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Produkttest

On1 Photo RAW: besser als erwartet

David Lee
31-1-2026
Bilder: David Lee

Wer auf der Suche nach einer Lightroom-Alternative ist, sollte sich On1 Photo RAW anschauen. Die Software ohne Abo-Zwang kann mehr, als der günstige Preis vermuten lässt.

Photo RAW gibt es als Abo und als Einzelkauf. Die Preise liegen in jedem Fall unter denen von Lightroom – im Einzelkauf auch unter denen von Luminar und Photomator. Du kannst On1 Photo RAW kostenlos herunterladen und 30 Tage lang ausprobieren. Was ich dir unbedingt empfehle, denn vieles hat mit Gewohnheiten und persönlichen Vorlieben zu tun.

Leistungsfähige Bildverwaltung

Die Bildverwaltung macht einen guten Eindruck. Sie ist klar besser als die von Photomator und braucht auch den Vergleich mit Lightroom nicht zu scheuen. Der Umstieg von Lightroom fällt nicht allzu schwer – beispielsweise wechselst du zwischen Gitter- und Einzelansicht mit den gleichen Tasten (g und e). Stichwörter und Bewertungen liest die Software aus den XMP-Files und übernimmt sie. Für Markierungen gilt das leider nicht.

Der Verwaltungsteil überzeugt.
Der Verwaltungsteil überzeugt.

Du kannst Stichwörter nicht nur von Hand eintragen, sondern dir Vorschläge generieren lassen. Eine KI-gestützte Bildanalyse erkennt, was auf dem Bild zu sehen ist und schlägt dann zum Beispiel «Vogel» als Stichwort vor. Die genaue Vogelart kann sie nicht ermitteln. Im Allgemeinen klappt das recht gut, zumal du jeden Vorschlag einzeln annehmen oder ablehnen kannst.

Die Bildverwaltung funktioniert mit einer simplen Ordner-Navigation, aber auch mit Katalogen und Alben. Du kannst virtuelle Kopien von Bildern erstellen – sie heissen hier Versionen. Es ist auch möglich, mehrere Bilder zu einem Panorama, einem HDR-Bild oder für Fokus-Stacking zusammenzurechnen.

Die Suchfunktion ist sehr ausgefeilt. Ich kann nach zahlreichen Metadaten, Stichwörtern, Bewertungen, freiem Text oder Gesichtern suchen. Dabei lassen sich beliebig viele Suchregeln kombinieren; es ist möglich, Ausschlusskriterien, obligatorische oder fakultative Kriterien einzugeben. Allerdings ist die Eingabe relativ umständlich, so dass ich komplizierte Suchregeln wohl nur in Ausnahmefällen benutzen würde.

Für die Suche lassen sich fast beliebige Kriterien definieren.
Für die Suche lassen sich fast beliebige Kriterien definieren.

Auch die Sortiermöglichkeiten sind vielfältig. Zudem kann Photo RAW automatisch Duplikate ausfindig machen und sehr ähnliche Fotos gruppieren.

In der Bildverwaltung lassen sich auch Presets anwenden. Damit werden eines oder mehrere Fotos auf eine vordefinierte Art bearbeitet. Photo RAW bringt bereits viele Presets mit; von diesen bin ich aber wenig begeistert. Ich finde sie meist zwischen langweilig und nutzlos. Zum Beispiel gibt es ein Preset, welches das Bild orange und unscharf macht. Warum?

Bearbeitung: gute Automatik, mangelhafte Feinjustierung

On1 Photo RAW hat eine gute Automatikfunktion namens Brillance AI. Sie ermöglicht Einsteigerinnen und Einsteigern, schnell zu einer klaren Verbesserung der Fotos zu kommen. Anders als in Lightroom kann die Automatik nicht bloss eingeschaltet, sondern modifiziert werden. Mit dem Hauptregler lässt sich die Gesamtstärke der Verbesserung wählen. Darunter gibt es getrennte Regler für Farbe und Tonwert: Ich kann also zum Beispiel den Tonwert stärker automatisch korrigieren lassen als die Farbe. Zusätzlich kann ich auch bestimmte Bildteile separat einstellen, etwa den Himmel stärker farblich ändern als den Rest. Voraussetzung dafür ist, dass die Software den Himmel korrekt identifiziert. Dazu später mehr.

