
Produkttest
Leise, sparsam, effektiv: Der Renew von Airthings hält die Luft rein
von Martin Jungfer

Raclette ohne Käsegestank? Der Severin Sevento soll's richten. Doch im Test versagt die Downdraft-Technologie kläglich. Warum der 200-Franken-Grill nicht hält, was er verspricht.
Spoiler: Es funktioniert nicht – jedenfalls dann, wenn ich mir objektive Daten und den Aufbau anschaue. Aber der Reihe nach.
Als ich den Sevento aus dem Karton hole, macht er einen soliden Eindruck. Die 4,7 Kilogramm Gewicht machen etwas her. Es ist ein gut verarbeitetes Gerät. Beim Gehäuse dominieren Kunststoff und dünnes Blech, aber es ist alles schön glatt und solide verschraubt. Allein die Grillplatte wiegt rund 1,2 Kilogramm. Sie ist beschichtet mit Xeradur 3. Das ist ein Marketingbegriff der ILAG AG aus Wangen im Kanton Schwyz. Dahinter steckt ein Material ohne die Ewigkeitschemikalien PFAS und ohne PTFE (Teflon). Im Test zeigt sich, dass auf der Oberfläche tatsächlich nichts kleben bleibt und sich die Grillplatte leicht reinigen lässt – per Hand oder in der Spülmaschine. Wenn du nur ein Tischgrill-Fan bist, kann ich dir den Sevento wegen der Grillplatte empfehlen. Allein schon, weil die 30 mal 30 Zentimeter grosse Fläche genug Platz für Cipollata und Crevetten oder Zwiebeln und Zucchini bietet.

Im Grunde aber will der Sevento ja ein Raclette-Gerät sein. Also muss das Ding Käse schmelzen. Das tut es auch – aber nur, wenn er in der höchsten Stufe heizt, mit beachtlichen 1900 Watt. Nur dann werden die Heizschlangen unterhalb der Grillplatte und oberhalb des Pfännchen-Einschubs heiss genug. Der Abstand zwischen Heizelement und Pfännchen beträgt rund vier Zentimeter. Das bietet auch genug Platz für ein «deutsches Raclette», bei dem oftmals ein Haufen Zeug im Pfännchen geschichtet und zum Abschluss mit einer Scheibe Käse gratiniert wird.


Das Problem ist nur, dass in der höchsten Stufe 3 auch die Grillplatte sehr heiss wird. Die Temperaturen lassen sich nicht getrennt regeln. Bedeutet: Will jemand am Tisch gerade Käse schmelzen, verlangt die Grillplatte erhöhte Aufmerksamkeit, damit nichts anbrennt. Es hilft leider wenig, von Stufe 3 auf 2 runterzuschalten. Dann kühlt die Platte oben recht schnell von etwa 220 auf 160 Grad ab. Der Käse unten schwitzt bestenfalls leicht.
In der Preisklasse zwischen 150 und 200 Franken gibt es durchaus Geräte mit zwei separaten Heizquellen (zum Beispiel den Stöckli Pizzagrill). Die überzeugen dann ausserdem mit einem stufenlosen Drehregler. Hätte ich beim Sevento auch lieber als das Touchdisplay an einer Ecke, das bei jedem Tippen nervig piept.

Soweit ist der Sevento also kein überragender Raclette-Grill, wenn auch nicht besonders schlecht. Den Unterschied soll der Absaugmechanismus machen, die «innovative Downdraft-Technologie», wie es vollmundig beim Hersteller heisst. Nun, dahinter steckt im Prinzip ein Ventilator, der die Luft durch Filter zieht und anschliessend wieder herausbläst. Der Ventilator sitzt mittig unten im Gerät. Er arbeitet in zwei Stufen: schwach und sehr schwach.
In unserem Haushalt gibt es einen Kochfeldabzug am Herd. Wenn ich dort etwas brate, kann ich sehen, wie der Rauch eingesogen wird. Ich spüre den Luftzug, ein Blatt Papier wird ziemlich fest angesaugt. Beim Sevento spüre ich: nichts. Selbst eine Feder oder ein viertel Gramm Stopfwolle, das auf der Grillfläche direkt neben dem runden Ansaugloch liegt, bleibt einfach liegen. Erst wenn ich es anstupse, bequemt es sich Richtung Ansaugfilter.
Spürbar ist der Windzug an den vier kleinen Auslässen an den Ecken. Aus diesen Schloten kommt die Luft wieder heraus, die durch den zweistufigen Filter geblasen wurde: einen Fettfilter aus einem Edelstahlgitter und einen Aktivkohlefilter.

