
Die «Stop Killing Games»-Initiative ist in der EU gescheitert – aber es gibt Hoffnung
Die EU-Kommission erteilt der Bürgerinitiative «Stop Killing Games» eine Absage und setzt auf Freiwilligkeit. Während Gamer in Europa leer ausgehen, formiert sich in den USA gesetzlicher Widerstand.
Rund 1,3 Millionen Unterschriften sammelte die Bürgerinitiative «Stop Killing Games» im vergangenen Jahr in der EU. Ziel der Initiative: Die EU soll mit einer neuen Gesetzgebung Publisher davon abhalten, Games nach dem Ablauf der Supportzeit unspielbar zu machen. Damit erreichte die Initiative deutlich mehr Stimmen als die benötigte Million, um das Anliegen vor die EU-Kommission zu bringen.
Doch die Kommission erteilte der Initiative nun eine Absage. Neue Gesetzesvorgaben würden demnach unverhältnismäßig in das Urheberrecht der Publisher und die unternehmerische Freiheit der Branche eingreifen. Zudem seien Geschäftsgeheimnisse der Entwickler in Gefahr und die Bereitstellung der Spiele auf Privatservern könnte Sicherheitsrisiken bergen.
In anderen Worten: Die EU lehnt eine Gesetzesänderung zugunsten der Verbraucherinnen und Verbraucher in der EU ab. Die Behörde verweist auf bestehende Richtlinien, die bereits einen angemessenen Ausgleich zwischen Verbraucherschutz und Brancheninteressen bieten sollen.
Ein freiwilliger Verhaltenskodex als Kompromiss?
Als eine Art Kompromiss schlägt sie vor, einen freiwilligen Verhaltenskodex für die Spieleindustrie zu erarbeiten. Er könnte etwa Richtlinien vorgeben, wie und wann Spielerinnen und Spieler über die bevorstehende Abschaltung eines Spiels informiert werden. Im Shop könnten Gamer bereits beim Kauf eines Spiels über eine mögliche zukünftige Abschaltung informiert werden.
Auch Wege für verstärkte Partnerschaften zwischen Publishern und kulturellen Einrichtungen zum Erhalt der Spiele für die Nachwelt könnten in den Kodex aufgenommen werden.
Daran halten müssten sich Publisher allerdings nicht. Ende 2026 will die Kommission einen Austausch zwischen Verbraucherschutzorganisationen und Branchenvertretern einleiten.
Absage mit Ansage
Der Initiator von «Stop Killing Games», der YouTuber Ross Scott, ist von der Antwort der Kommission nicht überrascht. Wenige Tage vor deren Bekanntgabe hatte er in einem Video bereits erklärt, warum er mit dem Resultat rechnete.
So berichtet er, dass die drei Treffen mit den EU-Vertreterinnen und -Vertretern nicht vielversprechend verlaufen waren. Es seien immer wieder die gleichen grundlegenden Fragen aufgekommen, die bereits in der Eingabe beantwortet worden seien. Die Vertreter hätten nach Scotts Gefühl wenig Verständnis für die Ziele und Lösungsvorschläge der «Stop Killing Games»-Initiative aufgebracht.
Scott sieht zudem ein Ungleichgewicht bei der Aufmerksamkeit, die Vertretern beider Seiten zuteil wurde: Es hätten deutlich häufigere Meetings mit Angehörigen der Lobby-Organisation «Video Games Europe» gegeben als mit den Organisatoren der Bürgerinitiative. Sogar mit der US-amerikanischen Industrie-Lobby «Entertainment Software Association» (ESA) hätten sich die Parlamentarier mehrmals getroffen.
Kompromissvorschläge, die die Kommission im Vorfeld übermittelt habe, hätten zudem das Kernproblem nicht adressiert. Das sind im Kern die gleichen Vorschläge, die sich nun in dem freiwilligen Verhaltenskodex wiederfinden.
Hoffnung für «Stop Killing Games» – in Kalifornien
Das Anliegen von «Stop Killing Games» ist nicht auf Europa beschränkt. Die Organisatoren versuchen, ihre Aktivitäten möglichst breit zu streuen. So gab es auch Initiativen im Vereinigten Königreich und in einzelnen US-Staaten. Denn: Auch regionale Gesetzesänderungen hätten eine Signalwirkung.
Den größten Fortschritt weist in den USA das Gesetzesprojekt «Assembly Bill 1921» (auch: «Protect our Games Act») in Kalifornien auf. Der Entwurf wurde im Februar 2026 eingereicht. Im Mai hat das kalifornische Abgeordnetenhaus den Entwurf mit großer Mehrheit (43 zu 16 Stimmen) verabschiedet.
Aktuell liegt der «Protect our Games Act» zur weiteren Diskussion und Abstimmung vor dem California State Senate. Erlangt er dort eine Mehrheit, muss der Gouverneur von Kalifornien das neue Gesetz noch unterzeichnen.
Der Entwurf sieht vor, dass Spielerinnen und Spieler in Kalifornien bei Games, die sie ab Januar 2027 kaufen, deutlich stärkere Rechte hätten. Besonders interessant im Sinne von «Stop Killing Games» ist die Passage, dass Spieleanbieter den Käufern beim Abschalten eines Spiels – von ein paar Ausnahmen abgesehen – eine der folgenden Optionen bieten müssen: Entweder eine Spielversion, die unabhängig von den Betreiberdiensten funktioniert, oder einen Patch, der die unabhängige Nutzung ermöglicht oder als dritte Option die vollständige Rückerstattung des Kaufpreises.
Aktuell gibt es jedoch starken Widerstand von der Lobbyorganisation ESA. So ist unklar, ob es noch starke Änderungen am Entwurf gibt oder ob das Gesetz überhaupt in irgendeiner Form verabschiedet wird. Mit Neuigkeiten ist voraussichtlich im Spätsommer oder Herbst zu rechnen.
Fühlt sich vor dem Gaming-PC genauso zu Hause wie in der Hängematte im Garten. Mag unter anderem das römische Kaiserreich, Containerschiffe und Science-Fiction-Bücher. Spürt vor allem News aus dem IT-Bereich und Smart Things auf.
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