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Produkttest

Braun Nevo: Rasieren auf höherem Niveau

Martin Jungfer
1-9-2026
Video: Valentina Sproge-Werndli
Schnitt: Valentina Sproge-Werndli
Bilder: Valentina Sproge-Werndli

Ja, er rasiert richtig glatt. Und sanft zur Haut ist er auch. Ob er gut in der Hand liegt? Das tut er. Was soll ich sagen – der Nevo von Braun ist der beste Elektrorasierer, den ich bisher getestet habe.

Klappern gehört zum Handwerk, schon klar. Braun aber hat die Messlatte für den neuen Rasierer Nevo richtig hoch gelegt. Eine «neue Ära der Rasur» soll das Gerät begründen, «keine Kompromisse» machen, dabei «perfekt gründlich» und «perfekt sanft» sein, so das Marketing. Ich vermute, dass das sprachliche Aufrüsten vor allem helfen sollte, den hohen Listenpreis zu rechtfertigen. Um die 800 Franken bzw. Euro waren da aufgerufen worden. Inzwischen, nur wenige Wochen später, sind die Preise deutlich gesunken. Je nach Modell und Ausstattung ist er jetzt schon für unter 500 Franken erhältlich.

Das ist immer noch viel Geld. Zu viel? Ich habe den neuen Nevo mehrere Wochen ausprobiert, mit einem ein bis sieben Tage alten Bart, nass und trocken. Dazu habe ich das Braun-Gerät mit den Spitzenmodellen der Konkurrenz, namentlich von Panasonic sowie von Philips, verglichen. Wie auch im Video oben zu sehen – wollte ich den Unterschied zum Series 9 wissen. Dieses Modell bildete bisher das obere Ende des Rasierer-Line-Ups von Braun.

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Mein Fazit nach knapp 100 Rasuren: Der Nevo rasiert gründlich und verursacht bei mir weniger Hautirritationen als die anderen Geräte. Den Unterschied merke ich in allen Gesichtspartien, vor allem aber am Hals, wo die Haut aufgrund des fortschreitenden Alters nicht mehr ganz so straff ist.

Kantige und schwer zugängliche Stellen im Gesicht brauchen mehr als eine Überfahrt.
Kantige und schwer zugängliche Stellen im Gesicht brauchen mehr als eine Überfahrt.

Rasieren mit dem Nevo ist trotzdem nicht so, wie du es im Werbevideo gezeigt bekommst. Da führt das Model mit sanfter Hand den Nevo übers kantige Kinn. Die Barthaare verschwinden dabei wie von Zauberhand. Zurück bleibt Haut, glatt wie ein Glaskeramikkochfeld. Ich beherrsche entweder die korrekte Technik nicht oder meine Stoppeln sind widerborstiger als jene des Gesichts-Adonis. Jedenfalls muss ich schon drei, vier Bahnen ziehen, bis ich mich glatt genug fühle. Und ja, das Ergebnis ist kratzfreier als bei der Konkurrenz. Irgendwas scheint Braun richtig gemacht zu haben mit den «250 diamantscharfen Klingen», die der Schwinganker-Motor bis zu 10 000-mal pro Sekunde in Bewegung bringt. Lass dich hier übrigens nicht vom Marketing täuschen, wenn Braun von «40 000 Cutting Actions» schreibt, die der Nevo schafft. Das ist einfach die Zahl der Motorschwingungen, multipliziert mit der Zahl der Klingen. Das gab es so bereits bei älteren Modellen.

An schwer zugänglichen und heiklen Stellen wie am Kinn oder auf der Oberlippe merke ich beim Ausprobieren, dass die Scherfolie beim Nevo wohl tatsächlich etwas glatter geworden ist. Braun schreibt, sie sei um 20 Prozent gleitfähiger. Das führt der Hersteller auf die «Aerotouch-Technologie« zurück.

Unter der schützenden Scherfolie warten die kleinen Klingen auf ihren Einsatz.
Unter der schützenden Scherfolie warten die kleinen Klingen auf ihren Einsatz.

Mehr Chip-Power, weniger Lärm

Wenig messbar ist für mich der Effekt der gegenüber den Series-9-Modellen verbesserten Autosense-Funktion. So nennt Braun den Fakt, dass im Rasierer ein Prozessor steckt, der während der Rasur die Motorleistung der Bartdichte anpasst. Oder anders formuliert: Bei dichtem Bewuchs geht der Nevo mit mehr Power zu Werke als dort, wo nur Flaum spriesst. Grundsätzlich ist es für die Haltbarkeit sicher sinnvoll, wenn der Motor nicht dauernd auf Höchstleistung läuft.

Apropos Motor: Der Nevo ist tatsächlich etwas leiser als sein Vorgänger, der Series 9. Es ist nicht viel, aber doch hörbar. Vor allem nervt die Frequenz etwas weniger. Braun spricht von einer «neu gestalteten internen Architektur» im Gerät. Hinzu kommt ein «innovatives Dämpfungssystem, das den Motor vom Außengehäuse entkoppelt und Vibrationen reduziert». Man habe die geringere Lautstärke auch im Akustiklabor festgestellt. Eine Prozentangabe macht Braun hier aber nicht. Manchmal ist keine konkrete Angabe auch eine Aussage.

