
Kann das überhaupt schmecken? 5 Softdrinks ohne Zucker im Geschmackstest
Was gibt es Erfrischenderes als ein eisgekühltes Spassgetränk bei dieser Hitze? «Ein ungesüsstes», hat wohl noch nie jemand gesagt. Aber vielleicht ändert dieser Test meine Meinung.
Hin und wieder ein prickelndes Ginger-Beer, eine weckende Mate oder eine Cola zum Cheeseburger? Auf jeden Fall. Aber nur hin und wieder, denn der zugesetzte Zucker übersteigt häufig jedes Mass erträglicher Kalorien. Die naheliegendste Antwort auf dieses Kalorienproblem: Süssungsmittel. Die mag ich aber nicht, weil sie nach Seife schmecken.
Also probiere ich mich durch eine Auswahl an ungesüssten Softgetränken.
1. Oishi «Kabusecha»: Nur die Harten kommen in den Garten
Den Kabusecha-Eistee trinke ich nicht zum ersten Mal. Vielleicht taugt er deshalb als Vergleich für die neuen Getränke. Der Eistee wird, wie sein Name bereits sagt, aus dem japanischen Kabusecha-Grüntee aufgegossen, dem wegen seiner speziellen Anbaumethode ein besonders duftiges und frisches Aroma nachgesagt wird. Und tatsächlich: Neben dem typischen Grüntee-Geschmack rieche ich einen intensiven, grasigen Duft, der mich an eine satte Wiese erinnert.
Beim Trinken schleicht sich der Tee im ersten Moment mild an, bis die Bitterstoffe mit voller Wucht auf die Zunge knallen. Keine Kohlensäure, aber doch mit Wumms. Obwohl weder Zucker noch Süssstoffe drin sind, schmecke ich eine leichte Süsse beim Trinken. Noch intensiver nehme ich den frischen und herben Geschmack der Grüntee-Pflanzen wahr. Mir schmeckt’s, aber das bittere Aroma ist nichts für schwache Nerven. Der Koffeingehalt von 36 Milligramm auf 400 Milliliter Eistee auch nicht. Der Eistee hat etwas mehr Koffein als eine Tasse Espresso. Angemessen, aber ich merke den Wachmacher.
Mein Fazit: Lecker. Als Teeliebhaberin begrüsse ich eine authentische Alternative zu gezuckerten und künstlich aromatisierten Eistees. Ins tägliche Repertoire schafft es der Oishi Kabusecha trotzdem nicht – dafür schmeckt er mir zu intensiv. Als gelegentlicher Wachmacher funktioniert er aber hervorragend.
★★★★☆
2. Remedy «Wild Berry Kombucha»: Joghurt aus der Dose
Das nächste Getränk empfiehlt mir eine Freundin. Sie liebt Kombucha. Ich nicht. Beste Voraussetzungen also. Aber hey: Ich probiere es trotzdem.
Schwarz- und Grüntee bilden die Basis, dazu kommen Zucker und Kombucha-Kulturen, die den Zucker fermentieren, bis das Getränk wieder ungesüsst ist. Meistens entsteht dabei ein essigartiger Geruch, den ich beim Wild Berry Kombucha aber weniger stark wahrnehme. Stattdessen rieche ich künstliche Heidelbeer-Aromen, wie ich sie vom Waldbeer-Joghurt kenne. Und noch was:
Süssungsmittel-Duft.
Mein Verdacht bestätigt sich. Ein Blick auf die Inhaltsstoffe zeigt, dass Stevia und Karamellaroma das Getränk süssen. Das Urteil kündigt sich an. Ein Schluck und der Fall ist klar – der Wild Berry Kombucha schmeckt mir nicht. Was ich nicht erriechen konnte, sticht jetzt auf der Zunge hervor: essigartiger Geschmack, gepaart mit künstlichen Beeren-Aromen und Süssungsmittel.
Mein Fazit: Ich habe meinen Endgegner gefunden. Spass. Ganz so dramatisch ist die Sache nicht. Aber eben auch nicht wirklich gut. Für mich bleibt Wild Berry Kombucha von Remedy eine einmalige Sache. Schuld ist weniger der Kombucha, sondern vielmehr das Süssungsmittel.
★★☆☆☆
3. Peaq «Boost»: Das Lifestyle-Trend-Vitamin-Koffein-Sport-Getränk
Das ganze Vitamin-Wasser-Gedöns nervt mich. Magnesium, Koffein, Vitamine, schiess mich tot! Alles zielt auf den Selbstoptimierungs-Hype ab, dem ich ganz sicher nicht folge. Das rede ich mir ein, während ich den nächsten Löffel Protein-Pudding in mich hineinschaufle. So viel Selbsttäuschung darf wohl noch sein.
Aber die Aluflasche gefällt mir. Das Format mit Drehverschluss sehe ich so zum ersten Mal. Schnüffle ich am Inhalt, rieche ich schon wieder künstliches Fruchtaroma. Es erinnert mich an Gummibärchen. Die Farbe? Weiss, Grün oder doch Rot? Ich kann es nicht festmachen, wohl weil die Geschmacksrichtung «Pineberry» nach weissen Ananaserdbeeren schmecken soll.
Der erste Schluck überzeugt mich noch nicht, aber beim zweiten hat mich das kohlensäurehaltige Vitaminwasser am Haken. Das künstliche Fruchtaroma merke ich zwar, aber es drängt sich nicht auf. Ich bekomme, was ich errieche: dezenter ungesüsster Gummibärchen-Geschmack. Dazu 66 Milligramm Koffein pro Flasche. Anders als beim Wild Berry Kombucha bleibt kein künstlicher Nachgeschmack.
