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Produkttest

Steam Machine im Test: die beste Konsole, die du nicht kaufen kannst

Konsole oder PC? Die Steam Machine vereint das Beste aus beiden Welten in einem kleinen, flüsterleisen Würfel. PC-Gaming war noch nie so wohnzimmertauglich – wenn du den hohen Preis ausblendest.

Elf Jahre nach der gescheiterten ersten Generation von Steam Machines hat Valve einen eigenen Wohnzimmer-PC entwickelt. Der schwarze Würfel ist kaum grösser als Nintendos Gamecube und hat auch sonst viele Ähnlichkeiten mit einer Konsole. Willst du einfach nur spielen und dich nicht um Treiber und sonstige Einstellungen kümmern? Mit der Steam Machine bekommst du genau das. Wenn du mehr willst, dann bietet die Steam Machine auch mehr – viel mehr.

Ich habe den Mini-PC zwei Wochen intensiv getestet und bin äusserst angetan.

Auspacken, einstecken, loszocken

Die Steam Machine ist in vier Ausführungen erhältlich: wahlweise mit oder ohne Steam Controller sowie mit 512 GB oder 2 TB Speicher. Das Gerät lässt sich aktuell nur über Steam erwerben, nicht jedoch mit einem Schweizer Account. Auch ich war auf Hilfe aus dem benachbarten Deutschland angewiesen, um eines der begehrten Geräte zu ergattern. Der Startpreis liegt zwischen 1039 und 1428 Euro – deutlich mehr, als Valve ursprünglich geplant hatte. Grund dafür sind die hohen RAM- und SSD-Preise, die laut Valve voraussichtlich sogar weiter steigen.

Mein Receiver hat einen neuen Nachbarn erhalten. Der Zahnrädchen-Sticker ist von mir, damit ich meine zwei Steam Controller unterscheiden kann.
Mein Receiver hat einen neuen Nachbarn erhalten. Der Zahnrädchen-Sticker ist von mir, damit ich meine zwei Steam Controller unterscheiden kann.

Auf der Steam Machine läuft SteamOS, ein für Fernseher und Controller optimiertes Betriebssystem auf Linux-Basis. Dank des Kompatibilitätslayers Proton kann ich praktisch jedes Windows-Game darauf zocken. Die Spieleauswahl ist damit um ein Vielfaches grösser als die von Playstation 5, Xbox Series X/S und Switch zusammen.

Die Einrichtung besteht darin, das Gerät am Fernseher anzuschliessen und einzuschalten – das ist alles. Da ich die Steam-App bereits auf meinem Smartphone installiert habe, muss ich nicht mal meine Login-Daten eintippen. Ich scanne den QR-Code und schon ist die Steam Machine betriebsbereit.

Den Steam Controller verbinde ich einmalig per USB-C-Kabel. Den Puck, der als Empfänger und zum Aufladen dient, benötige ich nicht zwingend, da die Steam Machine über einen internen Empfänger für die dedizierte Funkverbindung verfügt. So lassen sich bis zu vier Steam Controller verbinden. Und das Beste: Ich kann sie mit dem Puck auch an meinem PC nutzen. Um zwischen den Systemen zu wechseln, starte ich den Controller entweder mit R1 + Steam-Button + A oder L1 + Steam-Button + A. Genial.

Der Controller ist optional, aber absolut empfehlenswert.
Der Controller ist optional, aber absolut empfehlenswert.

Wie eine Konsole…

SteamOS fühlt sich sofort vertraut an, wenn du bereits ein Steam Deck genutzt hast. Meiner Meinung nach ist es die mit Abstand beste Oberfläche aller «Konsolen» – wobei Valve das Gerät selbst nicht als solche, sondern als «Erweiterung im Bereich PC-Gaming» bezeichnet. Auf einen Blick sehe ich meine installierten Spiele sowie diejenigen, die ich auf meinen anderen Systemen zuletzt gespielt habe. Über die Steam-Taste gelange ich zu den Einstellungen, die Taste mit den drei Punkten wiederum öffnet das Schnellmenü für Funktionen wie Lautstärke, FPS-Begrenzung, Chat und Bluetooth.

Games sind mit zwei Klicks installiert und genau wie bei Konsolen kann ich danach loszocken, ohne mich mit Grafikeinstellungen und Auflösung herumzuschlagen. Die meisten Spiele wählen automatisch die passenden Einstellungen inklusive Auflösung aus, damit sie sauber laufen.

