
Günstg geortet – aber leider kein Schutz vor Dieben
Ich habe meinem Velo eine smarte Glocke verpasst. In ihr steckt ein Tracker. So kann ich mein Velo gut finden, wenn es mal verloren geht. Ein Schutz gegen Diebe ist die MiBell trotzdem nicht.
Eines muss ich dem Hersteller lassen: Er macht keine falschen Versprechungen. Mili, eine Firma aus Kanada, bezeichnet sich selbst als «Item Finder Brand», also als Marke, die dir hilft, verlorene Dinge wiederzufinden. Nicht solche, die dir gestohlen worden sind.
Erwartest du in diesem Beitrag etwas zum Thema Diebstahlschutz, muss ich dich enttäuschen. Tracker wie der von Mili in dieser Veloglocke halten Kriminelle nicht davon ab, dein teures Bike zu stehlen.
Ich habe bei der Kantonspolizei in Basel-Stadt und in Zürich nachgefragt, welche Rolle Tracker spielen, wenn es darum geht, gestohlene Velos wiederzufinden. Statistiken dazu führe man nicht, heisst es seitens der Kantonspolizei in Zürich. Lediglich gibt es eine allgemeine Aufklärungsquote – ernüchternde 4,2 Prozent sind es bei Velodiebstählen. In Basel scheint immerhin aufgefallen zu sein, dass mehr Tracker verbaut werden.
Wir stellen eine Zunahme von Meldungen durch Geschädigte fest, die angeben, dass ihr Velo mit einem entsprechenden Gerät versehen ist. Sofern der Tracker funktionstüchtig ist und verwertbare Daten liefert, kann dies die Ermittlungen unterstützen und das Wiederauffinden des Fahrrades erleichtern.
Am wichtigsten sei aber, die Rahmennummer des eigenen Velos zu kennen. Sie sei das «einzige Merkmal, mit dem ein Fahrrad im Kontrollfall eindeutig seinem rechtmässigen Eigentümer oder seiner Eigentümerin zugewiesen werden kann.» Ein verbauter Tracker allein genügt also nicht für die Identifikation.

Die Polizei rät übrigens davon ab, ein gestohlenes Velos auf eigene Faust zu verfolgen. Erst recht davon, es quasi zurückzustehlen, wenn du es gefunden hast. Eine Meldung bei der Polizei sei «zwingend erforderlich», schreibt mir die Kantonspolizei in Basel-Stadt. Und weiter: «Ein eigenmächtiges Entwenden des Fahrrads kann zu Komplikationen führen.» Vor allem gilt das, wenn und solange die Rahmennummer im Fahndungssystem als gestohlen vermerkt ist.
Die Zürcher Kantonspolizei sagt, dass du dein Velo in der Regel wieder nehmen kannst, wenn es an einem öffentlichen Ort und unverschlossen ist. Die Frage ist nur, wie wahrscheinlich das ist … In anderen Fällen sei das «eigenmächtige Zurückholen rechtlich problematisch». Der richtige Weg sei es, die Polizei einzuschalten.
Tracking mit Apple- und Android-Geräten
So, das Rechtliche ist geklärt. Und wie gut hilft mir der MiTag im Ernstfall überhaupt, mein Velo zu finden? In meinem Test zeigt sich: Er ist sehr genau in städtischen Gegenden, weniger genau in der Agglomeration, wo ich wohne, und ziemlich ungenau auf Wegen durch Felder und Wiesen. Das überrascht nicht weiter, denn mein Tracker arbeitet wie ein AirTag von Apple. Es gibt auch Tracker, die mit «Find My Device» in der Android-Welt funktionieren. Und sogar solche, die in beiden Welten daheim sind.
Der MiTag in der MiBell nutzt einen von Google oder Apple autorisierten Chip, um via Bluetooth mit nahegelegenen Android- oder Apple-Geräten zu kommunizieren und Standortdaten in die Cloud hochzuladen. Bedeutet: Je mehr solche Geräte in der Nähe sind, desto genauer ist die Lokalisierung.
Befindest du dich nicht weiter als 150 Meter weg vom MiTag, lässt er sich per Bluetooth lokalisieren. Ein im Tag eingebauter Lautsprecher hilft dann beim genauen Auffinden, weil er einen Signalton von sich gibt.
Wichtig zu wissen: Hersteller Mili hat keine eigene App, die du installieren und für die du dich registrieren musst. Es setzt allein auf die vorinstallierten Apps von Apple und Android.

Nicht den «Verloren»-Modus aktivieren!
Zurück zum Velo mit MiTag in der Glocke: Mal angenommen, dir wird das Bike geklaut, dann kannst du per «Wo ist?»-App die Verfolgung aufnehmen. Eines solltest du nicht tun: den MiTag in der App als «verloren» markieren. Das würde nämlich dafür sorgen, dass der Tracker nach 72 Stunden anfängt zu piepen. Und dass würde dem Dieb dann verraten, dass er getrackt wird. Das Problem: Der Dieb soll ja eben nicht merken, dass du ihn ortest.
Design und Montage
Ich mache mir nichts vor: Ein Profidieb dürfte ein gestohlenes Bike zuerst einmal auf verbaute Tags scannen und die gefundenen entfernen. Mein MiTag in der Veloglocke ist dort zwar gut versteckt. Auf den ersten Blick sieht die «MiBell» ziemlich unauffällig aus. Sie klingt übrigens auch schön.
Die Montage der «MiBell» ist sehr einfach, sogar ein kleiner Schraubenzieher liegt schon bei. Für unterschiedlich dicke Lenker ist das entsprechende Material im Set enthalten. Die Energie bekommt der MiTag von einer CR2032-Batterie, die für acht bis zwölf Monate Laufzeit reicht.

Du musst dir keine Gedanken machen, wenn du mit der Tracker-Klingel bei Regen unterwegs bist. Die Schutzklasse IP67 bedeutet Schutz gegen das Eindringen von Wasser, sogar dann, wenn du 30 Minuten in einer Tiefe von einem Meter tauchst.
Du kannst dein geklautes Velo also sogar noch tracken, wenn der Dieb es durch die Limmat oder den Rhein schiebt.
Fazit
Tracking – einfach und günstig
Pro
- gutes Tracking dank Google- und Apple-Technologie
- einfache Montage
- schöner Klang
- günstiger Gesamtpreis für Klingel und Tracker
Contra
- Halterung nur aus Kunststoff
Journalist seit 1997. Stationen in Franken, am Bodensee, in Obwalden und Nidwalden sowie in Zürich. Familienvater seit 2014. Experte für redaktionelle Organisation und Motivation. Thematische Schwerpunkte bei Nachhaltigkeit, Werkzeugen fürs Homeoffice, schönen Sachen im Haushalt, kreativen Spielzeugen und Sportartikeln.
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