

Monatsbücher August: Wenig Sommerlektüre, dafür umso mehr Tiefgang
Leichte Sommerlektüre? Anscheinend ein Fremdwort für mich. Denn meine gelesenen Bücher im August hatten es in sich.
Ich habe eine erschütternde Biografie, einen dystopischen Klassiker, ein Sachbuch und einen tiefgründigen Debütroman gelesen. Einzig eine queere Tennis-Romance hat meinen Lese-August aufgelockert. Meine Monatsbücher in chronologischer Reihenfolge, mit dem Highlight zum Schluss.
Inputs eines Neurochirurgen
Lange lag «Life Lessons from a Brain Surgeon» von Rahul Jandial auf meinem Zu-Lesen-Stapel, ausgeliehen von meinem Vater. Thanks, Dad! Anfang August habe ich es dann endlich mal aufgeschlagen – und für ein Sachbuch relativ schnell durchgelesen. Im Gegensatz zu anderen Sachbüchern, beispielsweise jenen von Yuval Noah Harari, ist es ein durchaus unterhaltsames Buch. Der Neurochirurg und Neurowissenschaftler Jandial hat neben seinen Erkenntnissen in den einzelnen Kapiteln auch noch entsprechende Sektionen namens Neuro Busted, Neuro Geek und Neuro Myth. Darin geht Jandial auf Mythen, spannende Erkenntnisse und auf Aktionspunkte ein, die wir auch im Alltag übernehmen können.
Ich habe einiges mitgenommen, das ich gerne im Alltag umsetzen möchte:
- Ich möchte meine nicht-dominante rechte Hand mehr benutzen, beispielsweise beim Zähneputzen oder Schreiben. So werden die bisher wenig genutzten Nervenzellen mehr eingebunden.
- Nicht immer auf Google Maps zurückgreifen. Der Hippocampus ist nicht nur für das Gedächtnis zuständig, er ist auch quasi das GPS des Gehirns. Die Zellen für die räumliche Orientierung gehen bei Alzheimer verloren, was zu Orientierungslosigkeit führt. Wenn ich also nicht direkt «Route» klicke, trainiere ich wertvolle räumliche Fähigkeiten.
Mein Tipp an dich: Dieses Buch liest du am besten in kleinen Häppchen. Habe ich das getan? Nein. Aber im Nachhinein ist man ja immer schlauer.
Lesen, wenn:
- du tiefer in die Neurologie eintauchen willst
- du eine Kombination zwischen Sachbuch und Biografie feierst
- du ein bisschen Hirngymnastik machen möchtest
Nur auf Englisch verfügbar.

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Sehr gut, aber auch sehr heftig
Sagen wir's so: Nachdem ich die letzte Seite von «1984» gelesen habe, war ich erst einmal erleichtert. Es schwirrte mir der Kopf. Eigentlich tut er das immer noch. Und ja, der Inhalt macht definitiv nachdenklich und auch ein bisschen deprimiert. Geschrieben von George Orwell im Jahr 1949, hat das Buch in der heutigen Zeit fast noch mehr Relevanz als je zuvor.
Jetzt reicht's mir persönlich erst mal mit dystopischer Fiktion. Insbesondere, da ich im Juli mit «Ich, die ich Männer nicht kannte» von Jacqueline Harpman bereits einen dystopischen Roman gelesen habe.
Lesen, wenn:
- dich (dystopische) Klassiker ansprechen
- du einen Social Commentary brauchst
- es dir nichts ausmacht, wenn Bücher dich ein bisschen runterziehen

