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Nintendo
Kritik

«Rhythm Paradise Groove» im Test: einmal alles, mit extra verrückt

«Rhythm Paradise Groove» ist ein Musikspiel für Wahnsinnige, gemacht von Wahnsinnigen. Das meine ich als Kompliment. Hast du eine Switch und Rhythmus im Blut, solltest du dieser verrückten Achterbahnfahrt eine Chance geben.

Bevor ich anfange: Du fragst dich vielleicht, ob ich versehentlich das falsche Titelbild für diesen Test gewählt habe. Die Antwort lautet: nein. Das ist ein Screenshot eines Minispiels in «Rhythm Paradise Groove». Ein random Stockfoto eines hübschen Mannes am Meer. Willkommen bei «Rhythm Paradise Groove».

Was entsteht, wenn man den absurden Humor der «Wario Ware»-Games mit einem Musikspiel kombiniert? «Rhythm Paradise Groove».

Nintendos musikalische Spielreihe erblickte 2006 auf dem Game Boy Advance das Licht der Welt – zunächst nur in Japan. Auf dem Nintendo DS schaffte «Rhythm Paradise» 2011 den Sprung in westliche Gefilde. Dort avancierte es unter Nintendo-Fans und Kritikern zum Kulttitel. Der letzte Ableger für den 3DS ist schon elf Jahre her («Rhythm Paradise Megamix», 2015).

Mit «Rhythm Paradise Groove» feiert die skurrile Reihe ihr Comeback auf der Switch. Trotz einiger Ausfälle gelingt dem spielbaren LSD-Trip Game die Rückkehr auf die grosse Bühne.

Zwei Knöpfe und dein Rhythmusgefühl

Das Spielprinzip von «Rhythm Paradise Groove» ist herrlich simpel: Ich muss im Takt der Musik den A-Knopf drücken. Zur Abwechslung manchmal auch eine Richtung auf dem Steuerkreuz. That's it.

Die simple Zwei-Knopf-Steuerung sorgt dafür, dass «Rhythm Paradise Groove» auch für Menschen ohne jegliche Gaming-Erfahrung zugänglich ist. Sogar meine Freundin, die sonst Schnappatmung bekommt, wenn ich ihr einen Controller in die Hand drücke (zu viele Knöpfe, zu viele Sticks!), kann nach anfänglicher Skepsis problemlos mitspielen.

Alle können spielen. Jedoch werden nur wenige «Rhythm Paradise Groove» meistern.
Alle können spielen. Jedoch werden nur wenige «Rhythm Paradise Groove» meistern.

Eine wahnsinnige Auswahl an Minigames

Simpel heisst aber nicht einfach. Oh, nein. Mein Taktgefühl wird in über 80 Einzelspieler- und 30 Mehrspieler-Minigames auf die Probe gestellt – ein beachtlicher Umfang. Während die ersten Spielchen ganz easy sind, stellt mich «Rhythm Paradise Groove» mit zunehmender Spielzeit vor immer härtere Tests, die mich zur Verzweiflung bringen.

Vor dem Beginn eines Minigames bekomme ich jeweils die Grundlagen erklärt. Ich erfahre, welchen Charakter ich steuere, welche Rhythmen mich erwarten und welche Komplikationen auftauchen könnten. Nach einer optionalen Übungsrunde beginnt das Spiel.

Meistere ich die Herausforderung, schalte ich das nächste Szenario frei. Zwischen den Minigames warten verrückte Remixe auf mich, in denen ich mehrere Minispiele wild durcheinander gemischt auf einem Beat angehe.

Bevor es ernst gilt, gibt’s ein Training.
Bevor es ernst gilt, gibt’s ein Training.

Ich liebe die Bandbreite an durchgeknallten Minispiel-Ideen und frage mich, welche bewusstseinsverändernden Substanzen die Entwickler wohl eingeworfen haben. Der herrliche japanische Humor, der visuelle Stil und der überdrehte Soundtrack vom japanischen Musiker Tsunku ♂ sind Geschmackssache. Kannst du dich damit anfreunden, erwartet dich ein leckeres All-You-Can-Eat-Buffet skurriler Szenarien und ungewöhnlicher Lieder.

Beispiele gefällig?

In diesem Minispiel spanne ich mit dem A-Knopf die Muskeln eines Bodybuilders an, um diverse Früchte auf seinen Bizepsen tanzen zu lassen. Muss ich mal im echten Leben versuchen (Notiz an mich: Bizeps antrainieren).

