
Monatsbücher Juli: Von Waisenkindern, 40 Gefangenen, Astronauten und Hockeyspielern
Im Juli habe ich mich kreuz und quer durch verschiedene Genres gelesen: Von einem historischen Roman über ein dystopisches Meisterwerk und Lebensweisheiten aus dem Weltall bis hin zu einer Hockey-Romance war alles dabei – und mehrheitlich absolut lesenswert.
Ein historischer Roman, der unter die Haut geht
Als Susanne Abel ihren neuesten Roman «Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104» ankündigte, war mir gleich klar: Den muss ich haben. Ihr Debüt «Stay Away from Gretchen: Eine unmögliche Liebe» ist eines der besten Bücher, das ich in den letzten Jahren gelesen habe. (Zum Nachfolgeroman sage ich: Kann man, muss man aber nicht.) Auch in ihrem neuesten Werk geht es um die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg: Hardy und Margret lernen sich in einem Waisenhaus kennen, in dem Gewalt, Härte und Misshandlungen an der Tagesordnung stehen. Doch die beiden stützen sich gegenseitig und lassen sich nie mehr los.
Die Geschichte um Hardy und Margret ist fiktiv, doch der historische Hintergrund ist wahr: Nach dem Zweiten Weltkrieg suchten 300 000 Kinder ihre Eltern. Über ihren Roman sagt Susanne Abel:
Trotz aller Härte wollte ich auch zeigen, dass meine Protagonisten nicht nur durch die Hölle gehen, sondern dass es Licht am Ende des Tunnels gibt.
Wie es zum Coverbild kam? Susanne Abel hat bei Recherchen in den Büchern des Deutschen Suchdienstes ein Foto eines kleinen Jungen gefunden. Dieses Foto hat sie beim Schreiben begleitet – und ist nun auf dem Cover zu sehen.
Lesen, wenn:
- du gut recherchierte historische Romane magst
- dich traurige Schicksale berühren
- dich deutsche Zeitgeschichte interessiert
40 Frauen, gefangen in einem Käfig
Shoutout an meine Redaktionskollegin Stephanie Vinzens, die mir «Ich, die ich Männer nicht kannte» von Jacqueline Harpman empfohlen hat. Ein Meisterwerk, das (noch) nicht genug Beachtung findet! Erstveröffentlicht wurde dieses Buch 1995, doch der gewünschte Erfolg blieb aus. Rund zwei Jahrzehnte später wurde die englische Übersetzung überarbeitet und das Buch erneut publiziert. Genau zu der Zeit, in der auch «1984» und weitere dystopische Romane neuen Aufschwung erhielten.
Der Roman folgt 39 Frauen und einem Mädchen, die in einem Käfig gefangen sind. Ja, das klingt unglaublich verstörend. Deshalb habe ich mich auch auf etwas Ähnliches wie «The Handmaid’s Tale» eingestellt. Aber: Die Erzählerin, die Jüngste unter den Gefangenen, muntert uns als Lesende mit ihrer Neugierde und ihrer Sprache auf. Und so fühlt sich diese Dystopie gar nicht so schwer an wie anfangs gedacht. Mit 224 Seiten ein kurzes Buch, das sich schnell zum Pageturner entwickelt.
Lesen, wenn:
- dir Dystopien gefallen
- du offene Enden magst
- kurze Bücher genau deins sind
400 Kilometer über der Erde: Lebenshilfen aus dem Weltall
Spätestens seit der Artemis-II-Mission im April bin ich total fasziniert vom Weltall, der NASA und dem Astronautendasein. Deshalb kommt dieses Buch wie gerufen. Der Kanadier Chris Hadfield wusste bereits mit neun Jahren, dass er Astronaut werden wollte – und das, obwohl es damals noch gar keine kanadische Raumfahrtorganisation gab! Sein Buch ist ein hervorragendes Beispiel dafür, dass es sich lohnt durchzuhalten. Die Mischung aus Ratgeber und Biografie wirkt keineswegs belehrend, sondern zeigt auf, welche Tricks wir «Normalsterblichen» von Astronauten lernen können.
Lesen, wenn:
- du selbst gerne Astronautin wärst
- dich das Weltall und die Internationale Raumstation faszinieren
- du wissen möchtest, wie es sich 400 Kilometer über der Erde lebt
Dieses Buch gibt es derzeit nur auf Englisch.
Eine Hockey-Romance mit verlorenem Potenzial
Manchmal brauche ich ein Buch, das einfach kurz alles durchspült und auflockert. Quasi einen Geschmacksneutralisierer. Der muss meistens her, nachdem ich ein richtig tolles, aber auch tiefgründiges Buch gelesen habe – wie beispielsweise die ersten zwei in dieser Liste. «The Mistake» von Elle Kennedy war genau das, aber leider auch nicht viel mehr. Eine kleine Enttäuschung, denn ich habe die Verfilmung der Hockey-Reihe «Off Campus» gesuchtet, als sie im Frühsommer rauskam. «The Mistake» ist der zweite Teil der Reihe und folgt (Hockey-)Player John Logan. Meine Erwartung? Gute Unterhaltung und dass ich in Logan einen neuen Book Boyfriend finde. Leider traf Zweiteres nicht zu. Das Buch war gut zum Auflockern, hat sich schnell gelesen und war in Teilen auch unterhaltsam – mehr aber auch nicht.
Da die ersten beiden Bücher lange vergriffen waren, habe ich übrigens mit Band drei («The Score») begonnen und erst danach «The Mistake» gelesen.
Lesen, wenn:
- du lockere, unterhaltsame (Ferien-)Lektüre brauchst
- du die Serie mochtest und noch ein bisschen mehr Hockey brauchst
- es dir nichts ausmacht, dich auch mal über die Protagonisten aufzuregen
Leidenschaftliche Leserin und laute Lacherin. Ein Buch darf in meiner Tasche nie fehlen, und ja, immer ein physisches. Von Taylor Jenkins Reid über Kristin Hannah, von Biografien bis hin zu Sci-Fi und Fantasy: Wenn dich die Welt der Bücher interessiert, dann bist du hier richtig.
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