Noch mehr Dystopien gefällig? Hier kommt Nachschub:
Schnell gelesen, schnell vergessen
Wenn du schon meinen Beitrag zu meinen Juli-Büchern gelesen hast, dann weisst du, dass ich ein grosser Fan eines «Geschmacksneutralisierers» bin: ein Buch, das ich lese, um alles, naja, zu neutralisieren. «Set Point» von Meg Jones war so ein Buch – und auch nicht mehr.
Der Roman folgt Inés und Chloe, zwei Rivalinnen, die sich auf dem Tennisplatz erbitterte Kämpfe liefern und sich abseits nicht ausstehen können. Doch dann müssen sie bei den US Open im Doppel antreten. Und die Dinge ändern sich. Du kannst es dir ja denken.
«Set Point» ist das dritte Buch in der Game, Set, Match-Reihe von Meg Jones. Band Drei haben wir nur auf Englisch, aber die anderen beiden gibt es auf Deutsch. Im März erscheint dann ihr neuestes Buch mit dem Titel «Match Point».
Lesen, wenn:
- du seichte Unterhaltung brauchst
- dich eine queere Geschichte anspricht
- du im US-Open-Fieber bist
Nur auf Englisch verfügbar.
Darf's noch mehr Sports Romance sein?
Bitte ein anderes Cover und eine Triggerwarnung
Bis vor Kurzem war ich wahrscheinlich eine der Letzten, die Ruth-Maria Thomas' Erstlingswerk «Die schönste Version» noch nicht gelesen haben. Dann hat mir Kollege Josia Jourdan ihr neues Buch den perfekten Anstoss gegeben. Und was soll ich sagen: Was für ein Debütroman! Ich habe ihn innert zwei Tagen verschlungen – in einer Kombination aus Hörbuch und physischem Buch.
Ich habe dennoch zwei Anmerkungen. Erstens, das Cover. Ja, es ist wunderschön. Ja, es hat einen Riss, der sinnbildlich für den Bruch in der Geschichte steht, aber der pastellfarbene Umschlag ist meiner Meinung nach zu verspielt für die Thematik des Buchs.
Zweitens: Ich hätte gerne eine Triggerwarnung gehabt. Auf dem Klappentext steht «dysfunktional» und «gefährlich». Das sagt mir nicht genug aus. Und auch im Buch, vor dem ersten Kapitel, gibt es keinen Hinweis oder einen Vermerk, der auf eine Triggerwarnung am Schluss des Buchs hinweist. Deshalb hier: In diesem Buch geht es um häusliche Gewalt.


Und trotz dieser Anmerkungen ist dieses Buch fantastisch. Eine Coming-of-Age-Geschichte von Jella in Ostdeutschland der Nullerjahre. In Yannick entdeckt sie ihre erste grosse Liebe. Ein heftiger Roman mit vielen tiefgründigen, traurigen Themen und doch so zart und schön geschrieben, dass er zu einem Pageturner wird.
Lesen, wenn:
- dich ein unverblümter und gleichzeitig sanfter Schreibstil abholt
- du in die Nullerjahre abtauchen willst
- du psychologische Tiefe und Schmerz aushältst
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Harter, aber wichtiger Tobak zum Abschluss
Zum Monatsende habe ich mich an das Memoir von Gisèle Pelicot gewagt. Ein Buch, das im richtigen Mindset gelesen werden will. Trotzdem hat es mich wirklich gepackt und berührt. Gisèle Pelicot wurde fast zehn Jahre lang von ihrem Mann sediert und von ihm und achtzig weiteren Männern vergewaltigt.
Darum geht's: Gisèle Pelicots Leben ändert sich schlagartig an einem scheinbar gewöhnlichen September 2020. Ihr Mann, Dominique Pelicot, wird erwischt, als er im Supermarkt zwei Frauen «upskirtet», also unter dem Rock filmt. Und so kommt der Stein ins Rollen: Denn bei den Ermittlungen zu diesem Fall werden bei Pelicot Videos der Vergewaltigungen an seiner Frau gefunden. Am 19. Dezember 2024 endet dann der grösste Vergewaltigungsprozess des Jahrhunderts: Von den 51 angeklagten Männern werden alle schuldig gesprochen.
Erstaunt hat mich die Sprache des Memoirs. Sie ist nicht traurig oder beklemmend und Gisèle Pelicot verharrt nicht in der Opferrolle. Es kommt für mich so rüber, als würde sie als Phönix auferstehen. Und ihr «joie de vivre» ist spürbar. Trotz der schwierigen Thematik macht das dieses Memoir zu einem kraftvollen, mutmachenden Buch.
Lesen, wenn:
- du dich für eine tiefgründige Lebensgeschichte interessierst
- du bereit für eine emotionale und bewegende Lektüre bist
- du mehr über Gisèle Pelicot erfahren möchtest

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