
Hintergrund
Der Reissverschluss, ein genialer Frustfaktor
von Michael Restin

Alles am Werkzeugrucksack Wenger Tool Pro ist so, wie ich es mir wünsche: Er ist geräumig, gut ausgestattet und stabil. Nur ein winziges Detail beginnt mit der Zeit zu nerven.
Ich bin kein Installateur, trage aber manchmal mein Werkzeug hin und her. Aus dem Keller in die Wohnung. Zur Leihe in der Nachbarschaft. Oder ins Auto. Das Geschleppe stört mich zunehmend, seit mein guter alter Werkzeugkoffer und meine guten alten Bandscheiben langsam auseinanderfallen. Als das Angebot kommt, den Werkzeugrucksack Wenger Tool Pro auszuprobieren, schlage ich deshalb zu. Auch wenn ich hoffnungslos unterqualifiziert bin.
Mit dem Tool Backpack Pro für Installateure und Installateurinnen, Techniker und Technikerinnen sowie Baufachleute gelingt jede Aufgabe mit Leichtigkeit.
An den Ergebnissen meiner Handwerkskunst werde ich ihn nicht messen. Ich will nur wissen, was ich darin unterbringe, wie praktisch er ist und ob er Wünsche offen lässt.

Der Rucksack hat ein Volumen von 36 Litern, der Grossteil des Aussenmaterials ist aus recycelten PET-Flaschen hergestellt und insgesamt erwartet mich Folgendes:
Dazu komme ich gleich im Detail. Doch erstmal reizen mich die äusseren Aspekte. Zum Beispiel der nicht nur optisch verstärkte Tragegriff und die stabile Bodenwanne, auf der der Rucksack leer oder beladen sicher steht. Das gut gepolsterte Rückenteil und die ebenfalls gepolsterten Trageriemen mit Brustgurt. Die grossen, auch mit Handschuhen einfach zu greifenden Zipper sowie dezent eingesetzte reflektierende Elemente. All das vermittelt den Eindruck von hoher Qualität.


Ich belade den Wenger Tool Pro im Laufe der Zeit mit dem kompletten Inhalt meines Werkzeugkoffers, einem Dremel und einem Akkuschrauber samt Case und Zubehör, meinem Laptop inklusive Zweitbildschirm und Netzteil, einer Steckdosenleiste und weiterem Kleinkram, bis die Zuladung deutlich jenseits der 20-Kilo-Marke ist.
Er knirscht und ächzt nicht. Ich knirsche und ächze weniger, als wenn ich meinen Werkzeugkoffer durch die Gegend trage. Das Ding ist mehr als solide konstruiert. Wandern geht damit wohl niemand, aber der Rucksack würde sich sicher auch auf längeren Strecken bewähren. Auf kurzen trägt er sich jedenfalls sehr gut. Einen «Trolleyriemen» für den Transport auf einem Rollkoffer hat er auch. Flughafen-Style.

Geflogen ist mein Musterexemplar noch nicht, vermutlich kam der Wenger Tool Pro mit dem Schiff. Weil’s immer ein Thema ist, wenn ein Logo mit Schweizerkreuz auf dem Produkt prangt, sei gesagt: Er ist nicht Swiss Made, sondern wird in China hergestellt.
Ziehe ich die Zipper beidseitig ganz nach unten, sieht es aus, als strecke mir der Rucksack die Zunge raus. Der nach vorne klappende Teil enthält ein grosses Reissverschluss- und ein grosses Klettverschlussfach.

Dahinter kommt das Kernelement zum Vorschein: Die herausnehmbare Werkzeugtrage mit fünf offenen Fächern sowie sechs elastischen Dreifachschlaufen oben und weiteren zehn Einzelschlaufen unten. Schwere Sachen sind besser unten aufgehoben. Dann kippt der Rucksack nicht. Ansonsten hat jeder und jede die Möglichkeit, sich entsprechend der eigenen Bedürfnisse zu organisieren. Der herausnehmbare Teil wird von Klettverschlüssen in Position gehalten und ich kann ihn am jeweiligen Arbeitsplatz aufhängen. Praktisch.

Direkt am Rücken sitzt das Laptopfach. Darin haben bis zu 17 Zoll grosse Geräte und weiteres Zubehör Platz. Ich schiebe mein Notebook in die offene Tasche und bringe davor locker meinen zusätzlichen mobilen Monitor unter. Mit den beiden 14-Zöllern ist dieser Bereich längst noch nicht voll.

