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Produkttest

C64 Ultimate: fast wie das Original

David Lee
14-8-2026
Bilder: David Lee

Der C64 Ultimate verschmilzt Technologie von 1982 und 2026 nahezu perfekt. Durch die Möglichkeit, Original-Peripherie anzuschliessen, kommt er einem echten Commodore 64 sehr nahe. Für die meisten dürfte es jedoch auch eine viel günstigere Alternative tun.

Es gab nie einen besseren Zeitpunkt für Retro-Gaming. Das Angebot wird immer grösser und besser; gleichzeitig werden moderne Spielkonsolen und Gaming-PCs durch den KI-Wahn teuer und damit unattraktiv.

Der Commodore 64 Ultimate ist eine relativ neue Nachbildung des Commodore 64 von 1982. Es gibt ihn im beigen Original-Look, als transparente RGB-Variante oder als goldene Founders-Version. Vorbestellen lassen sich die drei Varianten auch in der späteren Bauform C64C mit flacherem Gehäuse.

Die Original-Bauform (oben) und die C-Variante (unten) gibt es in je drei Varianten.
Die Original-Bauform (oben) und die C-Variante (unten) gibt es in je drei Varianten.
Quelle: Commodore

Wir haben nichts davon in unserem Shop. Ich musste mein Exemplar aus den USA bestellen – von der Bestellung bis zur Lieferung verstrichen fünf Monate. Bei uns kannst du jedoch eine andere C64-Nachbildung kaufen: The C64 Maxi, manchmal auch nur «The C64» genannt. In diesem Beitrag erfährst du die Vor- und Nachteile beider Modelle.

Warum überhaupt eine Nachbildung?

Wer wieder einmal ein C64-Spiel spielen oder ein Basic-Programm schreiben will, hat verschiedene Möglichkeiten. Am einfachsten und erst noch kostenlos geht es mit einem Software-Emulator wie Vice. Das ultimative Nostalgie-Feeling stellt sich damit aber nicht ein: Es fehlen die einzigartige Tastatur, alte Joysticks, ein flimmernder Röhrenmonitor und ein Kassettengerät zum Laden und Speichern von Software. Nur ein echter Commodore C64 bietet das Original-Erlebnis.

Hardware-Nachbildungen kommen jedoch dem Original ziemlich nahe und haben gegenüber einem echten C64 Vorteile, welche die Nutzung deutlich vereinfachen: Sie lassen sich direkt mit heutigen Geräten verbinden, etwa einem Monitor per HDMI. Du brauchst nicht erst einen Röhrenbildschirm aus den 80er-Jahren aufzutreiben. Das Laden und Speichern von Software geht auch viel einfacher. Alles, was du brauchst, ist ein USB-Stick.

Zwei unterschiedliche Konzepte: Software-Emulation und FPGA

Die beiden Hardware-Nachbildungen verfolgen unterschiedliche Konzepte. The C64 verwendet einen gewöhnlichen Arm-Chip und lässt darauf einen Emulator laufen. Mehr oder weniger originalgetreu ist nur das Gehäuse. The C64 Ultimate verwendet dagegen einen Chip, der mittels FPGA die logischen Schaltungen des C64 nachbildet.

Das Innenleben des C64 Ultimate. Links unten der User Port. Man kann sogar die Sound-Chips (grün) durch eigene ersetzen.
Das Innenleben des C64 Ultimate. Links unten der User Port. Man kann sogar die Sound-Chips (grün) durch eigene ersetzen.
The C64 ist dagegen weitgehend hohl. Die Platine mit dem Arm-Prozessor drauf braucht nicht viel Platz. Durch die Metallplatte ist das Gerät dennoch nicht zu leicht.
The C64 ist dagegen weitgehend hohl. Die Platine mit dem Arm-Prozessor drauf braucht nicht viel Platz. Durch die Metallplatte ist das Gerät dennoch nicht zu leicht.

Der Hauptvorteil dieses Vorgehens: Du kannst Original-Zubehör wie Monitor, Diskettenlaufwerk, Joystick oder Drucker anschliessen. Der C64 Ultimate hat die beiden Joystick-Ports, aber auch eine serielle Schnittstelle, einen Video- und einen Audio-Ausgang. Sogar der Anschluss für eine Datasette und der Speichererweiterungs-Steckplatz sind vorhanden. Dies alles fehlt beim The C64.

Im Prinzip kann der C64 Ultimate einen Original-C64 eins zu eins ersetzen. Der User Port – eine weitere Schnittstelle des Originals – ist von aussen nicht sichtbar, aber auf dem Mainboard vorhanden. Mit einem Adapter wird er von aussen zugänglich.

Wichtig zu wissen: Ein USB-Joystick funktioniert am C64 Ultimate nicht. Du brauchst einen Joystick mit dem originalen 9-Pin-Stecker. Commodore bietet einen solchen an. Alternativ lässt sich die Joystick-Emulation aktivieren. Du steuerst dann Spiele, die eigentlich einen Joystick benötigen, mit der Tastatur. Diese Emulation hat bei mir anfänglich nicht funktioniert. Der Grund dafür war eine leichte Veränderung am FPGA-Board, von dem Commodore anscheinend nichts mitbekommen hatte. Commodore verfügt jedoch über einen guten Support und sendete mir einen Patch, der das Problem beseitigte.

