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Pablo Gomez-Cambronero/Shutterstock
Hintergrund

Aufgedeckt: Die häufigsten Mythen über Yoga

Nein, du brauchst keine fancy Lycrapants, um Yoga zu üben. Und falls du deine Beine nicht hinter deinem Kopf verschränken kannst, macht dich das zu keinem schlechteren Yogi. Ich räume mit den gängigsten Missverständnissen über Yoga auf.

Yoga ist längst kein Trend mehr. Es gehört fest zum Standardangebot jedes Fitnessclubs und Yogastudios findest du hinter jeder Ecke. Die einen versprechen dir gesunden Gewichtsverlust, die anderen einen starken Rücken und die nächsten die seelische Erlösung. Kein Wunder, dass ordentlich Verwirrung darüber herrscht, was Yoga eigentlich ist. Und auch nachdem ich bereits zehn Jahre regelmäßig zu Yogaklassen gerannt war, fleißig meinen Kopfstand übte und mich schon für fortgeschritten hielt, wurde mir erst in meiner Yoga-Ausbildung bewusst, wie weit ich von der Wahrheit entfernt war.

Also werfen wir einen Blick auf die gängigsten Yoga-Mythen und räumen hier einmal gründlich auf:

1. Yoga ist Sport

Steigen wir direkt mit einem der größten Mythen ein: Yoga ist Sport. Tatsächlich haben die meisten modernen Yogaangebote so viel mit traditionellem Yoga zu tun wie Low Carb mit Pommes. Yoga hat eine sehr viel längere und vielfältigere Geschichte, als es die Yogastunde im Fitnessstudio vermuten lässt.

Yoga-Mythos Nummer 1: Yoga ist Sport. Ja, Yogahaltungen stärken auch deine Muskeln, aber das ist nicht alles.
Yoga-Mythos Nummer 1: Yoga ist Sport. Ja, Yogahaltungen stärken auch deine Muskeln, aber das ist nicht alles.
Quelle: Anastasia Shuraeva/Pexels

Eine der bekanntesten klassischen Schriften des Yoga sind die Yoga-Sutras des Gelehrten Patanjali. Darin wird ein achtgliedriger Weg beschrieben, der zur Befreiung führen soll. Asana – die Körperhaltung – ist dabei nur eines von acht Gliedern. Daneben stehen unter anderem ethische Grundsätze, Atemübungen, Konzentration und Meditation.

Patanjali selbst beschreibt Asana erstaunlich knapp: Die Körperhaltung soll stabil und angenehm sein. Hier ging es um die Meditationshaltung. Yogis sollten durch Asanas befähigt werden, möglichst lange fokussiert meditieren zu können. Mit der Zeit entwickelten sich mehr und mehr Körperhaltungen, vor allem um den Geist zur Ruhe kommen zu lassen, Kontrolle über den Körper zu gewinnen und um das Wohlbefinden zu steigern. Doch die körperliche Betätigung bleibt nur ein kleiner Teil der größeren Philosophie.

2. Du musst besonders flexibel sein, um Yoga zu machen

Noch einer der bekanntesten Mythen: Immer wieder erzählen mir Menschen, dass Yoga nichts für sie sei, weil sie nicht flexibel genug wären. Und so trauen sie sich gar nicht, eine Yogaklasse zu besuchen.

Überraschung: Du musst nicht flexibel sein, um Yoga anzufangen. Regelmäßiges Üben kann dich aber flexibel machen.

Yoga-Mythos Nummer 2: Du kannst noch keinen Spagat – dann ist Yoga nichts für dich!
Yoga-Mythos Nummer 2: Du kannst noch keinen Spagat – dann ist Yoga nichts für dich!
Quelle: Allan Mas/Pexels

Auch im Sport erwartet niemand, dass du von Anfang an alles kannst. Natürlich kommt es hier auch auf die individuelle Beschaffenheit deines Körpers an, aber mehr Flexibilität und Stärke werden mit der Zeit kommen – körperlich und mental.

3. Du musst einen Kopfstand können, um gut in Yoga zu sein

Wenn das Ziel deiner Yogapraxis darin besteht, körperlich stärker und beweglicher zu werden, ist ein Kopfstand kein schlechtes Ziel. Aber ob du kopfüber stehen oder deine Zehen berühren kannst, sagt nichts darüber aus, wie «gut» du im Yoga bist. Hier lügen uns Instagram und die unzähligen Videos von Menschen in waghalsigen Posen schamlos an.