💪
💪

Hier bin ich ein Roboter in einer Puddingfabrik (seriously, wtf?!), der mit 🔽 die wackeligen Desserts im Beat auf das Förderband transportiert. Verdorbene Puddings pulverisiert er mit seinen Laseraugen (A-Knopf). Logisch.

Lecker.
Lecker.

Einer meiner Favoriten ist die «Schirmchen-Show», in der ich einen kleinen Schirm spiele, der sich zur Belustigung der Passanten im Takt öffnet (A) und schliesst (🔽). Kawaii!

Du süsses Schirmchen, du.
Du süsses Schirmchen, du.

Fiese Ablenkungen

Während der Minispiele sorgen diverse unerwartete Ereignisse für Verwirrung. Wie bei diesem Hürdenlauf. Was als süsses Pixel-Art-Rennen mit gemächlichem Rhythmus beginnt (A zum Springen, 🔽 zum Ducken), eskaliert zu einem rasend schnellen Fiebertraum, mit ultraschnellem Takt und verschwommenem Bildschirm.

Gemütlich.
Gemütlich.
AAAAAAAAAAAAAAAAH!
AAAAAAAAAAAAAAAAH!
Quelle: Nintendo

Oder bei diesem Krabbenspiel, bei dem ich mit meinen Scheren (links mit ◀️, rechts mit A) Süssigkeiten in ein Sandloch befördere (was für ein Satz). Etwa in der Mitte des Liedes versperrt plötzlich eine Dose meine Sicht.

Easy.
Easy.
VERDAMMT, GEH AUS DEM WEG, ICH SEHE NICHTS!
VERDAMMT, GEH AUS DEM WEG, ICH SEHE NICHTS!
Quelle: Nintendo

Ich brauche mehrere Anläufe, um mich mit dem abrupten Rhythmuswechsel beim Hürdenlauf anzufreunden und die Dose beim Krabbenspiel zu ignorieren. Irgendwann macht es Klick und die Hindernisse erscheinen in meinem Flow-Zustand nicht mehr wichtig.

Und genau das macht den Reiz der Minispiele aus – augenscheinlich unmögliche Aufgaben überwinden und inmitten des Chaos versuchen, sich irgendwie in den Beat einzugrooven.

Ein bisschen Frust zwischendurch

Leider sind nicht alle Minispiele Volltreffer. Einige Szenarien erschweren mit einer undeutlichen Bildsprache und verwirrenden Soundeffekten den Zugang. Während die bereits erwähnten Komplikationen (Rhythmuswechsel, Dose) zum Spielkonzept gehören, wirken diese Hürden unbeabsichtigt.

Ein Recycling-Spiel ist mein absolutes Hass-Beispiel. Dort muss ich Dosen mit einem Hammer treffen. Das Problem: Die visuellen Hinweise arbeiten gegen die auditiven Hinweise. Es sieht so aus, als müsste ich die Dose jetzt treffen, der Beat sagt aber, ich müsse noch warten. Die Hilfestellungen, die mir das Game in der Einführung gibt, verwirren zusätzlich, statt zu helfen.

Das nervt gewaltig. Auch wenn mir jemand eine geladene Pistole an den Kopf halten würde, wäre ich nicht in der Lage, hier das richtige Timing zu erwischen.

Ich hasse dich. So sehr.
Ich hasse dich. So sehr.

Abwechslung durch Multiplayer

Im letzten Drittel der Singleplayer-Games hätte ich mir mehr Abwechslung gewünscht. Auch wenn sich die Szenarien oberflächlich stark voneinander unterscheiden, ist der Ablauf immer derselbe. Ich hämmere mich zum Takt eines verrückten Liedes durch verrückte Szenarien. Immer und immer wieder, in über 80 Minispielen.

Abwechslung gibt’s dafür in diversen Zusatzinhalten, die ich durch gute Leistungen freischalte. Ich erhalte interaktive Drumcomputer, einen Schlagzeug-Simulator, weitere Highscore-basierte Minispiele oder absurde Lore-Informationen zu den Charakteren.

Besonders gelungen finde ich den freischaltbaren «Beatspell»-Modus. Ein Mini-Rollenspiel, in dem ich mit magischen Attacken Monster besiege. Die Angriffe löse ich aus, indem ich bestimmte Tastenkombinationen im Takt der Kampfmusik abspule. Ein nettes Extra, das aus dem repetitiven Minispiel-Korsett der sonstigen Einzelspieler-Inhalte ausbricht.

Heilzauber löse ich mit rhythmischen Tastenkombis aus.
Heilzauber löse ich mit rhythmischen Tastenkombis aus.

