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Produkttest

Apple Photomator: Lightroom light mit ungewisser Zukunft

David Lee
20-1-2026
Bilder: David Lee

Apples RAW-Bearbeitungssoftware kommt nicht an Adobe Lightroom heran, bietet aber ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Unklar ist, was Apple für Pläne mit Photomator hat.

Zwei Nachteile von Photomator sind sofort klar. Erstens: Die Software läuft nur auf Macs. Zweitens: Sie ist, genau wie Adobe Lightroom, nur im Abo-Modell erhältlich. Wenn du an dieser Stelle aufhörst zu lesen, nehme ich es dir nicht übel.

So. Dann sind wir ja jetzt unter uns. Hast du einen Mac und suchst nach einer Lightroom-Alternative, lohnt sich ein Blick auf Apples Konkurrenzangebot. Es handelt sich zwar ebenso um ein Abo, aber um ein viel günstigeres. Pro Jahr kostet Photomator 30 Franken oder 35 Euro. Daneben gibt es die Möglichkeit, ein «lebenslanges» Abo für 120 Franken oder Euro zu lösen. Adobe Lightroom kostet schon im ersten Jahr mehr.

Beim Wort «lebenslang» werde ich allerdings misstrauisch. Denn Apple hatte 2005 bereits eine Lightroom-Konkurrenz namens Aperture ins Leben gerufen, diese aber 2014 wieder beerdigt. Die Software funktionierte kurze Zeit später nicht mehr, weil Apple von 32 auf 64 Bit umstieg, aber Aperture nicht portierte.

In Apples neuem Sammelsurium-Abo ist Photomator nicht enthalten. Das ist seltsam, denn das Bundle nennt sich «Creator Studio» und soll sich an Kreative richten. Die Bildbearbeitung Pixelmator (nicht zu verwechseln mit Photomator) ist im Bundle drin. Aber Pixelmator ist wie alle anderen Anwendungen des Creator Studio eine Einzelkauf-Software. Wahrscheinlich kommt die bestehende Abostruktur von Photomator dem neuen Abo in die Quere.

Pessimisten äussern eine andere Vermutung, warum Photomator nicht dabei ist: weil Apple das Programm sowieso einstellen will. Ich halte das für eher unwahrscheinlich, aber nachdem Apple schon Aperture gekillt hat, kann ich es nicht ausschliessen.

Wie Photomator funktioniert

Wie die meisten RAW-Konverter unterteilt sich Photomator in zwei Hauptbereiche: eine Bildverwaltung und eine Einzelbildbearbeitung. In der Bildverwaltung lassen sich mehrere Fotos gleichzeitig verändern, etwa durch Presets oder eine automatische Farbkorrektur. Das ist allerdings etwas umständlich. Du musst im Kontextmenü unter «Arbeitsabläufe» ein Untermenü öffnen; die meisten Vorgänge musst du diesem Menü zuerst hinzufügen. Immerhin kannst du so auch deine eigenen Abläufe definieren.

Bearbeitungs-Routinen auf mehrere Bilder anzuwenden ist möglich. Aber etwas umständlich.
Bearbeitungs-Routinen auf mehrere Bilder anzuwenden ist möglich. Aber etwas umständlich.

Eine Besonderheit von Photomator ist, dass die Anwendung auch auf die Bilder der App «Fotos» zugreifen kann. Das hat damit zu tun, dass beides von Apple stammt. Nutzt du «Fotos» in Kombination mit der iCloud, hast du alle deine Bilder auf allen Geräten. Photomator kann jedes bearbeitete Bild automatisch in «Fotos» speichern. Das ist nicht selbstverständlich, da es sich dabei um eine abgekapselte Bibliothek handelt, deren Einzeldateien von aussen nicht zugänglich sind. Genau aus diesem Grund habe ich «Fotos» bislang gemieden. Skeptiker wie ich können diese Funktion in Photomator auch komplett ausschalten.

Verwaltung: weniger komfortabel als Lightroom

Photomator verwendet wie Lightroom ein System mit maximal fünf Sternen zur Bewertung von Fotos und ein zweites System, mit dem Bilder markiert oder aussortiert werden können. Cool für Umsteiger: Bewertungen und Markierungen aus den XMP-Dateien von Lightroom werden erkannt und übernommen. Auch die Tastenkürzel sind weitgehend dieselben. Leider dauert es eine gefühlte Ewigkeit, bis Änderungen bei Sternen und Markierungen angezeigt werden – auf meinem Mac mit M4-Chip und 16 GB RAM fast zehn Sekunden.