Edelstahl und OLED-Anzeige

Am ehesten Revolution ist der Nevo beim Produktdesign. Weniger, was die Optik angeht. Die Series 9 und der Nevo sind ziemlich eindeutig verwandt. Den gestalterischen Sprung gab es zuletzt von Series 7 zu Series 9.

Neu ist beim Nevo aber, dass du weniger Plastik in die Hand bekommst. Das Gehäuse besteht nun aus einem dünnen, leichten Edelstahl, der besonders robust und stabil sein soll. Ich mag das Gefühl in der Hand. Trotzdem ist der Nevo kein Gerät, das es an Edelstahl-Schönheit mit einem iPhone aufnehmen könnte. Die Rückseite mit dem ausfahrbaren Trimmer besteht aus Kunststoff. Der Scherkopf glänzt zwar silbern, ist aber aus Kunststoff. Und auch der Einschaltknopf ist, richtig, Kunststoff.

Davon lenkt die neue OLED-Anzeige ab. Hier sagt mir der Rasierer in farbigen Piktogrammen, was zu tun ist, wann er geladen oder gereinigt werden möchte und wie viel Prozent der 60-Minuten-Akku noch hat.

Des Gehäuse des Nevo ist aus matt poliertem Edelstahl.
Des Gehäuse des Nevo ist aus matt poliertem Edelstahl.
In der teureren Version gibt es den Nevo mit einem Power Case. In ihm lädt der Rasierapparat weitere 30 Minuten Laufzeit nach.
In der teureren Version gibt es den Nevo mit einem Power Case. In ihm lädt der Rasierapparat weitere 30 Minuten Laufzeit nach.

Braun hat der Versuchung widerstanden, eine App zu basteln. Gut so. Ich werde nicht vermissen, dass mir nützliche Dinge wie der längste Rasier-Streak auf dem Smartphone mitgeteilt werden. Und auch das Fehlen der Information zur durchschnittlichen Dauer meiner täglichen Rasur werde ich verkraften. Manchmal ist weniger doch mehr.

Ein Rasierer für die Ewigkeit?

Mehr ist allerdings mehr, wenn es um die Haltbarkeit eines teuren Geräts geht. Es nützt ja nichts, wenn der Nevo dank Edelstahlhülle den versehentlichen Sturz vom Balkon im fünften Stock überlebt, dann aber kurz darauf zum Beispiel wegen Akkuschwäche im Abfall landet.

Braun hat vorgesorgt: Der Akku ist darauf ausgelegt, dass sie nach 1000 vollen Ladezyklen noch mindestens 80 Prozent Kapazität hat. Ich rechne kurz durch:

  • Ein Ladezyklus bedeutet 60 Minuten Laufzeit.
  • 1000 Ladezyklen sind demnach 60 000 Betriebsminuten.
  • Wenn eine Rasur fünf Minuten dauert, kann ich mich 12 000-mal rasieren.
  • Das wären dann bei täglicher Rasur rund 33 Jahre.

Ja, im Beispiel oben habe ich die Degradation des Akkus nicht berücksichtigt. Dann lass es eine Akku-Überlebensdauer von 25 Jahren sein – das ist immer noch ein grandios guter Wert. Wer härtere Bärte rasiert und deshalb länger und häufiger zum Nevo greift, könnte den Akku schneller verschleissen. Für diesen Fall bietet Braun einen Akku-Austausch-Service an. Man habe, so schreibt mir Braun auf Anfrage, «die Reparierbarkeit noch einfacher und schneller gestaltet». Gut, dann dürfte der Akkuwechsel im Fall der Fälle hoffentlich kein Vermögen kosten.

Fazit

Keine Revolution, aber ein richtig guter Rasierer

Der Nevo-Vorgänger, also der Series-9-Rasierer, ist bereits ein richtig gutes Gerät. Nur ist der Nevo noch ein bisschen besser. Braun hat mit seinem neuen Topmodell zwar die Rasur nicht revolutioniert, aber noch einmal einen Sprung geschafft. Und damit hat der Nevo von mir fünf Sterne verdient. Die Kombination aus schärfer geschliffenen Klingen und einer besser gleitenden Scherfolie sorgt für glattere und weniger gestresste Haut. Ansonsten bleibt Braun eben Braun: Die Reinigungsstation hält den Rasierer sauber, benötigt dafür aber Reinigungskartuschen als Verbrauchsmaterial. Darüber hinaus wird alle 18 Monate ein neuer Scherkopf fällig.

Pro

  • einfache Reinigung und Trocknung in der Station
  • leicht verständliche Anzeigen auf dem Display
  • lange Batterielebensdauer
  • keine App nötig
  • saubere, sehr glatte Rasur

Contra

  • teure Reinigungskartuschen
  • Netzkabel mit 90 Zentimeter etwas kurz

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Journalist seit 1997. Stationen in Franken, am Bodensee, in Obwalden und Nidwalden sowie in Zürich. Familienvater seit 2014. Experte für redaktionelle Organisation und Motivation. Thematische Schwerpunkte bei Nachhaltigkeit, Werkzeugen fürs Homeoffice, schönen Sachen im Haushalt, kreativen Spielzeugen und Sportartikeln. 


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