
Hintergrund
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von Kevin Hofer

RAM ist teuer, der Markt fest in der Hand dreier Konzerne. Ein Youtuber zieht daraus seine Konsequenz: Er baut seinen eigenen Arbeitsspeicher – im Gartenschuppen.
Drei Firmen beherrschen den globalen RAM-Markt: Micron, Samsung und SK Hynix. Seit der KI-Boom die Nachfrage explodieren liess, klettern die Preise. Neue Produktionsstätten entstehen nicht über Nacht. Mit dieser Analyse startet der Youtuber «Dr. Semiconductor» sein neuestes Video. Seine Lösung: Er stellt RAM selbst her. Dafür verwandelt er seinen Gartenschuppen in einen Reinraum und beginnt, Arbeitsspeicher von Grund auf zu bauen.
Bevor er loslegt, erklärt Dr. Semiconductor die Grundlagen. Ein DRAM-Chip besteht aus einem Raster winziger Zellen. An jedem Kreuzungspunkt sitzen ein Transistor und ein Kondensator. Der Transistor schaltet, der Kondensator speichert Ladung. Ist er geladen, steht das für eine «1», entladen für eine «0». Da der Kondensator sich selbst entlädt, muss er regelmässig aufgefrischt werden – daher der Name: Dynamic RAM.
Dr. Semiconductor plant ein 5×4-Array solcher Zellen mit Transistoren knapp unterhalb der Ein-Mikrometer-Grenze. Für einen Heimversuch ist das extrem ehrgeizig.
Die Herstellung erinnert an den Bau eines mehrstöckigen Sandwiches. Ausgangsmaterial ist ein Siliziumwafer, der mit einem Diamantschneider zerteilt und gereinigt wird. Danach erhitzt Dr. Semiconductor die Chips auf 1100 Grad Celsius – Temperaturen wie in flüssiger Lava. Dabei bildet sich eine schützende Glasschicht.

Es folgt die Fotolithografie: Mit lichtempfindlichem Lack und UV-Licht belichtet er Muster im Mikrometerbereich auf die Oberfläche – ähnlich wie beim analogen Fotodruck. Anschliessend bringt er Phosphor in bestimmte Bereiche ein, um die elektrischen Ein- und Ausgänge der Transistoren zu formen. Statt teurer Ionenimplantation nutzt er eine selbst entwickelte Phosphor-Lösung – eine pragmatische Alternative für den Schuppen.
Nach weiteren Oxidationsschritten bei 950 Grad Celsius und dem Ätzen der Kontaktöffnungen trägt er Aluminium auf. Dieses wird wie Farbe durch eine Schablone gesprüht. Wo der Fotolack entfernt wird, bleibt das gewünschte Leiterbahnmuster zurück.
Den fertigen Chip testet Dr. Semiconductor unter dem Mikroskop mit hauchdünnen Messspitzen. Die Ergebnisse überraschen. Der Transistor schaltet präzise, der Kondensator erreicht eine Kapazität von 12,3 Picofarad – fast exakt den theoretischen Idealwert. Als DRAM-Zelle lädt sich der Kondensator in wenigen Hundert Nanosekunden auf drei Volt auf.
Doch es gibt Schwächen: Die Ladung hält nur zwei Millisekunden, während kommerzielles RAM über 64 Millisekunden schafft. Der Chip muss also viel häufiger aufgefrischt werden. Zudem zeigt der Transistor bei höheren Spannungen einen Punch-Through-Effekt, was den Betrieb auf niedrigere Spannungsbereiche beschränkt.
Das Ergebnis ist absurd und faszinierend zugleich: Nach eigenen Angaben baut zum ersten Mal jemand funktionsfähigen RAM zu Hause. Für ein vollwertiges Speichermodul fehlen jedoch ein grosses Array aus Zellen und die passende Ansteuerungselektronik.
Dr. Semiconductor plant bereits den nächsten Schritt: Er will die Zellen zu einem grösseren Array verbinden und an einen PC anschliessen. Auf dieses Video musst du dich noch gedulden. In der Zwischenzeit kannst du dir anschauen, wie er seinen Reinraum gebaut hat:
Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, ist meine Leidenschaft.
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