
Ingwer, Protein, Kollagen: Wo dich falsche Gesundheitsversprechen in die Irre führen
Smoothies, Proteinpudding, Kollagenpulver, Trinkjoghurt und Ingwershots: Was diese vermeintlich gesunden Lebensmittel tatsächlich bewirken.
Ein Gang durch den Supermarkt erinnert manchmal schon fast an einen Besuch in der Apotheke. Überall leuchten dir Gesundheitsversprechen entgegen: Hier die Anti-Aging-Wunderwaffe in Fruchtform, da der Immun-Boost für die dunkle Jahreszeit und dort das Muskel-Doping für die Extraportion Kraft. Dann wandert das ein oder andere mit gutem Gefühl in den Einkaufswagen. Doch beim genaueren Blick auf Nährwerttabellen und die tatsächliche Studienlage bröckelt das gesunde Image bei einigen Kassenschlagern gewaltig.
Hier kommen fünf Beispiele, bei denen das blumige Marketing die ernährungsphysiologische Realität überholt hat.
1. Smoothies: die flüssige Blutzucker-Achterbahn
Obst und Gemüse sind gesund, also rein damit in den Mixer und schon hast du einen gesunden Drink voller Vitamine. Wo soll da ein Haken sein? Du ahnst es schon: Natürlich gibt es einen. Nicht der Inhalt, sondern die Darreichungsform ist das Hauptproblem. Wenn du Kalorien trinkst, überlistest du dein Sättigungsgefühl. Ein Smoothie aus zwei Äpfeln, zwei Orangen und einer Banane ist in Sekunden runtergekippt – die ganzen Früchte zu essen, würde deutlich länger dauern und dich währenddessen satt machen.
Hinzu kommt: Beim Pürieren zerkleinerst du die Struktur der Ballaststoffe, wodurch der enthaltene Fruchtzucker viel schneller ins Blut schießt – oft sind das 10 bis 14 Gramm pro 100 Milliliter.

Quelle: Mesve79/Shutterstock
2. High-Protein-Desserts: der Schokopudding im Trainingsanzug
Protein ist der Nährstoff der Stunde. Wer Pudding, Müsli oder Joghurt mit dem fetten «High Protein»-Aufdruck kauft, fühlt sich sofort ein bisschen fitter. Doch laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) ist auch dieser Hype überflüssig, da wir ohnehin ausreichend mit Eiweiß versorgt sind.
Die teuren Proteinpuddings aus dem Kühlregal liefern zwar tatsächlich Eiweiß, bringen oft aber trotzdem ordentlich Kalorien und Süßstoffe mit – auch einige dieser Produkte kommen auf 10 bis 15 Gramm Zucker pro 100 Gramm. Ein Schokopudding bleibt eben ein Schokopudding, auch wenn er mit zusätzlichem Eiweiß gepimpt wird. Wenn du wirklich hochwertiges Protein willst, fährst du mit einer simplen Handvoll Linsen, Nüssen oder Magerquark gesünder und obendrein günstiger.
3. Kollagenpulver: der teure Placebo-Effekt
Kollagen scheint schon seit einer Weile das weiße Gold der Beauty-Branche zu sein. Einfach morgens einen Löffel davon in den Kaffee rühren, und schon soll deine Haut straffer, frischer und faltenfreier werden. Die Wissenschaft ist da leider deutlich weniger euphorisch.

Quelle: Erhan Inga/Shutterstock
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat diese Gesundheitsversprechen zu verbesserter Hautstruktur wie auch solche zur Gelenkgesundheit für Kollagenpulver abgelehnt – es fehlen schlichtweg die Daten. Zwar geistern immer wieder Studien durchs Netz, die minimale Effekte bejubeln, doch die weisen meist methodische Mängel auf.
4. Frucht-Trinkjoghurt: das flüssige Dessert
Gegen ungesüßten Naturjoghurt ist per se erst einmal nichts einzuwenden. Er liefert probiotische Kulturen und Calcium und enthält nur den natürlichen Milchzucker. Anders steht es um Trinkjoghurt mit Fruchtgeschmack.
Hier greifst du eher zu einer Süßigkeit als zu einem gesunden Snack. Mit 8 bis 12 Gramm zugesetztem Zucker pro 100 Gramm deckt so ein kleiner Frühstücksdrink schnell mal die Hälfte der täglich empfohlenen Maximaldosis an Zucker (etwa 25 Gramm).
5. Ingwershots: der scharfe Zuckerschock
Der Klassiker zum Noch-schnell-mitnehmen an der Kasse: kleine, grellgelbe Fläschchen, die suggerieren, du könntest die nächste Erkältungswelle einfach wegexen. Ein Blick auf die Zutatenliste bringt allerdings schnelle Ernüchterung. Viele der angepriesenen Drinks sollten eher Apfel- oder Orangen-Shots heißen, denn daraus bestehen sie zu etwa 70 Prozent. Dazu kommt meist noch etwas Agavendicksaft und nur maximal 18 Prozent Ingwer.
Der größte Haken an den Shots ist aber wieder einmal der hohe Zuckergehalt von 14 bis 18 Gramm pro 100 Milliliter. Zum Vergleich: Ein Glas klassische Cola kommt auf rund 11 Gramm. Du trinkst also im Grunde einen scharfen und überzuckerten Minisaft. Und der wissenschaftliche Beweis? Dass Ingwer beim Menschen tatsächlich vor einer Erkältung schützt, konnte bisher nicht valide belegt werden.
Clevere Alternativen
Alle fünf Beispiele sind also eher teures Schöndenken als echte Gesundheitsboosts. Trotzdem ist natürlich keines dieser Produkte giftig oder müsste unbedingt komplett vom Speiseplan gestrichen werden. Aber wenn, dann sollte dir klar sein, dass es um Genuss und nicht um Gesundheit geht.
Wenn du Alternativen ausprobieren willst, die dem gewünschten Effekt näher kommen, findest du hier ein paar Vorschläge.
| Wenn du Lust hast auf: | Nimm besser: | Warum? |
|---|---|---|
| Ingwershots | Naturjoghurt mit frischem Ingwer | volle Nährstoffe ohne den krassen Fruchtzucker-Schock |
| High-Protein-Snacks | Nüsse, Magerquark, Hülsenfrüchte | natürlicheres Protein, unverarbeitet, viel günstiger und sättigender |
| Frucht-Trinkjoghurt | Naturjoghurt + frische Früchte | keine versteckten Zuckerzusätze, echte Fruchtfasern |
| Kollagen-Drinks | ausreichend Schlaf und Sonnenschutz | evidenzbasiertes Anti-Aging, das die Haut wirklich schützt |
| Smoothies | ganze Früchte | länger satt durch die intakten Ballaststoffe |
Wissenschaftsredakteurin und Biologin. Ich liebe Tiere und bin fasziniert von Pflanzen, ihren Fähigkeiten und allem, was man daraus und damit machen kann. Deswegen ist mein liebster Ort immer draußen – irgendwo in der Natur, gerne in meinem wilden Garten.
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