Die Qual der Wahl
Schnell, du musst dich entscheiden! Du darfst nur einen dieser beiden Titel kaufen – den anderen wirst du nie spielen. Welches Game wählst du?

Gleich zwei legendäre Arcade-Rennspielreihen feiern an der Gamescom ihr Comeback. Ich habe «Crazy Taxi World Tour» und «Stuntman: Hollywood» angespielt. Herumdüsen, Chaos veranstalten und Highscores knacken, macht immer noch so viel Spass wie damals.
Früher war alles besser. Na gut, nicht alles. Aber damals, in den Nullerjahren, gab’s massenweise coole Arcade-Racer wie «Crazy Taxi» und «Stuntman».
Fans dieser Spielreihen sitzen schon lange auf dem Trockenen – die letzten Mainline-Ableger der beiden Rennspiele sind beinahe 20 Jahre her. «Stuntman Ignition» erschien 2007 für Playstation- und Xbox-Konsolen. «Crazy Taxi: Fare Wars» erschien 2007 für die PSP – seither gab’s nur Mobile-Müll, der inzwischen nicht mehr verfügbar ist.
2027 feiern beide Games ihr grosses Comeback. Meine Anspieltermine an der Gamescom lassen mich schon jetzt mit nostalgischer Vorfreude auf das nächste Jahr blicken.
In der Gamescom-Demo rase ich durch eine fiktive Kleinstadt auf der neu angekündigten Deutschland-Map umher. Im fertigen Spiel werde ich eine Weltreise durch fünf Städte rund um den Globus unternehmen. Neben Deutschland wurde bisher lediglich eine sonnige Westcoast-Map bestätigt – angelehnt an San Francisco und Los Angeles.
Die mittelgrosse Deutschland-Map besteht aus fünf Gebieten. Ich erkunde einen Flughafen, Berge mit einer wunderschönen Burg, einen modernen Stadtteil, sowie eine idyllische Altstadt mit historischen Gebäuden. Eine Autobahn verbindet die einzelnen Map-Areale miteinander.
Visuell macht «Crazy Taxi» bereits eine solide Figur. Deutschland ist extrem bunt und voller Klischees. Bei genauerer Betrachtung erspähe ich einige unscharfe Texturen und hässliche, generisch wirkende NPCs. Im normalen Spielbetrieb (also: mit Vollgas durch die Strassen brettern) fallen mir solche Details jedoch nicht negativ auf. Das Game läuft flüssig und bis zum Launch hat Sega noch ein bisschen Zeit, um an der visuellen Präsentation zu schrauben – hoffentlich ohne den Einsatz generativer KI-Tools.

Im Vergleich zu den Dreamcast-Klassikern wurde das Arcade-Grundgerüst in «Crazy Taxi: World Tour» sinnvoll erweitert. Ich kann Deutschland ohne Zeitdruck frei erkunden. Die klassischen Arcade-Missionen starte ich, indem ich bei einem Fahrgast anhalte. Dann beginnt der Oldschool-«Crazy Taxi»-Gameplay-Loop mit Zeitlimit: Fahrgast transportieren, durch crazy Stunts Trinkgeld verdienen, schnell zum nächsten Fahrgast brettern. Steht der Timer auf Null, wird abgerechnet und ich sehe, ob ich meinen Highscore geknackt habe.

Nach getaner Arcade-Arbeit werde ich nicht zurück ins Hauptmenü geschmissen, sondern bleibe auf der Map und erkunde sie nach Lust und Laune weiter. Zu entdecken gibt es zahlreiche Challenges wie Checkpoint-Rennen oder Time-Attack-Events, die noch mehr Geld in meine Taxifahrerkasse spülen.
Das Highlight der Demo sind aber die zahlreichen «Spezialjobs» auf der Map. Manche Kunden in Deutschland wollen nicht nur von Punkt A nach Punkt B transportiert werden, sondern haben spezielle Wünsche, die ich erfüllen muss. Einige meiner Favoriten:


