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Meinung

Feuerwerk ist Egoismus mit Zündschnur

Wer Hunderte Franken für ein paar Minuten Krach ausgibt, kauft nicht nur sich selbst ein Spektakel. Lärm, Angst, Feinstaub und Abfall bekommt die ganze Nachbarschaft gratis dazu.

Ich freue mich auf Samstag. Nicht auf die Trockenheit und erst recht nicht auf die Waldbrandgefahr. Ich freue mich auf einen Nationalfeiertag mit deutlich weniger Raketen, Batterien und Böllern. Das finde ich grossartig.

Am 1. August ist das Zünden von Feuerwerk praktisch überall in der Schweiz verboten. Im Kanton Zürich gilt das Verbot faktisch in allen Gemeinden. Sogar Wunderkerzen müssen in der Schachtel bleiben.

Wer dagegen verstösst, riskiert laut Kantonspolizei eine Busse von mindestens 100 Franken. Es kann auch weitaus mehr sein: Verursacht jemand einen Brand, muss die verantwortliche Person zusätzlich für Löscharbeiten und Schäden aufkommen.

Dieses Schild dürfte gerne dauerhaft stehen bleiben.
Dieses Schild dürfte gerne dauerhaft stehen bleiben.
Quelle: Taljat David / Shutterstock.com

Die akute Brandgefahr begründet das Verbot. Doch sie ist nicht der einzige gute Grund, auf Feuerwerk zu verzichten. Die Trockenheit zeigt bloss besonders deutlich, was wir an gewöhnlichen Nationalfeiertagen verdrängen: Privates Feuerwerk ist nicht privat.

Du kaufst die Rakete, ich bekomme die Rechnung

Du bezahlst das Feuerwerk, zündest es und schaust ihm hinterher. Nach wenigen Minuten sind ein paar Hundert Franken verpufft. Mit deinem Geld kannst du das machen.

Doch die Folgen deines Einkaufs bleiben nicht auf deinem Grundstück. Die ganze Nachbarschaft hört den Knall. Auch der Hund unter dem Tisch, Wildtiere auf dem Feld und Menschen, die Explosionen nicht mit einem Fest verbinden, bekommen ihn mit. Den Rauch und den Abfall behältst du ebenfalls nicht für dich.

Unter dem Sofa findet dieser Hund einen Rückzugsort. Plötzlicher Feuerwerkslärm kann Haus-, Nutz- und Wildtiere erschrecken.
Unter dem Sofa findet dieser Hund einen Rückzugsort. Plötzlicher Feuerwerkslärm kann Haus-, Nutz- und Wildtiere erschrecken.
Quelle: Sidde / Pexels

Feuerwerksfans nennen ein Verbot gerne Bevormundung. Ich sehe es umgekehrt: Einige wenige bestimmen, dass alle anderen mithören und mitatmen müssen. Wenn dein Vergnügen nur funktioniert, weil du es der gesamten Umgebung aufzwingst, ist es kein Privatvergnügen.

Das Bundesamt für Umwelt weist darauf hin, dass plötzlicher Feuerwerkslärm Haus-, Nutz- und Wildtiere erschreckt. Lärm und Schadstoffe können Menschen und Tiere gesundheitlich belasten.

Trotzdem sollen bisher vor allem jene handeln, die unter dem Feuerwerk leiden. Sie schliessen die Fenster, beruhigen ihre Tiere oder fahren für ein paar Stunden weg. Wer die Zündschnur anzündet, soll dagegen auf nichts verzichten. Diese Verteilung finde ich absurd.

In einem Galaxus-Beitrag von 2018 erzählte Raphael von einer Kollegin, die vor einem Krieg in die Schweiz geflohen war. Am 1. August reiste sie jeweils möglichst weit weg. Die Knallgeräusche lösten Erinnerungen an den Krieg aus.

Acht Jahre später diskutieren wir noch immer darüber, ob solche Menschen den Lärm aushalten müssen oder ob Feuerwerksfans darauf verzichten können. Für mich ist die Antwort einfach.

Ein Vulkan bekommt keinen ökologischen Freipass

Laut BAFU verbraucht die Schweiz jedes Jahr zwischen 1000 und 2000 Tonnen Feuerwerkskörper. Nur ein Viertel davon besteht aus pyrotechnischen Sätzen. Den Rest bilden Verpackungen aus Holz, Karton, Kunststoff oder Ton.

Beim Abbrennen setzen Feuerwerkskörper jährlich rund 200 bis 400 Tonnen Feinstaub frei. Das entspricht zwei bis drei Prozent der gesamten Schweizer Feinstaubemissionen. Ein Teil davon gelangt danach in Böden und Gewässer.

Von einer abgebrannten Feuerwerksbatterie bleiben verkohlte Kartonröhren, Asche und weiterer Abfall zurück.
Von einer abgebrannten Feuerwerksbatterie bleiben verkohlte Kartonröhren, Asche und weiterer Abfall zurück.
Quelle: Achim Wagner / Shutterstock.com

Die Zahlen unterscheiden nicht zwischen privaten und offiziellen Feuerwerken. Ein Verbot für Private würde die Belastung deshalb nicht auf null senken. Das ist kein Gegenargument. Wir müssen nicht zuerst jede andere Emission beseitigen, bevor wir eine besonders überflüssige reduzieren.