Mein Fazit: Ich gebe zu: Trotz meiner Abneigung gegenüber Vitaminwässerchen punktet das erfrischende Getränk bei mir. Das liegt zum einen daran, dass es nur dezent künstlich schmeckt und zum anderen am Koffein. Als sprudelige Alternative zu Kaffee oder Schwarztee kommt der Booster von Peaq bestimmt wieder einmal in meinen Kühlschrank.
★★★★☆
4. Volvic «Essence Minze»: Wasser mit Schuss – aber nicht dem erwarteten
Der Tipp einer anderen Freundin: Das Volvic-Wasser mit Geschmack. Ich entscheide mich für Minze-Gurke. Eine unaufgeregte Wahl, bei der nichts schiefgehen kann.
Die Limonade (darf man das so nennen?) riecht nach Zitronenwasser. Ich denke sofort an die Wasserkrüge in Hotellobbys, in denen am Abend noch immer dieselben Früchte schwimmen, die schon beim Frühstücksbüffet drin waren.
Beim ersten Schluck schmecke ich Zitrone, Zitrone und nochmals Zitrone. Vielleicht noch einen Hauch Minze, aber weit und breit keine Spur von Gurken. Ungeniessbar? Nein. Nur anders, als ich es vermutet hatte.
Mit neuer Erwartungshaltung gefällt mir das Zitronenwasser ganz gut. Es schmeckt genau so, wie wenn ich einen Spritzer frischen Zitronensaft ins Mineralwasser gebe – natürlich und erfrischend, aber nicht zu sauer.
Mein Fazit: Ganz ehrlich: Mische ich etwas Zitrone ins Wasser, komme ich auf dasselbe Ergebnis. Aber unterwegs als zuckerfreie Erfrischung und als Alternative zu stillem, neutralem Wasser taugt es.
★★★☆☆
5. Dash «Raspberry Sparkling Water»: der doppelte Plottwist
Bis vor kurzem kannte ich die Getränke von Dash nicht, aber bei der Galaxus-Community sind sie beliebt. Danke für diesen Tipp, Schwarmintelligenz.
Der Geruchstest verblüfft mich. Es riecht, als ob sich echte Himbeeren in der Dose verstecken würden. Ich gucke sicherheitshalber rein. Keine Beeren drin. Nur Sprudelwasser.
Ich nehme einen Schluck und bin gleich zum zweiten Mal überrascht. Das Sprudelgetränk schmeckt ganz anders, als es riecht. Nicht schlecht, aber sauer. Ungefähr so muss es sein, eine unreife Himbeere zu essen. Ich stelle mir vor, dass dieser Geschmack zurückbleibt, wenn der Zucker komplett aus den Beeren verschwindet.
Mein Fazit: Nicht schlecht. Der Himbeergeruch riecht täuschend echt und die leichte Säure macht das prickelnde Wasser erfrischend. Ich verstehe, warum ihr das Getränk so mögt.
★★★★☆
Hidden Track: Living Things «Raspberry und Pomegranate»: Himbeere, aber diesmal doch ein bisschen süss
Wie früher auf der CD habe ich als letztes noch ein geheimes Tasting aufgelistet. Geheim weil: Ja, hier ist Zucker drin (verklag mich doch). Aber richtig wenig: knapp sechs Gramm pro Dose. In einer gleich grossen Dose Coca Cola Classic steckt die fünffache Menge Zucker. Die Süsse rieche ich dem Getränk tatsächlich an. Es duftet mild und erinnert mich eher an Erdbeeren als an Himbeeren.
Beim Trinken fehlt mir der Granatapfel – davon merke ich keinen Hauch. Dafür punktet die Himbeersoda mit den fruchtigen und erfrischenden Aromen von Himbeeren – und eben der Erdbeere. Vielleicht verwechsle ich den Erdbeergeschmack mit dem von Granatapfel? Etwas mehr als sechs Gramm Ballaststoffe und zwei Milliarden Milchsäurebakterien sind auch noch drin. Probiotisch und so.
Mein Fazit: Die Himbeerlimonade schmeckt mir richtig gut. Sie erinnert mich an «Blöterliwasser mit Himbeersirup», eines meiner Lieblingsgetränke als Kind. Vielleicht wegen des Zuckers? Nein, kann nicht sein. Ich muss ihr aber lassen, dass sie für ein Dosengetränk ziemlich natürlich schmeckt.
★★★★★
Die Rangverkündigung
Das gesüsste Getränk gewinnt. Mist. Die Himbeerlimonade von Living Things hat mich am meisten überzeugt. Vielleicht liegt’s am Zucker? Nein. Niemals. Bestimmt nicht. Fuck. Trotzdem kann ich mir auch die Getränke von Peaq, Dash und Oishi gekühlt gut als Erfrischung für zwischendurch vorstellen. Das Zitronenwasser von Volvic schmeckt zwar lecker, aber das kann ich mir auch selbst zusammenbrauen. Und der Kombucha? Der darf mir gestohlen bleiben.
Gute Sache oder nicht mehr als überteuertes Wasser mit Geschmack? Sag mir, was du von ungesüssten Erfrischungsgetränken hältst – oder welche auf meiner Liste fehlen.
Die Wände kurz vor der Wohnungsübergabe streichen? Kimchi selber machen? Einen kaputten Raclette-Ofen löten? Geht nicht – gibts nicht. Also manchmal schon. Aber ich probiere es auf jeden Fall aus.
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