
Mein Futterautomat sieht zu viel
Mein Futterautomat soll meine Katzen im Blick behalten. Tatsächlich filmt er aber weit mehr. Ein deutsches Gericht findet: Verdeckte Überwachungsanlagen sind solche Geräte nicht. Ich habe Bedenken.
Das Oberverwaltungsgericht in Nordrhein-Westfalen hat kürzlich entschieden, dass smarte Futterautomaten keine verdeckten Spionagegeräte sind. Die Bundesnetzagentur hatte den Vertrieb untersagen wollen. Einige Modelle wurden sogar vorsorglich aus dem Verkauf genommen. Die verbauten Kameras und Mikrofone seien jedoch klar erkennbar und nicht dazu bestimmt, Menschen heimlich zu überwachen, meinte das Gericht.
Trotzdem sammeln sie mehr Daten als nötig, meine ich.
Die versteckte Kamera
In meiner Küche steht ein YumShare Dual-Hopper von Petkit. Über eine Kamera kann ich live via App von unterwegs oder zeitversetzt via Aufzeichnung verfolgen, ob meine Katzen fressen. Bei Bedarf kann ich den eingebauten Lautsprecher einschalten und nach ihnen rufen oder ihnen manuell Futter ausgeben.
Im Urlaub ist das als zusätzliche Futterquelle nebst einem Katzensitter praktisch. Denn Trockenfutter einfach stehen lassen, geht bei mir nicht. Genauso wenig wie einen analogen Automaten aufstellen, bei dem Futter automatisch nachrutscht. Mein nimmersatter Kater Jasper würde sich ins Koma fressen und Katze Joy leer ausgehen. Darum also der digitale Futterautomat.
Die Kamera ist direkt über dem Napf angebracht. So hat sie beide Katzenköpfe im Visier, die sich über das Futter hermachen. Aber sehe ich die Kamera auch von aussen? Wenn ich vor dem Automaten stehe: definitiv nicht. Ich muss mich schon hinknien, damit ich die Linse erkenne. Vorausgesetzt, ich weiss überhaupt, dass da eine Kamera ist.

Gut sichtbar? Von wegen. Und mein Futterautomat ist längst keine Ausnahme.
Will ich den grossen Kamerawinkel? Jein
Aufgrund der Position der Kamera könnte ich davon ausgehen, sie filme nur den Napf. Das ist absolut nicht so. Stehe ich vor dem Futterautomaten, sind fast meine ganzen Beine zu sehen. Ab etwa drei Metern Abstand sogar mein ganzer Körper. Petkit begründet das damit, dass so festgehalten wird, wie oft die Katze am Napf vorbeiläuft und Interesse zeigt. Doch brauche ich diese Informationen wirklich? Eigentlich nicht.
Trotzdem muss zugeben, dass wir als Helikopter-Katzeneltern den grossen Kamerawinkel im Urlaub trotzdem schätzen. Wir stellen den Futterautomat ins Wohnzimmer und beobachten, was unsere Stubentiger im Schilde führen und wie es ihnen geht.

Es gibt aber wiederum Momente, bei denen sich die Kamerafunktion falsch anfühlt. Wenn unsere Katzensitterin gerade vor Ort ist und wir uns per App einklinken, zum Beispiel. Auch wenn sie weiss, was der Automat kann, kommen wir uns wie Stalker vor. Deshalb schalten wir die Kamera immer gleich aus, wenn sie da ist.
Wir könnten sie auch auf unscharf stellen. Der Sinn erschliesst sich mir jedoch nicht, da so das ganze Bild unkenntlich wird, nicht nur der Hintergrund. Was wir stattdessen tun? Wir schauen uns im Nachhinein nie Aufnahmen an, auf denen die Katzensitterin ersichtlich ist. Und mittlerweile stellen wir die Kamera ausserhalb der Ferien aus.
Doch wie handhaben das andere? Und was passiert mit den Daten?
Der Einsatzbereich
Petkit ist ein Unternehmen für intelligente Haustierprodukte aus China. Zwar gibt es bislang keine öffentlich bekannten Datenschutz-Skandale. Dennoch sammelt die Firma zahlreiche Informationen: Videoaufnahmen aus der Wohnung, Nutzungsdaten, Fütterungspläne und Angaben über Tiere. Genauere Details zum Speicherort, der Cloud, finde ich in den Datenschutzbestimmungen nicht. Der Hersteller schreibt lediglich:
Die Wiedergabeinhalte beruhen auf einer zeitlich begrenzten zyklischen Speicherung und die Daten ausserhalb des Zeitlimit werden regelmässig gelöscht.
Und:
Wenn die Kamera ausgeschaltet ist, werden keine Videoaufnahmen gemacht.
Überprüfen kann ich das nicht. Mir bleibt nur, Petkit zu vertrauen. Ob die Firma ebenso strikt auf die Datensicherheit achtet wie spezialisierte Hersteller von Sicherheitskameras, ist unklar. Jede Kamera, auch die von Futterautomaten, birgt die Gefahr, gehackt zu werden.

Ein Vorteil ist, dass Futterautomaten – im Unterschied etwa zu Smart Glasses – nur in der eigenen Wohnung Aufnahmen machen und nicht auf öffentlichem Grund. Dennoch dürfte vielen Besuchenden nicht bewusst sein, dass sie von einem Futterautomaten mit Kamera erfasst werden können.
Genauere Kennzeichnung und kleinere Ausrichtung
Juristisch sind Futterautomaten keine Spionagegeräte. Praktisch verhalten sich manche Modelle jedoch überraschend ähnlich. Es bräuchte aus meiner Sicht zwei Dinge. Erstens, eine klare Kennzeichnung der Kamerafunktion auf den Geräten. Und zweitens, noch viel wichtiger: Dass der Kamerawinkel ausschliesslich auf den Napf ausgerichtet ist.
Wer nur wissen will, ob seine Katze frisst, braucht keine Kamera mit Wohnzimmerblick.
Was hältst du von Futterautomaten mit Kamerafunktion? Verrate es mir in einem Kommentar.
Ich liebe alles, was vier Beine oder Wurzeln hat – besonders meine Tierheimkatzen Jasper und Joy sowie meine Sukkulenten-Sammlung. Am liebsten pirsche ich auf Reportagen mit Polizeihunden und Katzencoiffeurinnen umher oder lasse in Gartenbrockis und Japangärten einfühlsame Geschichten gedeihen.
Hier liest du eine subjektive Meinung der Redaktion. Sie entspricht nicht zwingend der Haltung des Unternehmens.
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