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Martin Jungfer
Hintergrund

8 Grad kühler in 3 Minuten? Vergiss es!

Verzweifelte Menschen tun zweifelhafte Dinge. Sie kaufen sich zum Beispiel eine «Mini-Klimaanlage», die Wunderdinge verspricht. Dabei sollte klar sein: Die Physik lässt sich nicht überlisten.

Ja, du findest sie auch auf Galaxus: kleine kompakte Geräte, deren Namen Abkühlung versprechen. «Arctic Air» oder «Eva Chill» heissen sie zum Beispiel.

Evapolar Luftkühler & Luftbefeuchter evaCHILL
Klimaanlage

Evapolar Luftkühler & Luftbefeuchter evaCHILL

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Sie sind im Shop zwar unter der Rubrik «Klimaanlage» zu finden. Sie haben aber mit «echten» Klimaanlagen wenig zu tun. Es handelt sich um Luftkühler, also um eine Art erweiterte Ventilatoren. Die Geräte saugen warme Luft an und leiten sie an einem Kissen oder Filter mit Wasser vorbei. Das Wasser verdunstet dabei und es entsteht direkt vor dem Gerät Verdunstungskälte.

Das können tatsächlich ein paar Grad sein, die dich abkühlen. Mit einem Klimagerät mit Kompressor hat das aber nichts zu tun. Diese führen Wärme aus dem Raum ab ins Freie.

Unbesiegbare Physik

Zurück zu den vermeintlichen Zaubergeräten. Sie wirken nur lokal begrenzt. Sie kühlen dein Zimmer nicht. Das ist gar nicht möglich. Die Gesetze der Physik lassen sich nicht überlisten.

Dass ich im Folgenden den Hauptsatz der Thermodynamik erkläre, würde meinen alten Physiklehrer am Gymi wohl staunen lassen. Ich hatte miese Noten. Aber man lernt ja nie aus. Wenn ich es verstehe, kannst du es auch: Also, erstens: Energie verschwindet nicht einfach. Zweitens: Wärme in einem Raum ist letztlich auch nichts anderes als Energie. Drittens: Sie muss raus aus dem Zimmer, damit es kühler wird. Deshalb gibt es Splitgeräte mit Kompressor und Kältekreislauf. Deshalb haben Monoblock-Geräte einen fetten Schlauch, den du zum Fenster raushängst. Der ist also kein Zubehör, sondern elementar fürs Funktionieren. Auch Wandgeräte wie dieses hier hängst du nicht einfach auf und hoffst auf das kühle Wunder. Nein, damit sie funktionieren, musst du Löcher in die Aussenwand bohren.

Olimpia Splendid Unico Next 10 HP PVAN (7165.50 BTU/h)
Klimaanlage

Olimpia Splendid Unico Next 10 HP PVAN

7165.50 BTU/h

Geräte ohne Abluftschlauch können Wärme nicht aus dem Raum bringen. Im Gegenteil: Ihr Betrieb sorgt für zusätzliche Wärme, und sei es nur ein sehr kleiner Elektromotor, der nur ein paar Watt zieht, um einen kleinen Ventilator zu drehen. Auch das erzeugt Energie, also Wärme.

Auch wenn du dich direkt vor dem Gerät gekühlt fühlst, insgesamt wird es im Raum sicher nicht kühler, eher sogar wärmer. Auch wenn es vielleicht nur ein oder zwei zehntel Grad sind.

Absurdes Marketing

Die Luftkühler bei Galaxus sind zum Glück relativ vernünftig beschrieben. Anders als Geräte, die gerade im Sommer im Internet und via Social Media massiv und aggressiv beworben werden. Die Kollegen und Kolleginnen von Heise Online haben sich diese «Fake-Klimaanlagen» kürzlich einmal genauer angeschaut (hier der Bericht).

Da ist bei manchen Geräten die Rede davon, sie seien von der NASA entwickelt worden. In eigenen Tests hätten die Wunder-Geräte die Temperatur in zwei Minuten von 34 auf 17 Grad gebracht. Dazu kommen gewagte Behauptungen zum Stromverbrauch. Dank Weltraumtechnik würden die Geräte bis zu 99 Prozent weniger Strom verbrauchen als klassische Klimaanlagen. Der Vertrieb weiss offensichtlich, wie er die «Klimageräte der nächsten Generation» erfolgreich vermarktet. Zuletzt haben in einer Galaxus-Umfrage viele Menschen gesagt, auf Klimaanlagen zu verzichten, weil diese viel Strom kosten.

Natürlich stecken hinter «AiraBreeze», «AirZuma», «Coolizi Coolzy» und Co. keine Physiker kurz vor dem Nobelpreis. Es handelt sich, so die Recherche von Heise Online, um windige Geschäftemacher, die Billigprodukte aus chinesischer Produktion mit KI-generierten Werbeanzeigen und Fake-Homepages samt begeisterten, aber ausgedachten Kundenrezensionen an zahlungsbereite Kundschaft verticken.