Das Ausgangsbild.
Das Ausgangsbild.
Als Referenz die Auto-Korrektur in Lightroom.
Als Referenz die Auto-Korrektur in Lightroom.
Auto-Korrektur in Photo RAW. Die Farben sind weniger gut, was sich aber leicht korrigieren lässt. Die Tonwertkorrektur bringt die Software auch bei diesem schwierigen Bild zufriedenstellend hin.
Auto-Korrektur in Photo RAW. Die Farben sind weniger gut, was sich aber leicht korrigieren lässt. Die Tonwertkorrektur bringt die Software auch bei diesem schwierigen Bild zufriedenstellend hin.

Wie in Lightroom stellt die Automatik die manuellen Parameter auf einen bestimmten Wert. Diesen kann ich anschliessend von Hand feinjustieren. Genau hier zeigt sich aber die grösste Schwäche von On1 Photo RAW. Während ich in Lightroom gezielt die Schatten aufhellen kann, arbeitet der entsprechende Regler in Photo RAW deutlich weniger präzise. Er hellt auch die Mitten ziemlich stark und sogar die Lichter ein wenig auf. Umgekehrt senken sich auch die Tiefen, wenn ich die Lichter zurückschraube.

Beides ist sowohl im Bild als auch im Histogramm deutlich zu sehen. Es ist sogar möglich, mit dem Tiefen-Regler eine Überbelichtung zu fabrizieren. «Absoluter Mist», wie dieser Youtube-Rezensent das nannte, ist das meiner Meinung nach nicht. Zusammen mit den übrigen Reglern komme ich am Ende durchaus zu einem guten Ergebnis – aber ich brauche länger.

Lokale Anpassungen

Sehr nützlich sind lokale Anpassungen: Einstellungen betreffen dann nicht das ganze Bild, sondern nur einen bestimmten Bereich. Dieser lässt sich von Hand auswählen, etwa mit einem Pinsel, oder automatisch durch künstliche Intelligenz. Zum Beispiel erkennt Photo RAW den Himmel, die Vegetation, den Boden, Wasser und andere Landschaftsteile, oder auch klar umrissene Objekte. Dies erspart gegenüber der manuellen Maskierung sehr viel Zeit.

Wie gut funktioniert das? Das Testbild, bei dem Photomator versagt hatte, meistert Photo RAW mit Bravour. Die Software erkennt den Himmel nahezu perfekt, was bei der kleinmaschigen Struktur sehr viel Zeit spart. Somit kann ich die Farbe des Himmels nach meinem Geschmack anpassen.

Adobe Lightroom hat bei der Himmelerkennung aber die Nase vorn. Im folgenden Beispiel erkennt Lightroom, dass das Verkehrsschild nicht Teil des Himmels ist und spart es aus. Photo RAW zählt Teile des Schilds zum Himmel, andere nicht.

Wasser, Vegetation und andere Landschaftsteile werden nur in der Automatik erkannt, sie können nicht manuell hinzugefügt werden. Und manchmal werden diese Bildteile gar nicht erkannt. Ein Ersatz bietet «Quick Mask AI». Dabei klickst du in einen Bereich und die Software erkennt das zugehörige Objekt. Das funktioniert oft sehr gut. Zudem kannst du KI-Masken auch manuell modifizieren.

