch in Deutschland bei psychiatrischen Notfällen und Therapieresistenz eingesetzt. Auch in der Schweiz ist der Wirkstoff Esketamin bereits seit Anfang 2020 durch das Heilmittelinstitut Swissmedic offiziell für die Behandlung schwerer Depressionen zugelassen. Bislang fehlten jedoch belastbare Langzeitdaten aus dem echten medizinischen Alltag.
Das untermauern nun auch aktuelle Auswertungen, die auf dem 34. Europäischen Psychiatriekongress (EPA) in Prag vorgestellt wurden. Für die vom Hersteller initiierte, europäische Beobachtungsstudie wurden Hunderte schwer depressive Menschen unter realen Praxisbedingungen mit dem Nasenspray behandelt und im Anschluss langfristig weiterbegleitet.
Die Daten zeigen, dass das Nasenspray die depressiven Symptome linderte und die Wirkung auch nach dem Absetzen anhielt. Die an der Untersuchung beteiligte Psychiaterin Dr. Christine Reif Leonhard von der Universitätsmedizin Frankfurt betont die Einzigartigkeit der Studie, weil sie diesen anhaltenden Effekt erstmals unter Alltagsbedingungen gezeigt habe. Selbst sechs Monate nach dem Ende der Behandlung blieb die psychische Stabilität bei der großen Mehrheit der Betroffenen erhalten.
Angesichts dieser Erfolgszahlen drängt sich die Frage auf, warum Esketamin-Spray nicht sofort früher bei depressiven Verstimmung verordnet wird. Warum müssen Betroffene erst monate- oder jahrelang vergebens andere Therapieformen durchlaufen? Die Antwort liegt in den starken Effekten und potenziellen Nebenwirkungen von Esketamin.
Das Medikament ist kein Spray für die heimische Hausapotheke. Es kann den Blutdruck rasch in die Höhe treiben und sogenannte dissoziative Zustände auslösen. Dabei fühlen sich Patientinnen und Patienten vorübergehend wie losgelöst vom eigenen Körper. Genau diese bewusstseinsverändernde Wirkung macht den Verwandten Ketamin auch als illegale Partydroge so bekannt. Da solch intensive Rauschzustände und körperliche Reaktionen zwingend kontrolliert werden müssen, darf das Nasenspray ausschließlich unter medizinischer Aufsicht angewendet werden. Die Betroffenen müssen das Medikament in einer Praxis oder Klinik einnehmen und danach mindestens zwei Stunden lang von Fachpersonal überwacht werden.
Esketamin bleibt somit ein starkes, aber sehr spezielles Mittel in der Psychiatrie. Es kommt erst zum Einsatz, wenn die etablierten Standardtherapien keine Wirkung mehr zeigen – kann dann aber in manchen Fällen den entscheidenden Unterschied ausmachen.
Wissenschaftsredakteurin und Biologin. Ich liebe Tiere und bin fasziniert von Pflanzen, ihren Fähigkeiten und allem, was man daraus und damit machen kann. Deswegen ist mein liebster Ort immer draußen – irgendwo in der Natur, gerne in meinem wilden Garten.
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