Deshalb überzeugt mich auch leises Feuerwerk nur bedingt. Ein Vulkan bekommt keinen ökologischen Freipass, nur weil er nicht knallt. Er verbrennt weiterhin pyrotechnische Stoffe und hinterlässt Abfall. Über eine leise Alternative ohne Schadstoffe und Rückstände können wir reden. Pyrotechnik einfach als harmlos umzudeuten, weil sie weniger Krach verursacht, ist mir zu bequem.

Selbst wenn der Sommer nicht so trocken und das Brandrisiko geringer ist, heisst das nicht, dass es keine Gefahren gibt. Laut der Beratungsstelle für Unfallverhütung verletzen sich jedes Jahr rund 230 Erwerbstätige beim Umgang mit Feuerwerk.

Die Unfallversicherungsstatistik erfasst Kinder und andere Personen ohne Erwerbstätigkeit nicht. Besonders häufig erleiden Betroffene Verbrennungen an Händen und Fingern sowie Gehörschäden. Auch das gehört zur angeblich harmlosen Tradition.

Tradition ist kein Freispruch

Feuerwerk gehöre nun einmal zum 1. August, heisst es. Für mich ist Tradition ein bequemes Argument. Eine Gewohnheit gewinnt nicht automatisch an Wert, nur weil wir sie lange genug wiederholen. Tragen vor allem andere ihre Folgen, darf sie auch wieder verschwinden.

Der Nationalfeiertag verliert weder seine Bedeutung noch seine Freude, wenn im Garten keine Batterie explodiert. Patriotismus lässt sich nicht in Dezibel messen. Kinder können staunen, ohne dass wir Tiere aufschrecken, Menschen belasten und Schadstoffe in die Luft blasen.

Feuerwerk geniesst nicht einmal so viel Rückhalt, wie sein Lärm vermuten lässt. In einer repräsentativen YouGov-Umfrage von 2024 lehnten 60 Prozent der Befragten privates Feuerwerk am 1. August ab.

Feuerwerksfans bilden also nicht die schweigende Mehrheit. Sie sind bloss eine laute Minderheit.

Grosse Shows sind der vernünftige Kompromiss

Ich will Feuerwerk nicht ausnahmslos aus jedem Himmel verbannen. Grosse, professionell organisierte Shows dürfen von mir aus bleiben.

Auch sie sind weder sauber noch harmlos. Doch die Veranstalter kündigen sie an. Sie finden an einem festgelegten Ort und während eines begrenzten Zeitraums statt. Viele Menschen teilen sich ein Spektakel, statt in jedem zweiten Garten eine eigene Abschussrampe zu bauen.

Die Umgebung kann sich darauf einstellen. Behörden können Auflagen festlegen, und Fachleute übernehmen das Zünden.

Ein Grossfeuerwerk am Rhein in Basel zum 1. August: ein angekündigtes Spektakel an einem festen Ort statt Hunderter privater Abschussplätze.
Ein Grossfeuerwerk am Rhein in Basel zum 1. August: ein angekündigtes Spektakel an einem festen Ort statt Hunderter privater Abschussplätze.
Quelle: Simona Weber / Shutterstock

Das ist kein perfekter, aber ein vernünftiger Kompromiss. Mir geht es nicht um ökologische Reinheit, sondern um Verhältnismässigkeit. Eine seltene, geplante Veranstaltung für viele unterscheidet sich deutlich von Hunderten unkoordinierten Privatshows für ein Publikum, das niemand gefragt hat.

Ja, ich will ein Verbot

Der Bundesrat lehnt die Feuerwerksinitiative unter anderem mit dem Argument ab, Kantone und Gemeinden könnten Feuerwerk schon heute einschränken. Für mich beweist der aktuelle Flickenteppich das Gegenteil. Der Schutz vor privater Knallerei darf weder vom Wetter noch von der Postleitzahl abhängen.

Am 29. November stimmt die Schweiz über die Volksinitiative «Für eine Einschränkung von Feuerwerk» ab. Sie will den Verkauf und die Verwendung von Feuerwerkskörpern verbieten, die Lärm erzeugen. Für Anlässe von überregionaler Bedeutung könnten die Kantone Ausnahmen bewilligen. Leise Varianten wie Bengalhölzer oder Vulkane nimmt die Initiative vom Verbot aus.

Ich werde «Ja» stimmen. Bei privatem Feuerwerk geht mir die Initiative sogar zu wenig weit. Ein Vulkan, der leise Schadstoffe in die Luft bläst, überzeugt mich nicht. Private Pyrotechnik darf ganz verschwinden. Grosse Shows können als seltene, planbare und bewilligte Ausnahme bleiben.

Am Samstag erleben wir dafür eine unfreiwillige Generalprobe. Die Schweiz wird nicht untergehen, nur weil niemand ein paar Hundert Franken auf dem Parkplatz in die Luft jagen darf. Vielleicht bleibt der Himmel etwas dunkler. Dafür wird die Nacht ruhiger.

Falls du dich dadurch bevormundet fühlst, behalte eines im Kopf: Niemand zwingt dich, an einem fremden Spektakel teilzunehmen. Du darfst nur keines für alle anderen erzwingen.

Wie weit sollte ein Feuerwerksverbot gehen: nur gegen lautes Feuerwerk, gegen sämtliche private Pyrotechnik oder gar nicht? Schreib es in die Kommentare.

Titelbild: Pexels

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