Nicht übernommen werden die Stichwörter, denn Photomator verfügt über keine Stichwort-Funktion. Bei den EXIF-Metadaten sind nur die wichtigsten sichtbar und es ist nicht möglich, nach Angaben wie Objektivmodell oder ISO-Empfindlichkeit zu filtern. Filter für Zeit und Ort existieren. Die Zeit lässt sich nicht nachträglich ändern, wenn an deiner Kamera die Uhr falsch eingestellt war.

Photomator bietet kein automatisches Zusammensetzen mehrerer Fotos zu einem Panorama oder einem HDR-Bild. Dafür könnte man zur Not auch ein externes Tool verwenden. Was ich stärker vermisse, ist die Möglichkeit, virtuelle Kopien zu erstellen. In Lightroom nutze ich das täglich. Dabei kopiert der RAW-Entwickler nicht die Bilddatei, sondern erzeugt ein zweites Set von Einstellungen, das er auf die gleiche Bilddatei anwendet.

Liegt ein Foto sowohl in RAW als auch in JPEG vor, fasst Photomator die beiden immer als eine Miniatur zusammen. In Lightroom kann ich wählen, ob sie einzeln oder zusammengefasst dargestellt werden sollen. Bearbeiten kann ich anfangs beide Versionen; aber sobald ich angefangen habe, das RAW zu bearbeiten, kann ich das JPEG nicht mehr editieren und umgekehrt.

Die Auswahl zwischen RAW und JPEG ist nur da, solange noch nichts bearbeitet wurde.
Die Auswahl zwischen RAW und JPEG ist nur da, solange noch nichts bearbeitet wurde.

Bilder lassen sich nach Name, Erstellungs- oder Änderungsdatum sortieren. Lightroom bietet viel mehr Optionen, zum Beispiel kann ich Fotos auch nach EXIF-Daten wie Blende oder Brennweite sortieren. Vor allem aber ist das Sortieren in einem Sekundenbruchteil erledigt, selbst bei einem Ordner mit über 3000 Bildern. Photomator kommt mit grossen Bildbeständen überhaupt nicht klar. Das Sortieren dauert ewig.

Bearbeitung: beachtliche Funktionen

Bei der Bearbeitung sieht es besser aus als bei der Verwaltung. Zwar hat auch hier Lightroom die Nase vorn, aber Photomator bietet angesichts des niedrigen Preises erstaunlich viel. Die wichtigsten Funktionen sind alle drin, dazu kommen auch einige fortgeschrittene Features wie automatische Himmelerkennung oder Entrauschen und Hochskalieren auf KI-Basis. Die Geschwindigkeit ist ebenfalls erfreulich. Während die Bildverwaltung bei gewissen Vorgängen schnarchlangsam ist, geht die Bearbeitung flink. Die KI-Entrauschung etwa ist deutlich schneller als in Lightroom. Zudem kann Photomator ein Foto gleichzeitig entrauschen und hochskalieren, während in Lightroom nach wie vor nur das eine oder das andere möglich ist.

Ein paar aus Lightroom bekannte Funktionen fehlen. Am meisten vermisse ich die Nachbildung der Kamera-Farbprofile. Damit ist es in Lightroom möglich, den spezifischen JPEG-Farbstil einer Kamera in RAW abzubilden – nicht hundertprozentig korrekt, aber gut genug. Gewöhnt habe ich mich auch an die Korrektur von Objektivfehlern. In Photomator gibt’s keine Objektiv-Profile und auch keine Möglichkeit, Verzeichnungen und chromatische Aberrationen manuell zu korrigieren. Weiter fehlt die Funktion «Dunst entfernen» – dafür lassen sich Struktur und Klarheit für Lichter, Mitten und Tiefen separat einstellen. Und schliesslich kann Photomator zwar alle drei Achsen gerade ausrichten – aber nur eine davon automatisch.

Qualität der Algorithmen

Bei RAW-Entwicklern kommt es nicht nur darauf an, ob eine Funktion vorhanden ist oder nicht, sondern auch, wie sie arbeitet. Hier gibt es zum Teil krasse Unterschiede.

Bei dieser Gegenlichtaufnahme sind sowohl im Schatten als auch im Himmel die Details durch das harte Licht verschwunden. In der RAW-Entwicklung versucht man normalerweise, das zu korrigieren.