Es macht richtig Freude, mit der Steam Machine herumzuspielen. Besonders zusammen mit dem Steam Controller wirkt alles wie aus einem Guss. Mit den Touchpads tippe ich wunderbar und per Tastenkombination verstelle ich sogar die Lautstärke. Valve hat das Betriebssystem seit dem Launch des Steam Decks vor vier Jahren stetig verbessert. Ich kann unkompliziert Gameplay-Clips erstellen und teilen, Controller-Einstellungen vornehmen oder dank Schlafmodus Games pausieren, um später weiterzumachen.

SteamOS überzeugt auch auf der Steam Machine.
SteamOS überzeugt auch auf der Steam Machine.

Die Steam Machine startet in Sekunden auf und schaltet, so GottCEC will, automatisch den Fernseher und Receiver ein, respektive aus. Etwas, das beim Selbstbau-PC meines Wissens nicht möglich ist.

Der LED-Streifen auf der Vorderseite zeigt den Downloadfortschritt an oder leuchtet rot, falls die Steam Machine überhitzt. Was bei mir passiert ist, als ich sie in einem Schrank untergebracht habe. Wobei das auch falscher Alarm hätte sein können. Selbst dann gibt das Gerät, dank massiven Lüfters, keinen Mucks von sich.

Die Frontabdeckung ist magnetisch befestigt und lässt sich abnehmen. Ich könnte mir sogar eine eigene drucken oder aus den zahlreichen Alternativen auswählen.

Die Frontabdeckung ist magnetisch, damit sie leicht ersetzt werden kann.
Die Frontabdeckung ist magnetisch, damit sie leicht ersetzt werden kann.

… oder wie ein PC

Weil die Steam Machine auch ein PC ist, bietet sie noch weitere Möglichkeiten. Das fängt bei der Grafik an. Standardmässig sind Auflösung und Bildwiederholrate auf 1080p und 60 Hz eingestellt. Das sind sehr konservative Werte. Damit stellt Valve sicher, dass jedes Spiel flüssig läuft und Menschen mit wenig technischem Wissen das bestmögliche Erlebnis haben. Mein Fernseher bietet 4K und 120 Hz, darum passe ich das umgehend an.

Als Nächstes installiere ich alternative Launcher wie Batte.net, Ubisoft Connect, Epic etc. Dafür wechsle ich auf Knopfdruck in die Desktop-Oberfläche. Dort besorge ich mir die Non-Steam-Launcher-App. Die installiert mir die gewünschten Programme und fügt bei Bedarf Spiele direkt bei Steam hinzu.

Meine Kinder spielen gerne «Minecraft». Weil es das nicht über Steam gibt, installiere ich das ebenfalls über den Desktop. Die bequemste Möglichkeit wäre die Android-Bedrock-Version. Ich wähle trotzdem die Java-Version, weil ich dort einfacher Shader-Mods und dergleichen installieren kann. Bis alles läuft und auch die Speicherstände der Bedrock-Version vom PC umgewandelt und transferiert sind, dauert es zwar etwas, dafür sieht das Ergebnis richtig schick aus.

«Minecraft» gibt es zwar nicht auf Steam, lässt sich aber dennoch einfach installieren und modden.
«Minecraft» gibt es zwar nicht auf Steam, lässt sich aber dennoch einfach installieren und modden.

Die Steam Machine ist auch prädestiniert für Emulatoren. Mit Emudeck und Co. kann ich meine ROM-Sammlungen von Megadrive über PS1 bis zu Nintendo 64 kinderleicht auf dem Fernseher zocken. Ich habe mir die Mühe noch nicht gemacht, weil mir der AYN Thor immer noch gute Dienste leistet. Dort habe ich bereits alles eingerichtet.

Die Desktop-Oberfläche liesse sich sogar zum Arbeiten nutzen; Linux bietet alles Notwendige und der Mini-PC bewältigt alltägliche Aufgaben problemlos. Zu rechenintensive Arbeiten würde ich dem unscheinbaren Würfel jedoch nicht zumuten.

Nicht 4K/60, aber die Leistung reicht

Trotz des gehobenen Preises steckt im Mini-PC weder High-End- noch besonders aktuelle Hardware. Der AMD-Zen-4-CPU und die AMD-RDNA-3-GPU mit 16 Gigabyte RAM entsprechen ungefähr der vier Jahre alten PS5. Das widerspiegeln auch die Benchmarks.