Kurzer Nörgelteil zur Oberfläche

Die Bedienoberfläche von On1 Photo RAW scheint mir alles andere als intuitiv. Ich musste ein Tutorial schauen, um zu kapieren, wie man Paletten einklappt. In ausgeklappten, aber nicht aktiven Bereichen kann man nichts verstellen, wobei nicht gut zu erkennen ist, ob der Bereich überhaupt aktiviert ist. Die Buttons zum Bestätigen oder Verwerfen befinden sich nicht dort, wo ich arbeite, sodass ich sie teilweise gar nicht bemerke. Einstellungen für lokale Korrekturen befinden sich an drei verschiedenen Orten. Zu allem Übel ist die Oberfläche auch schlecht übersetzt. Zumindest die deutschsprachige Version. Der Pinsel ist eine «Bürste», die Vignettierung heisst «Runterfallen». Die Hilfeeinblendungen sind überhaupt nicht übersetzt.

Was wohl «Sc… se» bedeutet? Nicht, was du denkst.
Was wohl «Sc… se» bedeutet? Nicht, was du denkst.

Grosser Funktionsumfang

Photo RAW hat so viele Funktionen, dass ich nicht alle getestet habe. In Apple Photomator habe ich die Objektivkorrektur vermisst. Nicht so in On1 Photo RAW: Die Software arbeitet sowohl mit Objektivprofilen als auch mit manueller Justierung. Die automatische Erkennung funktioniert aber nicht immer. Unverständlicherweise wird die Objektivkorrektur nicht standardmässig angewendet – du kannst das aber in den Einstellungen ändern.

Sehr nützlich ist auch die Transformations-Palette. Damit lassen sich perspektivische Verzerrungen korrigieren, die entstehen, wenn die Kamera nicht gerade gehalten wird. Die Regler ähneln denen in Lightroom, es fehlt jedoch eine vollautomatische Ausrichtung.

Entrauschen mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz ist momentan der heisse Scheiss in der Fotobearbeitung. Kein Wunder, hat auch Photo RAW ein solches Feature. Und das ist gar nicht schlecht. Mit den Standardeinstellungen erziele ich kein gutes Ergebnis. Es lässt sich aber durch die Regler erstaunlich gut verbessern. Dabei dauert die Berechnung auch nicht allzu lange.

Beim Export überzeugt mich Photo RAW restlos. Der Dialog bietet praktisch alles, was Lightroom auch bietet: etwa Umbenennung mit zahlreichen Optionen, automatische Nummerierung nach eigenen Präferenzen, automatisches Erzeugen von Unterordnern oder Nachschärfen. Du kannst sogar einzeln wählen, welche Metadaten du behalten und welche du entfernen willst. Das alles kannst du als Export-Preset speichern. Und hier ist auch die Bedienung für einmal simpel: Du wählst das Preset direkt aus der Menüleiste.

Fazit

Viel Leistung für wenig Geld

On1 Photo RAW ist ohne Abo erhältlich und günstig. Es bietet einen riesigen Funktionsumfang mit teilweise sehr komfortablen Optionen. Die automatische Korrektur ist leistungsfähig und ermöglicht mit wenigen Klicks gute Resultate. Weniger überzeugend sind die manuellen Regler für Lichter und Schatten. Sie arbeiten mit der Holzhammer-Methode, eine Feinjustierung ist schwierig.

Bei den KI-gestützten Funktionen zeigt sich Photo RAW auf der Höhe der Zeit: Die automatische Erkennung von Landschaftsteilen hält nicht ganz mit Lightroom mit, ist aber deutlich besser als zum Beispiel in Photomator. Auch das KI-basierte Entrauschen funktioniert teilweise sehr gut. Für Gelegenheitsnutzer problematisch dürfte die kleinteilige und unübersichtliche Oberfläche sein, die zumindest in der deutschen Version auch schlecht übersetzt ist.

Pro

  • als günstiger Einmalkauf erhältlich
  • leistungsfähige Bildverwaltung
  • viele KI-Funktionen mit teils sehr guten Ergebnissen
  • sehr gute Autokorrektur
  • ausgefeilte Exportfunktion

Contra

  • unpräzise Regler für Schatten und Lichter
  • schwer verständliche Oberfläche
  • schlechte Übersetzung auf Deutsch

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Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere. 


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