In Lightroom sieht das nach einem Klick auf die automatische Tonwertkorrektur so aus:

In Pixelmator so:

Ich habe die Automatik als Beispiel gewählt, um Fehler meinerseits auszuschliessen. Das ist ein Klick, ich kann dabei nichts falsch machen.

Am Ergebnis von Lightroom würde ich nichts mehr ändern – das ist bereits gut genug. Nun versuche ich, in Pixelmator ein ähnliches Ergebnis durch manuelle Korrekturen hinzukriegen. Das gelingt so halbwegs. Ich finde aber die Ein-Klick-Bearbeitung von Lightroom immer noch besser.

In Lightroom könnte ich noch den Himmel verändern. Die automatische Selektion des Himmels funktioniert trotz der vielen Drähte perfekt. Ich übertreibe bei der Farbgebung ein bisschen, um deutlich zu machen, dass ich die Farbe des Himmels komplett unabhängig vom Rest justieren kann.

In Photomator funktioniert das nicht. Die Software erkennt nur einen Teil des Himmels, die Bearbeitung führt daher zu einem Farbunfall. Grundsätzlich kann eine automatische Maske mit dem Pinsel oder anderen Werkzeugen manuell modifiziert werden; in diesem Fall wäre das aber ein immenser Aufwand.

In einfacheren Fällen ist die Erkennung durchaus brauchbar. In diesem Bild hat Photomator den Hintergrund perfekt erkannt und ausgewählt. Ich konnte daher dessen Sättigung und Helligkeit zurückdrehen, um das Motiv besser zur Geltung zu bringen.

Fazit: Günstige Alternative für Gelegenheits-User

Bei der Bildverwaltung hat Photomator unerklärliche Performance-Probleme und es fehlen Tools für die effiziente Verwaltung von grossen Bildbeständen, etwa die Stichwortsuche oder das Filtern und Sortieren nach EXIF-Daten. In der Bearbeitung kann es das meiste, was Lightroom kann – schnell, wenn auch teilweise weniger gut. Auch hier fehlen aber mit der Objektivkorrektur und den Kameraprofilen zwei wichtige Features.

Insgesamt bleibt Photomator klar hinter Lightroom zurück. Es kostet aber nicht mal einen Fünftel und ist als RAW-Entwickler durchaus brauchbar. Insofern ist es eine Überlegung wert. Vor allem, wenn du RAW-Entwicklung nur gelegentlich nutzt und nicht so viel zahlen willst – oder dich noch nicht an den Komfort von Lightroom gewöhnt hast.

Die «lebenslange» Option empfehle ich nicht. Sie zahlt sich frühestens nach vier Jahren aus und im Moment ist nicht klar, welche langfristigen Pläne Apple mit Photomator hat.

Fazit

Günstige Alternative für Gelegenheits-User

Bei der Bildverwaltung hat Photomator unerklärliche Performance-Probleme und es fehlen Tools für die effiziente Verwaltung von grossen Bildbeständen, etwa die Stichwortsuche oder das Filtern und Sortieren nach EXIF-Daten. In der Bearbeitung kann es das meiste, was Lightroom kann – schnell, wenn auch teilweise weniger gut. Auch hier fehlen aber mit der Objektivkorrektur und den Kameraprofilen zwei wichtige Features.

Insgesamt bleibt Photomator klar hinter Lightroom zurück. Es kostet aber nicht mal einen Fünftel und ist als RAW-Entwickler durchaus brauchbar. Insofern ist es eine Überlegung wert. Vor allem, wenn du RAW-Entwicklung nur gelegentlich nutzt und nicht so viel zahlen willst – oder dich noch nicht an den Komfort von Lightroom gewöhnt hast.

Die «lebenslange» Option empfehle ich nicht. Sie zahlt sich frühestens nach vier Jahren aus und im Moment ist nicht klar, welche langfristigen Pläne Apple mit Photomator hat.

Pro

  • günstig
  • KI-Entrauschen und Skalieren
  • lokale Korrekturen mit KI-Unterstützung
  • Integration der «Fotos»-App
  • Bewertungen und Markierungen können von Lightroom übernommen werden

Contra

  • nur im Abo erhältlich
  • läuft nur auf Macs
  • Bildverwaltung langsam und rudimentär
  • keine Objektivkorrektur
  • keine Kamera-Profile
  • keine HDR- und Panoramafunktion
  • Korrekturqualität nicht auf Lightroom-Niveau

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Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere. 


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