
Meinung
Wieso immer das Rad neu erfinden? Ich will mehr Recycling in Games!
von Domagoj Belancic

«Zelda» ist seit meinen Teenagerjahren eine Konstante in meinem Leben. Die Reihe feiert jetzt ihren 40. Geburtstag – und während ich auf unsere gemeinsame Zeit zurückblicke, frage ich mich, ob ihr ursprünglicher Zauber bei den neuen Spielen etwas verloren gegangen ist.
Es war ein ganz normaler Tag im Sommer 1994, als ich unerwartet meine große Liebe kennenlernte. An diesem Nachmittag stand Patrick, der Kumpel meines jüngeren Bruders, mit einem großen Karton auf dem Arm vor der Haustür. Nicht Patrick prägte mich nachhaltig, sondern das, was er als Leihgabe dabei hatte: seinen Super Nintendo (SNES) und einen Haufen Spielmodule – für mich eine neue Welt.
Ich war ein PC-Spiele-Kind und verbrachte viele Nachmittage mit «Commander Keen» und «Civilization». Bis zu eben jenem Tag, denn ich lernte «The Legend of Zelda» kennen. Als wir «A Link to the Past», das dritte Spiel der Reihe, zum ersten Mal starteten, war ich sofort schockverliebt. Und das hält bis heute an.

Als Link in die Rolle des Helden zu schlüpfen, Prinzessinnen zu retten und gegen jahrhundertealte böse Mächte anzutreten, das war mir vollkommen neu. Eine Welt voller Legenden, Magie, fantasievollen Wesen, verwunschenen Orten und versteckten Schätzen lag mir zu Füßen.
Weil meine Eltern in weiser Voraussicht unsere Spielzeit auf eine Stunde am Tag begrenzten, fühlte ich mich wie eine Verdurstende. Nachts stellte ich mir den Wecker, um leise und allein im dunklen Wohnzimmer noch etwas mehr Zeit im Königreich Hyrule zu verbringen. Ein sichtbarer Knick in meinen Schulnoten war die Folge, aber das war es wert.
Und als die SNES samt «Zelda» nach ein paar Wochen wieder zu Patrick zurückkehrte, kaufte ich mir vom Taschengeld eines ganzen Monats das offizielle Lösungsheft für das Spiel, um wenigstens noch auf Papier darin schmökern und neue Orte auf der beiliegenden Karte entdecken zu können.

Das ist jetzt lange her. Damals hatte die «Zelda»-Spielreihe schon acht Jahre auf dem Buckel. Im Februar 2026 feiert sie ihren 40. Geburtstag. Wir sind zusammen groß geworden. Nintendo führte neue Völker und Regionen im Königreich Hyrule ein und experimentierte mit neuen Ideen, während ich eine Ausbildung machte und studierte. «The Legend of Zelda» war im Hintergrund immer dabei. Ein paar Spiele der Reihe haben mich besonders geprägt. Die möchte ich dir zeigen.
Nach dem Top-Down-Abenteuer «A Link to the Past» erschien 1998 «Ocarina of Time», das sich erwachsener anfühlte. Das Game gilt als Meilenstein des 3D-Action-Adventures und als wichtiger Schritt in Richtung moderner Open-World-Designs. Als Link liebte ich es, zu Fuß oder auf meinem Pferd Epona jede einzelne Ecke von Hyrule zu erkunden.

«Ocarina of Time» integrierte auf einer Karte verschiedene Biome mit unterschiedlichen Völkern und kombinierte das alles wie gewohnt mit Rätseln, Dungeons und einer epischen, linearen Geschichte. Die Immersion finde ich auch heute noch sagenhaft und die geniale Kombi aus Hintergrundstory, Erkundung, Rätseln und wiederkehrenden Elementen wie sammelbaren Herzteilen ist, wofür «The Legend of Zelda» steht.
Auch danach erfand Nintendo die Reihe durch ungewöhnliche Spielmechaniken und andere Ideen immer wieder neu, ohne dem ursprünglichen Spirit untreu zu werden. In «The Wind Waker» aus 2003 mit seinem comichaften und damals viel diskutierten Cel-Shading-Look ist Hyrule von einem Meer bedeckt und ich reise mit einem Boot von Insel zu Insel. Auch wenn mir ein klassisches Abenteuer zu Pferde lieber gewesen wäre, gefiel mir «Wind Waker» trotz – oder wegen? – der verspielten, farbenfrohen Grafik sehr gut. Auf mich wirkte sie wie eine dreidimensionale Umsetzung der «A Link to the Past»-Optik.

