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Zoroarts
Hintergrund

Indie-Dev fordert Steam zur Anpassung der Rückerstattungspolitik auf

Debora Pape
12-7-2026

Wer auf Steam ein Spiel weniger als zwei Stunden zockt, bekommt sein Geld problemlos zurück. Für kurze Games wird diese Kulanz schnell zur Bedrohung.

Zwei Spielstunden sind die magische Marke, wenn du auf Steam ein Spiel zurückgeben willst. Spielst du länger, sinken deine Chancen auf eine Rückerstattung drastisch. Bleibst du unter dieser Grenze und beantragst die Rückgabe innerhalb von 14 Tagen nach dem Kauf, bekommst du den vollen Kaufpreis zurück.

Für viele Spielerinnen und Spieler ersetzt diese Zwei-Stunden-Regel heute die klassische Demo-Version. Sie ermöglicht es dir, Spiele ohne großes Risiko auszuprobieren. Dass das für Entwickler sehr kurzer Games ein Problem sein kann, zeigt eine aktuelle Debatte, die in den sozialen Medien hochkocht.

Der aktuelle Anlass: Ein kurzes Spiel wird gut bewertet und oft zurückgegeben

Ausgelöst wurde die Debatte durch einen Beitrag des Indie-Solo-Entwicklers Mateo Covic, der unter dem Namen «Zoroarts» veröffentlicht. Auf X gibt er an, dass 21 Prozent der Käuferschaft sein Spiel «Paddle Paddle Paddle» rückerstatten lassen, obwohl die bis dahin knapp 1400 Steam-Bewertungen zu 89 Prozent positiv ausfallen.

21 Prozent sind eine außergewöhnlich hohe Rückerstattungsrate. Belastbare plattformweite Zahlen zu typischen Raten veröffentlicht Steam nicht. In der Branche scheint ein Wert von unter zehn Prozent als üblich betrachtet zu gelten. Die Website streamearnings.com nennt als inoffizielle Richtlinie drei bis sieben Prozent als Steam-Durchschnitt.

Covic scheint sich besonders über eine Rezension zu ärgern: Die Person empfiehlt das Game und findet es «großartig», gibt aber gleichzeitig an, es nach dem schnellen Durchspielen nach etwas mehr als eineinhalb Stunden zurückgegeben zu haben. Das Game kostet regulär 4,99 Euro, das sind umgerechnet etwa 4,60 Franken – es geht also für die Käuferinnen und Käufer nicht um hohe Beträge. In seinem Posting richtet sich Covic mit den Worten «Das sollte nicht möglich sein» direkt an Steam.

Mit diesem Beitrag löst Covic eine Debatte aus.
Mit diesem Beitrag löst Covic eine Debatte aus.
Quelle: X

Wegen seiner Kritik an den Rückerstattungsrichtlinien bringt der Entwickler tausende Spieler gegen sich auf. Viele werfen ihm vor, selbst schuld zu sein, wenn sein Spiel zu wenig Content biete. Ohne tiefer auf genau dieses Spiel und mögliche Rückerstattungsgründe dafür einzugehen, eröffnet die Thematik mehrere Diskussionsebenen.

Die kulante Rückerstattungsrichtlinie

Neben Steam bieten auch viele andere Game-Stores die Möglichkeit zur Rückerstattung bei weniger als zwei Spielstunden an. Diese Regelung ist gesetzlich nicht vorgeschrieben: In den meisten Ländern der Welt gibt es kein allgemeines Widerrufsrecht für Online-Käufe. Die EU ist eine Ausnahme. Für digitale Inhalte erlischt das Widerrufsrecht auch dort allerdings häufig, sobald Käuferinnen und Käufer der sofortigen Bereitstellung ausdrücklich zustimmen.

Für die Spielerschaft wirkt die freiwillige Rückerstattung daher auf den ersten Blick wie ein ungewohnt kundenfreundliches Entgegenkommen. Dabei überwiegen für Steam die wirtschaftlichen Vorteile: Die Plattform verdient aufgrund der höheren Kaufbereitschaft der Nutzerinnen und Nutzer durch die Anspielmöglichkeit mehr, obwohl sie einen Teil der Verkäufe erstatten muss.

Steam hat daher auch nie Anzeichen gemacht, zu einer restriktiveren Erstattungspolitik zurückkehren zu wollen. Im aktuellen Fall zieht Covic den Ärger der Spielerinnen und Spieler auf sich, weil er das kundenfreundliche Entgegenkommen der Plattform infragestellt.

Covic fordert jedoch keine Abschaffung der Rückerstattungen, sondern eine Anpassung. Gegenüber Kotaku erklärt er, dass er die Erstattung als wichtiges Recht der Spielerschaft ansehe und sich mit seiner Beschwerde darüber selbst nicht wohl fühle.