Mein Plan war, den USB-Joystick von The C64 zu verwenden, aber das funktioniert beim C64 Ultimate nicht. USB-Tastaturen und -Mäuse gehen.
Mein Plan war, den USB-Joystick von The C64 zu verwenden, aber das funktioniert beim C64 Ultimate nicht. USB-Tastaturen und -Mäuse gehen.

Games, Musik und sonstige Software

Zum Einschalten drücke ich den Kippschalter auf der Seite nach oben. Genau wie ein «richtiger» C64 startet der Ultimate mit dem Basic-Bildschirm auf. Mit einem zweiten Betätigen des Schalters gelange ich in ein spezielles Menü, das nur auf dem C64 Ultimate existiert. Es bietet Zugriff auf Einstellungen und einen Dateibrowser, mit dem ich Software starten kann. In diesem Fall wechselt das Gerät wieder zur Basic-Umgebung, lädt dort automatisch die Software und startet sie. Auch später kann ich jederzeit zwischen dem C64-Betrieb und dem Ultimate-Menü wechseln.

Das Ultimate-Hauptmenü.
Das Ultimate-Hauptmenü.

Mitgeliefert wird ein USB-Stick mit Software, Demos und Musik. Er hat die Form und Grösse einer Kassette und steckt auch in einer Kassettenhülle. Ich finde den Gag nur halb gelungen, denn der Stick ist dadurch unhandlich – bei den eng zusammen liegenden USB-Slots kann das zum Problem werden. Ein leicht lösbares Problem: Einfach die Daten auf einen anderen Stick kopieren.

Der USB-Stick in Kassettenform ist witzig, braucht aber etwas viel Platz.
Der USB-Stick in Kassettenform ist witzig, braucht aber etwas viel Platz.

Die Spiele darauf stammen grösstenteils aus neuerer Zeit. Was nicht schlecht sein muss – oft sind moderne Games für alte Rechner besser. Ein paar Spiele aus den 80ern sind vorhanden, aber die grossen Klassiker fehlen. Bei The C64 ist das anders: Da findest du sehr bekannte Spiele wie die Summer- und Winter Games. Den Inhalt auf dem USB-Stick kann ich auf meinen Rechner kopieren und auf einem Emulator verwenden, er ist nicht kopiergeschützt. Bei The C64 sind die Spiele dagegen auf dem Computer selbst gespeichert und lassen sich höchstens mit einem Hack auf einen anderen Rechner übertragen.

Anders als The C64 lässt sich der Ultimate auch mit dem Internet verbinden, sowohl per WLAN als auch per Ethernet. Mit dem eingebauten CommoServe kann ich einen Software-Katalog durchsuchen und Dinge herunterladen. Auch hier ist die Auswahl beschränkt. Offenbar sind auf dem Server nur Games gelistet, für die Commodore eine offizielle Erlaubnis hat. Firmware-Updates für den Ultimate müssen trotz der Internet-Anbindung über einen USB-Stick installiert werden.

Auf der Kassette befindet sich neben Spielen auch eine Sammlung von elektronischer Musik in Form von SID-Chiptunes und Demos. Und dann ist da noch Geos, eine grafische Benutzeroberfläche mit Fenstern, Menüs, Papierkorb – und einem Mauszeiger. Mit seinem Schwarzweiss-Look erinnert es etwas an die ersten Macintosh-Systeme. Ich habe es nicht geschafft, dass damit eine USB-Maus funktioniert. Mit der anderen grafischen Oberfläche GUI64 klappte es, aber dort kann ich nichts tun.

Für Freaks und solche, die es werden wollen

Überhaupt kratze ich mir beim C64 Ultimate immer mal wieder ratlos am Kopf, was mir bei The C64 nie passiert. Es gibt ein ausführliches Handbuch (nur in Englisch), das auch die Programmierung mit Basic näher bringt. Dieses ist zum Glück auch als Download verfügbar und damit durchsuchbar. Vieles wird darin jedoch nicht erklärt. So sehe ich zum Beispiel eine Option namens «Ultimate Audio», habe aber keinen Schimmer, was sie tut. Ich habe das Gefühl, dass ich eben erst an der Oberfläche gekratzt habe und mich noch lange intensiv mit dem Gerät befassen müsste, um alles zu verstehen.

Für diejenigen, die tief eintauchen wollen, ist der C64 Ultimate genau das Richtige. Um beim Thema Audio zu bleiben: Der interne Lautsprecher spielt Geräusche ab, die bei einem echten C64 beim Laden und Speichern hörbar wären. Bei Sound in Games bleibt er standardmässig stumm – das lässt sich in den Optionen jedoch ändern. Nützlich ist das zum Beispiel, wenn der Bildschirm keine Lautsprecher hat. Besonders gut klingt das nicht, doch über den Line-Out-Klinkenstecker lässt sich auch eine externe Soundanlage anschliessen. In den Optionen kann man nicht nur für die verschiedenen Ausgabekanäle die Lautstärke definieren, sondern auch für jeden einzelnen Sound-Chip.