Etwas Kühle, viel Feuchte

Was die Werbung für Verdunstungskühler sagt, ist zumindest nicht glatt gelogen. Das Prinzip dahinter ist zwar uralt, aber es funktioniert tatsächlich. Wie ich oben schon kurz erwähnt habe, läuft Luft an Wasser vorbei. Deshalb haben die Geräte kleine Tanks; bei manchen kannst du auch Eiswürfel einfüllen. Das Eis oder das Wasser verdunstet und es entsteht Verdunstungskälte. Der Luftstrom ist ein paar Grad kühler als die Umgebungsluft – und deutlich feuchter. Das hat auch der «Kassensturz» bei einem Test solcher Geräte im vergangenen Jahr bemerkt und ausserdem festgestellt, dass die Wasserkissen und -filter anfällig sind für Schimmel.

Der «kalte» Luftstrom aus Verdunstungskühlern bleibt lokal. Bei kleinen Geräten kühlt er die Luft in einem Bereich von zehn bis zwanzig Zentimeter direkt vor dem Gerät. Deshalb zeigen die Hersteller die Geräte auch häufig auf dem Nachttisch neben dem Bett oder auf dem Schreibtisch neben dem Monitor. Wer ein Thermometer direkt im Luftstrom platziert, misst tatsächlich tiefere Temperaturen. Sobald sich die Luft im Raum verteilt, gleicht sich die Raumtemperatur wieder an. Und die Feuchtigkeit bleibt im Zimmer.

Und das ist das Problem. Denn was wir als Hitze empfinden, ist gar nicht einfach die Lufttemperatur, sondern wie gut unser Körper seine eigene Wärme an die Umgebung abgeben kann. Das gelingt vor allem über Schweiss. In trockener Luft funktioniert das gut, in feuchter Luft dagegen schlecht. Anders gesagt: Trockene Hitze halten wir besser aus als feuchte. Du kennst das sicher: In der Sauna halten wir höhere Temperaturen viel besser aus als im Dampfbad.

Sinnvoll nur bei trockener Hitze

Wenn du einen Verdunstungskühler laufen lässt, erhöht sich die Luftfeuchtigkeit im Raum. In der Schweiz ist es im Sommer ohnehin oft schwül. Am Ende kann sich ein Zimmer, das du mit einer «Mini-Klimaanlage» kühlen willst, drückender anfühlen als vorher. Nur in trockenen Klimazonen, wo die Luft die zusätzliche Feuchtigkeit noch locker aufnehmen kann, ist so ein Gerät sinnvoll. Reist Du nach Arizona, in den Irak, nach Marokko oder ins Landesinnere von Australien – pack so ein Ding von mir aus ein.

Einige dieser Verdunstungskühler kannst du sogar mit einer Powerbank betreiben, weil sie tatsächlich sehr wenig Strom verbrauchen. Kein Wunder, die Geräte leisten ja auch keine nennenswerte physikalische Kühlarbeit am Raum. Im Wesentlichen bewegen sie nur Luft über einen feuchten Schwamm.

Eis aus dem Tiefkühler als Option

Geräte, die mit Eis statt Wasser befüllt werden, sind physikalisch interessant. Taut das Eis, entzieht es der Luft tatsächlich Wärme, wie der Physiker und Wissenschaftsjournalist Florian Aigner kürzlich in einer Kolumne auf futurezone.at schön vorgerechnet hat. Nur produziert man dieses Eis in aller Regel im eigenen Tiefkühlschrank – und der steht meistens in derselben Wohnung. Die Abwärme, die der Tiefkühler beim Gefrieren erzeugt, heizt den Raum stärker auf, als das Eis ihn hinterher wieder abkühlt. Unter dem Strich ein Nullsummenspiel, eher noch ein Verlustgeschäft.

Ehrlich und günstig: der Ventilator

Es gibt also keine Wunderkühler für kleines Geld, so sehr wir uns das alle wünschen würden. Kannst du keine heisse Luft aus dem Zimmer abführen, gibt es keine echte Raumkühlung. Physikalischer Fakt. Das gilt für jedes Gerät, egal wie es sich nennt oder was auf der Verpackung steht.

Ohne «echte» Klimaanlage helfen altbekannte Methoden: tagsüber Fenster und Storen zulassen, nachts oder frühmorgens frische Luft reinlassen. Wenn du schon ein Gerät kaufst, entscheide dich für einen guten Ventilator. Er kühlt die Raumluft zwar auch nicht, aber das verspricht er auch nicht. Einen kühlenden Effekt auf der Haut liefert er trotzdem, weil er den Schweiss schneller verdunsten lässt.

Titelbild: Martin Jungfer

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Journalist seit 1997. Stationen in Franken, am Bodensee, in Obwalden und Nidwalden sowie in Zürich. Familienvater seit 2014. Experte für redaktionelle Organisation und Motivation. Thematische Schwerpunkte bei Nachhaltigkeit, Werkzeugen fürs Homeoffice, schönen Sachen im Haushalt, kreativen Spielzeugen und Sportartikeln. 


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