

Wolle wärmt im Winter und kühlt im Sommer – warum eigentlich?
Wolle kratzt, wärmt und … kühlt? Richtig. Naturfasern heizen dich im Winter auf und halten dich im Sommer frisch. Der Trick steckt in den Fasern selbst.
Früher hasste ich alles, was aus Wolle war, weil kratzig und damit unangenehm auf der Haut. Heute habe ich tierische Naturfasern wieder für mich entdeckt. Ihre Eigenschaften – im Sommer zu kühlen und im Winter zu wärmen – sind unbestreitbar genial. Klingt zu gut, um wahr zu sein?
Wärmen im Winter
Die Physik dahinter ist einfach: Dein Körper strahlt ständig Wärme ab. Bist du nackt, geht diese Wärme direkt in die Umgebungsluft über. Trägst du Kleidung, wird die Wärme vom Stoff zurückgehalten. So weit, so simpel.
Wie du aber wahrscheinlich schon bemerkt hast, halten dich nicht alle Stoffe gleich warm. Das hängt von der Webart ab, vor allem vom Material. Genauer gesagt, von der Anzahl eingeschlossener Luftpolster in den Fasern der Textilien. Diese Luftpolster bilden wegen der schlechten Wärmeleitfähigkeit der Luft eine isolierende Barriere, die die Wärme zurückhält. Zusätzlich liegt bei faserigem Stoff weniger Faseroberfläche direkt auf deiner Haut, wodurch weniger Körperwärme abgeleitet wird.
Die Faustregel gilt: Je faseriger ein Textil, desto mehr Luftpolster hat es, und desto wärmer hält es dich. Wegen diesem Prinzip musst du unter Faserpelzjacken, Schaffellen oder kratzigen Militärdecken auch im kältesten Winter kaum frieren.
Erfrischend im Sommer
Mit diesen Voraussetzungen wäre es ein naheliegender Schluss, dass diese Stoffe im Sommer die Hitze unter dem Stoff bündeln und zum Schweissbad führen. Bei synthetischen Stoffen ist das sogar oftmals so. Nicht aber bei tierischen Fasern wie Merinowolle. Sie binden die vom Körper abgegebene Feuchtigkeit in Form von Wasserdampf in den Fasern und geben sie an die warme Umgebungsluft ab. Das Material trocknet, das erzeugt Verdunstungskälte und eine angenehme Frische auf der Haut.
Das grosse Extra: (fast) geruchslos
Besonders Kleidung aus Merinowolle wird nachgesagt, dass sie auch nach sportlicher Aktivität geruchsneutral bleibt. Das funktioniert bis zu einem gewissen Grad. Der Grund: Die abgegebene Körperfeuchtigkeit wird in den Fasern gespeichert und gelangt nicht an die Textiloberfläche, wo sich Bakterien absetzen und vermehren können. Auf der schuppigen Fasern der Merinowolle habe diese sowieso schon grössere Mühe sich festzusetzen als bei den meist glatten Fasern von Polyesterkleidung. Der Schweiss ist zwar immernoch da, aber geruchsfrei, weil sich die Bakterien nicht darin vermehren können. Diese Eigenschaften gelten für alle tierischen Haare und damit für alle reinen Wollen. Je nach Tierart bleibt aber der Eigengeruch des Tieres in der Wolle und kommt bei starker Feuchtigkeit zum Vorschein, was einige Menschen als unangenehm empfinden.
Wie bei den meisten Produkten lohnt es sich beim Kauf von Wolle auf verantwortungsvolle Produktion zu achten, wenn dir das Tierwohl ein Anliegen ist. Insbesondere bei Merinowolle solltest du auf Textilien aus mulesingfreier Haltung setzten.
Die Wände kurz vor der Wohnungsübergabe streichen? Kimchi selber machen? Einen kaputten Raclette-Ofen löten? Geht nicht – gibts nicht. Also manchmal schon. Aber ich probiere es auf jeden Fall aus.
Interessantes aus der Welt der Produkte, Blicke hinter die Kulissen von Herstellern und Portraits von interessanten Menschen.
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