In anspruchsvollen Games schafft die Steam Machine keine 4K-Auflösung bei zufriedenstellender Bildrate. Der Sweetspot bei solchen Titeln liegt bei 1440p. Gerade in Verbindung mit dem neuen FSR 4.1 zocke ich «Forza Horizon 6» so mit stabilen 70 fps und hohen Details. Das Upscaling ist bei FSR 4.1 mittlerweile so gut, dass Spiele selbst im «Performance»-Mode noch sehr gut aussehen. Aber auch das ältere FSR bewirkt wie beim neuen «Assassin’s Creed Black Flag Resynced» Wunder.

Ein massiver Lüfter sorgt dafür, dass das Gerät auch bei anspruchsvollen Spielen praktisch unhörbar bleibt.
Ein massiver Lüfter sorgt dafür, dass das Gerät auch bei anspruchsvollen Spielen praktisch unhörbar bleibt.

Falls ein Spiel FSR nicht unterstützt, gibt es relativ zuverlässige Workarounds wie Optiscaler oder Lossless Scaling.

Glaubte man Valves ursprünglichen Werbeversprechen, wäre das gar nicht nötig gewesen. Zu Beginn trug die Steam Machine das Prädikat: 4K-Gaming bei 60 fps mit FSR. Nun heisst es 4K-Gaming mit FSR 4.1. Es erinnert an die PS5. Auf der Originalverpackung prangte ein 8K-Logo, das bei den nachfolgenden Versionen entfernt wurde. Von wenigen Ausnahmen wie «Astros Playroom» oder «Demon’s Souls» schafft die Konsole 4K/60 auch nur mit grosszügigem Einsatz von Upscaling.

Valves Behauptung ist statistisch zwar korrekt – die Mehrheit der zehntausenden Steam-Spiele dürfte problemlos in 4K/60 laufen. Bei diesem Prädikat denken die meisten jedoch nicht an Indie-Games, sondern an Blockbuster wie «Cyberpunk 2077».

Ich muss aber ohnehin zugeben, dass ich selbst auf meinem riesigen 77 Zoll grossen Fernseher nur schwer einen Unterschied zwischen 4K und 1440p feststellen kann. Falls dein Gerät kleiner ist, musst du dir sowieso keine Gedanken machen. Die Steam-Auswertung zeigt, dass mehr als die Hälfte aller User immer noch mit 1080p zockt.

4K/60 liegt bei Spielen wie «Cyberpunk 2077» zwar nicht drin, mit FSR und 1440p läuft es aber wunderbar.
4K/60 liegt bei Spielen wie «Cyberpunk 2077» zwar nicht drin, mit FSR und 1440p läuft es aber wunderbar.

Alle getesteten Spiele laufen mit den passenden Einstellungen ordentlich. Die acht Gigabyte Grafikspeicher bleiben aber der grösste Flaschenhals. Einziger Störfaktor: In manchen Spielen ruckelt das Steam-Menü – hier darf Valve gerne nachbessern. Für grafisch anspruchsvolle Titel greife ich weiterhin zu meinem potenteren Desktop-PC.

Was du bei SteamOS beachten musst: Viele grosse Multiplayer-Spiele funktionieren aufgrund ihrer Anti-Cheat-Systeme nicht, darunter die «Call of Duty»-Serie, «Fortnite», «PUBG», «Battlefield 6» oder «EA FC». Hierfür könnte ich jedoch Windows per Dualboot installieren. Dasselbe gilt, wenn man Spiele aus dem Game Pass spielen möchte, da deren Universal-Windows-Plattform (UWP) nicht mit SteamOS kompatibel ist.

Aufrüsten möglich, aber unnötig

Die Steam Machine lässt sich aufrüsten, aber nur bedingt. Valve verbaut keine Standardkomponenten, lediglich die SSD und der RAM können ersetzt werden. Für die SSD muss man nur einige Schrauben entfernen, um an die kompakte 2230-SSD zu gelangen; auch längere 2280er-Module passen. Ich habe die 512-GB-SSD durch eine 2 TB grosse WD Black SN8100 ersetzt.

Die SSD ist einfach ausgetauscht.
Die SSD ist einfach ausgetauscht.

Der RAM-Tausch ist dagegen deutlich aufwendiger. Ich folge mehreren unvollständigen Youtube-Anleitungen und baue zahlreiche Teile aus, bis ich endlich an den RAM-Slot gelange. Obwohl ich seit Jahrzehnten PCs zusammenbaue, gerate ich bei den vielen kleinen Kabeln und Schrauben ziemlich ins Schwitzen. Verbaut ist ein einzelner 16 Gigabyte grosser DDR5-SO-DIMM. Im Vorfeld kritisierten viele, dass damit kein Dual-Band-Betrieb möglich sei und so Leistung verschenkt werde. Da ich kein identisches Modul bei uns im Shop finde, ersetze ich das Original durch zwei 16-Gigabyte-Riegel von Kingston.