Yoga-Mythos Nummer 3: Richtige Yogis können auf dem Kopf stehen, oder?
Yoga-Mythos Nummer 3: Richtige Yogis können auf dem Kopf stehen, oder?
Quelle: Alena Darmel/Pexels

Im Yoga geht es vielmehr um Selbstdisziplin, Konzentration, ethisches Handeln und letztlich um Selbsterkenntnis. Erfolge im Yoga messen sich viel mehr daran, welche Lehren du aus deiner körperlichen Praxis mit in deinen Alltag nimmst.

4. Um Yoga zu machen brauchst du eine Yogamatte und Yogaleggings

Auch wenn es die ein oder andere große Modemarke behauptet: Du brauchst keine 89 Euro teuren Stretch-Leggings aus synthetischen Fasern, die auch noch schlecht für die Umwelt sind.

Yoga-Mythos Nummer 4: Yoga geht nur im passenden Zweiteiler.
Yoga-Mythos Nummer 4: Yoga geht nur im passenden Zweiteiler.
Quelle: olia danilevich/Pexels

Ja, wenn du Asanas übst, ist bequeme Kleidung, die dich nicht einschränkt, wichtig. Das kann auch eine weite Baumwollhose sein. Und eine Matte ist praktisch – aber sie ist keine Zugangsvoraussetzung.

Yoga passiert vor allem außerhalb deiner Matte. In den Momenten, in denen du allen Lebewesen gegenüber respektvoll bist. Wenn du lernst, deine Gedanken und Impulse zu beobachten, anstatt ihnen sofort zu folgen. Und wenn deine Taten von Mitgefühl gezeichnet werden.

5. Yoga ist eine Religion

Yoga ist tatsächlich tief mit dem Hinduismus, Buddhismus und Jainismus verbunden. Viele Yogapraktizierende haben einen tiefen Glauben und verehren verschiedene Gottheiten. Andere Yogatraditionen beschäftigen sich vor allem mit Ethik, Meditation und Erkenntnis. Deshalb lässt sich Yoga nicht pauschal als Religion bezeichnen, eher als Lebensphilosophie.

Du musst also nicht an einen Gott glauben, um Yoga «richtig» zu praktizieren. Yoga nur als körperliche Ertüchtigung zu sehen, greift jedoch auch zu kurz.

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6. Yoga ist nur was für Frauen

Dieser Mythos ist fast schon wieder überholt. Mittlerweile ist das Verhältnis der Geschlechter in vielen Yogaklassen beinahe ausgeglichen. Doch hier hat uns das sehr weiblich-zentrierte Marketing der letzten Jahrzehnte ganz schön ausgetrickst. Dass so viele Frauen Yoga praktizieren, war nämlich nicht immer so:

Historisch war Yoga stark von Männern geprägt. Frauen hatten je nach Zeit, Region und sozialem Status meist weniger Zugang zu philosophischer Bildung. Patanjali, Paramahansa Yogananda, K. Pattabhi Jois, Swami Sivananda – die bekanntesten Namen im Yoga sind alle männlich.

Yoga-Mythos Nummer 6: Männer haben keinen Zutritt.
Yoga-Mythos Nummer 6: Männer haben keinen Zutritt.
Quelle: Vitaly Gariev/Pexels

Erst als sich Yoga im 19. und 20. Jahrhundert im Westen verbreitete und vor allem die Körperhaltungen auf Interesse stießen, wurde Yoga als Fitnesstrend überwiegend von Frauen adaptiert. In Indien selbst gibt es heute noch immer deutlich mehr Yogalehrer als Yogalehrerinnen.

Welche Mythen habe ich vergessen? Mit welchen Missverständnissen willst du unbedingt aufräumen? Ich freue mich auf eure Kommentare.

Titelbild: Pablo Gomez-Cambronero/Shutterstock

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Freie Texterin, Biologin und Yogalehrerin. Fasziniert von Natur, Körper und Geist bin ich eine große Frischluft- und Bewegungsfanatikerin und schreibe am liebsten über alles, was uns gut tut!


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