Mein Highlight des Spielpakets ist jedoch der lokale Modus für bis zu vier Möchtegern-Musikerinnen und -Musiker. Ich weiss nicht, wann ich das letzte Mal in einem Multiplayer so sehr gelacht habe.

Ähnlich wie der «Beatspell»-Modus trauen sich die Multiplayer-Inhalte spielerisch mehr als die Singleplayer-Pendants. Es gilt nicht nur, Lieder abzuspulen und den Takt zu treffen. Stattdessen konfrontiert uns das Game mit komplexeren Spielsituationen. Wir müssen nicht nur im Rhythmus bleiben, sondern oft zusammenarbeiten oder gegeneinander antreten. Die zugängliche Zwei-Knopf-Steuerung bleibt dabei erhalten.

Ich liebe etwa «Tenniskämpfer». Mit Tennisschläger und Bällen bewaffnet, kämpfen wir uns durch Monsterhorden. Im Takt der Musik schlagen wir auf und ballern die Feinde weg.

Jedes Minispiel im Multiplayer hat drei Levels, die mit neuen Ideen überraschen.
Jedes Minispiel im Multiplayer hat drei Levels, die mit neuen Ideen überraschen.

Komplett aus der Reihe tanzt «Pünktlich naschen». Das Ziel: Genau um 15:00 Uhr mit dem A-Knopf ein Kuchenstück in die Hand nehmen. Beim Countdown werden wir mit diversen Ablenkungen konfrontiert. Über Sieg und Niederlage entscheiden Hundertstelsekunden.

Wer holt sich den Kuchen?
Wer holt sich den Kuchen?

Mein Lieblingsspiel ist jedoch der «Armbrustengel». In diesem Retro-inspirierten Shooter gilt es, sich den Weg durch Blöcke freizuschiessen, um in der Mitte eine Bombe zu treffen. Meine Spielfigur bewegt sich automatisch zum Rhythmus der Musik hin und her. Nur wer schön sauber im Takt den A-Knopf zum Schiessen drückt, wird die Blöcke effizient wegballern.

Ein Geduldsspiel.
Ein Geduldsspiel.

«Rhythm Paradise Groove» erscheint am 2. Juli für die Switch. Das Spiel wurde mir zu Testzwecken von Nintendo zur Verfügung gestellt.

Fazit

Ein wahnsinniges Musikspiel voller kreativer Einfälle und «what the fuck»-Momente

«Rhythm Paradise Groove» ist ein Musikspiel, das in vielerlei Hinsicht aus der Reihe tanzt. Das Spielprinzip ist herrlich simpel – ich muss in diversen Minispielen Knöpfe zum Takt der Musik drücken. Was das Switch-Spiel einzigartig macht, ist die unglaublich skurrile Aufmachung. Immer wieder halte ich inne und denke mir: «What the fuck». Nicht, weil ich das Spiel schlecht finde – im Gegenteil. Mein Hirn kann einfach nicht verarbeiten, wie jemand auf all diese herrlich absurden Ideen kommen kann.

Mit über 110 Minispielen bietet «Rhythm Paradise Groove» einen beachtlichen Umfang. Nicht alle Minigames sind ein Volltreffer und insgesamt hätte ich mir bei den Singleplayer-Inhalten mehr spielerische Abwechslung gewünscht. Bis zum Abspann brauche ich rund zehn Stunden. Danach ist noch lange nicht Schluss. Masochisten und sonstige Wahnsinnige können die Spielzeit mit Medaillen für hervorragende Leistungen und perfekt abgeschlossene Minispiele locker verdoppeln oder verdreifachen. Die genialen Multiplayer-Minigames sorgen für noch mehr spassige Stunden mit Freunden.

Bleibt zu hoffen, dass Fans nicht erneut über zehn Jahre auf einen neuen Ableger warten müssen.

Pro

  • grosse Bandbreite an verrückten Szenarien und Ideen
  • simples, zugängliches Gameplay-Prinzip
  • gelungener Multiplayer (sogar besser als der Singleplayer)
  • grosszügiger Umfang

Contra

  • nicht alle Minigames sind Volltreffer
  • Einzelspieler-Minigames im Kern sehr ähnlich
Nintendo Rhythm Paradise Groove (Switch, DE)
Game
Neu
EUR49,32

Nintendo Rhythm Paradise Groove

Switch, DE

Titelbild: Nintendo

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Meine Liebe zu Videospielen wurde im zarten Alter von fünf Jahren mit dem ersten Gameboy geweckt und ist im Laufe der Jahre sprunghaft gewachsen.


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