
Produkttest
Neuer Dyson ist stärker und gesünder – aber auch teurer
von Lorenz Keller

Der Dyson V16 Piston Animal saugt ähnlich gut wie die Vorgänger. Er hat jedoch zwei neue Features, die auf den ersten Blick sehr praktisch wirken. Wie bewähren sie sich im Alltagstest?
Mehr Power, mehr Saugkraft – in diesen Bereichen entwickelt Dyson seine Staubsauger kontinuierlich weiter. Im Alltag ist das von Generation zu Generation allerdings kaum spürbar. Der neue V16 Piston Animal hat beispielsweise 315 Airwatt Saugkraft, der Gen5Detect aus dem Jahr 2023 verfügt über 280 Airwatt. Im Test überzeugen beide, aber ich hatte nie das Gefühl, dass das neue Modell besser Staub und Partikel aufnimmt. Sie sind beide auf hohem Niveau vergleichbar gut.
Darum habe ich mich im Test auf die wirklich neuen Features konzentriert – und auf diejenigen Aspekte, die bei der täglichen Reinigung positiv oder negativ auffallen. Die Wortschöpfung Piston Animal ist wohl auf den Kolben («Piston») zurückzuführen, der auf die Staubverdichtung hinweist. Und «Animal» verweist auf die Features zur Entfernung von Tierhaaren.
Was sofort auffällt, ist die neue Bodendüse. Sie ist mit einer zweigeteilten, konischen Bürste ausgestattet. In der Mitte ist sie dicker und verjüngt sich gegen aussen. Das soll dabei helfen, dass sich keine langen Haare darin verfangen. Im Test hat das perfekt geklappt, ich musste kein einziges Haar aus der Bürste schneiden.

Dyson hat die Bürste mit zwei unterschiedlichen Borstenarten ausgerüstet. Die einen sind weich und fluffig, die anderen hart und borstig. Die Oberfläche der Walze ist dabei nur zu einem kleinen Anteil von den Borsten bedeckt, es ziehen sich jeweils dünne, wellenförmige Bahnen von innen nach aussen. Die neue Düse ersetzt die zwei Düsen, die Dyson bisher mitgeliefert hat. So erspare ich mir auch, dass ich während der Reinigung wechseln muss.
Das Konzept überzeugt. Zuverlässig wird alles eingesaugt: Krümel genauso wie feiner Staub. Ich habe den Sauger vor allem auf Parkett und Plattenboden genutzt, aber den Badteppich konnte ich gut saugen.
Dass alles sauber ist, kann ich jeweils direkt überprüfen. Dyson hat wieder den grünen Laser eingebaut, der schonungslos jedes Staubkorn aufleuchten lässt. Neu ist, dass der Laser in der Mitte platziert ist. Das ist viel sinnvoller als seitlich an der Bürste wie bei den Vorgängern. Der Boden wird damit besser und gleichmässiger ausgeleuchtet.

Allerdings bleibt ein Problem: Je weniger Raumlicht und je dunkler der Boden, desto besser funktioniert das. Scheint die Sonne durch die Fenster auf den weissen Plattenboden, verpufft der Beleuchtungseffekt.
Die Düse hat zwei Nachteile: Sie ist sehr hoch. In der Mitte sind es 7,5 Zentimeter. Zum Vergleich: Bei den beiden privaten Staubsaugern im Haushalt messe ich 6 und 6,5 Zentimeter. Zudem ist dieser höchste Punkt ganz hinten beim Übergang von Düse und Rohr, bei Dyson ist er vorne in der Mitte auf der Höhe der Bürste.
Das zweite Problem hängt ebenfalls mit der Rolle zusammen. Diese ist ja auf beiden Seiten dünner, daher ist die gesamte Düse vorn nicht einfach flach, sondern läuft leicht zu einer Spitze zusammen. Das erschwert es, 90-Grad-Ecken zu putzen. Fahre ich an einer Seite entlang gerade rein, komme ich nicht ganz in die Ecke, ein kleiner Bereich wird nicht sauber.

Der V15 hat nur gerade Platz für 0,76 Liter Staub gehabt. Beim V16 ist der Behälter zwar nicht grösser geworden, trotzdem findet dreimal mehr Material Platz. Und das wegen eines cleveren Tricks: Dyson hat einen Schieber eingebaut, mit dem ich den Schmutz komprimieren kann. Das funktioniert rein mechanisch.
Mit dem gleichen Schieber befördere ich nach dem Öffnen der Klappe den Schmutz in den Mülleimer. Beides funktioniert sehr gut, und es gibt eine kleinere Sauerei als bei anderen Systemen. Trotzdem müssen allergiebetroffene Personen beachten, dass beim Entleeren immer auch etwas Staub herumfliegt. Da nützt die vorbildliche HEPA-Filterung von Dyson dann auch nichts mehr.