2006 kehrten Link, Zelda und Ganondorf zu meiner Erleichterung in einem klassischen Abenteuer zu Land zurück. Nintendo landete mit dem düsteren «Twilight Princess» und seiner viel realistischeren Grafik einen Volltreffer. Die riesige, schöne Welt und die emotionale Story ließen mich über Monate nicht los. Dank der revolutionären Bewegungssteuerung der Wii habe ich außerdem nie zuvor so elegant Pfeile verschossen. Der Trailer allein sorgt bei mir schon für Gänsehaut. Leider hat Nintendo das Spiel bislang nicht für die Switch veröffentlicht.
Ich habe nicht alle «Zelda»-Titel gespielt, aber alle, die für die TV-Konsolen erschienen sind. Für mich ist es Tradition, mir immer dann eine neue Nintendo-Konsole zu kaufen, sobald das nächste Abenteuer von Link erscheint. So auch 2017 mit «Breath of the Wild» auf der Switch. Das Game gilt als Open-World-Meisterwerk und bietet eine fast völlige Freiheit beim Erkunden und Ausprobieren. Und obwohl ich damals viele Stunden in meinem geliebten Hyrule herumstreifte, fühlte es sich nicht mehr ganz richtig an.

Ein Hauptmerkmal der älteren «Zelda»-Titel war die Item-Progression: Durch das Erspielen von Waffen und Gegenständen mache ich verschlossene Bereiche der Welt zugänglich. Ohne Enterhaken bleibt ein Abgrund zu tief, ohne Pferd ein Zaun zu hoch. Trotz der großen, in weiten Teilen offenen Welt war das Gameplay eher linear und an gewisse Fortschritte gebunden. Dadurch konnte Nintendo auch gut die Hintergrundgeschichte einweben: Sobald ein Meilenstein erreicht ist, wird die Story fortgesetzt.
In «Breath of the Wild» und sogar noch mehr im Nachfolger «Tears of the Kingdom» aus dem Jahr 2023 bricht Nintendo damit. Statt des großen Arsenals an unterschiedlichen Artefakten nutze ich nun wenige einzelne Werkzeuge, mit denen ich die Umgebung manipuliere. Das bietet zwar grenzenlose Freiheit, raubt der Welt für mich aber einen Teil ihrer mystischen Aura.
Ja, die Physik-Spielereien, die beide Games ermöglichen, sind wirklich spaßig – eine Kostprobe von mir in «Breath of the Wild» siehst du im Video. Aber eben nicht «typisch ‹Zelda›». Ich bin schlicht zu unkreativ (und vielleicht auch zu romantisch veranlagt), um aus Schrott und magischem Kleber einen rollenden Panzer mit Flammenwerferkanonen zu basteln.
Als Liebhaberin alter Legenden und geschichtsträchtiger Orte kann ich selbstgebauten Flugzeugen und Motorrädern in Hyrule wenig abgewinnen. Wo früher das Schicksal der Welt an einer dramatischen Geschichte hing, frage ich mich heute eher, wie ich die Schwerkraft am effizientesten überliste. Ein High-Fantasy-Epos wie «Twilight Princess» oder das mit Mythen beladene «A Link to the Past» erweckte in mir ein Gefühl von Ehrfurcht, das zwischen Zahnrädern und Batterien nun leider oft auf der Strecke bleibt.
Aufgrund des großen Erfolgs der beiden jüngsten Open-World-Titel glaube ich nicht, dass Nintendo bei «The Legend of Zelda» nochmal zu der eher linearen Formel zurückkehrt. Die Spielreihe ist auch durch die teilbaren Social-Media-Videos von irren Konstruktionen mit der Zeit gegangen und erwachsen geworden.
Mein Herz wird wieder höher schlagen, sobald Nintendo «The Legend of Zelda» auf der Switch 2 fortsetzt. Und natürlich werde ich es mir kaufen und das Spiel sicher auch mögen. Aber ich bezweifle, dass es solche warmen Gefühle in mir hervorrufen wird wie die trudelnden Triforce-Teile und der Startscreen von «A Link to the Past».
Fühlt sich vor dem Gaming-PC genauso zu Hause wie in der Hängematte im Garten. Mag unter anderem das römische Kaiserreich, Containerschiffe und Science-Fiction-Bücher. Spürt vor allem News aus dem IT-Bereich und Smart Things auf.
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