Es gibt noch eine weitere elastische Tasche fürs Netzteil oder die Powerbank, dazu verbindet ein USB-C-Kabel den Innenraum mit einem fix am Rucksack verbauten Anschluss, über den die Stromversorgung selbst bei geschlossenen Fächern sichergestellt ist. So kann ich meinen Laptop oder meinen Akkuschrauber laden. Das Laptopfach ist nicht besonders dick, aber ausreichend gepolstert.

Um an das zweitgrösste Werkzeugfach zu kommen, muss ich zunächst die beiden Schnallen des Einschubfachs lösen, das zum Beispiel gerollte Kabel in Position hält und im unteren Bereich elastische Seitenelemente besitzt. Dahinter kann ich das Werkzeugfach weit öffnen, dessen Geschichte schnell erzählt ist: Es bietet zwei Taschen und vier elastische Schlaufen.
Es könnte sich lohnen, diese beiden Taschen mit längeren Sachen zu beladen, damit diese die Rückwand des Fachs stabilisieren. Das hätte vielleicht das einzige grosse Ärgernis verhindert, zu dem ich später noch komme. Im dritten und kleinsten Werkzeugfach haben ein Schlüssel (am Kunststoff-Karabiner) sowie weitere Werkzeuge in fünf nicht elastischen Schlaufen Platz.

Ganz oben, direkt vor dem Griff, ist ein kleines Hardcase eingebaut. Es bietet Platz für eine (Schutz-)Brille und ist weich ausgekleidet, sodass diese unbeschadet bleiben sollte. Auch wenn es nach oben hin, wo sich das Fach über den Reissverschluss öffnet, nicht speziell verstärkt ist. Ich müsste schon Hammerwerfer sein, um darin etwas zu zertrümmern. Die seitlichen Aussentaschen sind nicht elastisch. Eine davon hat einen Gummizug, um sie nach oben zu verschliessen. Beide sind zwanzig Zentimeter hoch und relativ geräumig – eine 1,5-Liter-PET-Flasche passt jeweils hinein.

Du merkst, dass ich mich insgesamt sehr mit dem Wenger Tool Backpack Pro angefreundet habe. Doch je häufiger ich ihn öffne und schliesse, desto mehr nervt mich ein kleines Detail: der Zipper.
Erst dachte ich, Wenger habe in diesem Punkt mit grossen, sehr soliden Zippern die perfekte Lösung. Dann dachte ich, es wäre noch nett, wenn sie abschliessbar wären. Dieses Detail fehlt bei meinem Test-Rucksack. Als ich in der Produktbeschreibung sehe, dass das Hauptfach Ösen für ein Schloss haben sollte, frage ich nach und erfahre, dass es sich bei meinem Testmodell um ein Muster aus der Vorproduktion handelt.
Wenn du ihn offiziell bestellst, musst du auch auf dieses Detail nicht verzichten. Also doch alles perfekt? Leider nein: Immer häufiger stelle ich fest, dass der Reissverschluss des Hauptfachs beim Öffnen etwas hakt und sich bereits ins darunterliegende Material gefressen hat.

Wenn die Innenfächer des Hauptfachs gefüllt sind, klappt dieses beim Öffnen auf halbem Weg nach unten. Ein Knick entsteht und an genau dieser Stelle frisst sich der Zipper immer wieder fest. Je mehr das Material ausfranst, desto nerviger wird das Problem. Ich behelfe mir, indem ich das zweite Werkzeugfach wie oben beschrieben stabilisiere und beim Öffnen vorsichtiger werde. Dadurch läuft das Öffnen und Schliessen wieder etwas runder. Aber solche Kompromisse will ich bei einem hochwertigen Marken-Rucksack eigentlich nicht machen müssen.

Der Werkzeugrucksack Wenger Tool Pro ist nicht nur für die Installateurinnen und Installateure dieser Welt nützlich. Er bietet viele Möglichkeiten, sich den eigenen Vorstellungen entsprechend zu organisieren und überzeugt mit der Materialqualität.
Vom verstärkten Tragegriff bis zur Bodenwanne, von der herausnehmbaren Werkzeugtrage bis zu den grosszügigen und durchdachten Fächern – überall macht er eine gute Figur. Ein winziges Detail kostet ihn den fünften Stern: Der Zipper des Hauptfachs frisst sich schon nach wenigen Wochen ins darunterliegende Material und beginnt zu haken.
Pro
Contra
Einfacher Schreiber, zweifacher Papi. Ist gerne in Bewegung, hangelt sich durch den Familienalltag, jongliert mit mehreren Bällen und lässt ab und zu etwas fallen. Einen Ball. Oder eine Bemerkung. Oder beides.
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