Die aktuelle Erstattungspolitik könne jedoch kurze Spiele benachteiligen, die nur wenige Stunden Spielzeit bieten. Zwei Stunden reichen oft aus, um den großen Teil eines kurzen Games bereits gesehen zu haben. Die Rückgabemöglichkeit macht das Erlebnis zum kostenlosen Vergnügen.

Sollten mehr Entwickler konkrete Zahlen vorlegen, die solche Praktiken offenbaren, könnte das den Druck auf Steam erhöhen. Denkbar wären etwa kürzere Rückerstattungsfristen für sehr kurze Titel. Steam hat sich bisher nicht zu dem Fall geäußert. Aus heutiger Sicht erscheint es eher unwahrscheinlich, dass Steam allein wegen einiger Indie-Titel aus dem untersten Preissegment seine Richtlinien grundlegend verändert.

Wie viel Spielzeit müssen Games bieten?

Covic führt in seinem Beitrag einen offensichtlichen Missbrauch an. Nach Angaben des Entwicklers wurden rund 55 000 von etwa 270 000 verkauften Exemplaren zurückerstattet. Das bedeutet nicht, dass das bei allen angegebenen Rückerstattungen Missbrauch vorliegt: Auch enttäuschte Erwartungen oder die Möglichkeit, dass das Spiel wirklich nicht gut ist, können gute Gründe sein. Laut Covic seien viele Erstattungsanträge für «Paddle Paddle Paddle» mit dem Punkt, das Spiel sei zu kurz, begründet worden.

Das wirft ebenfalls eine alte Debatte auf. Wie viel Spielzeit kannst du eigentlich pro Euro oder Franken erwarten? Mein Kollege Domagoj ist der Meinung, dass die Spielzeit nicht mit dem Preis eines Spiels gekoppelt sein sollte: Es gibt genügend kurze, knackige Spiele, die gut unterhalten und ihm den Vollpreis wert sind.

Viele Menschen haben im Alltag keine Zeit dafür, ein 100-Stunden-Spiel vollständig auskosten zu können. Eher kurz gehalten sind auch VR-Erfahrungen, mit deren Hilfe du Nationalparks oder spezielle Sehenswürdigkeiten besuchst, ohne in den Flieger zu steigen. Nach zwei Stunden bist du oft schon durch, hast aber trotzdem viel gesehen und gelernt. Kurze Spiele und Erfahrungen haben durchaus eine Zielgruppe und ihre Berechtigung. Trotzdem scheinen viele Gamer den Anspruch zu haben: Bietet ein Spiel nicht mindestens X Stunden Beschäftigung, sei es nichts wert.

In einem anderen X-Post schlägt Covic vor, dass auf der Steam-Produktseite die zu erwartende Spielzeit angezeigt werden könnte. Dann könnten potenzielle Käuferinnen und Käufer besser einschätzen, wie viel Beschäftigung sie für den Preis erwarten können.

Gegen Missbrauch würde das allerdings auch nicht schützen.

Die moralische Komponente: das Ausnutzen der Rückerstattung

Steam ist bewusst, dass seine Rückgabepolitik Missbrauch ermöglicht. In den Erstattungsrichtlinien steht:

Rückerstattungen wurden eingeführt, um das Risiko beim Kauf von Titeln auf Steam zu beseitigen und nicht, um Spiele kostenlos zu erhalten. Falls wir den Eindruck haben, dass Sie diese Funktion missbrauchen, werden wir Ihnen keine Rückerstattungen mehr anbieten.

Die Plattform setzt dabei aber offenbar auf den guten Willen der Nutzerinnen und Nutzer, denn nachweisen lässt sich Missbrauch schwer. Wo das geschickte Ausnutzen eines Systems endet und Missbrauch beginnt, ist eine verschwommene Trennlinie.

Ein paar Beispiele: Wenn du ins Kino gehst, sitzt du ebenfalls zwei Stunden im Saal. Das Geld bekommst du nicht zurück, ob dir der Film gefällt oder nicht. Lädst du den Film illegal aus dem Netz, sparst du das Geld, bringst den Anbieter aber um einen winzigen Teil des Erfolgs. Testzeiträume für Software oder Streamingdienste stellen dir den gesamten Content vollkommen legitim zur Verfügung, ohne dass du dafür bezahlen musst. Ein Spiel zu genießen, es zu empfehlen und trotzdem zurückerstatten zu lassen, ist nicht strafbar. Genauso wenig, wie am Kiosk eine Zeitschrift durchzublättern, ganze Beiträge zu lesen und sie dann wieder zurückzustellen. Wo ziehst du deine persönliche Grenze?

Titelbild: Zoroarts

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Fühlt sich vor dem Gaming-PC genauso zu Hause wie in der Hängematte im Garten. Mag unter anderem das römische Kaiserreich, Containerschiffe und Science-Fiction-Bücher. Spürt vor allem News aus dem IT-Bereich und Smart Things auf.


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