
Schluss mit vorne und hinten: Das neue Sofa kennt keine Richtung mehr
Lange hatte jedes Sofa eine feste Hierarchie: eine Front, einen besten Platz. Auf der Designwoche in Kopenhagen zeigt sich das Gegenteil: Modelle, die niemandem mehr eine Blickrichtung vorschreiben.
Jedes klassische Sofa hat eine Vorderseite und fokussiert damit einen impliziten Mittelpunkt: den Fernseher, den Kamin, den Gastgeber. Wer in der Mitte sitzt, profitiert am meisten. Auf den diesjährigen «3daysofdesign» in Kopenhagen zeigt sich, wie sich dieses Prinzip auflöst: Neue Modelle geben gar keine Blickrichtung mehr vor. Alle sitzen gleichberechtigt – auch wer in die komplett andere Richtung schaut.
Kein Platz ist mehr «der beste»
Möglich wird das durch S-förmige oder inselartige Grundrisse. Bewegliche Rückenlehnen lassen sich dabei unabhängig voneinander ausrichten. Das Ergebnis: Eine Person liest, eine andere schaut fern, eine dritte unterhält sich, alle sitzen trotzdem auf demselben Möbelstück. Das Sofa wird zur Fläche, die sich den Menschen anpasst statt umgekehrt.
Die Beispiele aus Kopenhagen
Am konsequentesten zeigt dieses neuartige Konzept das Modell «Trace Modular», entworfen von Tableau für den italienischen Hersteller Secolo. Das Modulsofa besteht aus fliessenden, organischen Formen mit beweglichen Rückenlehnen und erreicht in seiner monumentalen Ausführung bis zu zehn Meter Länge. Präsentiert wurde es in der Installation «The Drawing Room» in der Tableau Gallery, als Weiterentwicklung des Sofas «Trace» von der Mailänder Designwoche 2026.

Auch Mdf Italia verfolgt mit «Array» diesen Gedanken – ursprünglich für den Objektbereich entwickelt, mittlerweile auch als Outdoor-Variante erhältlich. Die Module lassen sich frei kombinieren und bestehen aus recycelten Materialien. Es gibt bewusst keine vorgegebene «Hauptseite». Zu sehen war «Array» im Rahmen von «Design / Dialogue», kuratiert vom Magazin Ark Journal, im Den Frie Centre of Contemporary Art.


Etwas zurückhaltender, aber demselben Prinzip folgend, präsentiert sich das «Rope Sofa» von Normann Copenhagen, entworfen von Hans Hornemann. Die sanft geschwungene Silhouette mit dezenter Paspelierung lässt sich flexibel anordnen. Zu sehen war es im Showroom der Marke in Kopenhagen.

Vom Mikrotrend zum echten Wohnbedürfnis
2024 ging es bei geschwungenen Sofas vor allem um die Optik: weiche Formen statt scharfer Kanten. 2025 kam die freistehende Platzierung im Raum dazu. 2026 liefert nun die soziale Konsequenz daraus: Wenn ein Sofa nicht mehr an der Wand steht, sondern mitten im Raum, dann ergibt es auch keinen Sinn mehr, dass alle in eine Richtung schauen müssen.
Meiner Meinung nach war der «Chef-Sitzplatz» vor dem Fernseher ohnehin schon immer eher eine Momentaufnahme der Nachkriegs-Wohnzimmerkultur als ein Naturgesetz des Sitzens. Dass Möbel diese Hierarchie jetzt aktiv auflösen, macht aus einer hübschen Formspielerei ein echtes Statement über das Zusammenleben auf Augenhöhe. Genau das gibt dem Mikrotrend Potenzial, zu einem festen Bestandteil zeitgemässen Wohnens zu werden.
Diese Modelle bringen dich dem Prinzip am nächsten
Zehn Meter Sitzinseln mit frei beweglichen Rückenlehnen bleiben bei Galaxus vorerst rar. Das Prinzip lässt sich aber auch mit Modellen aus dem Sortiment nachbauen. Die folgenden Sofas sind nicht so radikal wie die Entwürfe aus Kopenhagen, aber sie arbeiten mit denselben Bausteinen: modulare Elemente, geschwungene Formen ohne klare Front. Damit lässt sich ein Wohnzimmer einrichten, in dem nicht mehr alle zwingend dasselbe anschauen.
Mit der Begeisterung eines Cheerleaders feiere ich gutes Design und bringe dir alles näher, was mit Möbeln und Inneneinrichtung zu tun hat. Regelmässig kuratiere ich einfache, aber raffinierte Interior-Entdeckungen, spüre Trends auf und interviewe kreative Köpfe zu ihrer Arbeit.
Vom neuen iPhone bis zur Auferstehung der Mode aus den 80er-Jahren. Die Redaktion ordnet ein.
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