Die Arcade-Steuerung fühlt sich bei allen Aktivitäten schon jetzt hervorragend und alles andere als realistisch an. Ich drifte wie Vin Diesel um Kurven, bis mein Auto Flammen speit, zünde den Nitro, springe über Hindernisse und halte wie ein Vollprofi zentimetergenau dort an, wo ich gebraucht werde. Oder, was viel öfter vorkommt: Ich bremse zu spät und fahre alles und jeden über den Haufen – sorry!
Dank des Combo-Meters fühle ich mich beim Fahren, als ob ich «Tony Hawk's Pro Skater» zocken würde. Ich liebe es, wenn immer höhere Zahlen über den Bildschirm flackern und ich Highscores knacke. Das macht Spass, das macht süchtig – ich fühle mich ins Jahr 2000 versetzt, als ich das erste «Crazy Taxi» bei einem Freund auf seiner Dreamcast bis zum Erbrechen gezockt habe. Der Oldschool-Soundtrack sorgt mit Tracks wie «All I Want» von The Offspring für noch mehr nostalgische Gefühle.
Ya-ya-ya-ya-ya!
Ich bin sehr gespannt, welche verrückten Ideen mich im fertigen Spiel erwarten. Was mir noch ein wenig Sorgen bereitet: Wie viel Content wird es pro Station auf meiner Weltreise geben? Bei lediglich fünf Maps erwarte ich prall gefüllte Städte mit unzähligen Missionen und Challenges. Die Inhalte in der Deutschland-Demo waren ein solider Anfang – aber bei weitem noch nicht genug.

Auch mit «Stuntman» verbinde ich nostalgische Gefühle. Lustigerweise habe ich das Game damals vor allem auf dem Game Boy Advance und nicht auf den «grossen» Konsolen gezockt. Die dreidimensionalen Grafiken waren für damalige Handheld-Verhältnisse eine technische Sensation.
Am Spielprinzip hat sich im neuesten Ableger nicht viel geändert. Ich schlüpfe in die Rolle eines Stuntmans und fahre im Auto oder auf dem Motorrad durch halsbrecherische Parcours. Dabei werde ich von einer Kameracrew gefilmt. Am Ende eines Levels bewertet der Regisseur meine Leistung.
Der geniale Twist an «Suntman: Hollywood»: Die Parcours basieren nicht mehr auf erfundenen Filmen, sondern auf realen Filmvorlagen – inklusive ikonischer Autos. Bisher bestätigt wurden:
«Fast & Furious»

«Miami Vice»

«Zurück in die Zukunft»

«Death Race» (was zum Geier ist «Death Race?!)

«Knight Rider»

«Earthquake»

«Jurassic World»

Für jeden Film wird es im fertigen Spiel mehrere «Episoden» geben. In der Gamescom-Demo absolviere ich zunächst ein generisches Intro, das mir die Steuerung näherbringt. Wie auch in «Crazy Taxi» hat das Handling der Fahrzeuge nichts mit der Realität gemein. Physik und Steuerung sind darauf ausgelegt, möglichst sensationelle Stunts zu erzielen – gut so!
Nach dem kurzen Intro rase ich durch je eine Episode von «Fast & Furious», «Miami Vice», «Earthquake» und «Jurassic World». In den linearen Levels gilt es, vordefinierte Aktionen und Stunts mit perfektem Timing zu meistern. Ich schramme knapp an Hindernissen vorbei, drifte um Kurven, fahre Slalom und springe über Rampen – auf dem Motorrad auch mit Front- oder Backflips!

Gelegentlich gilt es, spezielle Aktionen mit dem Y-Knopf durchzuführen. Diese kontextsensitiven Handlungen variieren je nach Parcours. In «Miami Vice» knalle ich die Reifen eines Lastwagens ab und in «Jurassic World» slide ich mit dem Motorrad unter Hindernissen hindurch.

Als grosser Dino-Fan verbringe ich am meisten Zeit in der «Jurassic World»-Episode und versuche dort, einen perfekten Run zu erzielen. Und genau da liegt der Reiz von «Stuntman: Hollywood». Den ersten Durchlauf verkacke ich komplett, baue Unfälle und rase durch die holografisch projizierten Dinosaurier. Mit jedem neuen Anlauf lerne ich den Parcours und seine Stunts besser kennen und steigere mich. Nur noch eine Runde. Und dann noch eine Runde. Und dann noch eine Runde.

Genervt hat mich in meiner Anspiel-Session lediglich der Regisseur, der mir während des Parcours Anweisungen ins Ohr schreit. Seine Sprüche wiederholen sich zu oft. Vor allem wenn er mich kritisiert, geht mir sein übertriebener spanischer Akzent gehörig auf den Wecker.
Abgesehen davon habe ich nichts zu bemängeln. Schafft es Saber Interactive, genug spannende Inhalte zum Launch zu bieten, steht uns ein weiteres gelungenes Comeback eines klassischen Arcade-Rennspiels bevor.

Schnell, du musst dich entscheiden! Du darfst nur einen dieser beiden Titel kaufen – den anderen wirst du nie spielen. Welches Game wählst du?
Meine Liebe zu Videospielen wurde im zarten Alter von fünf Jahren mit dem ersten Gameboy geweckt und ist im Laufe der Jahre sprunghaft gewachsen.
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