
Angespielt: «Cresata» ist ein Sidescroller im Playstation-1-Look
Im Sumpf all der Open-World-Giganten tut ein simpler Sidescroller richtig gut. «Cresata» will genau das sein: ein Actionplattformer im Stil der 90er. An der Gamescom durfte ich das Spiel antesten und bin angetan.
Manchmal will ich keine 100-Stunden-Odyssee mit offener Welt, sondern ein Spiel, bei dem ich von Punkt A zu Punkt B laufe, Gegner verkloppe und dann fertig bin. «Cresata» verspricht genau das. Der Actionplattformer orientiert sich grafisch an der Playstation 1 und setzt bewusst auf ein Levelkonzept statt auf eine offene Welt. Der Grund: Rocket-Panda-Games-CEO Mikey McNamara, der mir das Spiel zeigt, hat keine Zeit mehr für überlange Games. Geht mir auch so.
Rache treibt Phaedon an
Ich schlüpfe in die Rolle von Phaedon von Arsica. Seine ehemaligen Verbündeten haben ihn betrogen. Jetzt sinnt er auf Rache. Sein Ziel: die Reclaimer. An deren Spitze sitzt der machtbesessene Leo Vennghast. Viel Zeit bleibt ihm dafür nicht, denn die Reclaimer sind auf dem Weg zur mysteriösen Insel New Arsica, um dort eine übernatürliche Machtquelle an sich zu reissen.
Bei der Demo musste ich den Text noch lesen. McNamara verspricht aber eine englische Synchronisation – mit prominenter Beteiligung. Aleks Le, der etwa Zenitsu in «Demon Slayer» oder Jin-woo in «Solo Leveling» vertont hat, spricht Phaedon. Ben Starr seinen Widersacher Leo Vennghast. Starr kennt man aus «Final Fantasy XVI» und «Clair Obscur: Expedition 33».

Quelle: Rocket Panda Games
Originell klingt die Geschichte bislang nicht. Ich habe aber auch nur die ersten drei kurzen Level bis zum ersten Boss von «Cresata» gespielt. Gesehen habe ich mehr vom Gameplay – und das überzeugt.
Kämpfe gehen gut von der Hand
Mit meiner Crescent Claw, einer Kette, die an Phaedons Hand befestigt ist, schlage ich zu – in alle Richtungen und auch mitten in der Luft. Daneben attackiere ich mit meiner Nebenwaffe aus der Ferne. Später sollen noch weitere Nebenwaffen hinzukommen. Selbstverständlich kann ich auch abwehren. Projektile schleudere ich durch gezieltes Timing auf die Gegner zurück.

Quelle: Rocket Panda Games
Ich unterscheide zwischen einfachen und starken Angriffen, wobei ich Letztere durch Attackieren erst aufladen muss. Taumelt ein Gegner, packe ich einen brutalen Finisher aus. Diese machen ordentlich Laune. Zu Beginn der Demo treffe ich noch auf relativ einfache Gegner. Die werden aber schnell stärker und spätestens beim Boss, dem Reclaimer Storm Knight, muss ich mich ordentlich anstrengen.
Plattforming fordert Fingerspitzengefühl
Auch das Plattforming macht Spass und verlangt mir einiges an Präzision ab. Neben klassischem Rennen, Springen und Rutschen fungiert meine Crescent Claw gleichzeitig als Enterhaken. An gelben Haken kralle ich mich damit fest und schwinge über grössere Abgründe. Dabei kann ich die Schwungbewegung beeinflussen, um den Winkel für den Absprung genauer zu treffen. Violette Haken katapultieren mich stattdessen direkt weiter in die Richtung, aus der ich komme. Sollte ich mal in den Abgrund stürzen, warten grosszügig gesetzte Respawn-Punkte auf mich.

Quelle: Rocket Panda Games
Das Moveset ist simpel, wie auch McNamara betont. Er bezeichnet das System als einfach zu lernen, aber schwierig zu meistern. Als er mir zum Schluss den Ghost-Racing-Modus zeigt, in dem es darum geht, die Level schneller als andere zu beenden, wird mir bewusst, was er damit meint: Obwohl ich nach meiner halbstündigen Session das Gefühl hatte, das Spiel einigermassen zu beherrschen, führt mich McNamara regelrecht vor. Beherrscht jemand «Cresata», sieht es nochmal geiler aus.
McNamara vergleicht «Cresata» mit fordernden Sidescrollern wie «Celeste» oder «10 Second Ninja X», betont aber: Trotz der Optik ist «Cresata» kein Metroidvania à la «Castlevania». Stattdessen bleibt das Spiel linear: von Ort zu Ort, Gegner für Gegner, dazwischen warten happige Bosskämpfe.
Im Look der Playstation 1
Wobei ich bei der Optik bin. Der Artstyle ist speziell: «Cresata» setzt auf 2.5D. Charaktere und Objekte bestehen aus Sprites, die Hintergründe aus dezentem Low-Poly-3D. Das lenkt meinen Blick genau dahin, wo er hingehört: aufs Geschehen im Vordergrund. Die Umgebung sorgt trotzdem für Atmosphäre.
Besonders cool sieht es auch, wenn Phaedon um die Ecke biegt. Dann dreht sich der Bildschirm und mir wird die Dreidimensionalität des Hintergrunds erst richtig bewusst. Das Spiel erhält in diesen Momenten wortwörtlich eine ungeahnte Tiefe.

Quelle: Rocket Panda Games
Vom Soundtrack und den Soundeffekten habe ich am kleinen Stand an der geschäftigen Gamescom wenig mitbekommen. Was ich aber gehört habe, unterstützt die Atmosphäre der Arsican Depths, dem Untergrund von Valeos, wo «Cresata» spielt.
Kurz, aber knackig
Etwa eine halbe Stunde lang hetze ich durch einen Turm. Am Ende wartet ein Bosskampf. Das reicht, um ein gutes Gefühl für die Kernmechaniken zu bekommen. Insgesamt dürfte «Cresata» nur etwa sechs Stunden dauern – für mich fast schon eine Wohltat in Zeiten von Open-World-Monstern. Eine Kickstarter-Seite ist bereits online; mein Geld bekommen sie.
«Cresata» erscheint 2027 für PS5, Xbox Series X/S und PC.
Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, ist meine Leidenschaft.
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