
Internationale Computerspielesammlung ist vorerst gescheitert
Die Internationale Computerspielesammlung sollte mehr als 60 000 Games dauerhaft bewahren. Nun endet das Projekt vorerst, weil die Finanzierung ausläuft. Das kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Physische Spiele verschwinden langsam aus dem Alltag.
Computerspiele verschwinden schneller, als vielen bewusst ist. Manchmal reicht ein abgeschalteter Server. Manchmal ein verschwundener Download-Store. Oder es fehlt die passende Hardware, ein alter Kopierschutztreiber oder ein Betriebssystem, das kaum noch jemand nutzt.
Die Internationale Computerspielesammlung, kurz ICS, sollte dieses Problem zumindest in Deutschland abfedern. Sie sollte mehr als 60 000 Videospiele erfassen, bewahren und langfristig zugänglich machen. Nun steht das Projekt vor dem Aus.
Die beteiligten Einrichtungen führen die Sammlung unter den bisherigen Bedingungen nicht weiter. Der Grund ist die fehlende Anschlussfinanzierung. Die öffentliche Förderung lief Ende April 2026 aus, eine dauerhafte Lösung kam danach nicht zustande.
Ein Archiv aus mehreren Beständen
Die ICS bündelte Bestände mehrerer Partner: der Stiftung Digitale Spielekultur, des Computerspielemuseums Berlin, der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle, des DIGAREC-Zentrums der Universität Potsdam und des Branchenverbands Game. Organisiert wurde das Projekt von der Stiftung Digitale Spielekultur.
Schon 2019 ging eine zentrale Datenbank mit rund 40 000 Datensätzen online. Später sollten die Bestände an einem Ort zusammengeführt werden. Aus dieser zweiten Phase wird vorerst nichts.
Die Spiele sind dadurch nicht automatisch verloren. Sie bleiben bei den beteiligten Einrichtungen. Ohne gemeinsame Struktur sind sie aber schwerer zu erschließen, zu pflegen und zugänglich zu machen. Der Begriff «verschollen» trifft deshalb nur teilweise. Verschwunden ist nicht die komplette Sammlung, sondern die Perspektive auf ein dauerhaft nutzbares, öffentlich getragenes Archiv.
Warum Games besonders schwer zu bewahren sind
In den Aufbau der ICS flossen laut Berichten rund 1,5 Millionen Euro. Das Geld finanzierte jedoch keinen Dauerbetrieb. Nach dem Ende der Förderung brauchte die Sammlung eine langfristige Lösung. Genau daran scheiterte sie.
Für die Spielekultur ist das ein Einschnitt. Games altern anders als Bücher oder Filme. Ein Spiel kann schon nach wenigen Jahren unzugänglich werden, wenn Server abgeschaltet, Plattformen geschlossen oder Aktivierungssysteme nicht mehr unterstützt werden.
Bei alten PC-Spielen reicht der Datenträger oft nicht. Sie brauchen womöglich eine bestimmte Windows-Version, eine Soundkarte oder einen Kopierschutztreiber. Konsolenspiele hängen an funktionierender Hardware. Online-Spiele brauchen Server. Mobile Games verschwinden häufig komplett aus App-Stores.
Ein Archiv muss deshalb mehr sichern als Dateien. Es muss Versionen dokumentieren, technische Umgebungen erhalten, Rechte klären und Spiele später wieder lauffähig machen.
Das Timing ist ungünstig
Das Aus kommt zu einer Zeit, in der physische Spiele ohnehin an Bedeutung verlieren. Verkäufe wandern in digitale Stores. Abo-Dienste und Cloud-Angebote machen Games verfügbar, solange Lizenzverträge laufen. Gleichzeitig besitzen Spielerinnen und Spieler immer seltener eine vollständige, dauerhaft nutzbare Version im Regal.
Bei Sony wird dieser Wandel besonders sichtbar. Ab Januar 2028 sollen neue Spiele nur noch digital erscheinen. Warum das nicht nur ein Problem für Sammlerinnen und Sammler ist, hat Kollege Rainer in seinem Meinungsbeitrag zum Digital-Zwang eingeordnet.
Auch Abo-Dienste verschieben den Blick auf Spiele. Du kaufst nicht mehr zwingend ein einzelnes Spiel, sondern bezahlst für zeitlich begrenzten Zugriff auf einen Katalog, der sich ändert. Das mag manchmal bequem sein. Für die Bewahrung ist es allerdings problematisch. Wenn ein Spiel nur noch über einen Store oder ein Abo existiert, hängt seine Zukunft an Lizenzen, Accounts, Servern und Plattformbetreibern.
Wie brüchig digitaler Besitz sein kann, zeigt sich nicht nur bei Games. Sony entfernt aktuell Hunderte gekaufte Filme aus britischen Playstation-Bibliotheken. Die Schweiz ist nicht betroffen, der Fall zeigt aber, wie stark digitale Käufe an Plattformen und Lizenzverträge gebunden bleiben.
Selbst physische Datenträger lösen das Problem nicht vollständig. CDs, DVDs und Blu-rays können altern, beschädigt oder unlesbar werden. Bei bestimmten Warner-DVDs aus den Jahren 2006 bis 2008 ist das bereits passiert: Warner Bros. bestätigte dort Fälle von «Disc Rot».
Kulturgut ohne stabile Infrastruktur
Games gelten längst als Kulturgut. Sie prägen Popkultur, Technik, Design, Musik und Erzählformen. In der Archivierung fehlt ihnen aber oft die Selbstverständlichkeit, die Bücher oder Filme besitzen.
Noch ist offen, wie es mit der Datenbank und den erfassten Beständen weitergeht. Klar ist nur: Ohne zentrale Struktur verliert die ICS ihren wichtigsten Zweck. Sie sollte nicht nur sammeln, sondern Bestände bündeln, erschließen und langfristig nutzbar machen.
Das ist kein spektakulärer Untergang über Nacht. Es ist ein leiser Verlust von Infrastruktur. Genau das macht ihn gefährlich. Wenn Archive verschwinden, merkt man oft erst Jahre später, was fehlt.
Die Interessen sind vielfältig, gerne genieße ich einfach nur das Leben. Immer auf der Suche nach News aus den Bereichen Darts, Gaming, Filme und Serien.
Interessantes aus der Welt der Produkte, Blicke hinter die Kulissen von Herstellern und Portraits von interessanten Menschen.
Alle anzeigen




