
Zeichnen und dabei Englisch lernen? Yes, bitte, mit diesem Buch!
Ein Blutgefäss zeichnen? Einen Giftpfeil? Dieses Zeichenjournal liefert 642 Aufträge gegen Langeweile und Ideenlosigkeit. Darum begleitet es mich überall hin.
An manchen Tagen fehlt mir die Inspiration zum Zeichnen. Ich versuche mir etwas Neues aus den Fingern zu saugen, skizziere schlussendlich trotzdem immer die gleichen Motive. Das Zeichenjournal von Abrams und Chronicle hilft mir nun, aus solchen Kreativitäts-Flauten herauszukommen.

Zeichnen und Wortschatztraining in einem
Ich schlage das Journal auf. Keine Einleitung, keine Vorlagen, keine Regeln. Stattdessen geht es auf der ersten Seite direkt mit dem Begriff «cupcake sprinkles» los. Ich bin ratlos: «Farben verwenden oder nur skizzieren?», «Kommt der Cupcake auch mit drauf?», «Detailaufnahme oder das ganze Objekt?»
Fragen, die ich mir selbst beantworten muss.
Und genau das regt den kreativen Prozess an: Bevor ich mich für einen Zeichenstil entscheide, muss ich mir Gedanken zu einem Motiv machen, über das ich noch nie nachgedacht habe. Nur wenn ich meine Komfortzone verlasse, kann ich diese «Aufgabe» lösen.

Das Büchlein gibt es leider (oder zum Glück?) im Galaxus-Shop nicht auf Deutsch. Viele der englischen Begriffe muss ich erst übersetzen, bevor ich sie zeichnen kann. «A thimble», «a porcupine quill», «a chin cleft» – «wat se fak?!», noch nie gehört. Als Nebeneffekt lerne ich mit und verknüpfe die Wörter mit den Skizzen.

Über die 304 Seiten verteilen sich noch weitere skurrile Zeichenaufträge wie «Löcher von einem Bücherwurm», «Ein Fussabdruck von einer Eidechse» oder «0,0000001 Prozent» (ja, sechs Nullen). Aufträge, die mich zum Schmunzeln bringen und zudem zwingen, alltägliche Gegenstände von einer Neuen Seite zu betrachten.
Das Journal bringt mich ebenfalls dazu, unterschiedliche Stile, Schattierungen oder Materialien ohne Druck auszuprobieren, denn ich weiss: Es gibt keine Vorschriften, kein Richtig, kein Falsch. Bei «Ein Taubenschlag» habe ich etwa zum ersten Mal nur mit Dotwork schattiert.

Ein Fehler ist mir dann doch unterlaufen: Ich habe auf Social Media recherchiert, wie andere die Aufgaben gelöst haben. Und war danach demütig. Darum empfehle ich dir, nicht den gleichen Fehler zu begehen. Schau weg! Glaub mir.
Kreative Ablenkung für Unterwegs
Ohne Büchlein und Stift verlasse ich das Haus nicht mehr. Mit seinen 11 mal 13 Zentimetern passt es perfekt in meine Taschen, ohne ins Gewicht zu fallen. Das Softcover aus festerem Karton schützt das Papier vor Knicken. Sobald die Langeweile in mir hochkommt, packe ich es aus und stelle mich einer kniffligen Zeichen-Herausforderung oder suche nach einem einfachen Motiv, das nicht allzu viel Hirnschmalz erfordert.

Dünnes Papier
Dass das Büchlein so leicht ist, liegt unter anderem am dünnen Papier. Der Nachteil: Während sich die Papierstärke für Blei- und Farbstiftzeichnungen ganz gut eignet, drückt die Farbe von manchen Fineliner und Markern durchs Papier auf die Rückseite. Der Pigma Micron Fineliner von Sakura zum Beispiel schlägt kaum durch, dafür ist die Tinte von Alkohol- und Stabilo-Markern fast komplett auf der anderen Seite sichtbar. Für grosse Flächen verzichte ich deswegen auf Filzer.

Trotzdem begeistert mich das kleine Büchlein. Mit jedem Sujet lerne ich dazu, ohne mich stundenlang mit dem gleichen Motiv auseinandersetzen zu müssen. Möchte ich alle Register ziehen und in einem Feld komplett in die Tiefe gehen, ist das keine Tagesaufgabe. Grösser als 11 mal 13 Zentimeter wird es nie – viel Zeit zum Verzetteln bleibt also nicht.

Wenn du durch das Journal Geschmack am täglichen Zeichnen gefunden hast, kannst du gleich weitermachen. Bald startet der Inktober: Ein Monat, bei dem Kunstschaffende jeden Tag einen Begriff in ihrem eigenen Stil erschaffen.
Fazit
Kreativitäts-Flaute? Dieses Zeichenjournal zwingt dich zum Umdenken
Pro
- Taschenformat
- spannende Zeichenaufträge
- mein englischer Wortschatz wächst
Contra
- zu dünnes Papier für Marker
Die Wände kurz vor der Wohnungsübergabe streichen? Kimchi selber machen? Einen kaputten Raclette-Ofen löten? Geht nicht – gibts nicht. Also manchmal schon. Aber ich probiere es auf jeden Fall aus.
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