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Stefanie Lechthaler
Hintergrund

Wie funktioniert eigentlich radierbare Tinte?

Lehrpersonen treiben sie in den Wahnsinn, Kinder lieben sie: radierbare Tinte. Ich erkläre dir, warum deine Texte wie von Zauberhand verschwinden.

In der dritten Klasse beneidete ich meine Mitschülerin Linda um ihren damals coolen Tribal-Radierstift von Pilot. Mit dem Zauberstab verbesserte sie korrigierte Prüfungen und verwandelte die Note von 4,5 in eine 6. Bald machten es ihr alle nach. Unsere Lehrerin stand immer häufiger mit rotem Kopf vor der Klasse – bis sie die Radiergriffel endgültig verbot. Erst jetzt weiss ich: Die Lehrerin hätte sich keine Sorgen machen müssen, denn der Stift radiert gar nicht.

Radierbare Gelstifte: Die Temperatur verändert die Farbe

Der Gummi am Stiftende dient nicht etwa dazu, die Tinte zu radieren, sondern durch Reibung zu erwärmen. Durch die Temperatur wechselt die Tinte zu einem Farbton, der alle für den Menschen sichtbaren Wellen reflektiert und damit unsichtbar wirkt.

Die Tinte ist nicht verschwunden, sondern hat ihre Farbe geändert.
Die Tinte ist nicht verschwunden, sondern hat ihre Farbe geändert.

Das Geheimnis steckt in den Pigmenten – genauer gesagt in drei Komponenten: Leukofarbstoff: Ein Farbstoff, der sich unter Einfluss von Hitze verändert, wie du es vielleicht von Thermopapier auf Kassenbons kennst. Im Normalzustand ist er sehr hell bis fast durchsichtig.
Farbentwickler: Erst wenn er dem Leukofarbstoff beigemischt wird, kommt die eigentliche Farbe zum Vorschein.
Temperaturregler: Der sorgt dafür, dass sich die Farbe erst ab einer bestimmten Temperatur ändert und nicht gleich verschwindet. Damit du auch an einem heissen Sommertag Tagebuch schreiben kannst.

Wenn du mit der Geheimniskrämerei fertig bist, kannst du die Tinte wieder in ihre ursprüngliche Farbe zurückfärben. Dafür musst du sie auf minus 20 Grad abkühlen.

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Tintenkiller: Auch diese Farbe ist nicht wirklich tot

So wie die radierbaren Gelstifte katapultiert auch der Tintenkiller das Gekritzel nicht ins Jenseits, sondern verändert nur die Farbe der Tinte. Schon im 19. Jahrhundert wurden industrielle Mittel unter dem Namen «Tintentod» oder «Radierwasser» hergestellt, um Geschriebenes verschwinden zu lassen. Bis heute wird mit dieser Methode die Molekülstruktur der organischen Tinte mit chemischen Stoffen wie Sulfiten gestört. Das bewirkt, dass die blaue Farbe nicht mehr reflektiert, bis Aldehyde den Vorgang umkehren.

Die enge Bindung zwischen Bleistift und Radiergummi

Etwas anders sieht es aus, wenn du mit dem Radiergummi Bleistift tilgst. Hier zählt die Adhäsionskraft – oder einfacher gesagt: wie stark sich Moleküle gegenseitig anziehen. Die Graphit-Teilchen haften nach dem Schreiben auf dem Papier. Weil der Radiergummi aber stärker anzieht, bleiben sie am Gummi hängen und werden abgetragen. Die Füllertinte wiederum dringt tiefer ins Papier ein, dagegen ist der Radiergummi machtlos – da hilft nur noch Tipp-Ex. Oder Ehrlichkeit.

Du willst wissen, was es mit dem Legami-Hype auf sich hat? Patrick Vogt klärt dich in seinem Beitrag dazu auf.

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Titelbild: Stefanie Lechthaler

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Die Wände kurz vor der Wohnungsübergabe streichen? Kimchi selber machen? Einen kaputten Raclette-Ofen löten? Geht nicht – gibts nicht. Also manchmal schon. Aber ich probiere es auf jeden Fall aus.


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Interessantes aus der Welt der Produkte, Blicke hinter die Kulissen von Herstellern und Portraits von interessanten Menschen.

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