Im Alltag habe ich den Schmutz meist nicht komprimiert, weil der Behälter genug Platz für eine Ladung hat. Diese entleere ich dann sowieso nach jeder grösseren Reinigung. Vergesse ich es mal, kann ich den Schmutz komprimieren,um mir den Gang zum Abfall zu ersparen und weiterzusaugen.
Übrigens wird der V16 der erste Dyson sein, der auch an einer Absaugstation geleert werden kann. Der Hersteller hat diese als kompatibles Extra angekündigt. Lancierungsdatum und Preis sind noch offen.

Die Akkulaufzeit des V16 ist gut, aber nicht herausragend. In der Stufe «Auto» messe ich 50 Minuten Laufzeit. Das ist deutlich mehr als bei günstigen Saugern, die in meinem Vergleich nur 23 bis 34 Minuten durchgehalten haben. Das Topmodell von Samsung aus dem letzten Jahr hat ebenfalls 50 Minuten erreicht.
Die eingestellte Saugstärke beeinflusst die Laufzeit deutlich. Über 70 Minuten erreicht der Sauger im «Eco»-Modus, mit «Boost» dagegen nur 15 Minuten. Positiv ist die sehr zuverlässige Laufzeitanzeige auf dem Display. Ich konnte mich im Test immer darauf verlassen.
Wie bei der Akkulaufzeit habe ich auch bei der Lautstärke wenig Fortschritte festgestellt. Im mittleren Modus messe ich 71 Dezibel in rund einem Meter Abstand. Der Gen5Detect Absolute beispielsweise war genauso laut, die Topmodelle von Samsung etwas leiser. Immerhin: Günstigere Sauger dröhnen jeweils noch mit einigen Dezibel mehr.
Apropos Vorgängermodelle: Dyson hat das System verändert, sodass du älteres Zubehör nicht einfach an den V16 klicken kannst – und umgekehrt. Mitgeliefert wird eine Kombizubehörbürste, eine Fugendüse und eine Haardüse, mit der du textile Oberflächen wie Sofas oder Kissen absaugen kannst. Wieder erhältlich ist der Submarine-Aufsatz, der den Sauger in einen Nassreiniger verwandelt.

Im täglichen Einsatz fallen verschiedene Dinge auf:
Gewicht: Allein der Motorkopf mit Akku und Staubbehälter wiegt 3,5 Kilogramm – ähnlich viel wie die Vorgänger. Das ist ziemlich viel Gewicht und mit der Zeit deutlich spürbar.
Bedienung: Schade, dass Dyson auf einen Trigger verzichtet. Stattdessen wird der Sauger über zwei eher kleine Knöpfe auf der Rückseite bedient. Einhändig lässt er sich nicht starten oder stoppen – das erfordert immer zwei Hände.
Verarbeitung: Der V16 wirkt hochwertig, vor allem weil das Verbindungssystem zwischen Düse, Rohr und Handteil gleichermassen stabil, aber dennoch leicht lösbar ist. Allerdings: Manchmal knarzt der Kunststoff etwas.

Saugqualität: Der V16 saugt ausgezeichnet. Meist reicht ein Durchgang, und aller Staub ist weg. Dank des grünen Lasers sehe ich das jeweils sehr gut. Die Saugstärke lasse ich den Dyson meist selbst regulieren – das ist sehr komfortabel. Über die Anzeige kann ich ablesen, wie viel Schmutz in welcher Partikelgrösse gerade vom Boden entfernt wird. Das ist allerdings nicht mehr als eine Spielerei – und war auch schon bei den Vorgängern möglich.
Insgesamt unterscheidet sich der Reinigungsalltag im Vergleich mit den Vorgängern nicht gross – weder im positiven noch im negativen Sinn.
Dyson hat den V16 Piston Animal in vielen Details verbessert. Im Alltag ist davon wenig zu merken. Der Staubsauger ist in vielem so gut wie die Vorgänger – zu einem nicht ganz günstigen Preis.
Zwei neue Features hat der englische Hersteller eingebaut: Sowohl die neue Düse wie auch der Staubbehälter mit Schieber sind von der Idee her sehr praktisch, in der Umsetzung habe ich im Alltag aber auch Schwächen festgestellt.
Pro
Contra
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