Um an den RAM zu kommen, muss ich das halbe Gerät auseinandernehmen.
Um an den RAM zu kommen, muss ich das halbe Gerät auseinandernehmen.

Um SteamOS nach dem SSD-Upgrade wieder aufzusetzen, erstelle ich einen Boot-Stick und installiere das System neu. Das ist erfreulich einfach: Ich stecke den USB-Stick ein und wähle im anschliessenden Desktop-Menü «SteamOS wiederherstellen» aus.

Nach dem Umbau lasse ich die dieselben Benchmarks erneut laufen und stelle ernüchtert fest: Es hat sich praktisch nichts verändert. Die Bildrate ist bis auf ein bis zwei Frames identisch. In «Assassin’s Creed» sinkt sie sogar um vier Frames. Da dazwischen ein Patch für das Spiel erschienen ist, könnte es auch daran liegen. Andere Portale wie Gamersnexus kommen zum ähnlichen Schluss. Lediglich bei CPU-intensiven Spielen wie «Baldur’s Gate 3» zeigt das RAM-Upgrade leichte Leistungssprünge. Für den Preis, den du dafür aktuell bezahlst, lohnt sich das nie und nimmer.

Das Gleiche gilt für die SSD: Trotz des schnelleren Modells bemerke ich keine Unterschiede bei den Lade- oder Bootzeiten, da diese ohnehin schon sehr kurz sind. Wenn du mehr Speicher benötigst, rate ich eher zum microSD-Slot oder einer externen Festplatte.

Die Steam Machine ist richtig schnuckelig im Vergleich zur Xbox Series X (links) und der Playstation 5 Pro (rechts).
Die Steam Machine ist richtig schnuckelig im Vergleich zur Xbox Series X (links) und der Playstation 5 Pro (rechts).

Fazit

PC-Gaming war nie zugänglicher

Was sich viele PC-Spielerinnen und -Spieler lange gewünscht haben, ist endlich Realität: Zocken im Wohnzimmer ohne Bastelei oder HDMI-Verlängerungen durchs halbe Haus. Die Steam Machine bringt das Konsolenerlebnis, ohne die Vielfältigkeit des PCs zu vernachlässigen. Sie funktioniert wie angepriesen: Anschliessen, einschalten und losspielen. Der ganze Windows-Ballast fällt weg und trotzdem kann ich fast all meine Steam-Spiele zocken. Mit Betonung auf fast: Viele Hersteller wie Epic schalten ihre Anti-Cheat-Systeme weiterhin nicht für Linux frei. Wenn du «Fortnite» oder «EA FC» spielen willst, brauchst du Windows.

Die Steam Machine ist kompakter als jeder selbstgebaute PC, kleiner als PS5 oder Xbox Series X/S und dabei flüsterleise. Anders als die Konkurrenz ist Valves Mini-PC ein offenes System, das auch andere Stores oder produktive Arbeit zulässt.

Der grösste Minuspunkt ist der Preis. Da Valve das Gerät nicht subventioniert, kostet die Steam Machine ein kleines Vermögen. Dass sie in anspruchsvollen Spielen selten 4K/60 schafft, fühlt sich bei dem Preis falsch an – lässt sich in der aktuellen Situation aber nicht ändern.

Wer den hohen Preis akzeptiert, bekommt den wohl zugänglichsten Gaming-PC fürs Wohnzimmer, der je gebaut wurde.

Pro

  • stressfreies PC Gaming im Wohnzimmer
  • fast alle PC Games sind darauf spielbar
  • gute Performance mit 1440p-Auflösung
  • praktisch geräuschlos
  • Kann auch als vollwertiger PC benutzt werden
  • SteamOS ist das beste «Konsolen»-System

Contra

  • einige grosse Spiele funktionieren aufgrund des Anti-Cheat-Systems nicht
  • Spiele aus Game Pass sind nicht kompatibel
  • teuer
  • schafft keine 4k/60 in anspruchsvollen Games

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Als Kind durfte ich keine Konsolen haben. Erst mit dem 486er-Familien-PC eröffnete sich mir die magische Welt der Games. Entsprechend stark überkompensiere ich heute. Nur der Mangel an Zeit und Geld hält mich davon ab, jedes Spiel auszuprobieren, das es gibt und mein Regal mit seltenen Retro-Konsolen zu schmücken. 


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