Zu den vielen Anschlüssen auf der Rückseite gehört auch ein Line-Out. Er funktioniert sowohl optisch als auch analog.
Zu den vielen Anschlüssen auf der Rückseite gehört auch ein Line-Out. Er funktioniert sowohl optisch als auch analog.
Die Rückseite bei The C64 ist aufs Nötigste reduziert.
Die Rückseite bei The C64 ist aufs Nötigste reduziert.

Zum Vergleich: Bei The C64 wird der Sound nur über HDMI ausgegeben, und wenn du einen Bürobildschirm ohne Tonausgabe anschliesst, bleibt alles stumm.

Des Weiteren bietet der C64 Ultimate eine mechanische Tastatur. Das Tippgefühl ist damit besser, die Tastatur aber auch viel lauter als bei The C64. Die mechanische Tastatur mit Gateron Pro 3.0 Switches ist so schwer, dass der Ultimate dem Gewicht des Originals ziemlich nahe kommt. Bei The C64 musste unter der Tastatur ein Metallblock eingebaut werden, damit sich das Gehäuse nicht zu leicht anfühlt. Denn es ist innen grösstenteils hohl.

Wohoo! Eine Tastatur mit mechanischen Switches.
Wohoo! Eine Tastatur mit mechanischen Switches.

The C64 hat auch Vorteile

Die zwei offensichtlichsten Vorteile von The C64 sind die schnelleren Lieferzeiten und der tiefere Preis. Beachte, dass beim C64 Ultimate noch einiges auf den angegebenen Preis oben drauf kommt: Die Liefergebühren betrugen bei mir 61 US-Dollar, die Verkaufssteuer 33,29 Dollar (beim damaligen Nettopreis von 349 Dollar). Ein Joystick ist bei The C64 inbegriffen, beim Ultimate bezahlst du ihn extra. Unter dem Strich ist der Preisunterschied happig.

Bei The C64 gibt es – weil im Inneren ein moderner Prozessor arbeitet – eine moderne Benutzeroberfläche zur Auswahl der Spiele. 64 Spiele sind integriert, und die Sammlung beinhaltet mehr bekannte Games. Für jedes Spiel stehen dir vier Speicherplätze zur Verfügung. Der Spielstand kann jederzeit abgespeichert werden.

Nicht nur Joysticks, sondern auch heute übliche Game-Controller funktionieren mit The C64. Natürlich nur über Kabel, aber immerhin.

Des Weiteren kann der The C64 auch einen Commodore VC-20 emulieren. Das ist der Vorgänger des C64, der äusserlich etwa gleich aussieht. Du bekommst also zwei Computer in einem.

Fazit

Nahe am Original und trotzdem modern

Der C64 Ultimate ist eine durchdachte und luxuriöse C64-Nachbildung. Sie kann einen echten Commodore 64 vollständig ersetzen und bietet dennoch modernen Komfort.

Der grosse Vorteil des C64 Ultimate ist, dass du die alten Peripheriegeräte anschliessen kannst. Gleichzeitig bietet die Nachbildung auch die modernen Anschlüsse: Du lädst Software oder Games per USB und schliesst einen Flachbildschirm per HDMI an. USB-Joysticks oder -Controller unterstützt er jedoch nicht.

Von der Hardware-Ausstattung her ist der C64 Ultimate das bessere Gerät als der The C64 – aber die Vorteile bringen einem durchschnittlichen User in der Praxis wenig. Die mechanische Tastatur ist nett (und laut), aber wer braucht das bei einem C64? Zumal man bei beiden Nachbildungen auch externe Tastaturen anschliessen kann. Ähnlich verhält es sich bei der Internetanbindung: In der Theorie ein cooles Feature, das aber in der gegenwärtigen Form kaum etwas bringt. CommoServe, die einzige Möglichkeit, das Internet zu nutzen, bietet nur einen mickrigen Software-Katalog. Nicht einmal die Commodore-eigenen Firmware-Updates können darüber bezogen werden.

Das ist aber Jammern auf sehr hohem Niveau. Wer alte Peripherie anschliessen will, findet hier die perfekte Nachbildung. Auch für jene, die wirklich tief in die Materie eintauchen wollen, ist er das richtige Gerät. Für alle anderen tut es auch der wesentlich günstigere The C64. Dieser hat mit den bekannten integrierten Games, der Unterstützung für USB-Controller und der einfachen Möglichkeit, Spielstände abzuspeichern, auch seine Vorteile.

Pro

  • Anschliessen alter Peripherie möglich
  • luxuriöse Sound-Optionen
  • mechanische Tastatur
  • auch in der modernen Bauform C64C erhältlich

Contra

  • keine Unterstützung für USB-Joysticks
  • viel teurer als The C64
  • magerer Game-Katalog (v.a. online)

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Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere. 


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