Löblich ist, dass Hersteller Severin gleich zwei Aktivkohlefilter als Ersatz beilegt. Empfohlen wird, den Filter nach drei bis fünf Raclette-Events per Hand mit Geschirrspülmittel zu reinigen – abhängig von «Bratverhalten und Fettentwicklung», wie mir Severin auf Nachfrage schreibt. «Nach längerer Nutzung» sollte er ersetzt werden.
Vergleiche ich den Severin-Filter mit den Filtern am Kochfeld oder im Luftreiniger, fällt auf, dass er vergleichsweise grobporig ist. Er bietet also weniger Oberfläche, an der die Geruchsmoleküle oder Fette haften bleiben können. Eine schnelle Sättigung in Verbindung mit wenig Ansaugleistung dürfte auch erklären, warum ich beim Testen kaum eine Geruchsverbesserung feststellen kann.

Das subjektive Empfinden bestätigt die Messung mit Luftqualitätssensoren. Während des Grillens und Schmelzen erhöht sich der Feinstaubgehalt (PM 2.5) in der Luft im Wohnzimmer deutlich. Würde der Sevento effektiv saugen, dürfte die Kurve nicht derart steil nach oben gehen.

Gleiches zeigt sich bei den VOC, schädlichen flüchtigen organischen Verbindungen, die beim Braten mit Fett entstehen. Im Vergleich zu Raclette-Abenden mit unserem Gerät ohne Abzugsfunktion ist kein signifikanter Unterschied in der Feinstaub- und VOC-Belastung zu erkennen. Mag sein, dass in einem Labor ein kleiner Effekt messbar wäre. Im Alltagstest und mit den oben beschriebenen Messwerten sehe ich keinen.
Durch die Bauart bedingt kann der Sevento Gerüche, die beim Schmelzen des Käses entstehen, kaum absaugen. Dazu müsste der Duft sich einen Weg vom Pfännchen Richtung Oberfläche der Grillplatte zur Ansaugöffnung suchen. Einen Abzug auf der Käse-Etage gibt es schlicht nicht.
Selbst, wenn der Sevento funktionieren würde – du solltest zwei Nachteile im Blick haben. Erstens ist das Gerät ein ziemliches Trumm. Es braucht Platz auf dem Tisch. Hätten an einem zwei Meter langen und 90 Zentimeter breiten Tisch normalerweise sehr bequem sieben Leute Platz, sind es mit dem Sevento nur noch sechs. Mit fast 40 auf 40 Zentimetern kann er schlecht in der Mitte des Tisches stehen.
Zweitens ist der Ventilator in der höheren Stufe nicht gerade ein Leisetreter. Ich messe zwischen 59 und 60 Dezibel. Das Brummen und Surren ist so laut, dass die Leute am Tisch automatisch etwas lauter sprechen, um es zu übertönen.

Wenn du nach dem Raclette schnell wieder gute Luft in der Bude haben willst, hilft am besten: Lüften. Beim grossen Luftaustausch mit offenen Fenstern und Türen wirst du den grössten Teil des Gestanks los.
Alternativ empfehle ich dir Luftreiniger, die mit Feinstaubfiltern ausgestattet sind. Gute Geräte sind mit Sensoren ausgestattet, die bei erhöhter Belastung die Leistung hochfahren und allerlei Partikel, auch solche mit Stinkemolekülen einfangen. Der Vorteil solcher Reiniger: Sie sorgen dauerhaft für gute Luft, egal ob das Problem Raclette, Gräserpollen, Fellwechsel beim Haustier oder Pizza im Ofen lautet.
Pro
Contra
Journalist seit 1997. Stationen in Franken, am Bodensee, in Obwalden und Nidwalden sowie in Zürich. Familienvater seit 2014. Experte für redaktionelle Organisation und Motivation. Thematische Schwerpunkte bei Nachhaltigkeit, Werkzeugen fürs Homeoffice, schönen Sachen im Haushalt, kreativen Spielzeugen und Sportartikeln.
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